Schreiben Sie mit!
In den Augen des Betrachters
Aufgabe
Beschreiben Sie sich selbst aus der Sicht jener Figur, die Sie in der vorangegangenen Übung porträtiert haben. Wenn Sie die letzte Übung ausgelassen
haben, holen Sie sie nun nach und beginnen anschließend diese neue.
Leserbeiträge
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3030
Heute Nachmittag um 16 Uhr war eine großdemo angesagt. unwillkürlich musste er an diese Frau denken. Sie hatte etwas beonderes an sich. einfach und doch clever. Sieht aus wie eine gemütliche Hausfrau war aber das gegenteil davon und wie eine Mutter. Als Mutter war sie der typ wo für Kinder alles tun würde. Oft brachen diese Frauen für ihre Kinder das Gesetz.Wenn die Kinder in Drogenkreise kommen würden, erschießen sie den Drogendealer.
Wenn eines von denen unschuldig verurteilt würde womöglich Amok Gerichtsaal. Sieht aus als wäre sie nicht sehr intelligent, aber hat einen scharfen Verstand.
Thomas war mit einem Freund der Rechtsanwalt verabredtet. Sie trafen sich in einer Pizzaria.
Da sah er sie wieder. Kurzer Wortwechsel. Hier war sie ein wenig reserviert. Kein Wunder,ihr Chef war ihr Mann. Sein Freund fragte ihn? Woher kennst du sie? Thomas erzählte in kurzen Worten: Michael
ja das ist eine traurige Geschichte, seit einem Jahr bin ich der Rechstanwalt von ihrem Sohn.
Susanne sagte zu ihrem Mann ich muss heute eine Stunde früher gehen. Warum fragte dieser. heute ist eine Sonderveranstaltung in der Stadtbücherei Die fängt um 16 Uhr an. Thomas und Michal verschluckte sich fast an der Cola.
16uhr fängt die Großdemo an.
Noch mal ein kurzer Wortwechsel mit ihr bei der Bezahlung
Die Polizei und die demoteilnehmer standen sich heute besonders provikant gegenüber.
Hier spricht die Polizei ältere teilnhmer und Kinder haben die Möglichkeit die demo zuverlassen bevor sie umkesselt wird und alle teilnehmer verhaftet.
Er schaute sich nach ihrum. So wie er sie kannte, würde sie die demo nicht verlassen und es ist besser er würde sie verhaften als einer sine Kolleggen. Heute lief sie auch noch an der Spitze mit und teilte auch noch Fugblätter aus.
Kommen sie unauffällig mit und sofort. Er musste sie hier rausholen bevor seine Kollegen mit den Pferden in die demo reiten.
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2562
Das ist hier ein öffentlicher Raum. Ich bleibe hier sitzen solange ich will und wenn mich diese kleinen Lichter noch so oft auffordern zu gehen. Obwohl da eine ist, die ziemlich neugierige Fragen stellt. Wieviele Zigaretten ich aus dem Haufen Tabak drehe, wollte sie wissen. Sie schickt mich nicht einfach fort. Hätte ich es ihr sagen sollen, was fängt sie damit an, es ist nur eine Zahl. Niemand besitzt eine Zahl, sie zeigt nur etwas an, das sich sonst der Vorstellung entzieht. Aber wer kann sich schon Tausendvierhunderfünfundsiebzig wirklich vorstellen, wenn nicht Zigaretten, Lastwagen oder Zementsäcke dahinter steht.
Warum fragt sie das, sie raucht nicht. Ihre Finger haben keine gelben Spuren wie die meinen. Sie ist nur ein kleines Licht, hat nichts zu sagen und befolgt ihre Anweisungen. Wie langweilig. Sie fragt geziehlt aber wenig und hört gerne zu. Doch scheint es mir, sie kennt die verordnete Verwaltungsrhetorik, die heute in den Büros so üblich ist. Man merkt es wenn sie telefoniert. Ich habe sie genau beobachtet. Sie kommt einem irgendwie näher, doch zu nah auch wieder nicht. Wer bin ich für Sie, Mensch, Mann oder der Typ mit dem Tabak auf dem Tisch, der beharrlich sitzen bleibt. Wer weiss vielleicht macht sie sich sogar ein wenig Sorgen, von soviel Zigaretten könnte jemand einen Krebs bekommen und hat deshalb gefragt. Sie kennt die Schrecken der Wahrheit und hat mich ertappt.
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2419
„Vor mir die Oberin, hinter mir die Gestaltungstherapeutin, die wenigstens fragt, ob sie den Rollstuhl schieben helfen darf! Die Oberin fragt erst gar nicht, ob ich Hilfe brauche; sie geht einfach vorneweg.
Sie, die hinter mir gehende Gestaltungstherapeutin, macht es auch nicht wie diese Mitleidenden – schiebt einfach an mir rum; sie nimmt mich als ganzen Menschen, fragt, ob ich Hilfe möchte! Das macht sie mir sympathisch! Endlich mal keine barmherzige Samariterin!
Sie nimmt mich als ganzen Menschen, welch eine Wohltat! Bin gespannt, wie das Gespräch wird. Sie hat ein offenes Gesicht; sieht aus, als hätte sie nichts zu verbergen. Sie ist humorvoll; die pfiffige Antwort mit dem Diagnostiker ließ ja nichts zu wünschen übrig! Die Frage danach, ob denn schlüpfende Küken auf der Krawatte heilig genug sind, war ja auch nicht von schlechten Eltern! Ob sie mit ihrem Mund auch bei der Oberin so schnell ist? „Danke, dass Sie mir die Tür aufhalten; das ist mir eine Hilfe.““
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2325
Ohne Punkt und Komma
Eigendlich wollte ich einen Abend auf der Couch verbringen aber Wolf,mein WG Kumpel war anderer Meinung.
Ein Disco Besuch stand auf meinerListe der freiwilligen Aktivitäten an letzter Stelle. Jetzt konnte und wollte ich nicht nein sagen und begab mich seufzend in mein Schicksal.
Die Luft war zum Schneiden und Helligkeit gleich Null. Die Musik entsprach nicht so meinem Geschmack war mir aber eher egal.
"Oh, wir müssen glaube ich wieder nach Hause jetzt beginnt das große Leuchtturm Treffen."
Dieser Spruch hob nicht wirklich meine Laune. Mißbilligend warf ich der Kleinen einen eisgekühlten Blick zu und das wars für mich. Der Abend begann ja wirklich spannend zu werden.
Endlich hatten wir in dem Gedrängel einen Platz direkt neben der Tanzfläche erkämpft. Ich sah mich um und blickte in zwei erstaunte unglaublich klare Augen, wenn man das in dUnd diesem dämmerigen Licht überhaupt sagen konnte. Ich starrte und schluckte. Dieses Augenpaar gehörten dieser frechen Göre mit dem wirklich überflüssigen Satz. Jetzt lächelte sie auch noch. War das jetzt Frechheit oder Interesse. Diese Frage drängte sich mir auf und ließ sich von mir nicht beantworten. Sie war hübsch. In ihren Wangen tanzten zwei kleine Grübchen und dieses Lächeln breitete sich über ihr ganzes Gesicht aus. Ich sah weg. So eine Frau war nichts für mich. Sie konnte nicht wirklich an mir interessiert sein. Ich bestellte eine Sprite und nahm einen Schluck. Mir war heiß und ich war deffinitiv für dieses Event zu dicck angezogen aber da musste ich jetzt durch. Wieder begegnete ich ihrem Blick. Lächelte sie jetzt wieder oder hatte sie garnicht aufgehört zu lächeln. Sie pustete eine vorwitzige lockige Haarsträhne aus ihrem Gesicht. Ich wandte mich meinem Freund zu und ließ mich in ein Gespräch verwickeln.
"Hey, du scheinst nicht ganz bei der Sache zu sein. Gibt es dafür einen Grund?"
Ich nickte und erzählte ihm von der ständig lächelnden Frau.
Er stand auf um sich selbst ein Bild zu machen. Anerkennend nickte er. Worauf hin ich sie mit anderen Augen sah. Plötzlich stand sie auf und kam zur Tanzfläche.Meine Hände wurden feucht und ich klammerte mich an mein Glas. Ich kam hautnah an mir vorbei und sah mir in die Augen. Ihre Augenfarbe glich der eines Gletschersees. Während sie tanzte ließ sie mich nicht aus den Augen und zuckte bedauernd mit den Achseln. Nach drei Tänzen drückte sie sich wieder an mich und stützte sich an meinem Körper ab sonst wäre ein Durchkommen unmöglich gewesen. Ein leicht blumiger Duft umwehte ihre große schlanke Gestalt wie ein im Wind wehender Schal und genau ab diesem Moment war es um mich geschehen. Doch jetzt ergab sich das größte Problem wie konnte ich ihre Bekanntschaft machen? Die ganze Aufregung war mir auf die Blase geschlagen und so besuchte ich erst einmal die Toilette. Als ich zurück kam sah ich sie und stockte kurz im Schritt. Dann versuchte ich mein wild klopfendes Herz unter Kontrolle zu kriegen und warf mich betont lässig auf meinen Barhocker. Der geriet außer Kontrolle genau wie ich und in ihrem Lachen nahm sie mein Herz lachend in Empfang und ich staunte nur noch über ihren unglaublichen Witz und Sprechgymnastik.
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2088
In den Augen des Andern
Da kommt sie wieder die Signora. Schön, sie ist ein angenehmer Gast, freut sich schon, wenn ich ihr einen Cappuccino bringe, als sei es eine besondere Ehre, dass sie einen bekommt. Dabei hat sie ihn ja bestellt. Sie wirkt, als sei sie über jedes freundliche Wort überrascht. Als hätte sie es besonders nötig. Wenn ich mehr Zeit habe, dann beobachte ich sie heimlich. Sie kommt freitags immer alleine, hat kaum eine halbe Stunde Zeit und setzt sich in den Korbsessel, als sei sie im Urlaub. Sie wirkt so zufrieden, wenn sie ihren Salat isst oder die Pizza. Allerdings scheint sie Urlaub nötig zu haben. Ihr Gesicht wirkt müde auch wenn ihre Augen freundlich lächeln.
Kann sein, dass auch sie Italienerin ist, zumindest ist ihr Gesicht so geschnitten: eine grosse Nase, ein ganz ausgeprägtes Profil. Das Haar gefärbt, dennoch sieht man manchmal den grauen Ansatz. Sie geht nicht regelmäßig zum Friseur. Manchmal sitzt ihre Frisur meistens aber hängt sie wirr, ein durcheinander von gewelltem Haar, als sei sie in den Regen gekommen. Aber mir gefällt das Durcheinander fast besser. Sie wirkt lebendiger so. So genau kann ich sie nicht beschreiben: manchmal ist sie recht gut gekleidet, manchmal irgendwie, unmodern kann man sagen. Vermutlich trägt sie alte Sachen auf. Gute Stücke aus früheren Jahren, die immer noch gepflegt wirken, aber aus der Mode gekommen sind. Wenn sie so angezogen ist, sind ihre Bewegungen runder und gelassener. Jetzt weiss ich was sie mich italienisch anmuten lässt: nicht ihre Nase, ihre Figur, die weit ausladenden Hüften und die Farben, die sie trägt. Lila und Orange, oder Gelb auf Schwarz. Sie ist eine Frau um die fünfzig, an der noch die Fäden der frühen Jahre hängen.
Manchmal sehe ich sie mit ihrem Mann vorbeigehen. Sie winken mir beide zu, als sei ich ein guter Bekannter.
Sie scheint auch nicht von hier zu sein, da sie nicht italienisch spricht, muss sie wo anders her kommen. Manchmal schaut sie traurig ins Leere. Weiss sie auch was Heimweh ist? Ich hätte sie für eine Italienerin gehalten, aber sie spricht deutsch.
Salat oder Pizza, etwas anderes bestellt sie nicht. Kaum mehr als eine halbe Stunde Zeit. Manchmal schreibt sie in eine kleines Büchlein oder sie liest. Aber meistens sitzt sie da mit dem verträumt wehmütigen Blick. Ich könnte sie beschützen, doch sie ist stark genug. Sie wirkt unabhängig und doch anlehnungsbedürftig, oder so wie ich, einfach fremd in dieser Stadt.
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1996
Da kommt sie also. Dieses Mädchen ist mir letztens schon aufgefallen. Sie hat sich ein eng anliegendes T-Shirt mit der Aufschrift ,,Sex, Drugs & Rock` n` Roll“ angezogen. Einen roten Gürtel trägt sie um ihre knackig enge schwarze Jeans. Ihre grauen Chucks ziehen ihre Füße ziemlich in die Länge. Sie gehört nicht zu den halbverhungerten Mädchen, eher zu den kurvigen Mädels, wie Angelina Jolie. Ein Mann möchte schließlich etwas zum anpacken haben und sich nicht an spitzen Knochen die Haut aufkratzen. Heute trägt sie ihre Haare offen und lockig. Die Blicke der anderen gehörten ihr, ob bewundernd oder missfallend. Ihr gerader Gang und ihre Prise Arroganz die sie ausstrahlte, sollte anscheinend ihre Unsicherheit verbergen. Sie wirkte unnahbar, fast schon nicht von dieser Welt.
Wenn sie lachte, entblößt sie ihr Pferdegebiss und ihre kleinen vollen Lippen wurden schmaler. Ihre großen blau-grünen Glubschaugen starren in die Welt hinein, als würde sie alles mit ihren Augen verschlingen. Verunsichert sitzt sie da und guckt ab und zu, scheu durch die Gegend, als würde sie den nächsten Fluchtweg suchen. Zwischendurch fährt sie sich durchs Haar und schmunzelt vor sich hin. Sie wirkt leicht verloren in dieser Welt. Manchmal jedoch schaut sie so böse drein, als würde der Teufel in ihr stecken. Ich würde fast schon behaupten, dass die Männer schreiend davon laufen, wenn sie diesen Teufelsblick an ihr sehen würden. Als sich unsere Blicke kreuzten, drehte sie ihren Kopf blitzschnell zur Seite, als würde ich ihr einen Elektroschock durch meine Augen versetzen. Ich wollte sie heute mal ansprechen.
Doch sie beachtete mich nicht mehr, seit sich unsere Blicken kreuzten. Ich traute mich dann doch nicht, zu ihr zu gehen. Ich hatte viel zu sehr angst, von ihr einen Korb zu bekommen. Ich kann mir schon vorstellen, wie sie reagieren würde. Sie würde mich mit diesen großen Augen betrachten und mir einen abschätzigen Blick zu werfen. Oder mich vielleicht mich mit diesen Dämonenblick anschauen, dann würde mir mein Herz bis zum Hals schlagen und meine Lippen würden zusammen wachsen.
Ich gab es auf und ging an ihr vorbei, schielte jedoch noch zu ihr. Ich spürte wie sich ihre Augen auf mir hefteten. Im Fenster spiegelte sich ihr Bild wieder, das mir lächelnd hinter her guckte. Doch als ich mich ruckartig umdrehte, drehte sie genauso ruckartig ihren Kopf zur Seite und ließ ihre Haar ins Gesicht fallen.
Habe ich mir das nur eingebildet oder hat sie mich angelächelt?
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1966
Ein kleines Etwas mit einem dicken Buch unterm rechten Arm, in einen übergroßen schneeweißen Bademantel gehüllt, huscht starren Blickes an mir vorbei. Ich lasse eine kurzen Pfiff los, um auf mich aufmerksam zu machen. Keine Reaktion; sie läuft eiligen Schrittes weiter. Doch plötzlich, als ob sie jemand festhalten würde, bleibt sie abrupt stehen und dreht sich langsam herum. Suchend, fragend, geht ihr Blick durch das große Foyer. Sieht sie mich überhaupt? Wird sie mich erkennen? Doch, ihr intensiver Blick ruht jetzt auf mir. Und wie sie mich ansieht! Ihre Augen scheinen zu leuchten, als sie mit langsamen Schritten zögernd auf mich zukommt. Und dann steht sie einfach still vor mir. Als ich sie so ansehe, schießen mir viele Gedanken durch den Kopf, die Vergangenheit wird lebendig wie schon lange nicht mehr. Damals, als ihr strahlendes Lächeln, ihre unbändige Lebenslust, ihre Herzlichkeit, ihre Wärme, ihre leidenschaftliche Liebe, ihre bedingungslose Hingabe noch mir galt.
Ich betrachte sie, sie hat sich verändert. Mit herausforderndem Blick, sehr selbstbewußt mustert auch sie mich aufmerksam.
Ihre Frisur ist ganz anders als damals, blonde Strähnchen ziehen sich durch braun glänzendes, nun kurzes Haar. Zwei senkrechte, tiefe Falten haben sich zwischen den zart geschwungenen Augenbrauen eingegraben; ihr einziges Grübchen an der rechten Wange hat sich sehr vertieft. Und auch die kleinen Lachfältchen um ihren sinnlichen Mund erscheinen vielfältiger und stärker ausgeprägt. In ihrem Gesicht zeichnen sich ein paar harte Linien ab, die auch ihr Lächeln, mit dem sie mich nun forschend ansieht, nicht mehr mildern können. Aber ihr Blick, dieser ist gleichgeblieben, funkelnde blaugraue Augen strahlen mich an.
Schmal, zu schmal, ist sie geworden. Die Schlüsselbeine erheben sich durch den verrutschten Ausschnitt des dicken Bademantels, in dem sie wie verloren wirkt. Ihre zarten, kleinen Hände lugen aus den viel zu langen Ärmeln. Mit klopfendem Herzen stehe ich auf und nehme sie vorsichtig, als könnte ich sie gleich zerbrechen, in meine Arme, halte sie fest, drücke sie zaghaft an mich, bemerke, wie sie sich leicht an mich schmiegt. Auch ihr Herz klopft sehr schnell gegen meine Brust. Ich spüre ihre weichen vollen Lippen an meiner Wange, zart wie die Berührung eines Schmetterlings. Sie umfasst mich nun auch und ich verliere mich in diesem glückseligen Moment so lange vermisster Vertrautheit und Nähe.
Sanft lasse ich sie los und wir setzen uns. Mit funkelnden Augen lächelt sie mich an und sagt mir, dass sie nie geglaubt hätte, mich jemals wieder zu sehen. Sie erzählt mir, wie es ihr bis jetzt hier ergangen ist. Immer wieder klingt ihr Lachen herzlich auf, als sie von den kleinen Missgeschicken berichtet, die ihr hier schon widerfuhren.
Ich konzentriere mich auf den Klang ihrer Stimme, tiefer und rauher als vorher. Eine einschmeichelnde, erotisch lockende Stimme, die man so schnell nicht mehr vergisst. Plötzlich fällt mir auf, dass eine gewisse Traurigkeit über ihre Züge gleitet, ihr Blick abschweift, irgendwo ins Leere geht. Woran denkt sie jetzt? Was bedrückt sie? Angespannt sitzt sie auf einmal da, die Schultern hochgezogen, als würde irgendetwas dadurch anders, besser. Ihre linke Hand umklammert heftig die Thekenkante, als ob sie sie nie mehr loslassen wollte. Mit der rechten Hand fährt sie geistesabwesend durch ihr Haar. Der weite Ärmel des Bademantels rutscht herunter und gibt den Blick auf eine lange entstellende Narbe an ihrem Unterarm frei. Durch das Spiel von Licht und Schatten gleicht die Narbe einem stark geschminkten, aber pupillenlosen Auge einer ägyptischen Königin. Einen Augenblick später lacht sie mich wieder an, die Worte sprudeln nur so aus ihr heraus. Leichte Worte, lustige Worte, die mich auch zum Lachen bringen. Temperamentvoll wie eh und je unterstreicht sie ihre Worte mit kleinen Gesten, der Schalk blitzt aus ihren Augen. Leicht legt sie die Hand auf meinen Arm, als sie mich fragt, ob wir uns wiedersehen werden. Ein mir ungewohnter Ernst spiegelt sich in ihren Zügen. Ja, tausendmal ja, ich will sie wiedersehen. Ich will wissen, was aus der unbeschwerten, unternehmungslustigen, leidenschaftlichen jungen Frau von damals geworden ist. Ich will alles über sie wissen. Meine Antwort zaubert ein vielversprechendes Lächeln in ihr Gesicht. Mit einem glühenden Blick, der mir durch und durchgeht, zieht sie mich an sich und küsst mich zärtlich. Diesmal lasse ich sie nicht mehr gehen, nie mehr!
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1916
In den Augen des Betrachters
Zynismus! Ich verziehe unwillkürlich den Mund. Ich mag das nicht, bei Frauen schon gar nicht. Ihr Starren gefällt mir genauso wenig. Sie senkt nicht einmal den Blick. Mein Charme prall an ihr ab. Das finde ich irritierend. Das passiert mir nicht häufig. Ich frage mich woher sie das Selbstbewusstsein dafür nimmt? Sie ist nicht gerade eine Schönheit. Ihre Figur ist eher, nein nicht knabenhaft, dazu ist sie zu dick, aber auch nicht weiblich. Nach meiner Definition wenigstens und ihre Kleidung ist auch nicht nach meinem Geschmack. Mit der Figur sollte man keine Combathosen tragen. Ihre Augen, groß und mandelförmig, gefallen mir eigentlich, wenn nur dieser aufmerksame Blick nicht wäre! Sie hört mir zu. Achtet tatsächlich auf meine Worte und interpretiert meine Körpersprache dazu. Das gefällt mir nicht. Natürlich mag ich es, wenn Frauen mir an den Lippen hängen, aber sie sollen nur dem Klang meiner Stimme lauschen, nicht dem Inhalt meiner Worte. Diese ist hier anders. Ich muss aufpassen. Sie glaubt mir nicht, dass ich ihren Bekannten nicht gesehen habe.
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1853
Als ich zur Tür hereinkomme, steht sie schon am Schrank mit den Terminplänen. Heute hat sie die rosafarbene Designer-Filzjacke zu ihrer schmalen schwarzen Jeans an, mit farblich passendem Pashmina. Vermutlich ist es aber kein Kaschmir, sondern ein Imitat. Die gleiche Kombination hat sie auch in Grau und leuchtendblau, sie bleibt ihrem Stil sehr treu, Perlenkette und Perlenohrstecker.
Ihr Fach ist unter meinem, das führt manchmal zu Konfusion, wenn die Sekretärin versehentlich meine Telefonnachrichten in ihr Fach legt. Dann erledigt sie Telefonate, die gar nicht für sie bestimmt sind, nur weil sie nicht genau hinsieht und liest, für wen die Nachricht bestimmt ist. Der Kurzhaarschnitt ist noch kürzer als sonst, im Nacken ist ein weißer Streifen zu sehen, offenbar war sie beim Friseur. Die Haare sind auch eine Spur dunkler als letzte Woche.
Sie dreht sich zu mir um, hat den Aktenstapel aus ihrem Fach in der Hand und breitet diesen neben ihren Siebensachen erst einmal auf dem Sekretariatsschreibtisch aus. Schlüsselbund, ihr persönlicher Terminplaner in rotem handgefilztem Einband, ihr Bleistift und ihr Büroplaner liegen dort schon verstreut. "Hallo Hansjörg!" "Hallo Jette. Du warst beim Friseur."
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1849
Sie ist immer pünktlich. Eigentlich kommt sie eher 20 Minuten früher, als zu spät und sie hat bei der Arbeit auch noch keinen einzigen Tag gefehlt. Wenn man sie so betrachtet, käme man nie auf die Idee, dass diese Frau einen reinen Männerberuf ausübt.
Sie ist groß und sehr schlank mit blonden, schulterlangen Haaren und einem sehr sympathischen Lächeln, mit dem sie jeden in ihren Bann zieht. Man würde sie eher in der Modebranche, in irgendeinem Büro oder auch in einem künstlerischen Beruf ansiedeln.
Anfangs war ich ja nicht ganz sicher, ob sie das packen würde, obwohl ich ja selbst dafür war, dass unsere weiblichen Angestellten diese Prüfung für Maschinisten ablegen. Ich war schon immer für jede neue Herausforderung zu haben.
Aber sie kommt aus der Stadt, hat Matura und spricht drei Fremdsprachen – solche Leute sind mir immer suspekt. Ich bin eher der Naturmensch.
Ich muss allerdings zugeben, dass sie sich gar nicht dumm anstellt. Wir sind dann einmal gemeinsam mit meiner Frau was trinken gegangen und da hab ich herausgefunden, dass sie ein totaler Familienmensch ist. Mutter mit Herz und Seele, die kocht und sogar strickt. Also alles Dinge, die man ihr auf den ersten Blick überhaupt nicht zutrauen würde. Sie ist auch handwerklich sehr geschickt, trotz ihrer langen, lackierten Fingernägel. Und für Arbeiten, denen sie körperlich, also von der Kraft her, nicht gewachsen ist, findet sie immer wieder irgendwelche Hilfsmittel, damit sie sie dennoch erledigen kann.
Manchmal aber muss ich sie ein bisschen bremsen. Sie hat einen leichten Hang zum Größenwahn und mit Kollegen, die sich dumm oder ungeschickt anstellen hat sie wenig Geduld. Außerdem schießt sie mit ihren Bemerkungen, speziell bei Sitzungen, gerne über das Ziel hinaus. Sie sagt einfach, was sie sich denkt, ohne Rücksicht darauf, ob sie damit vielleicht jemanden verletzt. Ich glaub, das ist ihr aber gar nicht bewusst, denn sobald sie es bemerkt, hat sie kein Problem damit, sich sofort bei dem Betreffenden zu entschuldigen.
Sie hat einen sehr ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und scheut nicht davor zurück, Schwächere zu verteidigen – auch wenn es zu ihrem eigenen Ungunsten ist.
Was sie selbst betrifft, nimmt sie Kritik, vor allem wenn sie ungerechtfertigt ist, sehr persönlich und lässt es denjenigen dann auch spüren.
Jedenfalls weiß ich, dass ich mich in Stress-Situationen, in denen kurzfristig schnelle Entscheidungen getroffen werden müssen und die es in unserem Betrieb fast täglich gibt, voll und ganz auf sie verlassen kann und sie einen klaren Kopf behält und ruhig ihre Anweisungen gibt.
Was ich durch sie gelernt habe?
Dass es ein Fehler ist, Menschen auf den ersten Blick und nach Äußerlichkeiten zu beurteilen und in eine Schublade zu stecken. Dieser Schuss kann nach hinten losgehen.
Sie hat mich aus meinem Alltagstrott herausgerissen und meinen Blick für das Wesentliche im Leben und im Menschen wieder geöffnet.
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1838
»Ich kann es immer noch nicht fassen. Britta ist die ausgeglichenste Person, die ich kenne, ich kann mir das überhaupt nicht erklären!«, sagte Gabi kopfschüttelnd. Sie saß in einem der kleinen Besprechungsräume, in denen man wegen des Straßenlärms kaum sein eigenes Wort, geschweige denn das der anderen verstand. Der Kripo-Beamte beugte sich näher.
»Das hat bis jetzt jeder gesagt. Aber etwas hat Frau Berger aus dieser Ausgeglichenheit geschubst, sonst säßen wir nicht hier.« Er seufzte. »Fangen wir am Anfang an. Erzählen Sie mir von Ihrer Kollegin.«
Gabi rückte auf ihrem Stuhl hin und her.
»Was wollen Sie wissen?«
»Alles. Aussehen, Kleidung, Gewohnheiten, Hobbys, Familie, Eigenschaften, was sie wollen. Mir kann jedes Puzzlestück helfen, diese Sache aufzuklären. Abgesehen davon, dass sie angeblich so ausgeglichen sein soll.«
Gabi sah zur Decke hoch und stützte ihr Kinn in die Hand. Ein Lächeln flog über ihr Gesicht.
»Als ich Britta das erste Mal getroffen hatte, wusste ich noch nicht, dass wir ein paar Jahre später zusammen arbeiten werden. Damals war ich Leiterin einer Abteilung und sie eine junge Ausbilderin. Nett, lustig, engagiert, aber nicht weiter beeindruckend.«
»So, wie Sie das sagen, hat sich das geändert.«
Gabi blickte den Kommissar an und nickte. »Ich habe von niemandem so viel gelernt, wie von ihr. Aber ich habe mich auch noch nie so klein neben jemandem gefühlt. Nicht nur körperlich, sie ist knapp zwanzig Zentimeter größer als ich.« Sie schob ihren Stuhl näher an den Tisch. »Sie müssen sich das vorstellen: ich wage mit Ende vierzig einen großen Schritt und betrete beruflich noch mal absolutes Neuland. Zwar mit einem ordentlich gepackten Rucksack aus der Praxis, aber mit keiner Erfahrung im Bereich des Trainings. Und treffe dann auf eine Frau, die ganz anders ist als ich. Die so ist, wie ich immer gerne gewesen wäre.« Ihre Stimme wurde leiser und war unter dem dröhnenden Autoverkehr kaum zu hören.
Der Kommissar räusperte sich. »Bitte sprechen Sie lauter.« Er wies mit dem Kopf auf das Aufnahmegerät, das er näher an Gabi heran schob.
»Britta ist dreizehn Jahre jünger als ich, groß, schlank – finde ich zumindest, hat blonde Locken und strahlende blaue Augen. Sie ist immer -«
»-ausgeglichen.« Der Kommissar verdrehte die Augen.
Gabi schüttelte den Kopf. »Das wollte ich gar nicht sagen. Sie ist immer konstruktiv, immer bemüht, das Gute in den Menschen zu sehen – auch wenn sie gerne mal lästert, vor allem über Leute, die sich selbst überschätzen, wie zum Beispiel die eine Frau im Sportstudio, die sich selbst so toll findet und überhaupt nicht -«
»Frau Hohmann!«
»Entschuldigung. Sportstudio ist übrigens ein gutes Stichwort, sie tanzt viel und auch richtig toll. Auf der Feier zu ihrem vierzigsten Geburtstag hat sie mit ihrem Trainer eine kleine Showeinlage gegeben, das sah so toll aus...« Gabi räusperte sich. »Entschuldigung. Also, ich kam damals als die Neue und traf auf eine Kollegin, die den Laden so gut im Griff hatte, dass ich mich kaum getraut habe, zu zeigen, was ich alles nicht weiß. Das hat sich übrigens bis heute nicht geändert, Britta weiß unglaublich viel, sie ist so lernbegierig wie sonst niemand, den ich kenne. Und sie gibt immer ab, ohne ihre Ideen wären wir mit unserer Abteilung nie so weit gekommen, wie wir es sind.«
Der Kommissar trommelte mit den Fingern auf dem Tisch. »Klingt alles nach Bilderbuch. Es muss doch auch Schattenseiten geben.«
»Eigentlich nicht. Jedenfalls keine, die ich sehe. Sie selbst sieht welche. Manchmal beruhigt mich das, manchmal irritiert mich das. Zum Beispiel, wenn sie erzählt, dass sie einen Streit mit ihrem Mann hatte.«
Der Kommissar beugte sich interessiert vor. »Streit? Könnte da die Aggression hergekommen sein?«
Gabi schüttelte lächelnd den Kopf. »Da habe ich mich falsch ausgedrückt. Ich streite mit meinem Mann, Britta und ihr Mann kommunizieren höchstens suboptimal, wie unser alter Chef immer sagte. Deshalb bin ich ja auch so irritiert, wenn sie mal von einem kleinen Streit erzählt.« Sie trank einen Schluck Wasser. »Nein, was ich als Schattenseite bezeichnen würde, ist ihr mangelndes Zutrauen. Sie will nicht hören, wie toll sie ist. Ich meine, sie ist intelligent, gut ausgebildet, ständig an neuen Dingen interessiert, sie kann Regale bauen, Kuchen backen und auch noch Geschichten schreiben. Sie könnte so viel mehr aus sich machen, wenn sie sich endlich mal selbst trauen würde, wenn sie endlich mal auf den Tisch hauen -«. Gabi brach ab und starrte den Kommissar entsetzt an. Er schürzte die Lippen und blätterte einen Block auf.
»Das klingt doch nach genau dem Puzzlestück, das ich gebraucht habe. Scheint so, als hätte sich ihre Kollegin endlich mal getraut – nur nicht das, was Sie sich gewünscht hatten.«
Hallo Charis, hat Spaß gemacht, das zu lesen! Nun bin ich aber neugierig: Was hat die Kollegin (Britta) denn gemacht? Liebe Grüße, Veronika
Hallo Charis, dein Beitrag macht definitiv lust auf mehr. Was genau hat Britta getan? Und warum? Ich möchte bitte, bitte mehr wissen. Liebe Grüße, Audrey
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1832
Die Revanche
Ach ja, die Roso. Was möchten Sie denn wissen? Die Anrede "Roso" hat sie nicht so gern; sie möchte ihren Namen voll ausgesprochen hören. Der Kurzname "Roso"war ursprünglich nur für mein Handy-Telefonbuch gedacht. Langsam hat sie sich aber daran gewöhnt. Natürlich will ich es nicht mit ihr verderben, denn sie lässt sich meistens dazu überreden, meine Texte in Form zu bringen. Ich habe keine Zeit, das alles ins Reine zu schreiben oder zu tippen, und dann noch auf Punkt und Komma zu achten. Bei ihr wird dann alles per Laptop schön (und korrekt) präsentiert, ordentlich gespeichert und nach Bedarf ausgedruckt. Das ist schon eine Hilfe für mich, vor allem, weil ich manchmal längere Texte in englischer Sprache verfasse, die sie fließend beherrscht, und da kann ich mich ganz auf sie verlassen. Kein Wunder; in ihrem früheren Leben (vor dem Ruhestand) ist sie Lektorin gewesen.
In ihren jungen Jahren war sie eine gut-aussehende Frau. Zu der Zeit habe ich sie noch nicht gekannt, aber ich have Fotos gesehen. Auch jetzt, im Alter, kann man sich das immer noch vorstellen, auch wenn ihr Haar,das früher mal schwarz war,jetzt schlohweiß oder silbrig glänzt. Und die Augen eines Menschen verändern sich kaum mit den Jahren. In ihren braunen, dunklen Augen erkennt man die Neugier auf das Leben, Interesse an ihrem Gegenüber, und manchml eine unergründliche Melancholie.
Natürlich bemerkt man die Spuren des Alterns. Die Gelenke wollen nicht mehr so geschmeidig funktionieren wie sie's mal taten, aber dafür gibt's ein neues Kniegelenk und auch einen Rollator.
Mit dem Altern hat sie ein Problem. Sie kann einfach nicht akzeptieren, dass es normal ist, ab einem gewissen Alter vieles nicht mehr zu können, wie Fahrrad fahren, wandern, große Reisen machen. Aber sie kann ja noch schwimmen, lesen, schreiben, Auto fahren. Es nervt sie, wenn jemand sagt, ach, Sie fahren noch Auto? NOCH! Was immer sie NOCH kann, daran hält sie fest, das gibt sie so leicht nicht auf.
Sie amüsiert sich, wenn jemand mit seiner großen Lebenserfahrung protzt und verkündet: "Ach, Sie glauben nicht, was ich alles erlebt habe, ich könnte ein Buch schreiben!" Dann kann sie nämlich antworten: "Ja, dann tun Sie's doch! Ich hab's gemacht." Tatsächlich hat sie ihr erstes Buch geschrieben, als sie schon über achtzig war. Es ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, leicht und unterhaltsam erzählt. Jetzt schreibt sie an ihrem zweiten.
Manchmal, wenn ich wieder einmal von meiner Arbeit gestresst bin, fahre ich zu ihr und setzte mich eine Weile hin, ohne viel zu reden. Nur mal zur Ruhe kommen, ohne große Erklärungen geben zu müssen, einfach den Arbeitsalltag vergessen. Dann legt sie eine Bach-CD auf, und dem Johann Sebastian kann man ja immer zuhören, egal, ob man müde ist, oder einsam oder deprimiert. Durch die Liebe zur Bach-Musik sind wir Freunde geworden, obwohl eine ganze Reihe Lebensjahre zwischen uns liegt. Roso ist übrigens die einzige Person die ich kenne, die den berühmten Pianisten Glenn Gould noch live im Konzert in Kanada erlebt hat.
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1830
In den Augen des Betrachters.....
oder so ähnlich!
Fünfundzwanzig Frauen, unterschiedlichsten Alters, hielten sich erwartungsvoll im großen Raum des alten Schlosses auf. Sie hatten sich alle für ein Seminar eingeschrieben, welches laut Vorschau, spannend werden sollte.
Das Thema lautete: *Rot ist die Farbe des Willens*, und sollte die Kraft, den Mut und die Enschlussfähigkeit zur Veränderung und neuen Zielsetzung, im Menschen kräftigen. Bis zum Beginn der Veranstaltung war noch Zeit und so bildeten sich im Vorfeld bereits kleine Grüppchen von Teilnehmerinnen, die eifrig über die eigenen Gründe und Erwartungen, diskutierten.
Plötzlich verstummte das laute Stimmengewirr und alle schauten zur Saaltür. War das etwa die Dozentin, die auch Autorin war?
Ein aufgeregtes Gemurmel und Getuschel brandete auf.
Da stand eine zierliche, ältere Frau. Selbstsicher schaute sie kurz in die Runde und grüßte dann hörbar, mit angenehmer und klarer Stimme. Kurze, leicht ergraute Haare, lebendige dunkle Augen, hinter einer randlosen Brille und ein sehr freundliches Lächeln auf den Lippen, zogen wie oft, alle in den Bann.
Der schwarze, moderne Hosenanzug, der rote Pulli und die passenden roten Schuhe, betonten ihre angenehme Erscheinung.
Nein, es war nicht die Dozentin, sondern eine sehr gute, alte Bekannte von mir und sie trug die Farbe Rot schon sehr lange als i-Tüpfelchen. Ich lächelte ihr zu und deutete auf den noch freien Platz neben mir.
Zielsicher kam sie auf mich zu und setze sich lächelnd auf den leeren Stuhl.
Ein kurzer Gedankenaustausch entwickelte sich zwischen uns beiden und dann war auch die Seminarleiterin endlich anwesend.
Diese stellte sich kurz vor und wenig später bemerkte sie, dass wir viel Gemeinsamkeiten hatten.
Vor allem, dass wir einfach Mensch sein/bleiben wollen.
Etwaige Ähnlichkeiten werden nicht ausgeschlossen........
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1818
Zeit für eine Pause. In ihrem kleinen Fitnessstudio für Frauen war es gerade mal ruhig – nur Inga und Gertrud, zwei Frauen, um die 60 und miteinander befreundet, waren auf den Geräten. „Ich komme gleich wieder!“, rief Eliza den beiden Frauen zu – „braucht Ihr in den nächsten 10 Minuten etwas zu trinken?“
„Nein, nein“, wehrten die beiden Frauen ab, „Wir kommen klar! Geh man ruhig!“
Das Wetter war aber auch zu schön draußen! Es war warm, und Eliza zog erst einmal ihre Fleecejacke aus. Im Studio musste es natürlich kühl sein, und die Klimaanlage lief. Vor der Haustür spürte sie die warme Luft angenehm auf der Haut, und sie atmete tief durch. Dann schlug sie den Weg zur Bank ein, um ihre Geschäfte zu erledigen. Das Telefon hatte sie auf ihr Handy umgeleitet. Dennoch konnte sie ihre Abwesenheit nicht allzu lang ausdehnen.
Am Ende der Straße, kurz vor dem Eingang zur Bank, sah sie Erwina stehen. Sie unterhielt sich mit einer älteren Frau, die zusammen mit einem kleinen Jungen auf einer Bank saß. Erwina stand und löffelte ein Eis, während sie mit der Frau sprach.
Erwina kam schon drei Jahre ziemlich regelmäßig in ihr Studio. Sie war eine stille Frau, unaufdringlich, beinahe zu dezent. Eliza mochte sie, denn was sie sagte, hatte zumeist Hand und Fuß. Erwina musste viel arbeiten, jedenfalls hatte sie immer wenig Zeit. Sie wusste ja, dass sie die Zeit, in der ihr Sohn in der Schule war, intensiv nutzte, um zu arbeiten. Dass sie dennoch regelmäßig ins Fitnessstudio kam, verstand Eliza auch. Erwina arbeitete freiberuflich allein von zuhause. Und bevor sie sich in die Arbeit stürzte, musste sie erst einmal etwas für sich selbst tun, um in Schwung zu kommen, so hatte sie es ihr einmal erklärt.
Erwina hatte jedenfalls keinerlei Gewichtsprobleme. Eine Ernährungsberatung hat sie zwar ganz am Anfang bekommen, weil es zum Konzept des Studios gehört, aber nicht wirklich gebraucht. Wohlwollend betrachtete sie im Näherkommen Erwinas Körperhaltung. Als sie sie vor 3 Jahren kennengelernt hatte, war sie immer etwas gebeugt gewesen. Jetzt war sie annähernd gerade, und insgesamt tat ihr die regelmäßige Bewegung ganz offensichtlich gut. Auch ihr Blick war heller geworden. Ihre langen rötlichen Haare hatte sie zu einem dicken Zopf geflochten. Die Wangen ihres zierlichen Gesichtes waren gesund gerötet. Ihr Blick war wie immer konzentriert und etwas zu ernsthaft – wie immer. Wie sie dort stand und das Eis löffelte, hatte sie dennoch beinahe etwas Gelöstes an sich.
„Hallo Süße!“ begrüßte Eliza jetzt Erwina. „Wo warst Du heute früh?“ „Oh hallo! Heute Vormittag musste ich ganz dringend etwas erledigen, aber ich komme morgen wieder!“, rief Erwina zurück. „Kennst Du schon den neuen Eisladen? Der hat ganz fabelhaftes Eis!“
Eliza schüttelte den Kopf. „Ich muss weiter. Bis morgen früh!“
Ja, Erwina war schöner geworden. Sie war nicht mehr so dunkel wie zu Beginn ihrer Bekanntschaft. Das freute Eliza.
Auf dem Rückweg war Erwina nicht mehr zu sehen. Aber Eliza machte einen Schlenker zur neuen Eisdiele, bevor sie sich wieder an ihren Arbeitsplatz zurück begab.
Ja, das Eis war wirklich gut!
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1813
Das Jahr hat seinen Zenit überschritten, es ist Hochsommer, es ist warm. Ich sitze im Schatten der Ulme. In einem halben Jahr – sollte ich es noch erleben – werde ich hundert..
In meiner Kleidertasche knistert der Brief, den mir meine Tochter Gertrud gab. Ich habe ihn seitdem mehrmals am Tag gelesen und kann ihn inzwischen auswendig, brauche ihn also gar nicht mehr.
Bevor mir Gertrud den Brief gab, hat sie lange und viel darüber geredet. Sagte wiederholt, daß er von ihrem Vater, also von Gottlieb sei Er hätte ihn seinem besten Freund Alfred geschrieben. Als dessen Haus im letzten Jahr von seiner Enkelin renoviert worden war, hätte sie mehrere Briefe gefunden und jetzt an Gertrud geschickt.
Bis zu diesem Zeitpunkt hörte ich ohne Emotionen zu und fragte mich, warum Gertrud überhaupt darüber sprach. Was interessierten mich Briefe, die Gottlieb diesem Alfred geschrieben hatte. Ich kannte diesen Mann ja kaum und nach seiner Flucht 1945 hatte er irgendwo im süddeutschen gelebt.
Und was Gottlieb anging – unsere Ehe war eine Versorgungsehe gewesen. Er brauchte eine Mutter für seine fünf Kinder und ich war siebenundzwanzig Jahre alt; die meisten heiratsfähigen Männer aus unserer Gegend waren im großen Krieg gefallen und die Möglichkeit noch zu heiraten und versorgt zu sein, war sehr gering. Also ließ ich es zu, daß Gottlieb mich heiratete.
Gertrud saß also mit ihrer Tochter Doris bei mir im Zimmer und redete und redete und ich wurde schon ein wenig müde darüber. Und dann sagte sie plötzlich, daß es in einem der Briefe um mich ginge. Überrascht riß ich die Augen auf und war sofort hellwach.
„Um mich?“, fragte ich. „Wieso geht es da um mich? Alfred kannte mich doch gar nicht.“
„Es geht trotzdem um dich“, Gertruds Stimme klang ein wenig verlegen. „Eigentlich haben wir uns gefragt, ob wir dir den Brief überhaupt geben sollen. Elsbeth war dagegen. Sie ist der Meinung, daß doch alles längst vorbei sei.“ Gertrud schwieg und ich reimte mir den Schluß zusammen. Das war so ganz und gar Elsbeth. Immer wenn es für sie unangenehm wurde und sie für eine Sache einstehen sollte, schlich sie sich aus der Verantwortung. Sagte dann immer, daß doch alles schon lange vorbei sei und man endlich Ruhe geben solle. Nur wenn sie sich im Recht fühlte, hatte sie ein Gedächtnis wie ein Elephant und erinnerte an Dinge und Situationen. Wie damals 1928. Da hatte ich dafür gesorgt, daß Gertrud zu Weihnachten ein rote Handtasche von uns geschenkt bekam. Elsbeth bekam keine. Sie wollte keine Handtasche und erst recht nicht in rot. Obwohl ich sie mehrmals fragte was sie sich denn wünschte, gab sie mir keine Antwort. Also bekam sie wie jedes Jahr Handschuhe und Strümpfe und Taschentücher geschenkt. Sie hat mir nie verziehen und spricht heute noch darüber.
Gertrud hatte mir an diesem Tag den Brief in die Hand gedrückt. „Soll ich ihn dir vorlesen?“,hatte sie vorher gefragt. Ich hatte den Kopf geschüttelt. „Meine Augen sind noch kräftig genug und ich habe ja auch das Vergrößerungsglas“, hatte ich abgelehnt.
Kurz vor dem Abendbrot waren sie dann gefahren und ich hatte mich danach auf mein Zimmer bringen lassen, hatte mich in den Sessel am Fenster gesetzt, hatte in den klaren Abendhimmel geschaut und mich gefragt, wie lange ich noch Zeit zum Leben hätte. Dann nahm ich den Brief aus dem Umschlag.
Es ist wieder das Jahr 1926. Nach einigen belanglosen Floskeln schreibt Gottlieb über mich.
„Du fragst, wie es mir mit Emma ergeht. Nun, wir sind jetzt fast ein Jahr verheiratet und sie hat es gelernt sich in meinen Haushalt einzufügen. Du hast ja unsere Hochzeitsphotographie gesehen. Sie ist recht klein und zierlich. Zu Anfang hatte ich schon die Befürchtung, sie sei schwächlich und würde kränkeln und ich hätte noch mehr Arbeit. Aber das hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Ich habe also recht gehandelt, daß ich sie geheiratet habe.
Emma ist zäh, sie macht ihre Arbeit ohne Murren, schwatzt nicht herum und ist zum Glück kein Modepüppchen. Während die anderen Frauen hier im Ort sich die Haare zum Bubikopf geschnitten haben, bleibt ihres braunes Haar schön lang und adrett. Ich will es nicht anders haben und als ich ihr das ernst sagte, sah sie mich nur groß an und anwortete, daß sie es sowieso nicht vorgehabt hätte.
Der Haushalt läuft wie am Schnürrchen, das Essen kommt pünktlich auf den Tisch und sie sorgt dafür, daß die Kinder ordentlich angezogen sind, die Schularbeiten ohne Geschrei und Tadel gemacht werden. Elsbeth ist ein wenig aufmüpfig und hat ihr im lezten Monat gesagt, daß Blut nun einmal dicker als Wasser sei. Ich weiß nicht warum sie das gesagt hat, ich habe auch nicht gefragt. Emma ist nur ein wenig blaß geworden, hat aber nichts darauf geantwortet. Ich bin mir sicher, daß sie es mir nicht gesagt hätte, aber da ich es nun einmal mitbekommen habe, habe ich Elsbeth zur Rechenschaft gezogen. Emma ist mir in den Arm gefallen. „Mit Schläge erreicht man nichts“, hat sie laut gesagt. „Deine Kinder sind keine Hofhunde.“ Ich war so erzürnt, daß ich das Zimmer verlassen habe und sie dann später in die gute Stube habe rufen lassen. „Das tust du nicht noch einmal“, habe ich ihr mit gefährlich ruhiger Stimme gesagt. „Ich bin der Herr im Haus und du hast dich in meine Erziehung nicht einzumischen. Und jetzt erwarte ich eine Entschuldigung von dir.“
Emma hielt während der ganzen Zeit ihren Kopf gesenkt. „Entschuldigung“, hat sie dann nach kurzem Zögern gesagt. Ich hatte eigentlich noch mehr erwartet. Aber Emma sagte nichts mehr und schaute mich auch nicht an. „Du kannst gehen“, habe ich ihr gesagt und sie drehte sich um und verließ den Raum. Die nächsten Tage habe ich mit ihr kein Wort geredet, damit sie Bescheid wußte und die Lektion lernte. Jetzt ist alles wieder in Ordnung. Am vergangenen Sonntag waren wir bei unserem Pfarrer zum Mittagessen eingeladen. Emma hat ihr bestes Kleid angezogen und die Pfarrfrau war angetan von Emmas Freundlichkeit und ihrer Belesenheit, ihrer klaren Sprache. Bis dahin hatte ich gar nicht gewußt, daß Emma so viel weiß und sich so gut ausdrücken kann. Fast war ich schon ein wenig ärgerlich, weil ich mich hinters Licht geführt fühlte. Als ich sie am Abend zur Rede stellte, sagte sie aber freundlich und ruhig, daß sie deshalb nicht darüber mit mir gesprochen hätte, weil sie es für wichtiger erachte, eine gute Ehefrau und Mutter zu sein und diese anderen Dinge zweitrangig seien. Ich habe mir selbst gratulieren müssen, daß ich solch eine weise Frau als Ehefrau habe. Ich hoffe nun, daß es Dir gut geht. Gottlieb.“
Emma ließ den Brief sinken. So hatte Gottlieb sie also gesehen. Als eine Art Haushälterin und Gouvernante.
Emma schaute in den dunkler werdenden Abendhimmel. Zum Glück hatte ihre Ehe nicht länger als dreißig Jahre gedauert. Dreißig Jahre - eine lange Zeit. Aber kurz, wenn man so alt war wie sie. „Ich habe ein gutes Leben gehabt – ich war versorgt und irgendwann war ich sogar frei und konnte leben, wie ich es mir wünschte und vorstellte.“
Hallo Hadassa, eine bittere Erkenntnis am Ende des Lebens. Aber doch mit einem versöhnlichen Ende in Freiheit. Sehr gut beschrieben, Deine zweite Perspektive! Gruß Babs
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1809
"Wir wissen noch immer nicht, was genau er alles geschluckt hat. Wir tappen da völlig im Dunkeln. Das ist dieses Wochenende schon der fünfte Fall, bei dem wir nur eine krasse Überdosis feststellen können, ohne mit einem gezielten Gegenmittel therapieren zu können. Offenbar hat er sich das Zeug direkt intrazerebral gespritzt. Wir müssen das Ganze unbedingt aus dem Gehirn herausholen, bevor es in den normalen Gedankenkreislauf gelangt. So, jetzt, das Lösungsmittel intravenös .... anscheinend wieder einer dieser Fälle von Komalesen. Verrückt so was! ... Ah, es geht los, er kann sich übergeben."
.... Unorthodoxe Gedanken in langweiligen Galaxien purzeln heraus: Wir verteidigen Deutschland auch am Hinterkuckucksdeifel, wo ein Optimist und Pessimist auf einem Löwenzahn sitzen, blonde Locken, strahlende Augen, ein Lächeln: Beide werden vom Löwenzahn gefressen. Ihr Körper geht mir nicht aus dem Kopf. Diagnose: Zerebrale Verstopfung.
ROSA, heast, wos is dees, a Krokodilschwanz? Da kannst genauso guat zur Porsche-Ralli-Ralley mit chronisch untervögelten Froschschenkeln geh'n. Des is eh' leiwandt. Make-up your tit, des wär a hit. Deine wilden Locken müßte man mal in Stein hauern, hat er g'sagt. Doch die Chefin wehrte ab. Sie versuchte, dich nicht zu verstehen; rein menschlich gesehen wollte sie die Situation mit Humor und Understatement auflockern, die noble Geschäftsfrau mit schwarzem Gürtel in Turnschuhen, singend. Michael Jackson MESSIAS MESSAGE to the media o.k. (overkill) stop game over stop fuck off stop fuck yourself.
Meine Eltern waren gut erzogen, im Gegensatz zu mir - steter Tropfen höhlt das Bewußtsein, Lachfältchen am Auge des Betrachters. Zierliche Hände stemmen sich gegen muskulösen Oberkörper - wonach sie schon lange gedürstet hatten. Der Mann steckt in einem durchtrainierten Körper; wir sollten ihn da herausholen.
"Wie? Ich langweile Sie? Halluziniere ich? Nein, das glaube ich nicht".
Frisöre und Fritteusen, höflich, streichen Haare nach hinten. Virchow der Monsterrancher fährt nach Paris-da-ist-das-Leben-so-süß. Frau Weber will Prozesse und Abläufe verstehen. Ihre großen dunkelbraunen Augen blicken in meine hellgrauen Schlitzaugen über Tränensäcken mit aufgehitzter Haut. "Es ist wirklich das erste Mal!" Krähenfüße, gerupfte Hühnerbeine, ein geschwollener Hahnenkamm. Das alles entspricht überhaupt nicht seinem Niveau. Er findet das Taschenbuch zum Abreißen komisch.
Julie im Lande der leeren Augenhöhlen! Netter runder Hintern, aber warum ganz in Schwarz?"
Es würgten mit:
Der Arzt
Der Patient
Oh! Ein Jäger und Sammler! Ein Galerist! Lass mich raten: Blutgruppe 0? Wenn nicht, dann solltest du's noch mal überprüfen lassen. Schön, diese Darbietung der Exponate auf engstem Raum. Darf ich nach der Höhe der Leihgebühr fragen? Wie? Umsonst? Ja wo gibt's ... Her mit dem Kontoauszug! Tatsächlich! Das ist doch ... Ein Illegaler! Ein Schmarotzer! Frau Lehrerin, jetzt sagen Sie doch auch mal was! "Max! Setzen! Sechs! So wird aus dir weder ein Literat noch ein Literaturkritiker! Und das nicht nur wegen der fehlenden Quellenangaben!" Jawoll. Danke.
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1803
Es wäre so einfach gewesen. Wütend schlug er mit der Faust gegen die schwere Metalltür.
Der gebrochene Ringfinger schwoll sofort an. Hinter ihm in der Ecke wimmerte das Mädchen.
Dieses dumme Dreckstück hatte alles vermasselt. Er wusste es gleich, als er ihre obszönen Blicke spürte. Doch es war zu spät.
Er kannte sie. Sie verbrachte fast täglich ihre Mittagspause in dem kleinen Straßencafe in der Fußgängerzone. Der Buchladen, in dem sie arbeitete lag direkt nebenan.
Seit Wochen beobachtete er die Fußgängerzone, den Parkplatz und den kleinen Spielplatz.
Dabei war er stets unsichtbar geblieben.
Niemand hatte ihn bemerkt. Auch sie hatte ihn nie eines Blickes gewürdigt.
Bis heute.
Ausgerechnet sie!
Wie sie da saß, sich auf dem Stuhlräkelte und ihre Brüste präsentierte wie eine Hure.
Wie sie die geilen Blicke der Männer auf ihre langen Beine und ihren prallen Hintern genoss!
Nie hätte sie ihn bemerkt. Frauen wie sie sahen ihn nicht. Höchstens lachten sie über ihn, machten sich lustig über seine Schüchternheit!
Wenn er dann einmal all seinen Mut zusammen nahm und sie leise fragte, ob sie mit ihm zum Abschlußball käme, dann würde sie ihn auslachen, ihn verspotten vor allen anderen und…..
Er hatte die Hände so fest zu Fäusten geballt, dass die Fingernägel sich in die Haut gruben.
Ausgerechnet sie hatte ihn beobachtet, ihn taxiert. Weil er ein Kind dabei hatte. Ja, nur deshalb.
Ihn hatte sie nicht gesehen. So waren sie alle.
Sie würde sein Gesicht überall wiedererkennen.
Das Kind hinter ihm hörte nicht auf zu weinen.
„Hör endlich auf zu heulen!“
Er musste sich jetzt konzentrieren.
Im Keller war er sicher, aber er konnte nicht ewig hier unten bleiben.
Er konnte das Mädchen einfach seinem Schicksal überlassen.
Traurig schaute er sie an:
„Schade, dass wir nicht mehr Zeit füreinander hatten.“
Daran war nur diese Hure schuld!
Für sie würde er sich noch etwas ganz Besonderes einfallen lassen.
Später, wenn er in Sicherheit war.
Wie seine Mutter schon gesagt hatte:
„Die kleine Dreckshure muss bestraft werden!"
Hallo Audrey, danke für deinen Kommentar. Ein Teil der Fragen wird vielleicht durch Text Nr.1549 aus der letzten Woche beantwortet. Über den Rest kann ich noch nichts sagen. Liebe Grüße Anja
Hallo Anja, was du da schreibst ist ganz schön spannend. Und natürlich wirft dein Beitrag auch viele Fragen auf. Woher kennt er diese Frau? Warum hat er das Kind bei sich? Und warum will er der Frau etwas antun? Was hat sie ihm angetan? Wäre wirklich sehr erfreut noch mehr über deine Geschichte zu erfahren. Gruß, Audrey
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1797
Dies ist eine Videoantwort auf die Nr. 493.
"Hallo!! ... Sie!.. Hallo! ... Hören Sie mich?.. "
"Was mach' ich'n hier?"
"Das weiß ich auch nicht, was Sie hier machen. Warum sind Sie denn in die Praxis gekommen?"
".. will in den Park.. stickig hier.. "
"Können Sie mir nicht Ihren Namen nennen, Frau .. "
"Wo ist meine Angel?" ...
"Dr. Brunner, ich weiß nicht mehr, was ich mit dieser Patientin noooch machen soll. Ich ..."
"Ich kümmere mich später um Sie, Katharina. Ich hab' jetzt auch noch was anderes zu tun. Sie sehen doch, das Wartezimmer ist voll. Schauen Sie doch inzwischen mal in der Tasche der Patientin nach, ob Sie dort irgendwelche Anhaltspunkte finden können. ..
"Ja gut. Mach' ich ..."
"Der Nächste bitte!"
"... Was ist denn das hier? 'Carte d'Identité Napoleon Bonaparte, date de naissance 15 août 1769' .... ein Schlüssel, ziemlich groß, mit Anhänger ... 'machina temporis prima' ..."
".. zwei Zeitmaschinen ... "
"Ganz ruhig Frau ... Ähhh ..., Sie bekommen gleich eine Spritze, das wird Sie beruhigen, mhh ... ein zerknautschter Ball, ein Stoffhund .. "
"Du bist der Mooooob .."
"Beruhigen Sie sich! Der Doktor kommt gleich zu Ihnen... ein Strafzettel, ahhhh - zu schnell gefahren, .. Frau Marcuse, Eva Marcuse, erreichte mit ihrer Zeitmaschine eine Geschwindigkeit von 150 Jahren pro Sekunde. ... und ... hier .. ein Gutachten des Bundesamtes für Materialprüfung ... demnach ist das Material, aus dem die Außenhaut der Zeitmaschine besteht, in Deutschland nicht zugelassen (Gefahr der Selbstbespiegelung von Bundesbürgern) ... "
".. ein Pils ..."
"Sie müssen sich erst vom Doktor untersuchen lassen, bevor wir Ihnen etwas zu trinken geben können ... und hier ... das letzte Stück in der Tasche ... eine Schachtel ... mit einem Aufkleber ... 'lip-microphone BBC Serial Number 15827' ... "
"Der Nächste bitte!"
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1782
Ralli lässt sich über Frau Frosch aus
Mann, die Alte hat Nerven! Sagt mir, ich seh‘ aus wie‘ n Frosch, dabei ist das ihr Spitzname! Komisch, Bambi hätte besser zu ihr gepasst mit den braunen Augen und so, wie die immer so vorsichtig um die Ecke guckt.
Egal, ist ja jetzt durch, das Ding! Am Anfang habe ich noch gedacht, dass ist ne Sahneschnitte, eine, die Kohle hat und trotzdem locker drauf ist. Ich mein, wer kann sich das schon leisten, jeden Morgen mit dem Taxi zur Arbeit zu fahren! Was soll‘s, ist ja mein Job. Die hat mich morgens immer wieder geweckt, mit ihrer spritzigen Art. Roch immer so lecker nach irgendwelchen orientalischen Parfums, von denen ich noch nie was gehört habe. Bei Douglas hat sie die jedenfalls nicht gekauft. War auch nicht schwer, mit ihr ins Gespräch zu kommen. Die stellte immer die richtigen Fragen, wusste sofort, wie ich drauf bin nach einer harten Nacht und ruck zuck! Habe ich los gelabert. Ich dachte, wir haben einen Draht. Und für 49 sah die noch richtig gut aus, immer witzig gestylt, bis auf die Haare und die Nägel. Die waren nie gemacht. Sie meinte, sie hätte für solchen Scheiß keine Zeit! Ich wollte ihr ja das Nagelstudio von meiner Ex andienen, für French Nails und so, aber sie hat immer abgewinkt. Das wäre nix für sie, von dem Geruch würde sie ohnmächtig. Auch gut, habe ich gedacht, dann eben nicht. Sonnenstudio würde ihr auch mal gut tun, habe ich ihr gesagt, aber sie meinte, davon kriegt man Hautkrebs und ich sollte das auch mal schön sein lassen.
Ich hab‘ ziemlich schnell rausgekriegt, dass sie alleine lebt. Kein Kerl in Sicht! Nur irgendwelche Bekloppten, die ständig anriefen, aber von denen sie nichts wollte. Praktisch, dachte ich, und habe sie mal zum Essen eingeladen. Als ich sie mit meinem Porsche abgeholt habe, wusste sie noch nicht mal, dass das einer ist. Ein Auto sei ein Transportmittel, meinte sie, egal, wie es aussieht, Hauptsache es fährt. Auch gut! Wir waren dann beim Griechen und ich habe ihr immer eine Zigarette mit angezündet, wenn ich rauchen wollte. Sie fand das nervig, meinte, sie könne sich ihre Fluppen alleine anstecken, sie sei ja schließlich schon groß. Als ob das was damit zu tun hätte! Na ja, den Griechen fand sie wohl auch nicht so prickelnd, weil sie mehr auf so Feinschmecker-Kram steht, mit wenig Fett. Würde mir auch gut tun, meinte sie, wegen Cholesterin und so. Ein bisschen kamen ihre Sprüche immer so rüber wie bei einer Lehrerin, ziemlich streng, aber ich fand‘s süß.
Nach dem Griechen waren wir noch in einer Kneipe bei ihr um die Ecke, wo ich einen alten Kumpel vom Fußballtraining getroffen hab. Man, war die hinterher sauer, weil ich sie ihm als meine Neue vorstellt habe. Und als ich sie nach Hause gebracht habe, saß sie da die ganze Zeit im Schneidersitz auf ihrem wackeligen Holzstuhl und guckte grimmig. Ich wette, sie hatte tierischen Bock auf mich, aber sie meinte, zwischen uns, da ginge nur Freundschaft. Als ich sie beim Abschied umarmen wollte, hat sie sich steif gemacht wie ne Jungfrau und ist richtig zurückgewichen, als ob ich stinken würde, obwohl sie noch meinen Ouzo mitgetrunken hat.
Ich habe ihr dann gesagt, sie sei chronisch untervögelt, da hat sie die Tür zugeknallt. Hinterher habe ich mich am Telefon noch mal entschuldigt, aber da hat sie die beleidigte Leberwurst gespielt und einfach aufgelegt.
Als ich mir dann das Coupé gekauft habe, konnte ich sie noch mal zu einer Spritztour an die Elbe überreden. In der Natur ist sie richtig aufgeblüht. Da wurde sie dann auch mal locker, so beim Spazieren gehen. Da hat sie Blumen gepflückt und mal ein bisschen von sich erzählt. Auf was sie so steht und was sie schon alles gemacht hat, so im Ausland und so. Inner Birne hat sie ja was, mit ihren vielen Fremdsprachen, Englisch, Französisch, Italienisch und so. Ich find‘ das ja gut, wenn Frauen was drauf haben. Ich habe ihr dann auch ganz viel von mir erzählt, von meiner dämlichen Ex. Fand sie spannend, jedenfalls tat sie so, als würde sie mich voll verstehen. Auf dem Rückweg hab‘ ich mit ihr noch einen Abstecher durch die Süderstraße gemacht, weil sie das unbedingt mal sehen wollte. Ich habe ihr gesagt, sie soll sich ducken, die Ladies haben das nicht so gern, wenn ich da mit ´ner Frau rumkurve. Da hat sie nur gegrinst. Wahrscheinlich wollte sie das nur wieder für ihr Hobby wissen. Sie schreibt ja so gerne über komische Leute, hat sie mal gesagt. Aber mir hat sie keinen einzigen Text gezeigt. Ist wahrscheinlich eh nur gelogen gewesen.
Jedenfalls, kaum waren wir wieder in der Stadt und vor ihrer Haustür, wurde sie wieder ganz kühl und rieb sich immer im Gesicht rum. Als ich sie gefragt habe, was das soll, meinte sie, sie würde versuchen, sich den Knopf abzureiben, den ich ihr an die Backe gelabert hätte. Da war bei mir der Ofen aus. Verarschen lasse ich mich ja wohl nicht, schon gar nicht von so einer frustrierten Tussi, die auf locker tut, aber in Wirklichkeit nicht weiß, was sie will. Ich glaube, die kann das bloß nicht ab, wenn ein Mann mal nett zu ihr ist.
In der Aufgabe steht doch: "Beschreiben Sie sich selbst aus der Sicht jener Figur, die Sie in der vorangegangenen Übung porträtiert haben." Wie wirkt Frau Frosch in den Augen des Betrachters..? Offensichtlich eine sehr spannende und sehr psychologische Übung. Ich wäre zunächst nicht darauf gekommen, dass der zweite Text bei manchen so viele Fragen aufwirft. Jetzt muss ich noch mal in mich gehen. Wieder etwas dazu gelernt. Sehr schön. Ich habe die Prota übrigens spontan Frau Frosch genannt, weil ich zuvor von Frau Marcuse gelesen hatte... So kann's gehen. Gruß Frog (nicht Frau Frosch)
Liebe frog, mir geht es ähnlich wie Angela - ich bin überrascht davon, wieviel hier von Frau Frosch preisgegeben wird. Ich möchte gar nicht davon sprechen, wie gut der Text ist - auch hier schließe ich mich schlicht Angela an. ___Was mir auffällt, ist, wie sehr sich die beiden Texte in der Wortwahl, im Duktus, im Ton, im Rhythmus, im Tempo ähneln. Das ist doch merkwürdig. Genaugenommen dominiert die Sprache des Kutschers beide Szenerien fast vollkommen. Da habe ich den Eindruck, dass die Überdimensionierung seiner Sprache, sowie die hyperreale Darstellung der beiden die Eigenschaften und Eigenheiten der Frau zudecken (vielleicht sogar auch des Mannes). Sie referenziert eigentlich nur auf das, was von dem Kerl kommt. Es ist ein Schlagabtausch, es wird gekämpft, sie behauptet sich. Dahinter könnte es aber auch so etwas wie Traurigkeit geben..., oder sie könnte Moskau Inkasso bitten, ihm mal die Fresse zu polieren, oder sie könnte mit ihrer eigenen Sprache langsam seine Sprüche zerbröseln? .... Aber will sie das überhaupt. Will sie nicht mit geducktem Kopf in seinem Porsche durch den Nuttenbezirk fahren? Ist da nicht eine Sehnsucht nach - ich sag mal: Schmutz? Ist da vielleicht ein Widerwille gegen alles, was clean ist? Fragen über Fragen...
Witzig, echt witzig. Die Sprüche sind markig und die Handlungen nachvollziehbar. Echt feiner Text der hoffentlich den Leser nicht verwirren soll, sondern die Autorin realistisch portraitiert. "Man, war die hinterher sauer, weil ich sie ihm als meine Neue vorstellt habe." Ich glaube, hier schreibt man "Mann" als Geschlecht.
Auf den zweiten Blick passen die beiden Texte doch ganz gut zueinander. Beim ersten Blick beinhaltete der erste Beitrag eine gewisse dezente sarkastische Ausdrucksweise, die mir persönlich gefiel. Beim zweiten Text erschien mir diese sarkastische Ausdrucksweise zuerst zu stark aufgetragen. Beim zweiten Durchlesen sehe ich ein anderes Problem, genauer gesagt, ich glaube ein Problem zu sehen. Solange der Leser davon ausgeht, dass der Erzähler eine neutrale Person ist, läuft alles gut. Wenn aber der Leser den Eindruck gewinnt, dass die Person des Erzählers und die Person des Verfassers identisch werden, läuft hier etwas auseinander, was sachlich eigentlich zusammengehören sollte. Jetzt weiß ich nicht mehr, ob der eventuell etwas übertriebene Sarkasmus die fehlende Distanz zwischen Autor und Erzähler wieder herstellen soll. Ich weiß es hier nicht und ich weiß auch nicht bei meinen beiden Texten. Daraus kann ich nur ableiten, in meinem Roman, sollte er jemals ernsthaft in Angriff genommen werden, solche Konstruktionen herauszuhalten.
So viel wie Frau Frosch hat bisher niemand über sich preisgegeben. Ich bewundere das, denn ich habe es nicht geschafft meine Hemmschwelle zu überwinden. / Der Text liest sich übrigens ganz wunderbar. Er ist locker und witzig geschrieben, aber er hinterlässt beim Leser auch Ratlosigkeit, was die Beweggründe von Frau Frosch betrifft, Männer, von denen sie nichts will, überhaupt so nahe an sich heranzulassen.
Liebe Frog, nimm sieben Grand-Prix-Rosen entgegen! Du hast in der Beschreibung der Froschkönigin noch einiges drauf gesetzt mit weiteren Merkmalen des Droschkers. Satz für Satz genau meinen Erwartungen entsprechend, unverblümt, mit Feuer, Rhythmus, Schlagzeug und Synthesizer! Dazu Hinweise, wie ihr Türöffner schaltet. Für Frauenversteher gehts kaum noch deutlicher; alles klar!
Also diese Frau Frog gefällt mir sehr! So habe ich sie mir vorgestellt. Und das sie auf solche Typen überhaupt nicht steht, kann ich gut nachvollziehen. Dieser witzige Text war ein Lichtblick an diesem bedeckten Sommertag. LG. Maju
Ach Frog, das ist sooo klasse! Ich war schon von deinem Ralli-Text ganz begeistert, und dieser hier ist eine ganz wunderbare Ergänzung. Du hast da zwei filmreife Charaktere geschaffen, ich sehe sie schon vor mir auf der Leinwand. Einfach toll, wie du so viele Details unterbringst, ohne dass es jemals wie eine Aufzählung wirkt. Ich hätte große Lust, auf der Stelle noch viele, viele Seiten über dieses Pärchen zu lesen. Ganz großes Lob und herzlichen Dank für dieses Lesevergnügen! Iris
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1778
Sie denkt, ich bemerke es nicht. Sie denkt, ich sehe diesen Blick nicht, mit dem sie mich mustert. Sie denkt, ich sehe nicht, wie sie mit ihrem Stift spielt, daß sie etwas schreibt, wieder zu mir sieht, wieder schreibt.
Liebe Maria! Denkbar knapp, und dennoch oder gerade deshalb so aussagekräftig. Raum lassend für eigene Interpretationen im Zusammenhang mit dem vorigen Text. Weil mir dieser so gut gefällt, habe ich alle deine Texte noch mal gelesen und mich gefragt, weshalb ich bisher keinen einzigen kommentiert habe. Denn sie gefallen mir alle. Deine ruhige, fast ein wenig traumgleiche Sprache, die Sanftheit und Wehmut, die aus dem Erinnern und dem Nichterinnern spricht. Das alles spricht mich sehr an. Ich werde mich um mehr Aufmerksamkeit bemühen, die mir in der Vielzahl der Texte wohl manchmal verloren geht. Liebe Grüße, Iris
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