„Ich habe das Buch Raum zum Schreiben genannt, weil jede Seite, jedes Kapitel eine Tür öffnet: zur Fantasie, zum Intellekt, zur Seele und zur Gefühlsebene."

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Oh, Gott!

15.07.2009


Aufgabe
Wenden Sie sich heute an Gott. Horchen Sie in sich hinein und sagen Sie, was immer Sie denken – ob Sie an eine höhere Macht glauben oder nicht oder ob Sie sich nicht sicher sind, dass es eine höhere Macht gibt. Achten Sie auf den Tonfall Ihrer Sätze. Ist er verzweifelt, verärgert, verträumt, vertraulich ?



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Leserbeiträge

1 · 2 · 3 · weiter »
Eingetragen am: 29.09.2009 von Sasha Bliss
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3642

Oh Gott! Was hast Du uns da angetan, Mit diesem Menschsein?
Man sagt Du willst Dich durch uns erfahren? Ist es das wert? Gibt es noch Gefühle die Du noch nicht erlebt hast? Wie nuanciert muss der Schmerz noch werden und um wieviel strahlender die Freude bis Du Dich auf Dich konzentrierst und uns läßt? Wie? Du meinst wir SIND DU, und DU BIST WIR? Auch ICH? Göttlich? So richtig wundervoll?? Warum erzählst Du mir das erst jetzt? Und warum bitte, quäl ich mich dann noch in diesem Job und in dieser Beziehung, wenn ich doch nach Deinem Gleichnis göttlich bin? Nein - halt! Bevor Du noch was sagst - ich habe keinen Hang zum Märthyrertum. Erfahren mag ICH mich nur in der FREUDE. Du kannst ja gern die Nummer mit den Schmerzen wählen. Mir bitte, überlass das Paradies. Herzlichst EVA


Eingetragen am: 01.09.2009 von britta khokhar
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3228

Der Glaube an meinen Allah hat mich in stark gemacht und ich bin stolz eine Moslemin zu sein


Eingetragen am: 20.08.2009 von Berthild Lorenz
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3045

Oh Gott, nun hab ich wieder ein Buch gelesen über dich! Stell dir vor, ich hab nicht mehr geglaubt, dass es dich gibt, kannst du das verstehen? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben, ham sie mir mal beigebracht, aber ich hab irgendwann beschlossen, dass sie alle nur zu feige sind, selber die Verantwortung für ihr Denken und für ihr Tun zu übernehmen und deshalb dich vors Loch schieben, verstehst du mich? Jetzt hat mir mein Kind drei Bücher über dich gegeben! Das erste hab ich verschlungen! Da steht drin, dass jeder Mensch das Göttliche ist, oder hab ich da was falsch verstanden? Kannst du mich aufklären, so, wie du den Himmel aufklärst, wenn er von Wolken verhangen ist?


Eingetragen am: 16.08.2009 von Charlotte Camboné
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2989

Ich bin Christin. Evangelische Christin....... Bin ich das?

Eigentlich nicht. Um Christin zu sein, sollte man an Christus, an Jesus von Nazareth glauben. Tu ich aber nicht. Ich kann ihn nicht als Gott sehen. Und dass ein Gott oder auch ein aussergewöhnlicher Mensch, oder wer auch immer für mich hat am Kreuz sterben müssen, damit kann ich nicht leben, und darum will ich es auch nicht glauben. Die Last wäre zu gross. .

Aber ich glaube an Gott. Das mit Bestimmtheit. An einen guten Gott, an ein Wesen, das ich nicht greifen kann, das mich aber nicht alleine lässt, das da ist. Wie ein warmer Wind in einer kalten Nacht. Wenn ich in Not bin, versuche ich, nicht darum zu bitten, dies oder jenes abzuwenden. Ich bete um die Kraft, zu tragen was getragen werden muss. Allermeistens krieg ich sie. Er hört mich also. Ich versuche, ihn nicht unnötig zu belästigen. Wenn es kleinere Sorgen gibt, wende ich mich an die, die hier auf Erden meine Freunde oder meine Familie waren, die schon gegangen sind, und von denen ich weiss, dass sie noch immer um mich herum sind, dass sie von ´dort´ für mich sorgen. Jeder meiner ´Engel´ hat seine Zuständigkeit. Und so lebe ich recht beschützt und mit wenig Angst dieses Leben. Ab und zu schicke ich ein Dankeschön, meinem Gott und meinen Engeln....sehr von Herzen und mit Dankbarkeit.

Manchmal vergesse ich es auch.


Eingetragen am: 13.08.2009 von Bärbel
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2947

gelübde
erfüllt
die tage
fromm gelebt
nicht mehr
sich-er
kennend nun
tröpfeln tage leer
und bloß
steh ich
ringend
wie jakob

-----

zieh nicht herab
den himmel
zu füßen dir
weitet sich kein blick
der sehn-sucht in
unendlichkeit


--------


wider fühlen
was längst
tat
erfüllt-es
wort
lebendig-es
wissen
wider vernunft
vertraun


-------


meinst v-ermessen
im dies-raum
wie jen-zeits
der plan


Eingetragen am: 09.08.2009 von Michele
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2832

Wie leicht nimmt man den Namen Gottes in den Mund?

Wie leicht gibt man Gott Schuld am eigenem Unglück und dem der Welt?

Wie leicht sagen die Menschen, das es keinen Gott gibt?

Fragen über Fragen und keine Antworten!

Gott gibt Halt!

Gott gibt Hoffnung!

Und Glaube gibt Kraft!

Ist es nicht egal, ob man dem Ganzen den Namen Gott, Allah, Jehova oder Lampe gibt?
Wichtig ist nur was das Herz fühlt und denkt! Wichtig ist offen durch die Welt zu gehen und die Augen nicht zu verschließen! Sicher macht es keinen Sinn Kriege zu führen,sich zu hassen und vieles mehr, aber Gott sagt nicht, das man das tun soll.Der Mensch tut all dieses!Aus Neid, einem Hang zur Macht über andere...aus Selbstsucht! Und irgendjemand muß ja Schuld sein...

Ich habe einmal den Satz gelesen,das Gott nicht dafür da ist um uns die Lasten zu nehmen, sondern um diese besser tragen zu können!

Ist da nicht wieder sehr viel wahres dran?

Eine weitere offene Frage!


Eingetragen am: 01.08.2009 von marga
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2629

Oh Gott, wo bist du wenn es kracht? Siehst du nicht was los ist in deiner Welt? Die Mächtigen machen dir deinen Posten streitig. Sie haben jetzt ein Mittel mit dem sie deine schöne Welt, sieben Tage Arbeit, in die Luft sprengen und alles vernichten können. Ist dir das egal? Naja, dir kann es egal sein, du machst dir dann einfach eine neue. Aber was wird dann aus uns? Ich meine die Mächtigen sind zwar dann auch nicht mehr die Mächtigen aber sie wissen es nicht, weil sie glauben sie wären du und sie überleben das, auch ohne deine Welt, die Irren. Kannst du da nicht mal einen Riegel vorschieben und STOP sagen, ihr seid nicht alleine auf der Welt. Wenn ihr mir meine schöne Welt zerstören wollt, dann werde ich vorher dafür sorgen, dass ihr von hier verschwindet. Wäre doch eine Möglichkeit oder nicht? Oh Gott, ich sehe schwarz wenn du nicht einschreitest. Die kriegen das nicht hin, so wie es aussieht, diese Narzisten sind nur mit sich selbst beschäftigt. Tu endlich was, wenn du deine Welt noch retten willst. Es geht mir nicht um mich, jedenfalls nicht nur. Es geht mir um die Milliarden die keine Macht haben, die leiden, die ausgebeutet und geopfert werden wie alte Autos für die es eine Abwrackprämie gibt. Du kannst doch nicht ersnthaft wollen, dass sie deine Welt in einen Leichenhof verwandeln. Steh uns bei oh Gott.


Eingetragen am: 27.07.2009 von Maria Weiss
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2539

Gott
Wegen Gott, werden Kriege geführt ,,Im Namen des Vaters!“
Gott wird ständig um Hilfe gerufen, doch, wenn man keine Hilfe mehr braucht, dann vergisst man Gott; Weiß Gott warum?
Die Menschen sind manchmal so dumm.
Doch Sie müssen an etwas Glauben und ohne Glauben, bleiben Sie stumm.
Warum? Warum?
Glauben findet im Herzen statt und nicht im Klingelbeutel der nach Geld zu klingeln hat.
Jeder kann an das Glauben, was er will, ganz still.
Niemand muss seinen Glauben aufzwingen und anderen Leuten den Kopf beschwingen.
Dankbar für alles sein, dein und mein, so wird es möglich sein,
das Leben zu leben. Fest an sich Glauben, ob mit oder ohne Gott, alles andere ist nur Spott über Gott.


Eingetragen am: 24.07.2009 von Ursula Menzel
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2459

Oh Gott

„Wo keine Bibel ist im Haus,
da sieht’s gar öd und traurig aus.
Da kehrt der böse Feind gern ein,
da mag der liebe Gott nicht sein…“

Diesen Spruch hörte ich oft von meiner Großmutter. Sie hielt es für ihre Christenpflicht, uns Kindern Gott als ein höheres Wesen nahe zu bringen. „Unserem Gott bleibt nichts verborgen“, sagte sie immer, „aber er ist für uns unsichtbar.“ Manchmal sang sie uns Lieder aus dem Gesangbuch vor. Sie und Großvater engagierten sich in der Kirche. Vater leitete den Posaunenchor, den sein Großvater gegründet hatte und war Mitglied im Presbyterium.
Als Kind stellte ich mir Gott als einen alten Mann mit langem Bart vor, so, wie ich ihn aus der Kinderbibel kannte, und glaubte, dass er dort oben im Himmel ist, und uns Menschen beobachtet. Damals glaubten wir ja auch noch an den Weihnachtsmann und an das Christkind, das uns zu Weihnachten Geschenke brachte. Gott –nur ein Kinderglaube?

Im alten Testament hatte sich Gott den Menschen, offenbart, mit ihnen geredet, ihnen Anweisungen oder Verhaltensweisen gegeben. Oft drängte sich mir die Frage auf: „Warum tut er es heute nicht mehr?“ Er hat Menschen aus Katastrophen gerettet, andererseits aber auch durch sie vernichtet. Jesus und die Apostel vollbrachten durch die Kraft Gottes Wunder. Gibt es so etwas heute noch? Und wenn nicht, warum nicht?

Zurück zu meiner Kindheit und Jugend.
Eines Tages trat mein Vater zu einer anderen Glaubensvereinigung über, da er, wie er sagte, in der örtlichen kirchlichen Gemeinschaft keine seelische Heimat fände. Er verließ uns für eine Woche, um sich fern ab von zuhause neu zu orientieren. Als er zurückkam, war er wie umgewandelt. Seine Lektüre waren nur noch die Bibel und Schriften dieser kirchlichen Vereinigung, die er dann auch in unserem Dorf verteilte. Er behauptete, er sei jetzt ein Kind Gottes und als ein von ihm erleuchteter Mensch, während er uns als Heiden oder Gottlose bezeichnete. Entsprechend streng und kompromisslos ging es zuhause zu. Mutter hingegen, hielt an der kirchlichen Tradition ihrer Eltern fest. So wurde sie von ihnen immer wieder ermahnt: „Du gehörst zu uns in die Kirche und nirgends anderswo.“ Ebenso genau hielt sie es mit dem vierten Gebot. So hatte das Wort ihrer Eltern oberste Priorität.
Wenn wir uns zu Tisch setzten, sprach Vater das Tischgebet. Das konnten wir noch nachvollziehen. Dass uns Vater aber in einem Gartenlokal lautstark aufforderte, ein Tischgebet zu sprechen, wenn wir unser Butterbrot aßen und eine Brause dazu tranken, empfand ich als reichlich übertrieben. Beschämt faltete ich meine Hände unter dem Tisch. Ich hatte das Gefühl, von tausend Augen angestarrt zu werden, und konnte anschließend keinen Bissen herunterschlucken.
Wir Kinder waren inzwischen zu Teenagern herangewachsen und frönten unserer Idole, die wir aber auf keinen Fall preisgeben durften. Es gab einen Mordskrach, wenn Vater Fotos unserer Lieblingssänger bei uns entdeckte. „Das ist Götzendienst“, schrie er uns an. Wir mussten dann die Bilder vor seinen Augen vernichten, oder er zerriss sie selbst und warf sie in den Mülleimer. Dennoch tauschten wir auf dem Schulhof Bilder unserer Lieblingsschauspieler und versteckten sie zuhause an einem Ort, wo wir glaubten, Vater fände sie nicht. Meine Schwester hatte sich von ihrem Taschengeld ein kleines Transistorradio gekauft und hörte abends unter der Bettdecke ihre Lieblingsmusik. Ich hingegen schlich mich, ungeachtet der Folgen, jeden Sonntagnachmittag zur Oma ins Wohnzimmer, wo ich heimlich, das Ohr dicht am Lautsprecher, die Hitparade von Radio Luxemburg hörte. Wenn wir Musik hören wollten, dann sollte das nur zum Lobe Gottes sein. Alles andere war streng verboten. Jeden Sonntag mussten wir in die Kirche. Vorher hielt Vater noch eine Hausandacht. Der Sonntag sollte allein Gott gewidmet sein. Eigene Interessen wurden hinten angestellt. In der Kirche saß Vater in der ersten Bank unter der kleinen Empore, bei den Kirchenältesten. Ich nahm vorn in den Bänken Platz, die für die Konfirmanden reserviert waren. Oft fühlte ich mich von Vaters strengen Blick beobachtet, was mich verunsicherte. Es war üblich, dass wir Konfirmanden nach dem Gottesdienst Gemeindeblätter verteilen mussten, die einer der Presbyter an uns ausgab. Diesmal war Vater an der Reihe. Nun waren Sommerferien, und viele Mitschüler zu Verwandten verreist. Als Vater merkte, dass etliche Schüler am Verteilen der Gemeindeblätter verhindert waren, geriet er aus der Fassung. Er schrie uns Konfirmanden an: „Das ist Dienst für Jesus, davor könnt ihr euch nicht drücken!“ Ich wäre am liebsten vor Scham in der Erde versunken. Immerhin war mein Vater mittlerweile für seine Unbeherrschtheit und seinen Fanatismus in unserem Dorf bekannt, und somit waren auch wir bei unseren Mitschülern nicht gerade beliebt.
Oft hörten wir Kinder, wenn sich unsere Eltern stritten, wenn die donnernde Stimme unseres Vaters die Argumente meiner Mutter übertönte. Dabei ging es ausschließlich um das Thema Gott und Glauben. „Das Weib schweige in der Gemeinde“ oder „die Frau sei dem Manne untertan.“ Vater hielt sich genau an diese Regeln.
Mutter weinte sich oft bei ihren Eltern aus, worauf Großvater dann meinem Vater zur Rede stellte, und der Familienstreit eskalierte. Vater hatte nicht nur die Familie gegen sich, sondern auch den Posaunenchor, das Presbyterium und den Pfarrer. Das aber schien ihm wenig auszumachen. Er ging seinen Weg – schnurgerade und ohne Rücksicht darauf, andere zu verletzten.

Als ich neunzehn war, kam mein Bruder zur Welt. Mutter war darüber verzweifelt. Nein, sie wollte dieses Kind nicht, weil Vater es ihr aufgezwungen hatte. Ihre Ehe war schon lange in ihren Fundamenten zerrüttet. Es gab kein liebes Wort mehr zwischen den Beiden, nur noch Debatten und Auseinandersetzungen um Gott und Glauben. Nun aber dieses Kind, das sie gegen ihren Willen bekommen hatte und groß ziehen musste. Vater wandte sich nun verstärkt seiner Gemeinde zu, bei der er den ganzen Sonntagnachmittag verbrachte. Zuhause verschwand er dann in seinem Separee und studierte christliche Schriften. Für die Familie war er kaum noch anwesend. Seine Erziehung bestand mehr darin, Mutter Anweisungen zu geben, wie sie seinen Sohn zu einem guten Christen zu erziehen hatte. Eine Taufe in der heimischen Kirche kam für ihn nicht in Frage. Zu diesem „Heidenvolk, Heuchlern und Sündern“, wie er die Gemeinde nannte, sollte sein Sohn nicht gehören. Natürlich drängten meine Großeltern darauf: „Der Junge muss getauft werden.“ Der Spagat zwischen der Meinung ihrer Eltern und der Forderung ihres Mannes zehrte an Mutters psychischer Kraft. Schließlich gab sie ihren Eltern nach und ließ den Jungen ohne Wissen meines Vaters zu hause taufen. Die Kunde sprach sich im Dorf herum. Eines Tages flatterte ein Brief herein. Es war die Bestätigung des Kirchenaustritts meines Vaters. Ein gemeinsamer Weg wurde nicht mehr gefunden. Jeder lebte nach seiner Fasson. Die Ehe meiner Eltern war nur noch eine gegenseitige Versorgung, ohne Liebe und ohne Gemeinsamkeit.
Längst waren wir Mädchen flügge geworden. Was aber gab es schon in unserem Dorf für junge Leute? Zu Tanzveranstaltungen durften wir nicht. „Auf solch weltlichen Zusammenkünften kommt ihr nur unter die Räder“, so Vaters Argumente. Kino – war ebenso weltlich und verdarb nur den Charakter.
Der Zufall wollte es, dass meine Großeltern väterlicherseits von Buenos Aires für zwei Jahre nach Hamburg zogen. Hamburg war für uns Dorfkinder eine Sensation. Ich brannte darauf, sie dort ein paar Tage zu besuchen und die Großstadt kennen zu lernen. Das hatte einen fürchterlichen Familienkrach zur Folge. Während Vater strickt dagegen war, uns in „dieses Milieu“ fahren zu lassen, versuchte sich Mutter für uns einzusetzen. Zum Glück hatten wir auch noch die Fürsprache unserer Großmutter aus Hamburg. So fuhr ich, gerade siebzehn, mit meiner zwei Jahre jüngeren Schwester nach Hamburg. Wie oft hatte uns Vater ermahnt: „Kommt mir bloß nicht mit einem Kind nach Hause.“ Nein, Vater hatte kein Vertrauen zu uns.
Diese Zeit in meinem Elternhaus hatte mich geprägt, und ich begann an Gott zu zweifeln. War es ein Segen Gott auf seiner Seite zu haben? Ich hatte es anders erlebt.

Auf einer Busreise, bei der uns Großmutter begleiten musste, lernte meine Schwester ihren späteren Mann kennen. Sie fasste die Gelegenheit beim Schopf und zog schnell aus dem Elternhaus aus.
Ich war jenseits der zwanzig als ich begann, meinen eigenen Weg zu bahnen. So meldete ich mich in unserem Dorf zur Fahrschule an, fest entschlossen, mir einen fahrbaren Untersatz zuzulegen. Meine Eltern wussten von diesem Vorhaben nichts. Aus der Vergangenheit hatte ich gelernt, meine Pläne besser nicht kund zu tun. So setzte ich sie einfach in die Tat um. Nun war ich mobil und fuhr zu Veranstaltungen, die ich früher nie hätte besuchen können. In meiner Mittagspause fuhr ich von Bad Oeynhausen, wo ich arbeitete, nach Minden und meldete mich in der Volkshochschule zum Russischkurs an. Und eines Tages buchte ich eine vierzehntägige Reise nach Russland – natürlich ohne Wissen meiner Eltern und Großeltern. Es wäre mir lieber gewesen, ich hätte es ihnen mitteilen können, aber ich fürchtete den Gegenwind, und so verschwieg ich es so lange ich es eben geheim halten konnte.

Einige Jahre später lernte ich meinen Mann kennen und zog zu ihm ins Sauerland. Ich erinnere mich an unser Traugespräch mit dem Pfarrer. So hatte ich ihn gebeten, den Passus „Die Frau sei dem Manne untertan“ aus der Traupredigt wegzulassen. Ich hatte genug in meinem Elternhaus erlebt. Stattdessen hieß es: „Vor Gott sind alle Menschen gleich, Juden wie Griechen, Mann wie Frau.“ So basierte unsere Ehe auf der Ebene der Partnerschaft und der gegenseitigen Achtung. Auch mein Mann war in seinem Kirchenkreis aktiv tätig. Er war Mitglied im Bläserchor, und wir Frauen bildeten einen Flötenkreis. In der Adventszeit gaben wir Konzerte in den umliegenden Kirchen. Dennoch, das Thema „Gott und Glaube“ wurde in unserer Ehe nie angesprochen. Ebenso wenig konnte ich meinen Kindern von Gott erzählen oder mit ihnen beten. Später zogen wir nach Berlin, wo ich sie in den Religions- bzw. in den kirchlichen Unterricht schickte, und hoffte, sie haben dort etwas mitbekommen, das ich ihnen nicht geben konnte. Sie wurden in der Martin-Luther-Gemeinde Neukölln konfirmiert.

Unsere Ehe währte fünfunddreißig Jahre, als mein Mann – viel zu früh – an einem Krebsleiden verstarb. Ich begleitete ihn auf seinem letzen Weg mit Hilfe einer Hauskrankenpflege. Viele Stunden verbrachte ich an seinem Sterbebett und hielt ihm die Hand. Es war das einzige, was ich noch für ihn tun konnte. Kurz vor seinem Tod – die Pflegerin meinte, er sei nun auf dem Weg – sagte er plötzlich: „Der Mann hinter mir, der ist klasse.“ Erst jetzt begriff ich: „Es gibt einen Gott, der hinter uns steht.“ Jetzt, an seinem Sterbebett konnte ich beten und nahm auch die Bibel zur Hand, die mein Mann zuvor für uns gekauft hatte.
Erst jetzt – nach mehr als fünfzig Jahren.


Kommentar von marga

Hallo Ursula, ich bin sehr gerührt. Die Fehler und Vergehen unserer Eltern bzw. Erzieher beruhen zwar nur zum Teil auf deren eigener schlechter Erfahrung (aus der sie nichts gelernt haben), aus dem Unwissen bzw. Gehorsam zu dem sie erzogen wurden (dann muss man sich auch nicht selbst verantwortlich fühlen)und vielleicht auch aus Absicht. Auch wenn wir niemals vergessen können, denn es hat unser Leben geprägt, können wir versuchen uns selbst damit zu versöhnen, besonders wenn eine Klärung mit den "Tätern" nicht möglich ist. Dabei kann Gott uns helfen, indem wir ihn darum bitten das zu übernehmen für uns.

Eingetragen am: 01.08.2009

Kommentar von Hadassa

Hallo Ursula, Dein Text hat mich erschüttert. Es tut einem weh, wenn man liest, wie Menschen in ihrem Fanatismus das Leben anderer Menschen zerstören. Schön, daß man es bei Dir nicht geschafft hat. Ich wünsche Dir Mut beim Weiterlesen und Weitergehen. liebe Grüße Hadassa

Eingetragen am: 26.07.2009

Eingetragen am: 23.07.2009 von Sigrid Leister
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2432

Oh, Gott
Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her.
Ich weiß nicht wer diesen Satz geprägt hat, aber ich würde ihn gerne fragen woher er die Weißheit hat. Bestimmt nicht von Gott. Es sind doch mehr menschliche Attribute, die dort gewählt wurden und von Hoffnung und Zuversicht sprechen.
Doch was ist wenn Hoffnung und Zuversicht aufgebraucht sind?
Dann möchte man die Verantwortung für das Leben gerne an Gott abgeben. Der hilft bestimmt. Aber wie soll er das tun? Vielleicht ist er zur Zeit in Urlaub oder seine Bittsteller Annahmestelle ist nicht, oder von einem AZUBI besetzt, der mit der ihm übertragenen Aufgabe überfordert ist. So heißt es auch:" Hilf dir selbst dann hilft dir Gott."
Das kann irgendwie auch nicht stimmen, denn ich helfe mir seit fünf Jahren selbst und warte immer noch, das Jemand mit einem Licht vorbei kommt oder mir schlicht unter die Arme greift.
Und doch träume ich oft davon dass dort oben jemand ist, der mich nicht alleine läßt und über mich wacht. Das gibt mir Trost. Ich will jetzt mein finsteres Tal verlassen.
Das kleine Quentchen Glück fehlt mir noch dazu.
Also versuche ich wieder einmal mit ihm zu reden.

Hallo du Gott da oben, ich hoffe das du aus dem Urlaub zurück bist und jetzt neu gestärkt an deine Arbeit gehen kannst.
Ich bin die oberste Priorität auf deiner Wunderliste, denn ich brauche eins und das ziemlich schnell und wenn ich eins deiner Kinder bin, dann schlag mir dieses Wunder nicht ab, denn es ist der Lohn für 36 Jahre Schwerstarbeit. Sollte sich das Wunder nicht fristgerecht ( am Besten gestern ) doch erwünscht gleich einstellen, so werde ich keine Kosten und Mühen scheuen jede Sekunde wieder vorzusprechen, bis du mein Gesicht erkennst und mir lächelnd das Wunder gewährst.
In diesem Sinne verbleibe ich voller Freude auf das Wunder wartend Deine Tochter


Eingetragen am: 23.07.2009 von Thomas Gohlke
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2430

In der Zeit als ich noch im Gefängnis wegen fahren ohne Fahrerlaubnis saß, hatte ich keine Kraft mehr mein Leben zu organisieren. Da waren meine Wohnung, die bezahlt werden musste, meine Tochter, die ich jeden Monat sehen wollte, mein Reiterhof, meine Tennisanlage und so weiter.
natürlich war mein Verkehrsvergehen keine schlimme Tat, deswegen kam ich auch in den offenen Vollzug. Doch die Justiz brummte mir neben meiner Selbständigkeit noch acht Stunden Arbeit in einer Schule als Hausmeister auf! Nach der Schule fuhr ich quer durch Berlin um meine Geschäfte aufrecht zu erhalten. Wenn ich Glück hatte durfte ich am Wochenende raus um meine Tochter zu sehen. Ich hatte einen vierzehn bis sechzehn Stunden Arbeitstag. An einem Wochenende hatte ich starke Herzschmerzen, war am Ende. Ich saß in der haft und fand im Papierkorb eine Zeitung. auf den Mittelseiten stand das "VATER UNSER"! Ich lernte es Auswendig, schaden konnte es nicht dachte ich. Ich betete jeden Abend das "Vater Unser" und flehte nach Kraft und Gesundheit. Es ging mir besser und die letzten fünfzehn Monate haft vergingen im Fluge!
Ich bin nicht getauft und gehöre keiner Religion an. Doch heute, fast fünf Jahre später, bete ich immer noch, es kann nicht schaden!


Kommentar von Hadassa

Hallo Thomas, das ist ein sehr nachdenklich machender und nachdenkenswerter Text. Schön, daß Du diese Erfahrungen mit Gott gemacht hast. Ohne dich missionieren zu wollen: um an Gott zu glauben, muß man nicht getauft sein und man muß auch nicht Mitglied einer Kirche sein. lg Hadassa

Eingetragen am: 24.07.2009

Eingetragen am: 21.07.2009 von Katharina M
[ Lesezeichen ]

2409

- Oh Gott! Nicht schon wieder!


- Ja bitte?

- Nein, das kann nicht sein, das hab ich jetzt nicht gehört, ich spinne wohl...

- Das hast Du gesagt.

- Hallo, hallo! Ist da wer?

- Ja, sicher. Das muss Dir doch klar sein.

- Ähm. Ja. Also ich ahne wohl... Verstehe ich richtig? Sind Sie Gott?
- Du kannst ruhig Du sagen. Machst Du doch schon seit Jahren.
- Also ich... Na gut. Also Du, Gott, ich Mensch.
- Genau.
- Sag mal, hast Du dann etwa IMMER ALLES gehört?
- Natürlich, ich bin ja nicht taub.
- Ach herrje, das ist mir jetzt aber peinlich.
- Das kannst Du ruhig sein lassen. Nützt jetzt wirklich niemandem mehr. Und so schnell ist mir nichts peinlich, was Dich betrifft.
- Ja? Das klingt nett. Du klingst sowieso nett.
- Ich klinge so, wie Du mich hörst.
- Aha. Das heißt, wenn ich Angst vor Dir habe...
- Klinge ich beängstigend.
- Da hab ich ja heute wohl mal total Glück gehabt.
- Ja, das hast Du Dir vorgenommen.
- Hängst das denn von mir ab?
- Sicher, alles hängt von Dir ab. Das sag ich Dir im Stillen schon seit einigen Jahren, aber bisher wolltest Du davon nichts hören.

- Das ist aber auch der Hammer. Na gut. Ich höre heute mal richtig gut zu...
ausnahmsweise!
- Also, dann fang ich mal an:

Es war einmal eine Seele, die wollte Mensch werden....


Kommentar von Lillilu

Darf ich hier mein Lieblingszitat aus dem Talmud einstellen - es passt gut zu deinem Dialog. Aus dem TALMUD: Gib auf dich acht Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlung. Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheit. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden Charakter. Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal. LG Lillilu

Eingetragen am: 22.07.2009

Eingetragen am: 21.07.2009 von F.M. Christians
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2399

"Woher willst du dann wissen, was moralisch richtig ist?" Lisas Wangen röteten sich vor Eifer. "Ich meine die Menschen müssen doch wissen, wonach sie sich richten sollen."
Lena folgte mit ihren Augen dem akrobatischen Flug einer Libelle. Sie und ihre Freundin Lisa saßen an ihrem Lieblingsplatz, einem alten Tümpel, in dem es von Leben nur so wimmelte. "Du hältst es für wünschenswert, dass es eine allmächtige Entität gibt, die allein darüber bestimmt, was Moral ist?"
Lisa nickte.
"Ist eine Moral, die auf den Willen eines einzigen Wesens zurückgeht, nicht beliebig!" Lena sah an den Augen ihrer Freundin, das sie nicht verstand und fuhr fort. "Nach deiner Argumentation ist immer das gut, was Gott befiehlt. Wenn dieser Gott also beschließt, das es gerecht ist, ein bestimmtes Volk zu vertreiben oder zu vernichten, dann wäre das moralisch korrekt."
"Aber das würde er ja nicht tun!" Lisa runzelte die Stirn. Wie konnte Lena so etwas nur denken.
"Er?"
Verwirrt blickte Lisa die Freundin an.
"Heißt es nicht, du sollst dir kein Bild von Gott machen?"
"Das tue ich ja auch nicht?" Lisas Empörung war echt.
"Wenn du dir Gott als Mann vorstellst, machst du dir kein Bild?"
"So ist halt der Sprachgebrauch!" Lisa wippte ungeduldig mit dem Fuß. "Darum geht es ja jetzt auch nicht. Er... Gott würde soetwas nicht tun, weil es nicht richtig wäre."
"Woher willst du wissen, dass dein Gott seine Meinung darüber, was richtig und falsch ist, nicht ändert? Wenn dieses Wesen allmächtig ist, dann kann es das tun und niemand kann beurteilen, warum." Lena seufzte lautlos. Warum nur musste Lisa immer wieder mit diesem Thema anfangen.
"Gut ist gut!", trozig schob Lisa ihr Kinn vor. "Das ändert sich nicht!"
"Wie kannst du das wissen, wenn die Definition einzig vom Willen dieses Gottes abhängt?"
"Weil..."
"Weil dir einige Bücher das erzählen? Oder Experten im Priestergewand?"
"Wie sähe die Welt wohl ohne Gott aus?"
"Ohne Religionskriege? Ohne Vorbehalte gegen medizinische Forschung? Ohne Absolutheitsanspruch, der Wurzel aller Intoleranz?" Lena lachte zynisch. "Ohne das Verbot der Verhütung, wäre zumindest die Überbevölkerung weniger dramatisch!"
"Du glaubst die Menschen wären besser dran ohne Gott? Woher soll die Moral kommen, wenn nicht aus der Religion?"
"Aus Einsicht und Konsenz!" Lena warf einen Stein ins Wasser. "Handle einfach so, dass du keine Angst haben musst, wenn dein Nachbar die Richtlinien deines Handelns zu seinen eigenen macht.!"


Kommentar von Elisabeth Becker

Besonders dein letzter Satz in dem Text besorgte mir eine gehörige Gänsehaut. Damit formulierst du ja die wunderbare goldene Regel, die Jesus damals formulierte. Wenn mich jemand fragen würde, wieso denn Gott nicht seine Meinung wechseln kann, sondern durch alle Zeit hindurch die gleiche Grundmeinung haben sollte, dann würde ich ihm antworten: Weil alles, was im geistigen Bereich sich abspielt, genau wie die gesamte Materie auf festen Gesetzmäßigkeiten beruht, wobei nach näherer Betrachtung jedes Gesetz des geistigen und emotionalen Bereichs das nächste Gesetz bedingt oder bestätigt. Änderst du, oder ändert Gott als Beispiel, auch nur ein Glied in dieser Kette, also eine "Meinung", so entsteht ein destruktiver Dominoeffekt. Und daher ist Gott ja der Ursprung aller Gesetze, zu denen sowohl die Gesetze des Geistes wie die der Materie und die Gesetze jeder von uns Menschen evtl. noch nicht wahr genommenen Dimension gehören. Liebe Grüße Lilly

Eingetragen am: 21.07.2009

Eingetragen am: 21.07.2009 von Lillilu
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2386

Dies ist ein neuer Text für "Die Redelsheimer". Wer mehr dazu lesen möchte, kann in 1Roman in einem Jahr unter meinem Namen oder unter #14159, 14674, 13627 (u.a.) nachlesen. Mit der Bitte um eine Textkritik. LG Lillilu

Gleich am zweiten Tag hatte er in der Hamburger-Kaserne Quartier beziehen müssen, während Elsa in die Kleine Festung kam. Wieder nur Matratzen auf dem Fußboden, neben vierzig anderen Männern. Matratze, Koffer und Rucksack, um es sich wohnlich zu machen. Nur eine Wolldecke hatte man ihm gelassen, und in den Nächten war es schon sehr kalt. In dieser ersten Woche in Theresienstadt versuchte er, sich zu orientieren, Überlebensstrategien zu entwickeln. Wann und wo wurde Essen ausgeteilt, wo gab es Toiletten und Waschräume?

Aber er verlor jeden Tag ein Stückchen seiner Kraft. Fieber und Kopfschmerzen stellten sich ein und ein unstillbarer Durst. Wo war Elsa, wie ging es ihr? Nachts, wenn der Gestank und die Geräusche der Männer um ihn herum am schlimmsten waren, lag er mit offenen Augen da und wurde in die Vorwürfe, die er sich selbst machte, wie in einen Sog gezogen. Trockener Mund, aufgeplatzte Lippen. Schmerzen im Unterleib. Was hatte er falsch gemacht? Bestrafte ihn Gott hier?

Es war alles umsonst gewesen. Seine Arbeit, die Firmen, die er aufgebaut hatte, sein guter Name als Innenausstatter und Möbeldesigner – alles war ihm genommen worden. Wären sie doch 1935 ausgewandert, als Martha mit Max und Lilli Deutschland verließen.

In der Woche danach setzte der Durchfall ein: kleine, rote Flecken übersäten seine Haut, er wurde in das Siechenheim in der Jäger-Kaserne gebracht. Und blieb dort in seinem eigenen Schmutz liegen. Um ihn herum stöhnten Menschen, riefen nach Gott und nach ihrer Mutter. Ein Rabbi kniete bei dem Sterbenden auf der Matratze neben ihm. Das Kaddisch wurde leise gemurmelt (kursiv) Jitgadal w’jitkadas, Schm’meh rabah, b’Alma di hu Atid I’it’chadata. (kursiv Ende) Würde der Rabbi auch zu ihm kommen? Er, der schon lange seinen mosaischen Glauben abgelegt hatte? Der seit seiner Kindheit nie mehr in die Synagoge gegangen war? Ein heftiger, reißender Schmerz durchzuckte seinen Bauch, eine tiefe, abgrundtiefe Übelkeit schüttelte ihn und trug ihn fort, aus seinem Körper hinaus. (kursiv) Nichts bleibt, außer meinen Gefühlen, meinen Erinnerungen und den Bildern in mir. Den letzten Weg geht man allein.(Kursiv Ende) Wie im Flug, leicht und taumelnd vor Freiheit und Glück sieht er sich mit der Familie in Sacrow am Wasser sitzen, sieht Elsa, die auf dem Anhalter Bahnhof auf ihn zuläuft, überglücklich und erwartungsvoll, und immer wieder in einer Collage von Bildern und Gefühlen die Häuser, an denen er gearbeitet hat, die Intarsienverkleidungen des Stadttheaters in Bremerhaven, das Café des Westens auf dem Kurfürstendamm und die Wandelhalle des Haus Cumberland. Er fühlt ihre polierten Mahagoni Oberflächen unter seinen Händen. Elsas Hand berührt ihn, er streicht über Lillis wilde Locken. Ja, er wird sie alle wieder sehen. Er würde dieses Leben sogar noch einmal leben – es war ein gutes Leben gewesen. Voller Liebe, Schönheit und Arbeit, auch ohne Gott.

Am Morgen kam eine Krankenschwester und wickelte ihn in sein Laken, damit er in die Leichenhalle getragen werden konnte. Meldete der Verwaltung die Anzahl der in der Nacht Verstorbenen und deren Namen, auch den von Paul Jakob Redelsheimer


Kommentar von Lillilu

@Hadassa: Ich bin erleichtert, dass du die Dinge so siehst, schöne bekannte Unbekannte. Das baut mich auf. @Johanna 31: Danke für deine guten Wünsche. Alles Liebe von lillilu

Eingetragen am: 29.07.2009

Kommentar von Hadassa

Hallo Lillilu, im letzten Jahr haben wir atemlos die einzelnen Textpassagen deines angehenden Romanes verfolgt - auch dieser Teil macht betroffen. Ich finde ihn in seiner - wie du es nennst - Kargheit gelungen. Ja, mir erscheint es, daß zu viele Worte gerade hier zu viel wären. Weiterhin viel Erfolg bei Deinem Projekt. liebe Grüße Hadassa

Eingetragen am: 27.07.2009

Kommentar von johanna31

Liebe Lillilu. Ich danke dir für deinen Kommentar vom 23. 07. 2oo9. Ich bin froh, das du diese schreckliche Zeit beschrieben hast. Wer diese Zeit nach 1945 nicht erlebt hat, kann sich nicht vorstellen, was Menschen anderen Menschen antun können. Der Krieg war zu Ende, wir waren glücklich, das keine Bomben mehr vom Himmel fielen, aber für uns Deutsche in Tschechien Begann ein Martyrium. Ich wünsche dir Glück für dein Buch und das es ein Bestseller wird. Liebe Grüße Johanna31

Eingetragen am: 25.07.2009

Kommentar von Lillilu

Noch ein paar Worte zu Theresienstadt, da sicher auch andere Leser meinen, es hat da ausgesehen wie in Auschwitz. Es war ein Durchgangslager auf dem Weg in den Osten, sprich in die körperliche Vernichtung. Eine mittelalterliche Kleinstadt, aus der die tschechischen Bewohner ausquartiert wurden, damit hier die zu Ermordenten untergebracht werden konnten. Erst im Januar 45 wurde eine Gaskammer aufgebaut, die dann nicht mehr eingesetzt wurde. Hitler ließ den Film „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ dort drehen und bluffte das Internationale Rote Kreuz. In Theresienstadt starb man an Hunger, Typhus und Demütigungen. Die Berliner „Alterstransporte“ gingen nach Theresienstadt (in normalen Personenzügen!) und Paul starb 3 Wochen nach seiner Ankunft - nach jahrelanger Schmach und nach der Trennung von seiner geliebten Elsa. Die Infrastruktur dieses Horrorortes wird bei der Ankunft im Lager beschrieben und ebenfalls nach Pauls Tod. Darüber lasse ich mich hier nicht weiter aus, sonst könnte ich es gleich lassen, das Buch zu schreiben. Aber vielleicht kann man es akzeptieren, dass die Realität nicht immer mit den Abziehbildern, die man im Kopf hat, übereinstimmt? Ist es nicht erfreulich, etwas Neues in einem Text zu erfahren? Und die Regel „Show don’t tell“ darf nicht dazu führen, dass ich meinen Stil der Kargheit ändere. Wonach soll es schon im Siechenheim riechen, wenn alle Durchfall haben, hm? Also bitte, ja! Ich kann nur solche Leser berühren, die sich selbst ihre Bilder nach nur wenigen Andeutungen formen können. Wer mehr braucht, sucht seine Gefühle besser bei einem anderen Genre. Knurrig, Lillilu

Eingetragen am: 24.07.2009

Kommentar von Lillilu

@Angela: Ja, alle Gebäude sind nach deutschen Städten benannt. Wie Elsa von seinem Tod erfährt muss ich mir noch erarbeiten. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt über Leben und Sterben in Theresienstadt. In der Folge wird Elsa dort noch 2 Jahre "leben" bevor sie in ein Vernichtungslager deportiert wird. @ Metta: Ja, ich habe gründlich recherchiert. Es ist alles so beschrieben, wie es war. Theresienstadt ist anders gewesen als die Vernichtungslager. Aber das weißt du ja mit deinem Hintergrundwissen. Und der Tenor dieser Sterbeszene ist so wie ich es möchte. Sachlich, einsam, mit einem stillen Flug über sein Leben. LG Lillilu

Eingetragen am: 24.07.2009

Kommentar von Angela Barotti

Ein einsamer Tod, da um ihn herum nur Fremde sind, die ebenfalls dem Tod in die Augen sehen. Vertrautes gibt es nur noch in der Erinnerung: Menschen, Häuser./Mich hat zu Beginn die Hamburger-Kaserne irritiert, da ich sofort die Handlung im Geiste in diese Stadt verlagert hatte. Erst später hat sich mir erschlossen, dass anscheinend die Gebäude in Theresienstadt mit diesen Namen bezeichnet werden./Wie mag Elsa wohl vom Tod ihres Mannes erfahren haben?

Eingetragen am: 22.07.2009

Kommentar von Metta

Hallo Lillilu, ich nehme an, Du hast gründlich recherchiert. War die Ausstattung und Behandlung in Theresienstadt so anders als in anderen KZs? Ich kenne von Besichtigungen keine Matratzenlager, sondern doppelstöckige, dicht aneinander gestellte Holzpritschen, auf denen die Häftlinge so eng beieinander lagen, dass es nur möglich war, sich mit allen anderen gemeinsam umzudrehen. Diese körperliche Enge gehörte für mich unbedingt beschrieben. Musste das Gepäck musste nicht schon bei der Deportation abgegeben werden? War der Tagesablauf mit Nutzung des Donnerbalkens und Essensausgabe nicht genau vorgegeben, so dass Paul sich diese Informationen nicht selbst besorgen musste? Die Beschreibungen bleiben mir zu allgemein, Du schreibst von Menschen und Männern, aber nicht von konkreten Personen, die Paul wahrnimmt. Wie fühlen sich Fieber und Kopfschmerzen und Durst an? Wonach stinkt es, was sind es für Geräusche? Mit den beruflichen Fakten nimmst Du die Perspektive eines außenstehenden Erzählers ein, und die ist sachlich und vermittelt nicht das Grauen, das Paul erleben muss. Haben tatsächlich die Krankenschwestern die Leichen "entsorgt" und sogar noch in ein Laken gewickelt? Meines Wissens mussten das oft Häftlings-Sonderkommandos erledigen, und die haben die Toten nackt oder so wie sie gerade bekleidet waren auf Karren gestapelt. Auch hier bleibst Du in der Formulierung allgemein. Du vermittelst Informationen, aber keine Bilder. Oder hast Du den Text bewusst sachlich gestaltet? Ohne das Hintergrundwissen, das ich habe, berührt er mich nicht. Liebe Grüße, Metta

Eingetragen am: 22.07.2009

Kommentar von Gerti

Liebe Lillilu... so ist es! Klare und deutliche Gedanken und Bilder in den letzten Augenblicken des "bewussten" Sterbens. Hat mich sehr berührt. Schön Dich hier wieder zu lesen! LG Gerti

Eingetragen am: 21.07.2009

Eingetragen am: 20.07.2009 von Arrisull
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2372

Oh Gott, wie kannst du es nur zulassen ?

Wie kannst du es nur zulassen, dass ich mein Leben so lebe wie ich es tue. Ich weiß, dass ich dich nicht dafür anklagen sollte, da ich über mein Leben bestimme. Ich bin es und das ist mein Glaube an mein Leben, aber du bist es der die Strippen zieht. Du hast die Fäden in der Hand und du bestimmst in welche Richtung ich laufe. Egal wie ich mich wehre, mich verrenne, mich beklage - du führst mich dennoch aus der Dunkelheit, in die du mich gebracht hast, und lässt mich nicht dort nicht allein.

Doch musst du Herr mich in solche Situationen führen ? Hab ich nicht das Recht ein freies und sorgloses Leben zu führen ? Muss ich all diese Prüfungen bestehen ? Muss ich erst verlieren um gewinnen zu können ?

Ich habe Angst zu verlieren, denn es würde mir das Herz brechen, wenn ich das Licht nicht mehr wiedersehen würde.


Kommentar von Mara

Hallo Arrisull, Glaube und Zweifel stehen so dicht beieinander. Ich finde, dass das in deinem Text sehr gut zum Ausdruck kommt. Liebe Grüße Mara

Eingetragen am: 21.07.2009

Eingetragen am: 19.07.2009 von Lilli Bernstein
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2362

"Mein Sohn"

Ich werde nie vergessen, wie du auf die Welt gekommen bist. So rein, so unschuldig, aber voller Probleme.
Der besorgte Blick der Hebamme auf dich, mein Sohn, machte mir nicht sofort Angst. Nein, bestimmt nicht.
Ich fühlte mich nicht gut, wenn ich an meine große Sehnsucht dachte. Sechs Töchter sind viel. Ich war besessen von dem Gedanken, einen Sohn zu zeugen.
Ich hörte nicht hin, als der Arzt meiner Frau sagte, dass es gefährlich wäre. Ich hörte nicht hin, als die Frauenärztin auf dem Ultraschall Unregelmäßigkeiten beim Herzschlag feststellte.
Ich hörte es nicht, weil ich es nicht hören wollte.
Und nun hält dich die Hebamme in den Armen. Ihr Blick senkt sich. "Er wird noch eine Stunde leben."
Ich fühle das Kloß in meinem viel zu dünnem Hals. Mir ist übel.
Ich will dich nur halten, deinen feinen Atem hören und Gott danken, dass er mir eine Stunde mit dir geschenkt hat.
Ich hatte einen Sohn, für eine Stunde. Ja, ich danke Gott dafür, sonst werde ich wahnsinnig vor Trauer und Zorn. Es würde mir das Herz zerreißen, wenn ich Gott nicht danken würde.
Gott fängt mich auf. Ohne ihn würde ich auf einem Seil tanzen, ohne ein Netz zu haben.
Mein Sohn, du schließt deine Augen. Dein letzter Atemzug, er ist getan. Dein Herz steht still.
Ich falle und falle in das Netz. Ich spüre den Aufprall. Er ist weich. Mein Sohn, du bist so wunderschön.


Kommentar von Lilli Bernstein

Herzlichen Dank für Eure Kommentare.

Eingetragen am: 23.07.2009

Kommentar von Angela Barotti

Sehr berührend und zu Herzen gehend. Nur der „dünne“ Hals hat mich irritiert, da er einen Stimmungsbruch bei mir verursacht hat. Automatisch hatte ich mich auf die Optik des Halses konzentriert und wurde dadurch abgelenkt.

Eingetragen am: 22.07.2009

Kommentar von Mara

Hallo Lilli, dein Text macht so traurig und doch steckt Hoffnung darin und Trost. Du hast die Athmosphäre gut eingefangen. Liebe Grüße Mara

Eingetragen am: 21.07.2009

Kommentar von Erwina

Ich muss weinen bei Deiner Geschichte. Und doch ist es schön. Der Umgang damit.

Eingetragen am: 20.07.2009

Kommentar von Hadassa

Hallo Lilli, dem Text ist nichts hinzuzufügen, außer das er sehr, sehr nahe geht und berührt - Zu Tränen rührt. liebe Grüße Hadassa

Eingetragen am: 20.07.2009

Eingetragen am: 19.07.2009 von Lisa Becker
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2360

"Oh Gott" erscheint mir jedesmal wie eine Art Ventil, wenn ich selbst es bin, die diesen Begriff gebraucht.

Demnach als Fluchwort empfinde ich es nicht.

Die Einen, so stellte ich von Kleinauf fest, gebrauchen diesen Ausdruck wie ich selbst, eher dann als kleinen Hilferuf, andere als Fluchwort und wieder Andere als ironischen Verzweiflungsakt.

Da ist, ausgelöst durch das Thema, wieder diese Tag! Wir waren erst kurz verheiratet und befanden uns am zweiten Tag in unserer neuen Wohnung, die komplett zu tapeziren war.

Wie oft ich an diesem regnerischen Tag doch "Oh Gott" als Anruf bei Gott versuchte! Als nicht mehr wirklich gefühlte Hoffnung, dass wenigstens doch ER in dieser Situation, buchstäblich ohne elektrisches Licht, mich verstehen möge, dass ...es so und nicht anders gemeint war von mir... Dass ER doch bewirken möge, dass dieses ewige Schreikonzert auf seiner Seite ein Ende nehmen sollte.

Einfach nur fagend und nicht fordernd, wie er mir tobend, verzweifelt und kopfschüttelnd immer wieder zu unterstellen suchte,
So bildete diese Frage an ihn den Anfang eines Dramas. Und, wenn ich das richtig sehe, eignet sich ja so manche Ehe, um sie vom ersten bis zum letzten Tag als einziges Drama zu ermpfinden.

Fragend und nicht vorwerfend! Fragend und nicht fordernd!

Informativ hatte ich an dem Tag meinen mir damals noch Anvertrauten schließlich lediglich gefragt, ob er damit einverstanden sei, dass wir das Angebot meiner Schwester annehmen, nämlich, dass ihr Mann uns beim Tapezieren helfen würde, denn groß und breit und zu meiner Frage direkt einladend, stand da mitten im Raum schließlich dieser zweite Tapeziertisch herum.

Sogar sagte ich deutlich, dass es jedoch für mich ok sei, wenn er mit meinem Vorschlag nich einverstanden sei.

Sein eventuelles Nein war ich doch(!) bereits im Vorfeld voll bereit zu akzeptieren. Bin ja schließlich ein mit kreativem Ideenreichtum ausgestattetes großes Mädchen und kann mich ohne Groll mit ziemlich jedem Nein aufrichtig zufrieden geben, bzw. arrangieren.

Doch er schien nicht fähig diese Eigenschaft in mir auch nur im Leisesten zu vermuten, sah ausschließlich dies fordernde auf ihrem Vorschlag bestehende dumme Zicke.

Um zu erreichen, dass dieser Schmerz in mir so wie in ihm, durch sein Missverständnis ausgelöst,´, abnehme, dadurch, dass er seinen Irrtum zu seinen eigenen Gunsten erkennen sollte, mit schließlich dem Ergebnis, danach wieder wie davor Achtung vor mir spüren zu können, erklärte ich, erklärte und erklärte.

Ach nein, falsch! Es blieb in Wirklichkeit beim Versuch, ach nein, bei den Versuchen, aufzuklären, wie harmlos ich meine Frage gemeint habe: als doch(!)lediglich informative Frage und sonst nichts.

Nein, ich erklärte es nicht, kam nicht oder nie dazu während all dieser hunderttausenden Sekunden bis zum späten Abend, doch bei jedem Anlauf kam ich nur drei Worte weit und dies 3, 5 bis sieben Stunden lang. Oder soll ich sagen 3, 5 bis sieben Jahre lang?

Konnte es nicht ertragen, in solch einem, meinen realen Beweggründen gegenüber unpassenden Licht von ihm gesehen und empfunden zu werden. Konnte sein Schreien weder ertragen noch abstellen. Konnte nicht meinen und nicht seinen Schmerz abstellen.

Er empörte sich, wie ein wild gewordenes Tier über jeden weiteren in manchmal wieder neu gefasster Zuversicht getätigten Ansatz von mir, ihn zu korrigieren.

Doch mit jedem weiteren Versuch meinerseits, seine Sichtweise dahingehend, welch eine ihn überfordernde blöde Zicke ich sei, dennoch zu korrigieren, - und wie tat sie mir doch weh! - erlebte er als jeweis weitere ihn voll überzeugende Bestätigung für seine, im Zuge des Missverständnisses entstandene, Einschätzung.

And dieser Stelle erinnere ich mich an manchen Kommentar aus diesem Forum bezüglich meiner Schachtelsätze. ...Nein, so, wie hier die Schachtelsätze plätschern, nein, so natürlich, rede ich in Natura doch wohl nicht! Nicht Schachtelsätze gaben ihm Anlass zu schreien, und immer wieder zu schreien. Sondern eine wenn schon, sehr verschachtelte ihn selbst sehr schmerzende Denkweise. Das war damals wohlgemerkt!

Nein, so verschachtelt also schreibe(!) ich lediglich, und dies - wer kann was dafür? - begeistert gerne.

Manche lieben diese Art von mir zu schreiben, das habe ich schon vielfach erfahren.

Und andere wiederum verstehen es nicht, wie jemand daran Gefallen finden kann, sowohl als Schreiber/in als auch Leser/in.

An jenem Tag - am 2. Tag, beim Tapezieren unserer neuen Wohnung - rief ich sehr oft sogar mein mich bereits in der Seele schon tief schmerzendes "Oh Gott" aus inmitten der durch ihn systematisch unterbrochenen und von mir versuchten Satzanfänge. Dieses "Oh Gott" schmerzte ebenfalls wie er, da es nicht, bei keiner dieser so vielen schmerzlichen Momente an diesem Tag, erhört worden zu sein schien.

Und ausgerufen jeweils in der vollsten und wieder vollsten Zuversicht, dass ich es doch bestimmt diesmal schaffen würde, diesen Schmerz durch seine Verkennung in uns beiden abstellen zu können,.

Und in der voll naiven Hoffnung zudem, meinen Ex zu überzeugen, wie harmlos meine anfänglich an ihn informativ gestellte Frage an ihn doch(!) im Grunde war. Bestimmt nicht etwas, das solche Intensität an Schreien rechtfertigen würde.

Und davon, dass doch im Grunde niemand von uns beiden, so gesehen, etwas verbrochen oder verbockt habe, dass es einfach ein Missverständnis auf seiner Seite gewesen ist, und dass er sich doch jetzt freuen könnte darüber, wenn ich es aufklären würde. Doch ich durfte dies nie, nie diesen Kardinalirrtum in ihm zur Auflösung bringen.

Jeder dieser Art weiterer Erklärungsversuche deutete er als Versuch von mir, meinen angeblichen Willen bezüglich meines Vorschlages mit diesem zweiten Tapeziertisch durchzusetzen.

Dass er mir das Aufklären nie gestattete, ist dann zum Glück im Nachhinein betrachtet, verkehrt.

Sieben Jahre nicht bis zur Scheidung. ...Nein eventuell falsch gedacht, die Scheidung wollte ich, nicht er! Heute nach der Scheidung sind wir beste Freundinnen-Freunde, heute kann er sich nicht mehr vorstellen, wieso er damals mir einen solchen Charakter zugetraut hatte. Heute kennt er die Sache mit dem Schmerz durch Projektionen selbst.

Gott hatte demnach damals meine "Oh Gott!"-Aussprüche verstanden, das verstehe ich erst heute.

Genau so verstanden, wie sie von mir gemeint waren.

Oh wie gut!

Denn es gibt ihn nicht mehr,
diesen Kardinalirrtum, und dies erscheint mir wieder wie ein kleines Wunder.

Doch nicht nur mir, ebenso ihm selbst, worüber wir heute gemeinsam lachen können.

Wie sehr also, so überlege ich in manchen Momenten, musste es wohl Jesus damals - zu den körperlichen Qualen hinzu gezählt -, in der Seele geschmerzt haben, als man ihm diese schlimmen Beweggründe, öffentlich auch noch, unterstellte, die ihn als Gotteslästerer dastehen ließen.

Ausgerechnet ihn, der genau vom Gegenteil der Gotteslästerung herzlichst tief getrieben zur Erde kam. Nämlich zur Heiligung des Namens Gottes. Doch hierbei gibt es wahrscheinlich - nicht im Nachhinein, keinen Anlass dazu, "gemeinsam" "darüber zu lachen".

Diese und ähnliche Empfindungen werden von Zeit zu Zeit in mir wach, wenn "Oh Gott" ich höre oder sage. Gleichzeitig nehme ich wahr, wie Andere wiederum dabei den Schmerz des Fluchens spüren, ja den Schmerz, denn wer fluchen muss, kann in dem Moment ja wohl nicht anders.

Auch mir (er)geht es in solchen Momenten, in denen ich so was höre, kaum anders, als beinahe los zu fluchen über deren fluchendes "Oh Gott".

Ob so diese Art von "Oh Got" mir demnach wohl,
dann auch schon mal
selbst passiert ist?

Ich denke mal, ja doch,
schon,
ja bestimmt sogar!


Eingetragen am: 19.07.2009 von Gerti
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2354

Monolog....oder Gebet

Denn du bist Anfang und Ende und für mich überall vorhanden!
Du brauchst keine Gebäude, keinen Reichtum und bist trotzdem groß und mächtig.

Ich glaube an dich, als eine übergeordnete Instanz. All-umfassend auf geistiger Ebene und in anderen Dimensionen. Alle Materie unterliegt einer, deiner Ordnung!
Auf unserem Planeten existieren verschiedene Bezeichnungen für dich. Und alle Glaubensrichtungen, die nicht an deiner Gegenwart zweifeln, sind davon überzeugt, dass nur sie den wahren Gott anbeten und ihm dienen.
So war es schon vor Jahrtausenden und so ist es noch heute.

Du bist Hoffnung und Liebe steht im Buch der Bücher.
Man nennt dich kindlich den "lieben" Gott oder "unser Vater".
Viele Kriege wurden hisher in deinem Namen geführt und du hast das geduldet.
Menschen und Tiere verhungern in den ärmsten Ländern dieser Erde, obwohl woanders Nahrungsüberfluss besteht und du duldest es.

Es herrscht Zwist in vielen Familien, Meineid, Mord und Totschlag werden hingenommen.
Arme werden noch ärmer und Reiche noch reicher.
Menschen und Tiere werden gequält und das Sterben unter unsäglichen Schmerzen schweigend toleriert.
Wo bleibt deine vielgepriesene Gnade und Barmherzigkeit?

Ich bin traurig!


Kommentar von Babs

Hallo Gerti, ich kann Deine Traurigkeit verstehen. Aber: Gott gab allen Menschen die Freiheit, zu tun oder zu lassen. Gott sagt Niemandem: Gehe hin und töte in meinem Namen; quäle die Tiere; lass Deine Mitmenschen hungern. Es gibt überall auch Gegner von Krieg, Menschen die sich für den Tierschutz einsetzen und die sich liebevoll um ihre Mitmenschen kümmern. Es gibt nicht nur schwarz, sondern auch weiß. Liebe Grüße, Babs

Eingetragen am: 21.07.2009

Eingetragen am: 19.07.2009 von Angela Barotti
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2352

Meine Sekretärin trat auf mich zu. „Ich gehe jetzt“, sagte sie. „Und Sie sollten ebenfalls Feierabend machen. Es ist fast achtzehn Uhr.“ Ihr Ton war mütterlich besorgt.
„Ja, ja“, sagte ich und griff nach einem weiteren Stapel Unterlagen.
„Nein wirklich!“, beharrte sie. „Sie müssen sich noch schonen. Und Ihr Mann wartet sicherlich bereits ungeduldig auf Sie.“
Ich hielt in meiner Tätigkeit inne, grübelte über ihren letzten Satz nach. Wartete Thomas tatsächlich ungeduldig auf mich? Ich verwarf den Gedanken. Sicherlich war er mit Gabi gerade beim Tennis, beim Golfen oder beim Schwimmen. Zumindest bei irgendeiner Tätigkeit, bei der er keinen Gedanken an mich verschwendete.
„Machen Sie sich keine Sorgen um mich“, versuchte ich sie zu besänftigen. „Ich fühle mich fit und bin fast wieder die Alte.“
Sie schüttelte den Kopf. „Sie sind weit davon entfernt, wieder die Alte zu sein. Ich erkenne Sie kaum wieder. Vor dem Überfall waren Sie eine verliebte Ehefrau. Jetzt sind Sie nur noch Geschäftsfrau. Sie sollten Ihrem Mann wieder mehr Zeit widmen. Sonst sucht er sich eine andere.“
„Sie überschreiten Ihre Kompetenzen“, sagte ich kalt. „Mein Privatleben geht Sie nichts an.“
Ihre Augen, die eben noch liebevoll auf mich gerichtet waren, musterten mich nun, als sähen sie mich zum ersten Mal. Die Freundlichkeit verschwand aus ihrem Blick. „Sie haben natürlich Recht“, sagte sie. „Es geht mich nichts an. Entschuldigen Sie.“ Dann kehrte sie mir den Rücken und ging zur Tür. An dieser blieb sie stehen, drehte sich noch einmal zu mir um und sagte leise: „Wenn Ihr Vater Sie so sehen würde! Er wäre nicht zufrieden.“ Sie holte noch einmal Luft. „Ich werde für Sie und Ihren Mann beten“, sagte sie schlicht und schloss die Tür.
Ich spürte, wie sich meine Augen mit Tränen füllten.


Kommentar von Lillilu

Ich schließe mich Ginko an. Am besten gefällt mir der letzte Absatz - die Worte der Sekretärin bringen etwas in ihr zum Klingen, etwas von früher. Vielleicht von ihrem Vater? Übrigens würde ich der Sekretärin nun einen Namen geben. Das macht es sinnlicher. Lieben Gruß von Lillilu

Eingetragen am: 21.07.2009

Kommentar von Ginko

Liebe Angela, Du findest hier zu Deiner früheren Ausdrucksstärke zurück. Im Wechselgespräch passen die Aussagen aufeinander. Die Gedanken sind entsprechend geformt. Das Umfeld beschreibst Du mit den nötigen Einzelheiten unter Vermeidung von überflüssigem. In anhaltender Fürbitte, Ginko.

Eingetragen am: 20.07.2009

Eingetragen am: 19.07.2009 von Liliana-Louisa
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2330

Am Nationalfeiertag, den 14.07., waren wir bei Papás neuem Arbeitskollegen zum Abendessen eingeladen. Es gab verlockend duftenden Hackbraten mit grünen Bohnen und Rosmarin-Backkartoffeln. Ich konnte es kaum abwarten und griff erwartungsvoll nach einer der Schüsseln.
Ein „Julie!“ ließ mich zusammenzucken. Madame Costeau, die Frau von Papás Arbeitskollegen, sah mich tadelnd an. Beinahe unmerklich schüttelte sie den Kopf und bedeutete mir mit Gesten, die Schüssel wieder auf dem Tisch abzusetzen.
Maman war schneller. Sie nahm mir die Schüssel ab und reichte diese an Madame Costeau weiter. „Ich möchte mich für Julie entschuldigen“, sagte Maman. „Sie ist sehr impulsiv und muss noch lernen, dass sie anderen den Vortritt lassen sollte.“
„Aber Maman“, protestierte ich, „wir sind die Gäste. Wir dürfen uns zuerst bedienen.“
Madame Costeau seufzte hörbar. Dann bedachte sie Maman mit den gleichen missbilligenden Blicken und Gesten, die sie mir hatte zukommen lassen.
Maman sah etwas verblüfft drein, stellte die Schüssel jedoch ohne weiteren Kommentar auf die blütenweiße Tischdecke zurück.
Monsieur und Madame Costeau senkten die Köpfe und falteten die Hände. Dann sprach Monsieur Costeau ein Tischgebet. Ich sah, wie Maman und Papá ebenfalls die Hände falteten und die Köpfe senkten. Ich tat es ihnen nach.
„Gott, wir danken dir für dieses Mahl“, murmelte Monsieur Costeau.
„Amen“, antwortete ich und machte Anstalten, erneut nach der Schüssel zu langen. Maman gab mir einen schnellen Klaps auf die Hand, bevor sie wieder in Gebetshaltung zurückfiel. Ich dagegen ließ meine Hände nun schlaff auf dem Rock meines Kleides liegen, was mir einen seitlichen Tritt gegen mein Bein einbrachte. Maman, die neben mir saß, schielte böse zu mir herüber, hob kurz ihre gefalteten Hände, damit ich die Botschaft verstand und trat mir erneut gegen das Bein, da ich nicht schnell genug reagierte.
„Aua“, rief ich und sah Maman zornig an.
„Dürfte ich wohl um Ruhe bitten“, zischte es aus Frau Costeaus Mund. Ihre Augen waren auf mich geheftet.
Ich nickte und duckte meinen Kopf noch tiefer in Richtung des Tisches. Ohne einen weiteren Ton von mir zu geben, lauschte ich den Worten von Monsieur Costeau, der - kaum geendet - von seiner Frau abgelöst wurde, deren Gebet mindestens die dreifache Länge ihres Mannes hatte. Sie dankte Gott für jeden Regentropfen und jeden Sonnenstrahl, die die Kartoffeln und Bohnen hatten wachsen und gedeihen lassen, dankte für das Tier, das für dieses Mahl hatte sterben müssen, dankte für die Gnade, in einem Land zu leben, in dem keine Hungersnot herrschte.
Beim Wort „Hungersnot“ zeigte ich das erste Mal Interesse an diesen monoton dahin gemurmelten Worten. Nie zuvor hatte ich mir darüber Gedanken gemacht, dass wir Franzosen in einem Land lebten, dass von Dürren oder Überschwemmungen verschont blieb.
Madame Costeau wechselte nach dem Dank zur Fürbitte. Sie bat darum, dass auch die Menschen in Afrika und Asien genügend Nahrung erhielten, bat darum, dass die Welt von Kriegen verschont bleiben möge, bat um Gesundheit für alle Menschen.
Gott hatte ich mir bis dahin nie als Bauer, Politiker oder Arzt vorgestellt. Doch Madame Costeau schob ihm diese Aufgaben so selbstverständlich zu, dass ich ihren Worten glaubte.
Nach dem Gebet ließ ich den Erwachsenen den Vortritt beim Auftun des Essens. Als die Reihe endlich an mir war und wir mit dem Essen begannen, war ich mit meinen Gedanken immer noch bei Gott und seinem Zuständigkeitsbereich. Wie sollte er all die Aufgaben, die die Menschen an ihn delegierten, nur schaffen?


Kommentar von Erwina

Das ist sehr schön erzählt aus der Sicht eines Kindes. Wie soll ein Kind das nur verstehen? Aber die Geste der Dankbarkeit - oder der Gedanke daran - ist richtig, finde ich. Auch wenn wir es nicht verstehen: selbstverständlich ist es nun mal nicht, dass wir in der westlichen Welt geboren wurden und damit priveligiert sind. Und wer auch immer dahintersteckt, dafür dürfen wir dankbar sein. Schön geschrieben, ich habe mir die Szene supergut vorstellen können.

Eingetragen am: 19.07.2009

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