„Ich habe das Buch Raum zum Schreiben genannt, weil jede Seite, jedes Kapitel eine Tür öffnet: zur Fantasie, zum Intellekt, zur Seele und zur Gefühlsebene."

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Schicksal

08.06.2009


Aufgabe
Schreiben Sie das Wort ›Schicksal‹ mit der Hand nieder und schreiben Sie zwei Seiten dazu. Oder verfassen Sie einen Dialog zwischen zwei Figuren, in dem die beiden über ihre Einstellung zum Schicksal sprechen.



© 2008 Autorenhaus Verlag GmbH, Berlin
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Leserbeiträge

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Eingetragen am: 27.10.2009 von Berthild Lorenz
[ Lesezeichen ]

3779

"Schicksal, schreib ich schon lange anders! SCHICKSaaL schreib ich und das hat seinen Grund!
Irgendwer schickt Irgendwen in einen Denk-Saal und will ihn dort festsetzen. Und dann gibt es noch mich! Ich lasse mich von keinem Menschen in einen Denk-Saal schicken und festsetzen, in dem ich nicht bleiben will!
'Geh doch selber da hin, wenn du willst, dass da EineR festsitztist!', meine trotzige Antwort.
Damit können nicht viele Menschen leben. Diese Frau, die muss weg! So erlebe ich Deutschland an so vielen Knackpunkten und ich hoffe noch immer, dass endlich die Klügeren Zulauf bekommen, die, die nach den Interessen hinter dem Schicken in Denk-Säle fragen und Lösungen für die Konflikte suchen und finden und genießen werden. Und ich verschenke meine Lebenszeit, um darauf hin zu weisen, weil Konfliktlösung mit Weisheit zu tun hat; Kriege in und um Menschen nicht braucht, um zu bestehen."


Eingetragen am: 13.10.2009 von putzi
[ Lesezeichen ]

3757

Mama mia

Die Geburt des Stammhalters stellte das zuvor als vollkommen erscheinende Glück von Gerhard und Julia auf eine harte Probe.
Er fühlte sich um seine geliebte Frau betrogen, weil aus seiner attraktiven, vor Energie sprudelnden Lebensgefährtin eine fürsorgliche, jedoch langweilige Mutter geworden war. Gerhard stand nicht mehr im Mittelgrund ihres Lebens, sondern wurde auf ein emotionales Abstellgleis geschoben. Diesem verschissenen Schreihals schenkte sie jene Aufmerksamkeit, die er für sich beanspruchte. Gerhard wurde eifersüchtig auf seinen Sohn Armin.

Von Selbstmitleid geplagt suchte er nach einem Ausweg.
Jeden Abend saß er frustriert vor dem Fernsehen und genehmigte sich eine Flasche Bier zum entspannen. Wenigstens die musste er nicht mit dem Balg teilen.
Im leicht berauschten Zustand vor sich hinzudämmern verschaffte ihm ein Glücksgefühl, auf das er bald nicht mehr verzichten wollte. Um dies zu erreichen, benötigte er immer mehr Alkohohl.
Wenn Gerhard direkt aus der Flasche trank und Julia ihn auf seine schlechten Manieren hinwies erwiderte er:
„Im Glas bleibt einfach zu viel hängen“.
Er amüsierte sich prächtig über diesen Witz, doch ihr blieb das Lachen im Hals stecken.
Dass er Alkoholabhängig wurde, wies Gerhard weit von sich, doch seine Sucht schnitt tiefe Wunden in das Familienleben. Aus dem ehemals intelligenten, liebenswerten und verantwortungsvollen Menschen wurde ein aggressiver und hochmütiger Trinker, der keinerlei Kritik an seiner Person duldete.
Nachdem er seine Arbeit verloren hatte, lästerte er zum Ausgleich über Alles und Jeden her.
Es wurde einsam um ihn. Niemand wollte sich noch mit ihm abgeben. Bis auf seine Familie, hatte er jeden sozialen Kontakt verloren.

Zu Hause fing Gerhard an Vorschriften zu machen. Überall mischte er sich ein. Alles wusste, oder konnte er besser.
Immer öfter stritten sich Amins Eltern.
Meistens in der Nacht, wenn sie annahmen ihr Sohn würde friedlich schlafen. Oft endeten solche „Aussprachen“ damit, dass Gerhard einfach zuschlug. Mit steigendem Alkoholspiegel sanken auch seine Hemmungen vor Ausübung körperlicher Gewalt.
Wenn Armin wegen der unvermeidlichen Schreie aufwachte, zog sich das Kind ängstlich die Bettdecke über den Kopf und fühlten sich auf seltsamer Weise schuldig. Zu gerne hätte er seiner Mutter beigestanden, doch um gegen den kräftigen Vater aufzubegehren war er noch viel zu klein gewesen. Außerdem liebte er ihn doch auch. Armins Seele litt.

Am Morgen nach dem Streit tat Julia so als sei nichts geschehen. Jedoch verrieten Blutergüsse in ihrem Gesicht, was im elterlichen Schlafzimmer geschehen war.
Niemand sprach ein Wort darüber. Tapfer lächelte Julia ihrem Sohn entgegen, wenn er am Frühstücktisch saß. Als Mutter zog sie es vor ein Tuch des Schweigens über das zu legen, was nicht verheimlicht werden konnte. Um keinen Ärger mit dem Vater zu bekommen, hielt sich Armin auch daran.
So ging das mehrere Jahre.

Anfangs hatte Armin noch Mitleid mit seiner Mutter. Doch mit zunehmendem Alter begann er ihr Vorwürfe zu machen. Seine ganze Jugend war von Angst geprägt gewesen und ihr gab er die Schuld daran. Warum hatte sie sich nicht scheiden lassen und all diese Demütigungen ertragen?

Nach Abschluss seiner Berufsausbildung wollte Armin auf eigenen Beinen stehen und sich von seinen Eltern nichts mehr sagen lassen. Prompt bekam er Ärger mit dem Vater.
Wie gewohnt schlug Gerhard zu. Nicht ins Gesicht, sondern in die Magengegend. Dort wo es sehr weh tat, aber keine sichtbaren Spuren hinterließ.
Eine Weile lang schluckte der Heranwachsende die Schläge noch herunter. Wenn der Vater nüchtern war, dann wurde er wieder zu jenem wundervollen Menschen, in den seine Mutter sich verliebt hatte. Doch niemand wusste wie lange dieser Zustand andauern würde.
Im Geheimen fing Armin an eisern zu sparen. Der Tag seines Auszugs rückte in greifbarer Nähe.

Es kam der Tag an dem Gerhard das Zimmer seines Sohnes durchwühlte und das Sparbuch entdeckte.
Dass Armin so viel Geld beisammen hatte erstaunte ihn. Davon wollte er auch etwas abhaben. Freudig rechnete er sich aus, wie viel Freibier er demnächst ausgeben könne. Nur in der Kneipe fand er Gleichgesinnte und wurde anerkannt.

Gerhard war immer knapp bei Kasse. Julia verdiente das Geld. Es mangelte ihm an nichts, doch seine Sauftouren musste er aus eigenen Mitteln bezahlen.
Für ihn war das ein weiterer Grund von Minderwertigkeitskomplexen geplagt zu werden.

Fest entschlossen sich Armins Geldsegen einzuverleiben wartete Gerhard ungeduldig darauf, dass sein Sohn Feierabend hatte. Wie gewohnt stellte er den Jungen zur Rede und unterstellte ihm seine Mutter bestohlen zu haben. Doch Armin konnte beweisen, dass die Beschuldigung aus der Luft gegriffen war. Außerdem weigerte er sich beharrlich seinem Vater einen Cent vom Ersparten abzugeben. Wütend ballte Gerhard die Faust.
Doch dieses Mal zog er dem Kürzeren.
Das erste Mal in seinem Leben wehrte sich Armin und schlug zurück.
Nun war geschehen was er immer vermeiden wollte und ließ sich nicht mehr rückgängig machen.
Böses ahnend saß Armin in seinem Zimmer.

Wutentbrannt, aus der Nase blutend, stürzte Gerhard in die Küche. Julia war gerade dabei Gemüse zu putzen.
„Was ist denn nun schon wieder mit euch beiden los?“, wollte sie gerade fragen. Doch Gerhard riss seiner Frau das Küchenmesser aus der Hand. Schweißperlen glänzten auf dem erhitzten Gesicht.
„Au“ schrie Julia, weil die Klinge einen tiefen Einschnitt hinterließ.
Gerhard achtete gar nicht darauf. Aufgeregt keuchte er:
„Dein Sohn, jetzt hat er es endgültig zu weit getrieben. Ich bring ihn um! Keine Stunde länger verbringt dieser Haufen Scheißdreck unter meinem Dach!“
Alkoholgetränkte Atem schwebte wie ein böses Omen im ganzen Raum.
Bevor Julia etwas erwidern konnte sah sie, wie ihr Mann mit dem Messer bewaffnet zu Armins Zimmer eilte.
Vor Entsetzen bleich geworden wusste Julia, dass Gerhard alles zuzutrauen war. Ihre Hand umklammerte einen Fleischspieß aus Metall. Wieso sie gerade den aus der Lade gezogen hatte und was sie damit anfangen wollte, hätte sie nicht sagen können. Nachdenken konnte das Leben ihres Sohnes gefährden, sie musste handeln. Entschlossen rannte sie ihrem Mann hinterher.

Gerhard stand an der geöffneten Zimmertür und fuchtelte mit dem Messer herum. Er drohte seinen Sohn abzustechen, wenn dieser nicht sofort das Weite suchen würde.
Armins Augen waren vor Angst weit aufgerissen. Er zweifelte keine Sekunde daran, dass sein Vater fähig wäre ihn zu ermorden.

Gerhards Rücken war zur Treppe gewandt. Er konnte das Herannahen seiner Frau nicht sehen.
Julia erfasste im Bruchteil einer Sekunde die gefährliche Situation. Nichts konnte Gerhard zurückhalten, seine Drohung wahr zu machen.
Hatte er nicht seinen über alles geliebten Schäferhund getötet, weil das Tier aus Notwehr ihn in die Hand biss?

Jetzt erhob er sich sogar über Menschenleben. Jeder Tag, an dem sie gelitten hatte, schrie nach Vergeltung.
„Du bist nicht Gott! Woher nimmst Du das Recht, deinem Sohn nach dem Leben zu trachten?“
Verwundert drehte Gerhard ich um.
„Halts Maul und verschwinde in die Küche. Das hier ist eine Sache unter Männern, die geht dich nichts an!“
„Dir zeige ich was mich nichts angeht“.
Ohne zu zögern stieß Julia den Fleischspieß mit voller Wucht in Gerhards Rücken.
Ganz leicht bohrte sich das spitze Metall ins lebende Fleisch, prallte an der Wirbelsäule ab und durchstieß einen Lungenflügel.
Ungläubige Augen sahen Julia an.
„Du? Was hast du das getan?“, konnte Gerhard gerade noch röchen, dann sackte er in sich zusammen. Blut quoll aus seinem Mund heraus.

„Geb’ mir Dein Handy“, verlangte Julia von Armin, der wie angewurzelt dastand.
„Na los, her mit dem Ding“, schrie sie ihren Sohn an um ihm wachzurütteln.
Sie war die Ruhe selbst, als sie bei der Polizei anrief. Pflichtgemäß gab Julia ihren Namen und Adresse bekannt und sagte gelassen, soeben auf ihren Mann eingestochen zu haben.
Die Haustür sei nicht verschlossen, sie würde die Polizisten in der ersten Etage erwarten.
Mit einem Seufzer der Erleichterung widmete sie sich danach ihrem Opfer.

Gerhard lebte noch. Wenn er Glück hatte, dann würde er diesen Anschlag sogar überleben. Seine Augen waren immer noch auf Julia gerichtet.
„Du fragst mich was ich getan habe. Kannst du dir nicht vorstellen dass ich schon lange davon träumte? Jetzt kann ich dir endlich sagen was ich wirklich von dir halte, du erbärmlicher Wicht.“
Dann sagte Julia alles, was ihr seit Jahren auf dem Herzen gelegen hatte. Gerhard hatte weder Luft noch Kraft um sie zu unterbrechen. Nur ein leises
„du hasst mich ja“,
brachte er zustande.
„Ich? Dich hassen? Glaube mir, ein so starkes Gefühl bist du gar nicht wert.“
Jeder Ton drückte Julias Verachtung aus.

Schneller als erwartet stürmten Polizisten, gefolgt vom Notarzt und Sanitätern, ins Haus.
Ein Blick genügte, um zu wissen wie ernst die Lage war. Während sich der Arzt um Gerhard kümmerte, wurde Julia befragt.
„Augenblick bitte, ich muss nur noch was meinem Sohn sagen, dann können Sie über mich verfügen.“
Eindringlich sprach Julia zu Armin.
„Du bleibst hier. Dies ist dein Zuhause, aus dem dich niemand vertreiben darf. Deinem Vater hätte ich schon viel früher Einhalt gebeten sollen, doch ich war zu feige. Verzeih mir bitte, ich habe versagt.“


Kommentar von putzi

Herzlichen Dank für Deine Antwort Ursula. Besonders freut mich, dass Du meine Geschichte interessant und spannend gefunden hast. Es ist nur eine Geschichte, wenn auch mit einigen erlebten Details gewürzt. Schuld ist bei mir nicht immer der Partner. Vater, wie Mutter haben gemeinsam darauf hin gearbeitet, dass die Situation außer Kontrolle geriet. Wenigstens hat sie ihr Versagen eingesehen, das gibt meiner Meinung nach dem Schluss einen besonderen Pfiff. Juristisch wird die Mutter nicht allzu viel befürchten müssen, eine Bewährungsstrafe dürfte in diesem Fall gerechtfertigt sein. Liebe Grüße, Putzi

Eingetragen am: 21.10.2009

Kommentar von Ursula Menzel

Hallo Putzi, Deine Geschichte liest sich wie ein Krimi, spannend und interessant. Wenn sie aber traurige Wahrheit ist, so kann einem die Familie leid tun. Eifersucht treibt Blüten, und wenn dazu noch Alkohol im Spiel ist, und die Grenzen des machbaren überschritten werden, dann ist ein Tötungsdelikt vorprogrammiert. Ich gehe davon aus, dass die Frau in Notwehr handelte. Es ist das letzte Mittel. Vielleicht hätte sie schon viel früher ihren Mann verlassen sollen, denn ein Leben mit einem Trinker und Gewalttätigen - wer kann das schon ertragen Liebe Grüße Ursula

Eingetragen am: 20.10.2009

Eingetragen am: 04.10.2009 von Lena Marie
[ Lesezeichen ]

3679

Schicksal


Ich bin so glücklich, solch wunderbare Eltern wie meine zu haben. Sie ermöglichen mir zu werden, was ich bin. Das habe ich noch nie so geschätzt wie heute. Mir war zuvor einfach nicht bewusst, dass ich ohne ihre Liebe morgens niemals mit diesem Frieden im Herzen erwachen würde. Für mich ist es selbstverständlich, dass meine Eltern immer für mich da sind, ich mit ihnen sowohl offen reden, als auch herzhaft lachen kann und sie mich bei der Entwicklung meiner Interessen unterstützen. Aber genau das ist es nicht: selbstverständlich! All das, was ich von meinen Eltern bekomme, könnte das Mädchen oder der Junge von nebenan vermissen. Nur habe ich noch nie daran gedacht, dass es einem anderen Kind womöglich nicht so gut gehen könnte, wie mir. Ich wusste bis heute nicht, wie grausam Eltern sein können. Und welche Auswirkungen es auf ein Kind haben kann. Jetzt, wo ich es weiß, kann ich nicht beschreiben, was für ein unglaublich intensives Gefühl der Dankbarkeit ich meinen Eltern gegenüber und der Liebe, die sie mir jeden Tag schenken, empfinde.

Jeden Abend, wenn ich ins Bett gehe und meine letzten Gedanken sich darum drehen, wie ich den süßen Typen aus der Parallelklasse endlich auf mich aufmerksam machen könnte, liegt woanders jemand wach oder weint sich in den Schlaf. Dass dieser jemand ausgerechnet eine Freundin von mir ist, wäre mir im Traum nicht eingefallen. Klar, sie ist ... anders. Aber ich habe mich nun mal mit ihr angefreundet, weil ich es unfair fand, dass sie keinen einzigen in der Klasse hatte, der etwas mit ihr anfangen kann. Und jetzt bedauere ich es sogar, dass ich nicht schon viel früher versucht habe, ihr näher zu kommen. Wie für alle anderen, war sie einfach nur da - nicht mehr und nicht weniger. Außerdem dachten die anderen, wie auch ich, dass sie vielleicht lieber ihre Ruhe haben wollte, sonst hätte sie schon auf sich aufmerksam gemacht...

Zugegeben, es war nicht leicht ihr Vertrauen zu gewinnen. Bis heute vor der Freistunde habe ich sogar gedacht, wir stünden noch weit am Anfang unserer Freundschaft, doch wie viel sich tatsächlich zwischen uns getan hatte, zeigte sie mir in dieser unterrichtsfreien Stunde. Zum allerersten Mal hat sie sich mir wirklich anvertraut!

Seit dieser Stunde hat sich mein Blickwinkel für sie total verändert. Während ich zuvor glaubte, dass sie eben so ist, wie sie ist, weil jeder Mensch einzigartig ist, bin ich nun davon überzeugt, dass sie nicht so zurückgezogen und ängstlich wäre, hätte sie Eltern, wie meine gehabt. Ich durfte sie heute auch zum ersten Mal vorsichtig in den Arm nehmen. Sonst ist sie immer sehr auf Distanz bedacht. Doch ich hatte so viel Mitgefühl für sie, dass ich sie einfach fragen musste, ob sie es mir erlaubte, denn ich wollte nichts tun, was ihr unangenehm werden konnte. Unsere Freundschaft hatte an diesem Tag einen riesigen Sprung nach vorne gemacht. Dagegen kommen mir die Beziehungen zu meinen anderen Freundinnen beinahe oberflächlich vor. Zu keiner von ihnen habe ich jemals eine so tiefe Verbundenheit gespürt, wie jetzt zu Antonia.

In der Pause vor unserer Freistunde, fragte sie mich schüchtern, wie sie nun mal ist, ob wir zwei in den Park nebenan gehen könnten, denn sie wollte mir etwas zeigen. Ich sagte: "Klar, da sag ich den Mädels nur schnell bescheid", denn wir wollten die freie Zeit nutzen, um an dem Projekt zu arbeiten, die sich unsere Ethiklehrerin als Gruppenaufgabe für die Klasse ausgedacht hatte. Doch mit großen Augen mahnte sie mich, ich solle nicht erwähnen, dass wir in den Park gingen. Ich wusste nicht, was sie damit bezwecken wollte, aber ich gab ihr mein Wort. In der Annahme, dass es nicht lange dauern könne, was Antonia mir zeigen wollte, ging ich zu den anderen rüber und sagte ihnen, dass sie und ich später nachkommen würden. Daraus wurde schließlich nichts. Dafür durfte ich mir hinterher - aufgewühlt, wie ich nach Antonias Geschichte ohnehin schon war - einiges anhören.

Auf dem Weg in den Park um die Ecke verriet sie mir, warum sie nicht wollte, dass jemand erfuhr, wohin wir gingen. Sie befürchtete, sie könnten uns dorthin folgen und somit stören. Ich versicherte ihr, dass sie das sicherlich nicht getan hätten, denn sie wären genug mit dem Projekt beschäftigt. Sie hatte vergessen, dass wir gestern vereinbart hatten, uns heute um diese Hausaufgabe zu kümmern. Es geht ihr öfters so, dass sie etwas nicht mitbekommt. Wie viele Gedanken müssen in ihr herumtoben, die sie daran hintern, klar zu denken?

An einem ruhigen Plätzchen außer Sichtweite der Schule, ließen wir uns auf einer Bank nieder. Antonia schien mit sehr viel Überwindung zu kämpfen. Sie schaute sich zunächst um, starrte dann ein paar kurze Augenblicke auf ihre in den Schoß gelegten Hände, sah auf, um ins Grün zu blicken und wand sich schließlich mir zu. Sie räusperte sich leise, schluckte und begann: "Ich wollte dir was zeigen". Daraufhin zog sie ihr Shirt ein Stück hoch, drehte sich von mir weg, so dass ich auf ihren entblößten Unterrücken blickte. Mich schauderte. Ein geröteter Striemen zeichnete ihre helle Haut. Sie ließ ihr Shirt wieder herunter, drehte sich wieder ein Stück in meine Richtung, wagte es jedoch nicht, mir in die Augen zu sehen. Ich war wie erstarrt. So etwas hatte ich noch nie gesehen.

"Was ... wer ...", ich wusste nicht was ich sagen sollte.

Sie schluckte abermals und sagte ohne mich dabei anzusehen: "Mein Adoptivvater".

"Was?", entfuhr es mir und als einzige Reaktion darauf, sah sie mich kurz an.

Ich hatte keine Ahnung, dass sie adoptiert war. Ein seltsam bedrücktes Gefühl stieg in mir auf und leerte meinen Kopf. Wir schwiegen uns eine Weile an, was mit ihr generell nicht ungewöhnlich ist, aber der Grund war es. Zum ersten Mal - und diese ersten Male waren an diesem Tag wirklich gehäuft - wusste ich nicht, wie ich mich ausdrücken sollte. Bisher hielt ich eine anstehende Mathearbeit und die unerreichbare Liebe eines Jungen für Probleme, doch dies ist eine wirklich ernsthafte Angelegenheit und ich wünschte, es ginge nur darum, wie sie ihren heimlichen Schwarm ansprechen könnte. Doch für so einen hat sie vermutlich nicht einmal Augen. Was hat man ihr nur angetan? Ich war auf so etwas nicht gefasst. Gleichzeitig traute ich mich aber auch nicht sie danach zu fragen. Ich wusste nicht, wie ich es hätte tun können, ohne dass es taktlos klang.

Ich war dankbar, als sie das Wort wieder ergriff: "Es war das erste Mal, dass er mich -", doch sie brach ab. Vor meinem inneren Auge spielten sich in rasendem Tempo die schrecklichsten Szenen ab. Von brutalen Schlägen bis hin zur Vergewaltigung. Mir stiegen Tränen in die Augen, ich wäre am liebsten weggelaufen, weil ich die Bilder in meinem Kopf nicht ertragen konnte. Warum sprach sie den Satz nicht zu Ende? Was hatte er ihr angetan? Mir wurde ganz übel. Ich musste sie den Satz beenden lassen und sagte behutsam: "Dass er dich was?!"

Sie schaute mich abermals kurz an, wandte den Blick wieder zu Boden und antwortete: "Dass er mich geschlagen hat". Meinte sie damit "nur" geschlagen, oder war da noch mehr passiert? Meine Gedanken sprangen Saldos.

"Warum hat er das getan?", fragte ich vorsichtig.

Ich folgte ihrem Blick, der nun auf ihren Händen haftete, mit denen sie nervös herumspielte. "Weißt du noch gestern? Da haben wir doch unsere Physikarbeit wieder bekommen..."

"Stimmt. Du hast mir deine 5 gezeigt", lenkte ich ein. "Aber er hat dich doch nicht deswegen geschlagen?!"

Sie schüttelte den Kopf: "Nein, nicht deswegen ... Trotzdem, er war sehr sauer auf mich. Für ihn waren das leichte Aufgaben."

"Aber doch nicht für dich!", entgegnete ich empört. Wie kann man auf eine Schulnote sauer sein?! Enttäuscht, ja, aber doch nicht sauer!

"Nein, für mich ist Physik ein Grauen! Aber das versteht er nicht, weil er das Fach geliebt hat."

"Du bist doch nicht er!"

"Das habe ich ihm auch gesagt. Danach wurde er noch wütender."

Als sie nicht weiter sprach, fragte ich: "Und dann hat er dich geschlagen?"

"Er nannte mich faul, dabei habe ich wirklich gelernt, aber ich konnte mit diesen Berechnungen nichts anfangen und für das Experiment war ich zu unkonzentriert gewesen." Nach einer kleinen Pause fuhr sie fort: "Jedenfalls habe ich ihm vorgeworfen, dass ich nicht so sein kann wie er, weil er nicht mein richtiger Vater ist. Daraufhin ist er ausgerastet..." Sie erzählte nicht weiter.

"Darf ich dich fragen, was er getan hat?"

Auf meine Frage hin senkte sie ihren Kopf noch ein Stückchen. Ich sah ihr an, dass es ihr unangenehm war. Dennoch antwortete sie langsam: "Er nahm den Kleiderbügel ... auf meinem Bett ... und schlug damit zu." Das war der Moment, in dem ich sie in den Arm nehmen wollte und es auch tat. Sie wirkte so klein und zerbrechlich. Ihr ganzer Körper zuckte und sie schluchzte. Auch mir stieg wieder das Wasser in die Augen. Wie konnte man so grausam und unkontrolliert sein?!

Als sie sich wieder beruhigt hatte, sagte sie: "Ich wusste nicht, mit wem ich darüber reden sollte." Sie hat keine Ahnung, wie viel es mir bedeutet, dass sie sich mir gegenüber derart geöffnet hat.


Eingetragen am: 27.08.2009 von britta khokhar
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3148

Susanne denkt an ihr Lieblingsgeicht.

Sandstürme

Herbst die bunten Blätter leuchten rotgolden. Manches Blatt reißt auch der Wind von den Bäumen
und spielt mit dem Blatt.
wer weiß wohin der wind das Blatt
wirbelt.

Herbst der Monat September. ich schaue zu den fliegenden Blätter.Denke an das Land der Sandstürme. ach hätte ich doch
ein Korn Sand mitgenommen:

So wie der Sandsturm braust. so braust es in meinem Herzen. Denke
an die drei Buben un meinen Vater der auf mich wartet. Sehe den Vater beten dass er uns noch einmal sieht.
Ich hoffe das seine Bitte erfüllt wird.

Ein Jahr ist es her. Ich denke zurück an den Tag, an dem ich im September auf dem Balkon stand. Draußen ein Auto hupte und drängte.
Ein leiser Regenschauer als ob der Himmel weinte.

Sechs Kinderaugen schauten mich fragend an: Wann kommst du wieder Mamatante?
Nur eine kleine Hand schob sich in meine und sagte unter Tränen: Ich schicke dein Flugzeug weg. So geschah es auch.

Nur leider schickt er nur eines weg,aber nicht das andere. Er durfte mich ein Stück begleiten.
An der Durhgangssperre strich ich ihm ein letzesmal übers Haar und presste ihn an mich zum Abschied. Dort vertauschten wir unsere Herzen.
Mein vierjährige Neffe und ich.

(1999 geschrieben)

Heute ist er 13 und die beiden anderen Buben sind 20 und 18. Und ich träume schon seit diesen Jahren sie nach Deutschland einzuladen. Doch immmer wenn ich fast soweit bin kommen unerwartete Schicksalschläge In diesen zehn Jahren konnte ich sie zweimal besuchen.
doch unsere liebe gibt uns Kraft. und es ist schön am Telefon ihre Stimmen zu hören.


Eingetragen am: 12.08.2009 von Ursula Menzel
[ Lesezeichen ]

2917

Schicksal

Ist es Schicksal, dass ich von nun an meinen Lebensweg allein weiter gehen muss? Ich sehe Dein Bild vor mir, aber Du bist nicht mehr da. Wenn ich mit Dir rede antwortest du nicht mehr. Der Platz neben mir ist leer.
Unsere gemeinsame Zeit währte fünfunddreißig Jahre. Dennoch war sie viel zu kurz.
War es Schicksal, dass unsere ersten sieben Jahre von Verzweiflung, Ausweglosigkeit und Existenzsorgen geprägt waren? Dass gerade Du das überschuldete Geschäft Deiner Eltern übernehmen musstest, damit ihr Lebensunterhalt gesichert war? War er es wirklich? Der Untergang war doch vorprogrammiert.
Schicksal kann auch einen positiven Aspekt haben. Es führte uns nach sieben Jahren aus der teuflischen Situation heraus. In Berlin begannen wir neu und wurden erst jetzt eine glückliche Familie.
Zwanzig Jahre voller Harmonie lagen hinter uns. Unsere Kinder waren herangewachsen und zogen aus. Du hattest das Arbeitsleben hinter Dir, und wir freuten uns auf ein paar ruhige Jahre zu zweit, als plötzlich der Arzt Dir Krebs diagnostizierte. Pankreaskrebs ist der aggressivste Krebs im Oberbauch. Die Lebenserwartung liegt zwischen sechs und vierundzwanzig Monaten. Allein die Diagnose Krebs rückt unserem Lebensende ein gewaltiges Stück näher. Ein Todesurteil auf Zeit. Nichts ist mehr so, wie es war. Dass wir alle einmal sterben müssen ist uns bewusst, jedoch schieben wir die Tatsache hinaus, so, als gäbe es sie gar nicht, als lebten wir auf dieser Erde bis in alle Ewigkeit. Es mag die Furcht sein, vor dem Ende, vor Schmerzen und vor dem was danach kommen wird und was wir mit unserem menschlichen Verstand nicht erfassen können. Es ist auch die Angst vor dem Krebs selbst, was uns psychisch mürbe macht. Da ist etwas in mir, das unaufhaltsam wächst, ohne dass ich es merke oder gar gegensteuern kann.
Wie habe ich um Dich gebangt, als Du die erste Chemotherapie bekamst. Sie machte Dich zu einem gesundheitlichen Wrack und wandelnden Skelett. Doch dann lernten wir die Wirkung von Zellvitalstoffen kennen. Eine positive Wende des Schicksals, das Dir noch sechs unbeschwerte Jahre schenkte. Es war eine Gnadenfrist, die wir bewusst gemeinsam erleben durften. Für uns beide war es ein Lernprozess, jeden Tag bewusst zu leben.
War es Schicksal, dass Dein behandelnder Arzt in Pension ging, und Du Dir eine neue ärztliche Betreuung suchen musstest, die Deinen Darmkrebs nicht rechtzeitig erkannte?
Wieder einmal hing Dein Leben an dem berühmten seidenen Faden, doch den Darmdurchbruch hattest Du – Gott sei Dank - überlebt. Die Bildung von Metastasen war nicht mehr aufzuhalten. So suchten wir nach nebenwirkungsfreien Heilmitteln – und wurden fündig.
War es Schicksal, dass ich arbeitslos wurde und wir wirksame Naturheilmittel von Deiner geringen Rente und Hartz IV nicht mehr bezahlen konnten? Wie hättest Du Dir eine ausreichende Altersversorgung aufbauen können, wenn Du bei Deinen Eltern für ein Taschengeld arbeiten musstest. Hier greifen wohl etliche Unsterne wie Zahnräder ineinander – eben Schicksal. Noch heute glaube ich, wenn die gesetzlichen Krankenkassen Naturheilbehandlungen finanziell unterstützten, wärest Du sicher noch am leben.

Schicksal – das sind Höhen und Tiefen im Leben, die man nicht beeinflussen kann. Woher nur nimmt der Mensch die Kraft die Talsohle zu durchschreiten? Nein, Du warst kein Einzelschicksal, Du teiltest dies mit Millionen anderer Menschen.
Das Schicksal hatte entschieden, dass Deine letzten Lebenswochen in der Advents- und Weihnachtszeit lagen. Du wurdest als unheilbar aus der Klinik entlassen. Dein Pflegebett stand im Esszimmer, dort, wo sich unser Leben abspielte. Ja, Du solltest in Deinen letzten Tagen mitten unter uns sein. Du erlebtest noch das Weihnachtsfest und die Jahreswende, wenn auch kaum noch bewusst. Unser Sohn, unsere Tochter mit ihrer Familie und die Enkelkinder haben sich nach dem Neujahrstag von Dir verabschiedet. Es war ein letzter Abschied, für Dich ein Abschied von allem Leiden. Du hinterließest eine große Lücke. Das spürte selbst unsere Husky-Schäferhündin Kimberley, die in den letzten Tagen oft vor Deinem Bett lag uns winselte. Sie ist Dir sieben Wochen später gefolgt – Leberkrebs.

Unsere Wohnung, die wir einst mit Leben füllten, war nun leer. Ich ging durch die verlassenen Räume. Sie erschienen mir riesig. Mehr und mehr spürte ich: „Dies ist nicht mehr mein Zuhause.“
Ein Jahr nach Deinem Ableben habe auch ich Berlin verlassen – nach achtundzwanzig Jahren. Mich zog es wieder in die Porta-Westfalica, dort, wo ich einst aufgewachsen war und wo die Wurzeln meiner Familie sind. Von vielen liebgewordenen Erinnerungen musste ich mich trennen, sowie von Freundschaften, die über Jahre gewachsen waren. Doch einige gemeinsame Erinnerungen an unsere Berliner Zeit habe ich mitgenommen. Eine Ära ging zu Ende. Ich erinnere mich an die Worte meiner Mutter: „Ein Ende ist auch ein neuer Anfang.“

Schicksal – das heißt, sich der Veränderung im Leben stellen und nach vorn schauen.
Mein neuer Lebensabschnitt bescherte mir auch wieder einen kleinen Hund, der mein Leben bereichert.
Ich erinnere mich an Deine letzten Worte: „Ich mache mir Sorgen um Dich.“ Nein, Du musst Dir keine Sorgen machen. Es wird schon weiter gehen.


Kommentar von Lena Marie

Hallo Ursula! Mich hat dein Beitrag berührt. Traurig und doch keimt neue Hoffnung auf. GLG Lena Marie

Eingetragen am: 04.10.2009

Eingetragen am: 04.08.2009 von JS
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2739

Schicksal

Ist es Schicksal, dass ich jetzt hier sitze und diese Zeilen schreibe? Die Aufgabe habe, mir Gedanken um das Schicksal zu machen und das einzige, was mir in den Sinn kommst, bist du? Du und die Leere, die du damals in mir hinterlassen hast und die noch immer nicht wieder gefüllt ist. Ein großes, leeres Nichts, in mir drin.
Vielleicht ist es Schicksal, dass ich noch immer jeden ersten und jeden letzten Gedanken am Tag dir widme und glaub mir- dazwischen auch so einige. Vielleicht ist es auch Schicksal, dass ich so oft auf eine SMS oder einen Anruf von dir hoffe, um mich dann irgendwie nützlich zu machen. Um zu wissen, ich werde noch gebraucht, Du brauchst mich.
Vielleicht ist es auch Schicksal, wenn du mir dein Herz mit deinen eigenen Problemen ausschüttest, mir zeigst wir sind Freunde. Nur Freunde. Die besten Freunde. Oder dass ich mich nach dem ganzen Trauern, der Einsamkeit, der Depressionen wieder hochgerappelt habe, um mein eigenes Leben zu finden. Zu finden und endlich auch anfange es tatsächlich zu mögen.
Um zu merken, was ich wirklich will, was ich brauche, um wieder glücklich zu werden.

Vielleicht ist das der Weg des Schicksals. Vielleicht nimmt es nicht immer den Einfachsten. Und vielleicht wartet am Ende auch auf mich jemand. Mein Schicksal. Vielleicht.


Eingetragen am: 04.08.2009 von Michele
[ Lesezeichen ]

2712

Schicksal...
Schau ich mir das Wort und seine Bedeutung an, dann macht es mich auf eine gewisse Weise wütend!Es wird leichtfertig genutzt und ist doch ohnehin nur eine Ausrede. Zumindest in den meisten Fällen!Meistens wird es doch genutzt um einen Fehler nicht bei sich zu suchen oder um in seiner Trägheit zu ersticken! Nur nicht selbst etwas tun um aus der bösen Falle rauszukommen! Sehr einfach! Mein Schicksal ist halt so! Ich kann halt nichts dafür!

Ist es wirklich so einfach?

Es gibt wirkliche Schicksale! Auch davon bin ich überzeugt! Unfälle, Krankheiten, abgebrannte Häuser... Einfach vor dem " NICHTS" stehen!
Dinge die man wirklich nicht beeinflussen kann...
Dinge die unendlich viel Kraft bedeuten...

Dann gibt es wunderschöne Schicksale!
Ein glückliches, zufriedenes, sorgenfreies Leben oder gar ein besonderes Talent...

Oder ist das Leben doch vorher bestimmt?

Diese Frage bleibt offen...


Eingetragen am: 30.07.2009 von marga
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2556

Die Nacht ging gerade über in den Morgen. Anna hatte das Fenster halb geöffnet und blickte durch den Regen auf die dunkle Stadt. Der Sturm zauste an den Blättern der Linde vor dem Haus. Sie zog sich den Bademantel enger um die Schultern. Gleissendes Licht und ein zackiger Pfeilblitz, gefolgt vom ächzen des Baumes und dem Getöse des Donners weckten sie schlagartig auf. Der Baum brach auseinander und ein Teil fiel und drehte sich mit der Krone auf sie zu. Rasch schloss sie das Fenster, schon flogen ihr schon die Splitter der Fensterscheibe ins Gesicht. Dann wurde es dunkel. Draußen tobte ein höllisches Gewitter, Anna stand noch immer am Fenster wie angewurzelt. Sie fühlte etwas Feuchtes von ihrem Gesicht auf den Bademantel tropfen und dachte es wäre der Regen. Sie dachte daran, dass sie ins Büro wollte, sie tastete nach dem Schlüssel und fand ihn nicht gleich. Dann fiel ihr ein dass sie noch ins Bad wollte, sie musste sich ja umziehen. Sie fand ihre Kleider nicht. Sie dachte sie ist geblendet von dem Blitz, sie hatte genau hineingesehen und den elektrischen Strom gespürt, der durch ihren Körper gefahren war. Sie hörte draußen weitere Blitze einschlagen und unter dem Donner berstend etwas auseinanderbrechen. Das Fenster fiel ihr ein, es regnete hinein. Ach Gott und der Baum war ja noch da und sie fragte sich wie lange es wohl dauern würde bis sie wieder etwas sehen konnte. Walter war auf einer Dienstreise, er würde erst am Wochende wieder nach Hause kommen. Wen um Himmels willen sollte sie anrufen um diese Zeit, fast noch mitten in der Nacht. Die Feuerwehr, dachte sie, der Baum mus raus. Sie tastete sich auf allen Vieren durch das Wohnzimmer und suchte ihr Handy. Sie sah immer noch nichts und als sie es schließlich fand, konnte sie es nicht bedienen. Schreiend warf sie es in Richtung Baum und sackte mit einem Weinkrampf zusammen. Plötzlich klingelte das Handy, sie erschrack. Halb erfreut und halb in Panik robbte sie sich zu dem Baum und tastete nach dem Handy, das noch immer Zeichen von sich gab. Sie verließ sich auf ihr Gehör, doch dann war es plötzlich still. Wütend begann sie zu schimpfen über das Handy und Walter der es gekauft hatte und den Tag an dem sie hierhergezogen war und überhaupt war seitdem nur noch alles schief gelaufen. Das Telefon war immer noch nicht angeschlossen und die nächsten Nachbarn einen Kilometer weit entfernt. Ein Wunder, dass hier wenigstens das Handy ab und zu funktionierte. Regen machte sich auf dem Boden breit und sie saß mitten drin. Das Gewitter schien sich nun etwas weiter entfernt auszutoben, aber es regnete immer noch wie aus Eimern als sie sich aus der Haustür tastete in der Hoffnung draußen auf ein vorbeifahrendes Auto zu treffen, um Hilfe zu holen. Bremsen kreischten, ein Autofahrer schien sie im Regen übersehen zu haben. Er steigt aus und trägt ihren leblosen Körper ins Haus. Es ist Walter. Er schaut lange in ihre leblosen Augen und sucht ihren zärtlichen Blick und schaut dann durch das zerstörte Fenster in den Morgen.


Eingetragen am: 15.07.2009 von Dakommt Derträumer
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2233

Äolus Weib

Reiseermüdet kehrte Äolus, Herr aller Winde,
Wind selbst schon immer,
ein in das Haus der schönen Euterpe,
die ja bekanntlich Gesänge behütet,
Lieder in Menge, Wohlklänge verwaltend.

Wuchtige Orgeln stehen in Reihe,
Zimbeln und Glöckchen hängen am Fenster
und in den Gängen des würdigen Schlosses, oben erbaut in den luftigen Wolken,
wohnen auch Flöten und goldene Harfen, Pauken und Fiedeln in zahlreicher Auswahl.

Wenn je Äolus die Liebste besuchte,
klangen die Flöten, erschauern die Harfen.
Leise wird´s auf der Erde vernommen.
Still steht die Arbeit, vorbei scheint die Fron.
Lauschend und mit erhobenen Häuptern,
das Werkzeug unschlüssig in müßigen Händen,
starren die Menschen ins Goldne des Äthers,
freiatmende Seelen. Gelöst fiel das Band.

Und nach dem Götterklang hört man die Stille.
Wartend ersehenen wir weitere Lieder.
Aber Äolius ruht nun am Busen,
regt sich nicht mehr bei der Liebsten der Musen.
Still stehn die Harfen mit wartenden Saiten, niemand will jetzt ihre Reihen durchschreiten.

Abends dann sagt Äolus „Ade“.
Und Euterpe ruft "Ach“ und ruft „Weh"
Brausend entflieht ihr der Windige wieder.
Lachend er, weinend sie. Das sind die Lieder.


Eingetragen am: 08.07.2009 von Sigrid Leister
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2061

Die beiden Frauen wären beinahe ungeachtet aneinander vorbei gelaufen wenn nicht genau in diesem Moment ein Auto mit quitschenden Reifen um die Ecke raste und eine der Frauen erschreckt zurück prallte.
"Haben sie sich verletzt?"
Sabrina war zu der Frau geeilt die völlig versteinert am Bordstein stand.
"Nein, nein", wischte sie mit einer wegwerfenden Handbewegung die Fürsorge fort.
Plötzlich stutze sie.
"Sabrina?, fragte sie vorsichtig.
Die Frau starrte Sabrina aus zusammen gekniffenen Augen an dann breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus.
"Lilly! Meine Güte! Bist du das wirklich?"
"Ja, ich bins! Mensch wie lang ist das her?"
Die Frauen traten aufeinander zu und umarmten sich herzlich.
"Hast du ein wenig Zeit? Wir könnten einen Kaffee zusammen trinken. Was sagst du?"
"Okay das passt bei mir."
So saßen sie und aus einer halben Stunde wurden zwei Stunden. Die Zeit schrumpfte zu einer unwichtigen Tatsache.
"Das muss Schicksal gewesen sein Lilly das ich genau an der gleichen Stelle war wie du."
"Weißt du an das Schicksal glaube ich nicht.Das war eben Zufall."
Sabrina lehnte sich im Korbsessel zurück und lächelte. Sabrina hatte sich nicht verändert. Immer noch ein Hauch von Esoterik.
"Dann tust du unser Treffen als Zufall ab?"
Sabrina musterte Lilly. Sie fühlte sich in Jugendzeit versetzt als sie über Gott und die Welt und natürlich über Männer diskutierten.
"Was soll das denn eigendlich sein "das Schicksal"? Eine höhere Macht die unsere Lebensfäden in der Hand hält der uns in eine richtige Richtung lenkt und wer bestimmt die richtige Richtung?"
"Ach Lilly du bist wie der ungläubige Thomas aus der Bibel der immer einen Beweis braucht. Wie würdest du unser Treffen beschreiben? An Zufälle glaube ich zum Beispiel nicht."
"Das ist die Würze unserer Freundschaft. Wir konnten bis zum Einbruch der Dunkelheit diskutieren ob erst durch das entsprechende Handlung das Ereignis ausgelöst wird oder erst das Ereigniss die Handlung auslöst." Sie lachten gelöst und unbeschwert. Einen Augenblick vergass sie das sie nur noch wenige Wochen zu leben hatte und gestern darüber nachdachte wie schön es wäre wenn sie ihre beste Freundin noch einmal treffen könnte.


Kommentar von putzi

Schöner Beitrag zum Thema Schicksal. Sehr ausbaufähig! Gern gelesen. Liebe Grüße, putzi

Eingetragen am: 14.07.2009

Eingetragen am: 06.07.2009 von Luzia
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2029

A: Hey! Mann! Das ist Schicksal!
B: Quatsch. Schicksal ist eine Ausrede, wenn man was verbockt hat.
A: Es hat halt einen Grund, warum es dir das antut.
B: Du meinst, es will mir in die Fresse hauen? Einfach so weil ihm grad mal fad ist?
A: Dich erwartet bestimmt was Besseres. Du musst nur Geduld haben.
B: Mir reißt der Geduldsfaden. Auf was soll ich den warten? Nein, nein, das muss ich schon selbst in die Hand nehmen.
A: Damit du's wieder verbockst? Lass es das Schicksal richten.
B: Ich will das erledigt haben.
A: Du weißt: Ungeduldige kommen nicht wirklich schneller vorwärts. Sie tummeln sich, und bis sie am Ziel sind, fallen sie ein paar Mal auf die Nase.
B: Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand anruft und mir einen Job anbietet.
A: Du, sowas soll's schon gegeben haben.
B: Oh, ja! Wenn du einen tollen Job hast und dich eine andere Firma abwerben will. Ich bin aber seit sechs Monaten arbeitslos ...
A: Mann, du siehst das alles viel zu eng. Nimm's ein wenig lockerer. Mach dir doch einmal einen schönen Tag.
B weiß jetzt keine Antwort mehr darauf. Er lässt A stehen. Die Diskussion hat ihn aufgewühlt, sodass er keine ordentliche Bewerbung zustande bringt. Also nimmt er As letzten Rat ernst, setzt sich in den Park und beobachtet die Menschen. Schon nach kurzer Zeit wird B von einer älteren Dame angesprochen.
C: Entschuldigen Sie bitte. Ich habe Sie schon öfters gesehen. Sie sind arbeitslos, nicht wahr?
B brummt: Ja.
C: Oh, schön! Hätten Sie nicht etwas Zeit mir bei meinen Einkäufen zu helfen? Ich kann nicht mehr so viel tragen, wissen Sie. Es soll auch nicht gratis sein ...
Einen Monat später.
B hat keine Zeit! Er muss Einkäufe machen - für ein paar ältere Damen im Haus und in den Nebenhäusern. Dann muss er noch Fiffi, Tasso und Struppi Gassi führen. Außerdem brauchen Mieze, Susi, Hansi und Peppi frisches Futter. Und bei all dem muss er aufpassen, dass er nicht zu spät zum Essen bei Oma Grete - oder ist heute Oma Resi dran? - kommt.


Eingetragen am: 29.06.2009 von Jette Kepfert
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1845

Die Hexen in der Familie waren ihr Schicksal. Ihre giftigen Worte verbrannten ihr Leben.
Als sie im November 1960 wie viele junge Frauen in dieser Kleinstadt heiraten musste, war das so normal wie peinlich geheim gehalten. Das schwarze Kostüm trug sie zur Kirche, weil der Schwiegervater noch nicht ganz ein Jahr tot war. Das war die Erklärung für die Leute.
Die Worte des Pfarrers im Traugespräch waren:
"Ich traue keine Braut in weiß, die nicht mehr unschuldig ist."
Dahin der Traum vom Fest in rauschendem Petticoat. Dann, bei der familiären Feier im sehr kleinen Kreis, konnte es sich Tante Johanne, die hagere alte Hexe, nicht verkneifen zu unken:
"Ssso ein schöner Mann. Den wicht se nich lange für sssich behalten."
Sie glaubte ihr mehr als ihrem schönen anständigen und strebsamen Mann – zwanzigjährig und fast noch ein Kind, wie sie.
Siebzehn Jahre später würde er rückblickend sagen:
"Als ich begriff, dass ich ein schöner Mann war, war ich schon lange verheiratet."
Fünfundzwanzig Jahre später würde er sie verlassen, in einem Alter, das dafür auch keineswegs ungewöhnlich ist – gerade noch früh genug für einen neuen Lebensentwurf.
Sie würde bis dahin oft genug geargwöhnt haben:
"Na, hast du dir das jetzt bei den Nutten abgeguckt?"
"Wie ist es denn mit deiner Sekretärin im Bett?"
Und sie würde bis dahin so weit gegangen sein, seine Kollegen anzurufen, um zu überprüfen, ob er wirklich pünktlich nach Hause gekommen war.
Dreiunddreißig Jahre später würde sie mit aufgeschnittener Hals- und Pulsschlagader tot im verschneiten Stadtwald liegen. Ihre Tochter (32) würde sie dort finden.


Eingetragen am: 29.06.2009 von Berthild Lorenz
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1835

Schicksal ...

„ Die Juliana, die in dem Flieger war, das war doch Ihre Freundin, stimmt ’s?“
So fragte eine Mitmieterein neulich, nach dem Absturz des Fliegers. Das war doch die Juliana, die uns beim „König der Löwen“ alles hinter der Bühne gezeigt hat, über die Sie uns Karten besorgt haben?“
„Ja, in dem abgestürzten Flieger, das war Martins Freundin, das war die Juliana, die ich, zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder hier als Gäste begrüßt habe.
Bei dieser Juliana hat Martin die erste Zeit, als er 2003 beim „König der Löwen“ begann zu tanzen und zu singen, gewohnt und auch Rexlein und ich waren damals ihre Gäste.“
„Das ist aber ein trauriges Schicksal! Ein so junger Musicalstar einfach tot!“
Ich atmete tief durch: „Ach, was heißt denn das: 'Schicksal', Geschicktes von wem?
Ich glaube an kein Schicksal, ich denke an Versagen, an Schwächen von Menschen, die immer groß sein müssen, verehrt werden wollen, wie Gott!“


Eingetragen am: 26.06.2009 von Margyt
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1755

S c h i c k s a l !
Als ich Kind war, glaubte ich, wie so viele an das Schicksal. Es war ein gutes Schicksal, dass ich nicht in der Familie von Hänsel und Gretel geboren bin. Es war wohl mein Schicksal, dass mir immer etwas runterfiel, ich mir als Mädchen die Kleider zerriss usw. Später, als ich mehr gelesen hatte, meinte ich, das Schicksal habe mich für etwas Besseres bestimmt. Ich meinte, man würde meine Begabungen bemerken und Interesse an meiner Förderung haben.
Diese Phase war aber schnell vorbei. Im späteren Leben setzte ich Schicksal eher mit Zufall gleich. Zufall war es, dass sich genau dieses Ei mit der Samenzelle meines Vater verband. Wäre die erste Ehe von Papa gut gelaufen, dann wären meine Brüder und ich für immer ein Nichts gewesen.
Oder z.B. ein Unfall! Zufall, dass gerade im gleichen Moment zwei Fahrer an der gleichen Stelle sind und mindestens einer von ihnen falsch handelt.
Auch in der Liebe ist es so: Zufällig treffen zwei Menschen aufeinander und fühlen sich zueinander hingezogen. Man könnte zwar darüber philosophieren. War es eine Fügung? Wollte das eine höhere Macht so?
Doch spätestens dann verlässt mich der Gedanke daran, wenn der Tod einen der beiden Liebenden nach kurzer Zeit aus deren Glück reißt.
Abschließend möchte ich sagen: Ich halte beides für möglich, denn wir Menschen sind viel zu unwissend, um zu sagen. "Das ist so und nicht anders!"
Zufälle sind Tatsache!
Schicksal und Fügung ist möglich!


Eingetragen am: 23.06.2009 von joKrugmann
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1688

Er war der Größte

Er war ein Verlierer seiner Zeit. Rund um die Uhr. Die größte Niete unter der Sonne. Frauen gingen ihm aus dem Weg. Männer waren froh, nicht er zu sein.
Nicht viele Menschen kannten diesen Mann. Doch diejenigen, die schon vor ihm ausgespuckt hatten, würden ihn wohl bald auch mit Ohrfeigen und Fußtritten traktieren.
Sein Name war Gerd, und Rosi ahnte, dass ihr mit diesem Mann – nicht groß, nicht klein, nicht schlank, nicht dick, dafür aber mit einem leeren Gesicht - der ideale Partner begegnet war. Und heute, wenn sie ihn auf der Müllhalde träfe, sähe sie ihn sich genauer an.
Rosi selbst, von Frauen verachtet, von Männern ausgebeutet, von Depressionen vergewaltigt, begegnete in Gerd einem Menschen, der es offensichtlich verstand, jeden Tag im Dreck, mit wenig Essen, doch ausreichend Rotwein, zu leben. Und wenn sie sich an ihn hänge, besäße sie einen Beschützer und vielleicht auch ein viel längeres Leben.
An diesem hellen Sommerabend war Rosi die erste an der Müllhalde. Ihr machte es nichts aus, warten zu müssen. So konnte sie wenigstens die Hände an ihrer abgetragenen Kleidung säubern. Auch das verschwitzte graue Haar musste etwas in Form gebracht werden.
Und da Rosi bisher nichts zu lachen hatte und auch heute dafür keinen Grund erkennen konnte, würde ihr Partner ihre Zahnlücken nicht bemerken, aber auch nicht die gelbgraue Farbe der ihr noch verbliebenen Beißer.
Gerd war plötzlich da und Rosi wertete das gerade noch als pünktlich. Und er schien sogar etwas mitgebracht zu haben. Aus der alten Plastiktüte kramte er ein halbes altes Brot hervor.
„Ist luftgetrocknet“, kommentierte er seine Gabe, „und deshalb noch nicht verschimmelt. Doch dafür eben ein bisschen hart.“
„Egal!“, krächzte Rosi, „ich habe eine Flasche Wasser dabei, damit können wir das Brot weich machen.“
„Dich und deine Flasche Wasser schickt mir der Himmel“, freute sich Gerd, „konnte nämlich heute im Supermarkt kein Getränk abstauben.“
Gerd schien diese Bemerkung irgendwie lustig zu finden, denn er begann nun mit weit offenem Mund laut zu lachen, so, dass die Möwen erschreckt aufflogen. Rosi genügte ein Blick in Gerds offene Mundhöhle. Um Gottes Willen, der hat ja noch weniger Zähne im Maul als ich. Da muss ich das Brot aber gut einweichen.
Gerd schien auf dieses Mahl vorbereitet zu sein. Denn er kramte aus seiner Tüte plötzlich ein Essbesteck. Zwei große Muschelschalen.
„Habe an alles gedacht“, sagte er zu Rosi, „damit können wir das Brot löffeln.“
Nachdem Rosi gerülpst hatte, meinte sie: „Brei essen ist gut, da klauen wenigstens die Möwen nichts.“
„Wäre für die aber auch nicht schlecht, der Brotbrei“, meinte Gerd nun.
„Wieso denn das?“, erkundigte sie Rosi neugierig und reinigte ihre wenigen Zähne mit einem dünnen Ästchen, das sie auf der Müllhalde gefunden hatte.
„Weil Möwen auch allerlei Unrat im Magen haben“, belehrte Gerd seine Partnerin, „genau wie wir Menschen. Und der Brotbrei unterstützt die Verdauung.“
Was der Gerd alles weiß, wunderte sich Rosi. Ob der mich wohl auch als Frau wahrnimmt? Ein Versuch kann ja nicht schaden. Und deshalb rückte Müll-Rosi jetzt ganz dicht an ihren Partner heran.
„Findest du mich attraktiv?“, flüsterte sie Abfall-Gerd ins Ohr, „ich hätte nichts dagegen, wenn du ein bisschen nett zu mir wärst.“
Gerd erhob sich langsam und sah Rosi lange in die trüben und vom Elend des Lebens gezeichneten Augen.
„Ich bin nur nett zu mir selbst“, meinte er dann, „und deshalb werde ich dich nun verlassen.“
Rosi bettelte: „Bleib hier. Ich wollte dich doch nicht drängen. Dachte, dir gefällt so etwas.“
„Schon lange nicht mehr, Müll-Rosi“, entgegnete Abfall-Gerd.
„Und was soll jetzt aus uns werden?“, wollte Rosi wissen.
„Aus uns gar nichts“, erwiderte Gerd, „nur aus mir wird wieder der alte werden. Ich geh‘ zurück in die Redaktion und schreibe dort eine Reportage über das Leben auf einer Müllhalde.
Jetzt ging der Rosi ein Licht auf.
„So ist das!“, kam es hohl aus ihrem fast zahnlosen Mund, „du bist ein Zeitungsschreiberling.“
„Journalist, Rosi. Ich bin Journalist“, verteidigte sich Abfall-Gerd.
„Und wir werden uns dann nie wiedersehen?“, Rosi standen Tränen in den Augen, „du hast mich also nur für deinen Bericht gebraucht.“
„Nicht gebraucht, Rosi. Recherchieren nennt man so etwas.“
Gerd wandte sich zum Gehen, drehte sich dann aber noch einmal um und sagte: „Für den Bericht werde ich ein gutes Honorar erhalten. Die Hälfte davon bekommst du.“
Rosi schluckte erst, begann dann jedoch herzzerreißend zu weinen.
„Ich hoffe, ich seh‘ dich noch einmal wieder, Abfall-Gerd. Sag mir vorher Bescheid. Dann werde ich mich besonders hübsch für dich machen.“

joKrugmann


Eingetragen am: 20.06.2009 von Maria Weiss
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1560

Schicksal

Früher dachte ich, das das Leben überhaupt keinen Sinn hat.
,,Wieso quält man sich das ganze Leben und am Ende ist man tot?! Welcher Sinn steckt dahinter?”
Noch heute erwische ich mich bei diesen Gedanken, obwohl ich weiß, das das Leben selbst der Sinn ist! Jeder muss seinen eigenen Sinn finden. Ich denke, jeder hat seine Aufgaben auf dieser Erde und wenn diese erledigt sind, dann gehen wir hinfort. Jeder muss sein Schicksal akzeptieren und wie das Blatt im Fluss mit dem Strom fließen, nicht gegen den Strom, denn dann erst sind wir frei.
Vielleicht erscheint es unmöglich und wir versuchen uns dagegen zu wehren, aber hinterher verstehen wir besser und sind damit einverstanden.
Es gab so viele Dinge, die ich nicht verstanden habe und ich mich gefragt habe:,, Wieso ich? Warum nur? Was für ein unfaires Schicksal!”
Einiges habe ich hinterher begriffen und verstehe, dass es so wie es gewesen ist, richtig war. Andere Sachen verstehe ich wiederum immer noch nicht. Doch man muss nicht alles wissen und verstehen auf dieser Welt.
Voltaire sagte bereits:,, Je mehr einer weiß, desto mehr verzweifelt er.”
Ob man mit seinem Schicksal im Reinen ist oder nicht, muss jeder mit sich selbst klären. Aber es ist besser mit sich und dem Leben im Reinen zu sein, als altes hinterher zu trauern und sich über gewisse Dinge zu ärgern. Denn was nützt es? Die Vergangenheit kommt nicht mehr zurück und es bringt einfach nichts, sich über unnötige Sachen aufzuregen. Das gibt nur Falten!


Eingetragen am: 20.06.2009 von cato
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1556

Gedanken zum Schicksal.
Ein merkwürdiges Gefühl,das Wort Schicksal,bewusst,mit der Hand aufzuschreiben.
Allein bei dieser Formulierung, wird deutlich,das ich mir mein Schicksal merken und würdigen kann, soll, muss? Was mir geschickt wurde? Das "Sch" habe ich noch sehr schwungvoll geschrieben.Vergleichbar mit dem Lebensbeginn, mit Jugend, mit Aufbruch,mit Schwung, mit Feuer.Beim "ick" wurde meine Hand stockender heißt das, wenn ich ick als Synonym für ich deute, nachdenklicher werde? Mir die Bedeutung meines Handelns,meines Denkens, meines Ursprungs bewusster wird? "sal" ging dann wieder zügiger und lockerer aus der Hand.Was für mich heißt es fließt wieder, denn auch das Schicksal ist kein starres Gebilde und es unterliegt doch auch dem Fluss der Zeit, oder?


Eingetragen am: 18.06.2009 von Katharina
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1469

„Schicksal“ .... „Schicksal“ hat einen Klang, der getragen wird von der Bedeutsamkeit, die wir diesem Wort geben. Der Endgültigkeit, mit der das Leben seinen Lauf nimmt, ohne das wir es beeinflussen können. Der Kraft einer Strömung, die uns mit sich reißt, der wir uns nicht entziehen können. Es schwingt eine subtile Angst in der Melodie dieses Wortes, dem Lauf des Lebens ausgeliefert zu sein, egal, wohin es uns treibt. Es dient uns als Entschuldigung, als Ausrede, als Fluchtburg, in die wir uns zurückziehen können, wenn wir die Ereignisse unseres Daseins nicht mehr verstehen, uns von ihnen überwältigt fühlen und uns bewußt werden, das wir letztlich, gegen all unser Bemühen, doch keinerlei Kontrolle über das, was geschieht, in Händen haben.

„Schicksal“ ist ein Wort, das erst mit den Jahren einen Platz in unserem Denken findet. In der unerschütterlichen Neugier und dem Wissensdurst der Kindheit hat es keinen Platz. Die explodierende, sich Bahn brechende Kraft der Jugend sucht nach Entfaltung, nach neuen Wegen und Veränderungen. In den Jahren des Experimentierens sucht man seinen Platz und die richtige Aufgabe, dabei denkt man vielleicht an Bestimmung, daber nicht an das Schicksal.
„Schicksal“ schleicht sich langsam in das Bewußtsein. Es taucht auf in den Gedanken, sobald Ruhe einkehrt, sobald es beginnt stiller zu werden, sobald die Gewohnheiten des Alltags keinerlei Aufmerksamkeit mehr erfordern. Es taucht auf, wenn man beginnt zurückzuschauen auf das Erlebte, wenn man beginnt, die wiederkehrenden Motive zu erkennen, die unserem Handeln zugrunde liegen, wenn man beginnt, die Erfahrungen zu hinterfragen und zu ergründen. Es taucht auf, wenn plötzliche, unvorhersehbare Ereignisse unsere geordnete Routine durcheinander bringen, uns aufrütteln aus unserer Trägheit und uns dazu zwingen, das Leben mit anderen Augen zu sehen. Es taucht auf, wenn wir zu fest werden, zu erstarren drohen und der Veränderung, die allem Lebendigen innewohnt, widersetzten wollen.

Doch ist „Schicksal“ letztlich nichts anderes als ein Wort, mit dem wir auszudrücken versuchen, was wir Menschen noch immer nicht wirklich zu verstehen wissen? Ist es nicht ein Begriff, den wir einsezten, wann immer wir spüren, das hinter den Ereignissen unseres Lebens eine Kraft zum Ausdruck kommt, die wir mit unserem Bewußtsein nicht erfassen können? Ist „Schicksal“ nicht eine Bezeichnung für etwas, das uns so übermächtig erscheint, das wir nichts anderes tun können, als uns dem zu fügen, zu unterwerfen, zu beugen? Ist es nicht etwas, dem wir uns versuchen zu widersetzen, das wir versuchen zu beherrschen, zu lenken indem wir Systeme errichten, Strukturen aufbauen, Lebensweisen entwickeln, die davon geprägt sind, das Leben zu kontrollieren, zu planen, voraussehbar zu machen? Ist das Wort „Schicksal“ letztlich nicht ein ebenso künstlicher Begriff, kalt und hart in seinem Klang, wie unsere Art des Lebens künstlich geworden ist, kalt und hart in ihren Straßen und Mauern? Ist es nicht ein Begriff, der in dem Verlust des Vertrauens in das Leben wurzelt und von Angst genährt immer größere Bedeutung erlangt?

Wie wäre es, das Wort „Schicksal“ aus dem Wortschatz zu streichen und sich statt dessen wieder dem Begriff „Leben“ zuzuwenden? Einem Begriff, der unserem Herzen näher steht, uns mit mehr Wärme berührt und eine natürlichere Qualität in sich birgt. „Schicksal“ läßt uns auf eine geistige Ebene flüchten, die mit der Basis des Lebens, mit unserem Ursprung, mit der Erde und unseren Mitgeschöpfen, nicht mehr in Verbindung steht. „Leben“ verbindet uns wieder in unseren Herzen mit allem, was uns umgibt und läßt uns wieder ein Teil dessen werden statt sich immer weiter von zu entfernen und zu zerstören?
Wie wäre es, die Schwere und Melancholie des „Schicksals“ loszulassen und sich dem kraftvollen und beherzten „Leben“ zuzuwenden, das uns nicht mit Schlägen plagt und uns knechtet, sondern uns Möglichkeiten öffnet und Chancen bietet? Dem „Leben“ mit all seinen Veränderungen und seiner Vielfalt, das uns nicht gefangen hält, wie das Schicksal uns glauben machen will oder uns immer wieder in endlosen Schleifen laufen läßt?
Wie wäre es, der Endgültigkeit und Ausweglosigkeit des „Schicksals“ den Rücken zu kehren und das „Leben“ mit offenen Armen zu begrüßen, sich daran zu freuen und es zu leben ... nicht zu denken?
Wie wäre das?


Eingetragen am: 17.06.2009 von Minnelayde
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1457

Schicksal ist der Moment, in dem alles wahr wird, Realität, greifbar, für jeden selbst, erkennbar für andere. Es ist der Augenblick in dem alle aneinander gereihten Wünsche, Hoffnungen, Befürchtungen Ängste, befruchtet von der stetigen Unablässigkeit des daran Denkens, eine Form bekommen. Die Hand des Schicksals streift den Lichtstrahl unserer Emotionen und spiegelt sie in neuem Licht. Wir haben es uns selbst prophezeit und nun erfüllt es sich. Wir nennen es Schicksal, das gibt die Distanz, gibt einem unfassbaren Gespenst die Macht über uns, schenkt uns den Rückzugsort der Unschuld an dem Geschehenen. Tief im Inneren wissen wir, dass wir es waren, es unsere Macht war. Dem Schicksal die Stirn zu bieten bedeutet Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, für alle Gedanken, Taten, Worte. Das ist unser Schicksal, sich dem zu stellen und dem Leben die Sonne und das Lachen zu schenken, das wir uns erhoffen.


Eingetragen am: 16.06.2009 von Wolke Sonnenschein
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1412

Wir waren beide 15. Für mich wars das schönste Jahr meines Lebens. Ich wollte ihn heiraten. Er wollte seine Freiheit. Das war vor 35 Jahren..........Als ich das erste Mal mit meinem Mann zum Friedhof ging, sah ich das Grab seiner Großeltern neben dem Grab der Großeltern meines Mannes. Meine 2. Tochter hat mit seiner Oma Geburtstag. Vor 2 Jahren starb seine Mutter, am Geburtstag meiner 1. Tochter. Er hat vor kurzem geheiratet - meine Schulfreundin. Als ich es erfuhr, kippte die Freundin meiner Tochter in unserer Wohnung meinen Schutzengel um -- und er zerbrach. Im März ist meine Oma gestorben. Ich war bei ihr - im Krankenhaus. Die ZimmerNummer war seine Telefonnummer, Oma ist an seinem Geburtstag gestorben. Schicksal? Oder Familiengeschichte? Oma hat ihren ersten Mann im Krieg verloren - mit erst 17 Jahren. Sie hat immer von ihm erzählt.
Ich hatte keinen Menschen in meiner Kindheit, der mich beschützt hätte, da war nichts Greifbares - und so habe ich immer etwas greifen können, was für viele nicht greifbar ist - für mich bedeutet mein Glauben an nicht Sichtbares, nicht Beweisbares bis heute Trost, Kraft und Verlassen auf unser kluges Universum.


Kommentar von Wieselkatze

Ich spüre ein bisschen Traurigkeit, aber dennoch Vertrauen in die Weisheit des Universums. Es ist kein Zufall, wie die Dinge sich fügen und ich bin fasziniert davon, wie Eure beiden Familien miteinander verwoben sind. Deine Jugendliebe hat Dich auf diese Weise ein ganzes Leben lang begleitet - irgendwie gruselig.

Eingetragen am: 18.06.2009

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