„Ich habe das Buch Raum zum Schreiben genannt, weil jede Seite, jedes Kapitel eine Tür öffnet: zur Fantasie, zum Intellekt, zur Seele und zur Gefühlsebene."

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Ich erinnere mich nicht

26.05.2009


Aufgabe

Diesmal beginnen Sie mit dem Satz »Ich erinnere mich nicht«, und schreiben Sie auf, was immer Ihnen einfällt. Wenn Sie nicht weiterwissen, wiederholen Sie »Ich erinnere mich nicht«, bis in Ihrem Bewusstsein etwas Neues auftaucht. Dann prüfen Sie, ob sich etwas von diesen Nicht-Erinnerungen für Ihre gegenwärtige Arbeit – vielleicht als Erlebnis einer Ihrer Figuren – oder als neues Thema für eine Geschichte verwenden lässt. Machen Sie sich bewusst, welche Bereiche der Nicht-Erinnerungen auftauchen: Sind es Themen, über die Sie oft schreiben ? Falls nicht, beschäftigen Sie sich näher mit einem der neuen Themen.



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Leserbeiträge

1 · 2 · 3 · 4 · 5 · 6 · 7 · weiter »
Eingetragen am: 29.09.2009 von Alexandra Tumler
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3636

Ich erinnere mich nicht, jemals in meinem Leben etwas so verrücktes, aber auch mutiges getan zu haben. Woher habe ich diesen Mut nur genommen? Wann ist der Gedanke, von der Großstadt Berlin aufs platte norddeutsche Land zu ziehen, in mir aufgekommen und gereift? Ab welchem Zeitpunkt habe ich dieses Geplänkel wirklich für ernst genommen? Ich erinnere mich nicht mehr. Wir haben des öfteren unsere Späße gemacht, haben hin und wieder rumgealbert und Rotkohlschlachten, die für uns das „Zusammenleben“ symbolisierten, geführt – wann hab ich sie verloren in meiner Gegenwehr, wann hat er gewonnen? Ich erinnere mich nicht... Es muss doch in mir einen Zeitpunkt gegeben haben, an dem ich das Für und Wider des Großstadtlebens abgewogen habe – wann ist die Entscheidung für das Landleben, in dem sich ja nun wirklich Bussard und Marder gute Nacht sagen, gefallen? Ich erinnere mich nicht... wann ist aus dem unverbindlichen Flirt eine feste Beziehung geworden? Ich erinnere mich nicht...
Warum kann ich mich an diese wichtigen Lebensentscheidungen und ihren Weg in mir, nicht erinnern? Ich weiß, dass ich mich viel damit beschäftigt habe, dass ich andere zu Rat gezogen habe, dass ich sorgfältig und ehrlich mit mir und meinen Gedanken umgegangen bin, und doch....an die entscheidenden Momente der inneren Entscheidung, erinnere ich mich nicht. Ich nehme diese Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt als getroffen und gegeben hin, aber so sehr ich mich bemühe...ich erinnere mich nicht. Haben wir je von einem gemeinsamen Leben geträumt, oder haben wir eine Entscheidung gemeinsam getroffen, oder haben wir es als einen selbstverständlichen Weg angesehen, oder ... ach, ich erinnere mich nicht mehr....
Jetzt führe ich ein völlig neues Leben. Ein Leben, das mit meinem bisher Erlebten und seinen Wichtigkeiten nichts, aber auch gar nichts zu tun hat. Ich lebe und fühle mich vertraut mit Menschen, von denen ich noch vor kurzer Zeit nicht wusste, dass sie existieren. Ihre Sorgen haben einen Platz in meinen Gedanken und ihre Wichtigkeiten oder Erlebnisse, sind für mich interessant oder voller Mitgefühl. Es gelingt mir mit ihren Vorstellungen und Ängsten zu leben, meine Hilfe anzubieten oder meine Wertvorstellungen mitzuteilen. Wie ist es dazu gekommen? Ich erinnere mich nicht...


Eingetragen am: 17.09.2009 von Lena Marie
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3511

Ich erinnere mich nicht, wie es ist, unbeschwert zu leben. Zu lange liegt die Zeit zurück, in der ich sorglos sein konnte. Um genau zu sein, waren es die ersten fünf Jahre meines Lebens, in denen ich mich so unbefangen fühlen durfte. Danach begrüßte mich der elterliche Krieg daheim. Seit ich sechs Jahre alt war, befand ich mich auf der Flucht vor der Wirklichkeit. Während Hass und Verachtung wie stickiger Dunst in der Luft mir das Atmen erschwerten, versteckte sich das kleine Mädchen von damals in ihrem Zimmer, vergraben unter Kissen und Decken, um nicht so viel hören zu müssen, wenn Vater wieder auf die geliebte Mutter losging. Tränen reichten nicht aus, um die Angst wegzuspülen. Vier Jahre musste ich damit leben, bis wir den Mann los waren, der die Narben auf meiner Seele hinterlassen hatte. Seit dem lebte ich mein Leben hinter unsichtbaren Mauern und war nie wirklich frei.


Eingetragen am: 21.07.2009 von Serena Kracht
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2403

Ich erinnerte mich nicht. „Tatsächlich? Hmm…ja. Ach so. Aha.“ Himmel, war das wieder anstrengend. Ich versuchte meiner Stimme einen besonders interessierten Ton zu geben, obwohl ich gar nicht richtig zuhörte, eigentlich auch nicht zuhören wollte. Ich schüttelte den Kopf und starrte ungläubig in den Telefonhörer. Wer war das nur am anderen Ende der Leitung? Ich konnte mir gerade noch zusammenreimen, dass es sich um eine ehemalige Schulkameradin handelte, die seit einigen Minuten Nichtigkeiten aus deren Leben zum Besten gab. Christiane? Christiane Wagenknecht, hat sie gesagt. Ob sie früher auch so hieß? Ich traute mich nicht zu fragen, wie Christiane zu Schulzeiten geheißen hatte. Ich traute mich nicht einmal zu fragen, in welchen Jahren wir zusammen zur Schule oder vielleicht sogar in die selbe Klasse gegangen waren. War ich eine enge Freundin von Ihr gewesen? Ich war verunsichert. Wie sollte ich denn einer mir gänzlich fremden Frau am Telefon erzählen, dass ich mich an Nichts, wirklich an gar Nichts erinnern konnte, das länger als 18 Monate zurücklag? Oft genug hatte ich spüren müssen, wie verletzt oder betroffen meine Familie und meine Freunde waren, wenn wieder einmal offensichtlich war, dass ich mein Gedächtnis und damit auch die Erinnerung an jeden Einzelnen verloren hatte. Das Gedächtnis verlieren. Als wenn das Gedächtnis etwas wäre, dass man mal eben wie einen Schlüsselbund verlieren könnte. Doch war es bei mir genau so gewesen. Nach Ärztemeinung gab es keinen erkennbaren Anlass für meine Amnesie. Kein traumatisches Erlebnis, keinen Unfall, keine offensichtliche Erkrankung. Einfach so, aus dem Nichts heraus hatte ich alles vergessen.  Das war jetzt fast 1 ½ Jahre her. Ich stand einfach eines Tages da, im Badezimmer, Zähne putzend vor dem Spiegel und wusste plötzlich nicht mehr, in wessen Spiegel ich da sah, ja, wessen Spiegelbild mir da in die Augen sah. Alles weg, Festplatte gelöscht.  Nun ja, jetzt hatte ich wieder ein Gedächtnis, es war jedoch gerade einmal, oder immerhin schon, je nachdem aus welcher Verfassung heraus ich die Sache betrachtete, 18 Monate alt. Es tat mir immer unheimlich weh, wenn die Menschen, die ich angeblich liebte kaum nachvollziehen konnten, dass die gemeinsam verbrachten Jahre, die einmaligen und besonderen Momente, leichte und schwere Augenblicke, Banales wie Außergewöhnliches nicht mehr griffbereit in meinem Gedächtnis parat lag. Folglich auch keine Basis mehr für eine Beziehung, welcher Art auch immer mehr gegeben war. Alles musste neu aufgebaut werden. Aber ich war dabei. Ich arbeitete Tag für Tag daran mein Leben und die Menschen darin mit Sinn zu füllen. Die Frau am Telefon redete unaufhörlich weiter. Ich riss mich zusammen und versuchte ihr wieder zuzuhören, dann jedoch unterbrach ich jäh den Monolog: "Christiane, ehrlich, ich finde es toll, dass Du eine von denen bist, die sich die Mühe machen und versuchen Kontakt zu alten Schulfreunden herzustellen, aber es tut mir leid, ich kann mich nicht an Dich erinnern, und bevor Du weiter redest, ich kann mich an gar nichts erinnern. Es hilft auch nicht, wenn Du mir jetzt ganz viele Anekdoten erzählst. Ich kann mich ausschließlich an die letzten 1 ½ Jahre erinnern" So, geschafft, nun war es raus. Ich entspannte mich, konnte hören, wie die Frau am anderen Ende der Leitung die Luft ein sog und machte mich auf entsprechende Kommentare gefasst. Die kannte ich ja wirklich schon zur Genüge und eigentlich war ich es leid immer wieder täglich aufs Neue mit meinem Defizit konfrontiert zu werden und anderen meinen Zustand erklären zu müssen. Verdammt noch mal! Ich wollte mich nicht mehr rechtfertigen, erklären, um Verständnis bitten, Interesse heucheln, Freundschaften und Nähe vorspielen, wo in mir nur Leere herrschte. Unendlich gerne würde mit jemandem sprechen wollen, dem es genau so erging wie mir. Ich hatte mich inzwischen daran gewöhnt gewissermaßen erst 1 1/2 Jahre alt zu sein, wollte diesen Umstand aber sehnlichst mal für einen Moment vergessen können und mich ganz normal über das Wetter oder Urlaubspläne unterhalten können. Ich konzentrierte mich wieder auf die Stimme am Telefon. „…wollte mich ja so gerne wieder mit Dir treffen.“ Wieder? Wieso wieder? Ich merkte deutlich wie sehr ich mich wieder von meinen Gedanken hatte ablenken lassen, nahm mich zusammen und versuchte mich auf das Telefonat zu konzentrieren. Ich hörte Die Stimme jetzt ganz deutlich: „Serena? Bist Du noch dran? Erinnerst Du Dich nicht mehr an mich? Wir haben doch im neurologischen Zentrum in Aachen im selben Zimmer gelegen. Damals, vorletzten Herbst, als Du wegen Deiner Amnesie behandelt worden bist. Genauso wie ich. Ich wollte einfach hören, wie es Dir geht. Ob Du inzwischen auch wieder Erinnerungsblitze hast. Ich mache langsam Fortschritte. Mir fallen immer mal wieder kurze Momente ein. Inzwischen fast jeden Tag. Du ich bin ja so froh, ich musste Dich einfach anrufen“. Die Frauenstimme hallte schrill in meinem Kopf nach. Ich spürte wie mein Arm nach unten sank, langsam glitt mir der Hörer aus der Hand. Das ganze Telefon fiel krachend von der Anrichte auf den Boden vor meinen Füßen. Vorletzten Herbst? Verwirrt sah ich mich um. Wo war ich nur? Warum stand ich hier, zu meinen Füßen ein heruntergefallenes Telefon? Langsam ging ich einen Schritt auf den Spiegel, der an der gegenüberliegenden Wand hing zu.
 


Kommentar von Lena Marie

Das Thema find ich interessant. Es ist spannend die Welt einmal aus der Sicht eines Amnesie-Erkrankten zu sehen. LG Lena Marie

Eingetragen am: 17.09.2009

Eingetragen am: 15.07.2009 von Johanna Ciupek
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2237

Ich erinnere mich nicht, Gott sei Dank, ich erinnere mich nicht. Bitte, bitte, lieber Gott, mach das es so bleibt. Ich will, dass alles dunkel und still bleibt, ich will nie, nie wieder daran denken, was da vielleicht?, wahrscheinlich?, passiert ist. An mir kann ich sowieso nichts erkennen, meine Haut ist glatt und makellos wie immer, keine Wunde, kein Kratzer, nichts. Es ist nichts passiert, rein gar nichts. Wage ich es, in den Spiegel zu sehen? Aber ja doch, ist ja lächerlich, meine Panik. Also, siehst du was, gute Frau? Nein, nein. Mein Gesicht? Tadellos. Auch meine kosmetischen Applikationen sind alle noch auf dem Platz, wo sie hingehören. Make-up, Lippenstift, Augenbrauen, Kajal....Wimperntusche.....meine Augen? Sind meine Augen immer noch...ja doch, grün. Aber dieser Blick? Was haben diese Augen gesehen, um Gottes Willen???
Augen zu! Sofort!


Eingetragen am: 13.07.2009 von Bärbel
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2176

Ich erinnere mich nicht. An was denn nicht? Mein Gedächtnis ist ausgesprochen gut. Ich bilde mir sogar eine Menge darauf ein. Ich erinnere mich, meine ich, eigentlich an alles. Und wie bitte soll ich mich an etwas erinnern, an das ich mich nicht erinnern kan? Es kommt selten vor, daß jemand zu mir sagt: "Weißt Du noch?" Ich weiß eigentlich immer. Und wenn ich nicht weiß, dann habe ich so meine Zweifel, ob jenes mehr oder weniger bemerkenswerte Ereignis wirklich stattgefunden hat. Kann es denn sein, daß ich mich nicht erinnere? Will ich mich vielleicht nicht erinnern? Wie funktionier meine Erinnerung eigentlich? Musik spielt eine große Rolle, daß weiß ich. Gerüche erinnern mich an....., manchmal ein Wort, eine Geste, ein Gefühl. Ich mag meine Erinnerungen und habe auch schon ganz viele aufgeschrieben. Aber was ist mit denen, die ich nicht erinnere? Ich beschließe hier und jetzt, daß sie sich schon melden werden, wenn sie wichtig sind und aufgeschrieben werden möchten.


Eingetragen am: 01.07.2009 von Luzia
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1899

Ich erinnere mich nicht das gesagt zu haben. So etwas würde ich nie tun! Das wäre schon komisch. Das muss ein Missverständnis sein.
Ich hab doch hoffentlich keine Amnäsie? Oder Alzheimer? Es ist nämlich schon wieder passiert. Ich erinnere mich nicht das getan zu haben!
So, jetzt kaufe ich ein Diktiergerät. Ich erinnere mich nicht, dass er das so gesagt, so gewollt hat. Er ist unzufrieden und sauer auf mich. Mittlerweile komme ich mir blöd vor. Die Aufgabe war doch eine ganz andere!
Ha! Es liegt nicht an mir. Keine fehlenden Erinnerungen! Jetzt, wo ich einen neuen Kollegen habe, stellt sich's heraus. Der Chef kann sich nicht mehr erinnern, was er eigentlich wollte.


Kommentar von Bärbel

Das kommt mir sehr bekannt vor! Warum nur suchen wir die Fehler erst einmal immer bei uns?

Eingetragen am: 14.07.2009

Eingetragen am: 29.06.2009 von Nani
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1854

Ich erinnere mich nicht...
warum eigentlich nicht? Was war alles? Wann war alles? Wo ist es geblieben?
Begrenzte Aufnahmekapazität oder etwa Schutz vor dem Schmerz? Wohin sind alle gelebten, geliebten und durchlittenen Stunden?
Und was wäre, wenn das ganze Leben abrufbar bliebe, jede Minute, "ohne Ansehen der Person", also ohne Unterschied zwischen schönen und nicht schönen Momenten?
Ein Spaziergang zwischen den Jahren, zwischen allen Ereignissen, beliebig hin und her..
Vergleiche wären möglich, viel mehr als sonst, sichereres Abwägen zwischen gestern, heute und morgen, permanent präsente Entscheidungshilfen. Wäre das wirklich gut?
Manche Fehler, öfter wiederholt, dann aber trotzdem der Erfolg, als später Segen, würde er dann verhindert?
Wie sehr glauben wir unseren Erfahrungen? Dran halten? Überwinden? Ignorieren?
Wo ist der Grund für das Nicht-Erinnern?
Lob für das gute Gedächtnis, Scham und Entschuldigung für das "schlechte"?
Aber es hat einen Sinn!
Nicht-Erinnern, Absolution, Gehe zurück auf Los..
Der naive Zustand des Nicht-Wissens ist wieder hergestellt, die partielle Jungfräulichkeit des Gehirns. Das ist nötig für den Mut, den jeder neue Versuch braucht, ein Teil Erinnerung als grobe Richtungsvorgabe und eben auch ein Teil Nicht-Erinnerung als Hoffnung und Vertrauen in die eigenen Pläne.
Ja, ich erinnere mich nicht, nicht an die ganze Summe aller Fehlschläge, nicht an jede Lieblosigkeit und auch nicht an jede Enttäuschung. Ich gehe einfach vorwärts, ich vertraue und hoffe jedes Mal aufs neue. Vielleicht bin ich manches Stück schon einmal gegangen und ich weiß, dass dort Dornen sind; aber ich habe es vergessen. Also laufe ich wieder durch, es sticht und schmerzt, und es ist trotzdem richtig, denn nur so komme ich am Ende wirklich bei mir an.


Eingetragen am: 29.06.2009 von Berthild Lorenz
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1833

"Ich erinnere mich nicht, dass ich jemals wieder aus dem Koma aufgewacht bin. Ich liege noch heute, seit 57 Jahren, im Koma des Lebens. Tag für Tag vergehen, aber ich erinnere mich nicht daran, dass ich im Koma liege, ich lebe, was will ich mehr?!?" Sie sah mir fest in die Augen und ein schelmisches Lachen begleitete ihre Worte. "Du guckst mich an, als wäre ich nicht in Ordnung, aber ich habe nur gesagt, was ich erlebe; ich kann mich nicht daran erinnern, etwas anderes gesagt zu haben."
Ich atmete tief durch: "Weißt du, wie kannst du davon reden, dass du dich nicht daran erinnern kannst, nie aus dem Koma aufgewacht zu sein?! Ich kann mich nicht daran erinnern, auch nur ein Mal im Leben etwas so Lächerliches gehört zu haben. Ist ja lächerlich! Du weißt ja nicht, was das heißt, im Koma zu liegen!" Wütende Blicke schickte ich mit zu ihr. Sie grinste ein breites Grinsen: "Weil ich wach bin und lebe kann ich mich nun mal nicht daran erinnern, aus dem Koma aufgewacht zu sein.“


Eingetragen am: 28.06.2009 von Jette Kepfert
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1795

Ich erinnere mich nicht. Mühsam öffne ich die Augen. Es ist diffus hell. Ich schließe die Augen wieder. Eine Hand berührt meine Hand.
"Frau Herzog."
Eine warme nüchterne Frauenstimme. Die Hand streicht über meinen Unterarm, kühl und bestimmt.
"Frau Herzog, können Sie mich hören?"
Ich will nicht wach werden. Der Schwebezustand, in dem ich mich befinde, ist angenehm. "Frau Herzog!"
Die Hand streicht weiter ruhig und bestimmt über meinen Arm. Widerwillig öffne ich die Augen. Eine Frau im weißen Kittel steht neben dem Krankenhausbett, in dem ich liege.
Sie schaut mich konzentriert prüfend an.
"Ah, Sie werden wach. Ich bin Schwester Monika." Sie lächelt.
Ich bewege mich nicht, alles fühlt sich schwer an.
"Ich bleibe bei Ihnen, ich rufe nur gerade die Ärztin."
Sie wendet sich zur Seite, ich höre ein Tastenknacken und wieder ihre warme Stimme.
"Sie ist aufgewacht und reagiert auf Ansprache."


Eingetragen am: 26.06.2009 von Margyt
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1751

"Ich erinnere mich nicht..." kann ich so nicht sagen. An beinahe alles, was ich an wichtigen Dingen in meinem Leben erlebt habe, ist eine Erinnerung da. Ich habe erste Kindheitserlebnisse, Namen von Lehrern, Geburtsdaten uswusf. in guter Erinnerung. Wenn Freunde über die Vergangenheit erzählen, ich kann mitreden, ich weiß es auch. Aber: Neuerdings muß ich feststellen, dass es auch bei mir, früher undenkbar, den Satz gibt: "Ich erinnere mich nicht".
Es hat leider mit dem Alter zu tun. Ich erinnere mich zum Beispiel nicht, was ich an jedem Wochentag der letzten Woche gemacht habe oder was ich vorgestern gekocht habe.
Jetzt fällt mir aber doch ein, dass ich anfangs maßlos übertrieben habe. Ich erinnere mich schon mein ganzes Leben lang, niemals daran, welche Kleidung ich selbst, noch meine Mitmenschen zu irgendwelchen Anlässen trugen.


Eingetragen am: 25.06.2009 von Michele
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1736

Ich erinnere mich nicht mehr dadran was passiert ist, aber irgendwas ist geschehen. Ich weiß nur noch, das wir sehr fröhlich waren und ordentlich gefeiert haben.Wir haben immer viel gelacht über alles mögliche.Manchmal über den größten Unsinn. Nun sehe ich all diese Menschen um mich herum. Familie, Freunde und all diese fremden Gesichter. Jeder von ihnen erzählt mir etwas. Einige lesen mir sogar vor und spielen mir meine Lieblingsmusik vor. Ich bewege mich zu diesen Songs. Zumindest glaube ich das. Ich versuche auch immer wieder zu fragen, was denn los ist, aber niemand antwortet mir. Ich frage auch andere Dinge, aber auch die werden mir nicht beantwortet. Ich verstehe das nicht. Warum bekomme ich keine Antworten. Ich versuche es immer wieder. Ich bleibe hartnäckig, aber vergeblich.Ich versuche selbst zu ergründen was passiert ist, aber ich erinnere mich einfach nicht. Ich will doch nur meine Erinnerung zurück. Mittlerweile weiß ich noch nicht mal, ob ich wach bin oder träume! Ich weiß nicht, ob die vielen Menschen um mich rum mich überhaupt hören können. Ich strenge mich doch so sehr an. Ich versuche alles um mich rum zu erfassen und ganz schemenhaft baut sich ein Bild auf. Ich begreife, das ich in einem Bett liege in einem Zimmer mit weißen Wänden. Ich verstehe das mich niemand hören kann. Ich verstehe das zwischen mir und den anderen eine unsichtbare Wand steht. Ich höre sie, aber sie mich nicht. Ich bin allein. Ich bin gefangen in meinem Körper. Ich will hier raus. Ich will in die Welt. Ich erinnere mich nicht. Ich verstehe nicht.


Eingetragen am: 22.06.2009 von minnelayde
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1613

Ich erinnere mich nicht. Wieso sollte ich auch. Es ist einfach schon zu lange her. Und vielleicht war es gar nicht so wichtig, war es einfach mir nicht wichtig. Jedenfalls scheinen die anderen sich sehr wohl zu erinnern. Nur eben ich nicht. Ich kann die Blicke voller Mitleid nicht mehr ertragen. Mitleid für etwas, an das ich mich nicht erinnern kann. Ich habe ein neues Leben, ein Leben mit einem schwarzen Fleck in der Mitte. Mich stört es nicht. Nicht wirklich. Wenn nicht die ständigen Fragen wären, die Fragen der anderen. Es sind nicht meine Fragen, jedoch werden sie zu meinen, Tag für Tag, immer dann, wenn man mir diese wieder und wieder stellt. Ich sehe gut aus, äußerlich kann man nichts mehr erkennen, von dem was passiert sein muss. Sie haben mir alles erzählt. Die Geschichte gehört nicht zu mir, sie fühlt sich nicht an, wie meine. Und doch ist es meine Geschichte. Ich soll beim Bergsteigen abgestürzt sein. In eine Spalte. Man hat mich erst nach zwei Tagen herausholen können. Mein Körper war völlig unterkühlt, zerschunden von den spitzen Felsen, der Helm konnte den harten Aufschlag nicht völlig kompensieren. Schädel-Hirn-Trauma, Knochenbrüche, Quetschungen. Bergsteigen? Ich? Ich kann mich nicht erinnern. Wo war das noch? Ich habe es vergessen, sie hatten es mir erzählt. An die meiste Zeit im Krankenhaus kann ich mich auch nicht erinnern. Die Zeit im Koma, auf der Intensivstation, erst auf der Station mit der netten Oberschwester und dem gutaussehenden Oberarzt mit den immer lächelnden Augen und dem charmanten Humor, daran kann ich mich erinnern. Ich weiß nicht wie viel Zeit vergangen ist. Es kommt mir vor, wie eine Ewigkeit. Es könnte auch in einem anderen Leben gewesen sein, wenn es so was überhaupt gibt.
Der Besuch ist jetzt wieder weg. Meine Mutter ist froh, dass ich sie und meine Schwester wiedererkenne. Meinen Vater hatte ich gleich erkannt. Er ist groß, fast zwei Meter, ich mag seine dunklen Locken und seine braunen Augen, mich mag seine dunkle Stimme, die Art wie er spricht. Er liebt das Leben. Darum hat er uns auch verlassen, sagt meine Mutter. Dabei funkelt sie mit ihren kalten blauen Augen und ich frage mich, ob sie mir dafür die Schuld gibt: Nein, nur dafür, dass ich sie nicht erkannt hatte, aber meinen Vater, den Mann, den ich schon zehn Jahre nicht mehr gesehen habe und der sich jetzt für mich interessiert, zum Leidwesen meiner Mutter. Ich bin froh, wenn sie so quirlig verschwunden ist, wie sie herein gewirbelt war. Es ist ruhig jetzt. Mit meinem Vater kann man stundenlang Reden oder auch Schweigen. Er ist da, ohne aufdringlich zu sein. Ich fühle mich nicht unter Druck bei ihm. Er stellt auch diese Fragen nicht.
Da ist noch diese andere Frau. Die Frau die mir die schlimmsten Fragen stellt. Die nicht aufhören kann mich mit Fragen zu quälen, die ich nicht beantworten kann. Die mir die ganze Schuld gibt. Für das, was geschehen ist. Für ihren Schmerz. Ich habe ihn ihr geraubt. Für immer. Und ich kann mich nicht erinnern. Ich spüre keinen Schmerz. Keinen Verlust. Ob ich mich nicht schäme, fragt sie mich. Alles zu verdrängen. Ich würde es mir verdammt leicht machen. Ich kann mit all dem nichts anfangen, ich spüre nichts, da ist nicht einmal Nebel, nur ein schwarzes Loch. Ein Loch das drei Jahre umfasst, in sich aufgesaugt hat. Er war ihr Sohn. Und meine große Liebe, wenn ich dem glaube, was alle mir erzählen. Wir wollten heiraten. Nächsten Sommer. Ich weis nichts von der Wohnung, die wir gemeinsam hatten, nichts von ihm. Die Bilder die seine Mutter mir dauernd unter die Nase halten kann ich nicht begreifen. Ich erkenne ihn nicht. Keine Gefühle. Keinerlei Ahnung. Auf den Bildern bin auch ich, manchmal. Ich sehe glücklich aus. Er lächelt mich an. Wir sehen vertraut aus. Warum erinnere ich mich nicht, wenn es doch meine glückliche Vergangenheit war? Manchmal ergreift mich Panik, wenn sie wieder Fotoalben hervorholt, mit ihrer eiskalten Grausamkeit Bild für Bild versucht die Vergangenheit in mich hinein zu prügeln. Als wäre sie immer dabei gewesen. Jede Sekunde unserer Beziehung. Er sieht gut aus, auf den Bildern. Sportlich, fröhlich. Und doch kenne ich ihn nicht.
Sie sagt, dass ich ihn in den Tod gerissen habe. Ich hätte nicht aufgepasst, das sei typisch für mich. Ich mache Fehler und andere müssen dafür büßen. Es sei nicht gerecht. Nicht gerecht, dass ausgerechnet ich überlebt habe. Und dass ich mich nicht erinnere: Ich keinen Schmerz empfinde. Ich mich nicht nach ihm sehne und vor Verzweiflung zu Grunde gehe. Vielleicht habe ich nur alles vorgespielt. Ihn nicht so geliebt, wie ich immer gesagt hätte. Vielleicht spiele ich meine Amnesie auch nur vor. Um mich aus der Verantwortung zu ziehen.
Ich kann es nicht beurteilen. Ich weiß nur, dass da ein großes schwarzes Loch ist. Und es tut mir weh, dass ich wohl eine wundervolle Zeit wie einen Schirm oder Schal verloren habe. Vielleicht ist es auch momentan besser so.
Mein Vater betritt das Zimmer. Er lächelt mir zu und ich erinnere mich, dass es immer so gewesen ist.


Eingetragen am: 19.06.2009 von Biddy
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1508

"Ich erinnere mich nicht", dachte sie verzweifelt, während sie aus dem Fenster sah.
Der Himmel war blau, strahlend, nur wenige weiße Wattewölkchen unterstrichen noch die Intensität dieses Blaus. Es war angenehm warm im Raum, obwohl das Fenster gekippt war und ein leichter Luftzug die Vorhänge blähte. Musste wohl Sommer sein, überlegte sie. Baumwipfel wiegten sich in sattem Grün.
Mehr konnte Isabel nicht sehen. Seit sie vor zwei Tagen aufgewacht war, bestand ihre Welt aus diesem Fenster-Ausschnitt - und dem, was sie direkt umgab. Ein weiß gestrichenes Zimmer, diverse Monitore, Kabel, Schläuche und ein regelmäßiges Piepen, Tag und Nacht.
Außerdem das Bett in dem sie lag, ein Nachttisch, den sie zwar sehen, doch nicht erreichen konnte und natürlich die Tür. In unregelmäßigen Abständen öffnete sie sich und Personen kamen herein, um nach Isabel zu sehen. Alle waren nett und freundlich zu ihr und sehr fürsorglich. Der Mann, der sich als Dr. Schäffers vorgestellt hatte, erklärte ihr, dass sie Geduld haben müsse, dass es an sich schon ein Wunder sei dass sie den Unfall überhaupt überlebt habe und dass sie wahrscheinlich sogar das Glück haben würde, dass keine Spätfolgen zurückbleiben. Diverse Knochenbrüche, ein Milzriss, Prellungen und Hautabschürfungen am ganzen Körper – sie hatte ordentlich was abbekommen, aber nichts was nicht heilen konnte. Das Rückenmark war wie durch ein Wunder nicht verletzt, die Reflexe in den Beinen in Ordnung, sie war nicht gelähmt, obwohl sie offenbar in hohem Bogen über die Straße geschleudert worden war.

Dr. Schäffers schien darüber sehr erfreut. Offensichtlich lag ihm etwas an seinen Patienten. „Und Sie werden sehen, wenn Sie sich erst ein wenig erholt haben kommt auch der Rest wieder in Ordnung.“
Der Rest. Isabel seufzte. Sie konnte nicht einmal sagen, was der Rest war. Sie erinnerte sich weder an einen Unfall noch an die Zeit davor. Sie erinnerte sich nicht einmal, wer sie war, wie und wo sie vorher gelebt hatte. Alles, was existierte war dieses Zimmer, die piepsenden Geräte und der kleine Ausschnitt vom Himmel, den sie aus dem Fenster sehen konnte.
Und ihre Besucher. Da waren die Leute die in weißen oder blauen Kitteln hereinkamen, die sie versorgten, Infusionen wechselten, sie wuschen, sich nach ihrem Befinden erkundigten. Da war die Krankengymnastin, Manuela, die mit ihr besprach wie die Behandlung weitergehen würde, sobald die Wunden verheilt und die Knochen zusammengewachsen waren.

Und dann war da noch Peter Mertens, der täglich kam um nach ihr zu sehen, und der sich Isabel als ihr Ehemann vorgestellt hatte. „Aber ich kann mich nicht erinnern“, schoss es ihr erneut durch den Kopf, als sie an ihn dachte. Und sie fröstelte, trotz der angenehmen Temperaturen. Konnte sie denn ihren eigenen Ehemann vergessen haben? Was war mit ihr geschehen? Man hatte ihr gesagt, dass sie vermutlich nachts auf dem Heimweg von einem PKW erfasst worden war. Der Fahrer hatte sie in den Straßengraben geschleudert und war weitergefahren, Fahrerflucht. Keine Spuren, keine Zeugen. Peter war dann später losgegangen um sie zu suchen, so hatte er berichtet. Sie sei bei ihrer Freundin gewesen und als sie morgens um 3.00 Uhr noch nicht zu Hause gewesen war, hatte er sich Sorgen gemacht. So hatte er sie schwer verletzt gefunden.
Er wirkte sehr besorgt, wenn er zu ihr kam, und dennoch….
Isabel schauderte. Wenn sie ehrlich war, konnte sie sich nicht vorstellen, dass Peter Mertens wirklich ihr Mann war, dass sie ihn geliebt hatte bevor ihr Leben in den Tiefen des Vergessens versunken war. Er hatte die kältesten Augen, die sie je gesehen hatte, und wenn sein Blick auf ihr ruhte so schien er ihr irgendwie – lauernd. Seine Fürsorge erschien ihr unehrlich, aufgesetzt. Irgendwas stimmte hier nicht, da war sie sicher. Wenn sie sich nicht an ihr Leben, die Menschen die ihr wichtig gewesen waren erinnern konnte – gut, das war medizinisch erklärbar. Aber diese Angst, wenn Peter Mertens das Zimmer betrat, schnürte ihr die Kehle zu. Wenn sie gekonnt hätte, wäre sie weggelaufen, hätte sich irgendwo versteckt, raus aus dem Zimmer, nur fort von ihm. Aber sie war an das Bett gefesselt und kam sich vor wie das sprichwörtliche Kaninchen, Auge in Auge mit der Schlange. Konnte jemand solche Angst vor dem eigenen Ehemann haben? Sollte da nicht eher ein tiefes Vertrauen bestehen, das auch aus ihrem Unterbewusstsein noch wirkte? Sollte sie nicht dankbar sein, dass er zu ihr kam, sich kümmerte, ihr aus ihrem früheren Leben erzählte, damit sie sich vielleicht doch an irgendwas erinnern würde? Sollte er nicht eine Art Rettungsanker für sie sein, in einem Meer der Ungewissheit?

Es klopfte an der Tür. Isabel zuckte zusammen. Peter kam herein, aber heute war er nicht alleine. „Schau mal, wer hier ist“, rief er betont munter. „Tina ist mitgekommen, ich konnte sie nicht länger vertrösten. Sie hat sich so lange mit Dr. Schäffers herumgestritten, bis er ihr erlaubt hat Dich zu sehen.“ Er lachte.
Neben Peter schob sich eine sehr blonde, sehr braungebrannte, sehr schlanke und teuer aussehende Frau ins Zimmer. „Isabel!“ kreischte sie. „Schatz, dass Du lebst! Ich war ganz verrückt vor Sorge, als Peter mir von dem Unfall erzählte!“ Die Blonde trat an Isabels Bett und machte Anstalten, sie zu umarmen. Isabel erstarrte, bereitete ihr doch jede noch so vorsichtige Berührung der Schwestern und Ärzte unerträgliche Schmerzen. „Nicht… bitte…. Nicht…“, stammelte sie. Doch Peter zog die Frau im letzten Moment zurück. „Vorsicht, Tina, ich glaube das ist hier nicht erlaubt.“
Isabel atmete auf. Für den Moment war sie erleichtert, aber ihr ungutes Gefühl verstärkte sich. Tina… auch an sie konnte sie sich nicht erinnern, dabei war sie angeblich ihre beste Freundin, genau die Freundin, bei der Isabel den Abend vor dem verhängnisvollen Unfall verbracht hatte.
„Wenn ich mich doch nur erinnern könnte.“
Peter und Tina redeten unentwegt, aber während die Worte wie ein gleichförmiger Strom an Isabels Ohren vorbeiplätscherten, schweiften ihre Gedanken ab. Sie versuchte krampfhaft, irgendeinen Bezug zu den Personen vor ihr herzustellen. Aber das einzige, was sie erreichte war, dass ihre Angst sich steigerte. Peter und Tina… die beiden gingen vertraulich miteinander um. Zu vertraulich, wie Isabel fand…. Warum waren die beiden wirklich hier? Was war nur passiert, bevor sie in diesem Raum aufgewacht war? Und vor allem…. wohin führte dieser Albtraum?


Eingetragen am: 17.06.2009 von Wolke Sonnenschein
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1450

ICH und
ER
IN nig
NE - doch
RE

gibt kein zurück.


Eingetragen am: 15.06.2009 von Dorothy
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1364

Ich erinnere mich nicht.

Das glaub ich dir nicht.

Aber ich erinnere mich wirklich nicht.

Du willst es mir nur nicht sagen.

Ich will es dir nicht sagen?

Ja, du willst mir nicht sagen, dass du schon mal verliebt warst..

Aber ich war noch nie verliebt.

Das glaub ich dir nicht. Du willst es mir nur nicht sagen. Ich war mal in meinen Vater verliebt.

In deinen Vater?

Ja, alle Maedchen verlieben sich in ihren Vater.

Ich war nicht in meinen Vater verliebt.

Wenn du nicht in deinen Vater verliebt warst, in wen dann?

In niemanden. Ich war in niemanden verliebt. Ich bin in niemanden verliebt.

Du luegst. Wenn du mir nicht sagst in wen du verliebt bist, dann bin ich nicht mehr deine Freundin.


Mit den Worten liess sie die Freundin stehen und lief zurueck ins Schulgebaeude.


Eingetragen am: 14.06.2009 von Catze
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1310

Ich erinnere mich nicht, wann wir das letzte Mal so richtig ausgelassen waren, verliebt, wie am Anfang... Plötzlich reden wir nicht mehr, sondern besprechen, sehen uns nicht mehr tief in die Augen, sondern auf die Falten und die Bartstoppeln, lachen nicht mehr sondern belächeln, streiten nicht mehr, sondern meckern. Ich erinnere mich auch nicht, seit wann mich all diese alltäglichen Kleinigkeiten ärgern, die ein gemeinsamer Alltag so mit sich bringt, verwaschen Handtücher, Deine Tasche im Flur, der Zahnputzbecher, den ich jeden Morgen vom Waschbeckenrand wieder auf das Badezimmerbord stelle, die Schuhe, die immer ich zurück ins Regal stelle (nachdem ich darüber gestolpert bin). Manchmal erinnere ich mich nicht mehr daran, wer Du eigentlich bist. Wer ich bin.


Eingetragen am: 10.06.2009 von J S
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1187

Ich erinnere mich nicht daran, welches der Moment war in dem es dir bewusst wurde. In dem dir bewusst wurde, dass du keine Zukunft mit mir willst. Dass es nicht das war, was du dir für dein Leben vorstellst. Dass es nicht das ist, was dich glücklich macht. Dass ich nicht die bin, die dich glücklich macht.
Ich erinnere mich nicht an den Moment, in dem dir bewusst wurde, dass du mich nicht liebst. Nicht so wie ich dich. Nicht so, wie du es doch immer getan hast.
Ich erinnere mich nicht an den Moment, in dem du beschlossen hast, dass das mit uns vorbei sein wird.
Ich zweifel an meinem Verstand.
Ich erinnere mich nicht daran, dass ich mir alles nur ausgedacht habe. Dass alles nur Teil meiner Fantasie war.
Ich erinnere mich auch nicht, ob das stimmt oder nicht. Du verhälst dich so. So, als wär nie was gewesen. So, als hätte es uns nicht gegeben. So, als würdest du dich nicht erinnern. An nichts.
Aber ich, ich erinnere mich genau daran. An jedes Wort, an jede Berührung, an deinen Geruch, deinen Geschmack, an die schönste Zeit meines Lebens,
an Dich.


Kommentar von Ghost

Klingt interessant. Könnte ich mir innerhalb einer Geschichte oder eines Buches gut als Tagebucheintrag des Protagonisten vorstellen.

Eingetragen am: 11.06.2009

Eingetragen am: 09.06.2009 von Marina Decker
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1129

science-fiction

Ich kann mich nicht erinnern, ob ich damals eifersüchtig war als Lara kam. Ich war schon 5 Jahre alt, Mutters Wiegenliedern entwachsen, und in der Schule, beim Schwimmem, Tanzen und im Musikunterricht jedermanns Liebling. Oder nicht?
Nun, auf jeden Fall war ich meines Vaters ganzer Stolz, da bin ich sicher! Und das muss mich so beschäftigt und ausgefüllt haben, dass ich Mutters Schwangerschaft gar nicht einmal bemerkt hatte. (Ihre spätere, mit Sri Sri zwar auch nicht, aber dies hatte andere Gründe, die mir viel später einleuchten werden)

Auf einmal war Lara da. Wie ein Ableger, der plötzlich aus der Hüfte meiner Mutter spross, (wo Mama meine kleine Schwester meistens trug,) wärend sie mir ein Bad einließ oder mir einen Tee kochte. (Habe ich schon erwähnt, dass sie die beste aller Mütter ist?)

Laras erste wackelige Schritte machte sie auf mich zu. Tapp, Tapp, Tapp und jauchzend in meine Arme! Sie hat mich doch geliebt! - und ich sie auch!

Als Lara in die Schule kam, musste ich mein Bett mit ihr teilen. Ich sollte Vorbild für sie sein, Hilfe und Ansporn bei allem, was sie noch nicht konnte. Wie könnte ich da eifersüchtig sein! Wenn ich es recht bedenke, ist es nicht wahrscheinlicher, dass es genau anders herum war?


Eingetragen am: 06.06.2009 von Sigrid Leister
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1029

...doch wir hatten uns!
Ich kann mich nicht erinnern zu welchem Zeitpunkt ich mich zerrissener gefühlt hatte.
Die Tränen liefen mir aus den Augenwinkeln und ich presste die Lippen fest aufeinander, um das Schluchzen das wie ein Raubtier zum Sprung bereit in meiner Kehle lauerte, zurück zu drängen.
Der Motor des Wagens summte wie eine geschäftige Hummel.
Der Scheibenwischer strich monoton und kraftvoll die schweren Regentropfen, die im Stakkato gegen die Scheibe trommeltem zur Seite. Unermüdlich war er bestrebt mir eine freie Sicht zu verschaffen. Wie sehr sehnte ich mich danach auch auf mein Leben eine freie Sicht zu bekommen.
Ich hatte mir eine Auszeit genommen. Wenn ich ehrlich bin war es mehr eine überhastete Flucht. Ich floh vor den Aufgaben meines Lebens. Ich schlug der Einsamkeit, die mich aushöhlte und rastlos werden ließ, ein Schnippchen.
Ich hatte mir sieben Tage Aufschub verschafft.
Die Tage, die ich bei meiner Freundin verbrachte waren ein kleines Stück Kinderzeit, als wir trotz allem uns hatten, meine Freundin Gaby und ich. Sie ist mit das Beste was mir in meinem Leben passiert ist.
Sie hat sich durch die Höhen und Tiefen meines Lebens als Freundin gerettet.
Sie ist für mich mit ihrer kleinen Familie, die aus zwei Katzen und einem liebevollen Mann besteht wie eine Insel, auf der ich ausruhen kann wenn mir der Orkan des Lebens meine Standfestigkeit raubt.
Hier genoss ich ein paar Tage das Gefühl unverwundbar zu sein.
Wie früher als wir uns als Kinder hatten.
Die Zeit als wir gemeinsam die Schulbank drückten, und uns vor lauter Lachen nicht halten konnten wann immer sich unsere Blicke trafen.
Als wir in tiefdunkler Nacht an einem Lagerfeuer Kartoffeln rösteten, die ich heimlich aus dem Vorratsschrank geklaut hatte. Ich die Kartoffeln und Gaby die Eierkohlen aus dem Keller, die ihr Vater umsonst bekam da er als Bergmann auf der Zeche arbeitete.
Als wir das Funkeln der Sterne hören konnten und an die Wunder des Lebens glaubten.

Wenn ich bei ihr bin kann ich das Lächeln der Sterne wieder sehen und ich bin glücklich dass wir uns immer noch haben.
Jetzt fahre ich wieder nach Hause mit kleinen funkelnden Diamanten der Erinnerungen in meiner Seele und kann hinter meinen Tränen ein Lächeln sehen.


Kommentar von Marina Decker

Am Anfang des Textes fuhr ich mit, voller Mitgefühl. Aber dann kommen die Zeitschienen durcheinander. Das Eine ist früher passiert, das Andere gerade eben? Deine Prota fühlt sich zerrissen ja! Der Text auch! Ich würde mich noch mal dransetzen. Ansonsten - ich würde schon weiterlesen wollen - schon um die Gründe zu erfahren. LG Marina

Eingetragen am: 09.06.2009

Eingetragen am: 06.06.2009 von Sophie
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992

Ich erinnere mich nicht daran, dass die Bahn jemals pünktlich war wenn ich im Anschluss einen wichtigen Termin hatte.
Ich saß im Zug von Hannover nach Braunschweig, auf dem Weg zur Kunstprüfung für die Uni. Eigentlich hatte der Tag sehr gut begonnen...ich habe bei Bekannten übernachtet, welche ich tatsächlich kaum kenne, doch ich habe mich bei Ihnen so wohl gefühlt als ob ich dort nicht zum ersten Mal zu Besuch wäre...jedenfalls hat mir die Mutter meines Freundes am Morgen vor der Prüfung eine Kaffe gekocht mit einer großen Portion Milchschaum, da kann der Tag doch nur noch gut weiter laufen.
Die Station der Straßenbahn befindet sich direkt vor der Haustüre. Ich gehe also raus, kaufe mir am Automaten ein Ticket und schon kommt die Bahn. Ich steige ein, fahre gemütlich zum Hbf weiter, steige in den IC ein und weiter geht’s!
Nein, es kommt anders.
Ein lautes knacken ist zu hören und eine freundlichre Frauenstimme ist zu vernehmen, welche ankündigt, dass unser Zug wegen Sperrungen an bestimmten Gleisabschnitten erst 15 min später losfahren könne. Und weil das noch nicht reicht müsse unser Zug auch eine Umleitung fahren.
Na gut denke ich mir...mit dieser Verspätung werde ich dennoch Pünktlich zum Prüfungsbeginn an der Uni sein, denn diesen Zeitpuffer habe ich mir ganz bewusst eingeplant und so bleibe ich also optimistisch.
Nach weiteren 15 min rumstehen und Zeitschinden gibt es eine weitere Ansage von der gleichen äußerst sympathischen Frauenstimme. Das Gleiche Thema wie vorher, weiter 15 min stehen, Umleitung usw.....wir stehen also immer noch.
Meine Mitreisenden sind schon eifrig dabei zu telefonieren...ich wollte damit noch etwas warten.
Nach ca. 30 min rumstehen fährt unser Zug endlich los und wegen der geplanten Umleitung hat unser Zug leider eine Verspätung von 50 min, so dass wir pünktlich um 10 h, zum Prüfungsbeginn, den Hbf Braunschweig erreichen. ich denke mir nur so, warum können es nicht noch 11 min mehr sein, dann würde ich wenigsten 20 % Preisnachlass auf meine Fahrkarte bekommen.
Zwischenzeitlich hatte ich sogar überlegt in den RE umzusteigen, vielleicht könnte ich dadurch etwas Zeit gewinnen...aber der Zug um 8:55 h Richtung Braunschweig Hauptbahnhof fiel leider aus.
Aufgrund dieser enormen Verspätung war es nun auch für mich an der Zeit die Uni anzurufen und die Dozenten vom Prüfungskomitee über meine Verspätung in Kenntnis zu setzen. Aber, natürlich hatte ich kein Netzt und ich ärgerte mich über mich selbst das ich vorhin noch etwas mit dem Anruf warten wollte.
Der Zug fährt und fährt und ich habe kein Netzt...ich werde wahnsinnig...was soll ich denn nun tun?
Wie durch ein Wunder hält der Zug mitten auf der Strecke an, ich habe Netzt und kann telefoniere. Nach 5 min habe ich alles geklärt und dennoch fühle ich mich schlecht und habe Zeitdruck und...der Zug steht immer noch.
Eine Ansage vom Zugführer erklingt in Lautsprecher, die ungefähr so klang:
„Guten Tag meine Damen und Herren, ich begrüße Sie an Bord des IC von Hannover Hauptbahnhof zur Weiterfahrt nach Leipzig über Braunschweig Hauptbahnhof. Unsere Weiterfahrt verzögert sich um weitere 10 min. da unser Gleis durch einen Güterzug belegt ist. Im Namen der Bahn möchte ich mich bei Ihnen für unsere Verspätung entschuldigen und hoffe auf Ihr Verständnis. Zur Entschädigung bieten wir Ihnen im Bordbistro ein Freigetränk an, dass sie gegen Vorlage ihrer Fahrkarten erhalten werde.“
Na das war mal eine Ansage...ein Heißgetränk gegen 50 min Lebenszeit, nah herzlichen Dank, ich habe selten so gelacht.
Aber der Zugführer sollte Recht behalten, um 10 h erreichten wir den Braunschweiger Hauptbahnhof und ich kam mit einer halben Stunde Verspätung bei meiner Prüfung an.


Kommentar von Sigrid Leister

Ja, das Leben schreibt die besten Geschichten, aber eine Frage habe ich noch: Wie ist die Prüfung ausgegangen?

Eingetragen am: 06.06.2009

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