„Ich habe das Buch Raum zum Schreiben genannt, weil jede Seite, jedes Kapitel eine Tür öffnet: zur Fantasie, zum Intellekt, zur Seele und zur Gefühlsebene."

Schreiben Sie mit!

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Ich, ich und ich

16.09.2009


Aufgabe

Beschreiben Sie sich selbst – Sie haben maximal eine Seite Platz! Achten Sie darauf, auf welchen Aspekt Sie sich konzentrieren: Äußerlichkeiten? Ihr Gefühlsleben? Geistige Verfassung? Überlegen Sie, in welcher Hinsicht dieser Aspekt uns alle betrifft. Oder schreiben Sie drei vollkommen unterschiedliche Selbstporträts. Sie können Ihnen auch andere Titel geben: »Ich«, »Meine Person«, »Ego« beispielsweise. Oder schreiben Sie über einen eigenen Charakterzug, der Ihnen rätselhaft erscheint.



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Leserbeiträge

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Eingetragen am: 13.10.2009 von Catze
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3761

Ich bin nicht nett. Wenn ich wütend bin, werfe ich gerne mal mit Sachen. Ich habe Gelüste, gegen Autos zu treten, die auf dem Fahrradweg parken. Ich pöbele manchmal Passanten an, die mich aus Versehen angerempelt haben oder mache mich über Verkäuferinnen im Supermarkt lustig, die mich verständnislos ansehen, wenn ich Fleur de Sel verlange. Ich blicke auf meinen Freund herab, weil er Bücher liest, die ich für nicht literarisch wertvoll halte, bringe meine Mutter zum weinen, weil ich auf ihren Missgeschicken herumreite, schreie meine beste Freundin an, weil sie mir wegen irgend etwas Banalem auf den Keks geht und gebe gerne gemeine Kommentare zu Dingen ab, die mir scheißegal sein könnten, müssten. Sie regen mich aber maßlos auf. Ich bin vieles: wütend, arrogant, agressiv, angepestet, aber nein, ich bin nicht nett.


Eingetragen am: 06.10.2009 von Feile
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3709

Geistige Verfassung
Sie hat keine Phantasie, auch wenn ihr Geist recht wendig ist und gelegentlich Purzelbäume und Haken schlägt. Auch empfindet sie bei Menschen manches was die so anstellen, geradezu ulkig. Sie dabei dies oder das grosszügig fallen lässt – nein, keine Null bei Einzahlungen – aber sinnhafte Informationen die eine Ansicht z,.b. zur Politik, zum sozialen Geschehen relativieren könnten.
Nein, dumm ist sie keineswegs, und auch praktisch mit den Händen gut zu gebrauchen.
Das erfordert nämlich zuvor ein durchdenken, eine praktische Arbeit. Was brauche ich, und wie viel? Wie viel Zeit für die Ausführung? Kostenplan. Und wenigstens eine Alternative wird auch ausgebrütet. Nachgeschlagen, eroiert was sagen andere über dies oder das, wie mache ich das?.

Sie sammelt nicht direkt Gegenstände, wie andere z.B. Porzellantassen – nein, sie sammelt Erfahrungen, wie auf einer Festplatte. Eignet sich allen unnützen Krams an, aber wenn noch nach Jahren das Gespräch auf eines der Themen kommt, dann hat sie gewiss, den einen oder anderen Satz dazu zu sagen.
Ihre Schweigsamkeit hat sich inzwischen mit zunehmendem Alter in Beredsamkeit gewechselt – einige meinen vielleicht auch in Geschwätzigkeit. Wortgewalt wurde ihr einmal zugeschrieben – da war sie auch sehr verärgert über eine Sache. Und wenn’s Ärger gibt, dann wird sie zum Anwalt, zum Richter, oder zum Journalist, oder zum Fachmann für Steine im Urin oder anderes Zeugs für das es Ausbildungsberufe gibt.

Aber, ausplaudern, nein das tut sie nix. Sie schweigt, wendet die Informationen aber anderwo wieder an – Gehörtes. Nicht selbst Erlebtes nimmt sie auf wie ein Schwamm. Durch Zuhören, Gespräche führen, oder wie gesagt sich mit einer Thematik auseinander zu setzen, bis sie sich wie ein halber Wissenschaftler vorkommt, aber am Nicht-Wissen krepiert, am nicht gelernt haben, wie man mit dieser oder jener Botschaft umgeht.
Das ist ein Akt, der für das Schreiben, was sie auch gerne tut, geradezu ideal sind. Aber Schreiben ist zusätzliche Arbeit, die nicht gut bezahlt wird. Und das Schreiben frisst Zeit, sie will nicht sagen, Zeit die vergeudet ist, das keineswegs. Fallen einem doch Erkenntnisse zu währenddessen, an die man nie gedacht hatte. Auch Erinnerungen.

Aber die Feile – hartes Stück die Feile. Und sie nutzt nie ab. Nix da mit Sandpapier – Edelstahl rostfrei muss bei der Korrektur der Schreibarbeit angewendet werden. Oder man muss schnell sein, schneller als die Vorkommnisse sich ereignen, aber da ist das Thema Energie, die irgendwo auf Schiene liegt, sie nur nicht mehr weiss wo.
Der Fahrplan ist schon lange verlegt, der sie durchs Leben führte, oder auch herumgeisterte, schließlich geht es hier um den Grips. Der wird nebenbei auch gefördert beim Schreiben.

Was für eine SIE auch ein Thema ist, sind die Finanzen. Die Versicherungen – diese Dinge nimmt sie keineswegs gelassen – davon hängt die Sicherheit ab – das wenigstens der Rücken warm bleibt, wenn die Not noch größer wird, als sie scheint, oder der Bauch kalt wird.
Manchmal kommt es zu keinerlei Abschluss – vor lauter Misstrauen. Was nutzt ihr zB eine Zahnzusatzversicherung, wenn die eh schon alle chemisch sind, die Zähne? Sie sind eh verloren.

Geradezu lachen kann sie, weil sie niemals Aktien kaufte, oder kaufen konnte. Leider trägt auch sie den Schaden mit – muss für andere einstehen. Da wird sie einfach mit in das Boot gesteckt, obwohl sie davon das Kotzen bekommt.

Viel Geist ohne Biss ist wie das Leben eines Taugenichts – aber vielleicht, sagen wir mal so in 25 Jahren, sieht sie das vielleicht anders. Oder andere sind dann da und sagen: Oh Mutti du warst immer so rigoros, so überklug
wir hatten keine Chance auch nur irgendwas richtig zu machen.


Eingetragen am: 06.10.2009 von Feile
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3708

Gefühlsleben.
Doch Mutti, das war das Vorbild. Emsig, tatkräftig,
andere zum Lachen bringend – das konnte sie und Kochen und für sehr viele Menschen Feiern abhalten die laut und mit Musik und Tanz stattfanden.
Und dabei liefen ihr selbst ob der Komik die Tränen über die Wangen, tieftraurige Tränen. Sie hatte die Tränen immer gesehen und die Komik nicht verstanden.

Jahrelang lachte sie bei jedem Anlass. Besonders als Mutti an der Steckdose hing und einen Stromschlag bekam und nur schrie, sie solle sie nicht anfassen.
Sie tat immer was Mutti sagte. Der Stecker fiel und Mutti war gerettet. Mutti lachte und lachte. Doch was blieb ihr?
Wer tröstete ihre Angst wieder fort? War doch Mutti wieder im Jubel, das Leben noch zu haben.
Sie packte gefasst ihre Angst ein und schaute nach, ob Mutti wieder gehen könne.

Diese Angst war so eingepackt, das des Nachts bei Mondenschein sogar Bademäntel am Haken eine Gestalt bekamen und sich bewegten. Denn, es war nicht nur eine Angst die sie einpackte. Da war noch ganz viel, wo Mutti Tränen lachte und sie nichts mehr sagte.
Überhaupt entwickelte sie sich zu einem Schweiger – sie schrieb – Tagebücher und man sah sie selten vor dem Fernseher – sondern immer mit einem Buch – auch in der Bahn.
Das erste Wort, welches sie mit Vater schreiben übte welches sie damals noch nicht kannte, hiess „Chaos“. Stand im dicken Wälzer, den man nicht auf dem Schoss halten kann, aber ausgezeichnet war, um ihr Kinn oberhalb der Tischkante gelangen zu lassen, indem es unter dem Po platziert wurde. Bei Vater lag sie immer ganz nah bei – am Sonntag, wenn alle fernsahen. Die Katze zu Füssen. Die Mutter stopfte Socken. Oma zupfte am Spitzenkragen.

Sie hasste Mondnächte, die ihr den Schlaf raubten. Mondnächte in denen sie in dunklen Gebäuden umherkrauchte, um einen Lichtschacht oder einen Ausgang, ein Fenster, eine Tür zu finden. Sie fand sie nie. Sie schrie irgendwann und wachte auf. Manchmal waren in diesen Träumen auch bekannte Menschen. Immer verabschiedete sie sich von ihnen – ging ihren eigenen Weg in diesem Dunkel auf der Suche nach einem Ausgang.
So war da auch einmal eine wundersame Tür. Sie bewegte sich durch den Druck des Zeigefingers – schnappte aber sofort wieder zu. Sie war wunderschön verziert – und wie immer in ihren Träumen – es war dreieckig. Ob es nun ein Weg war, der durch die Gebäude führte oder das Muster dieser schönen Tür, die immer wieder zuschnappte.
Bis endlich ein Maler kam und sie aufschloss. Ja, ein Maler in weissem Anzug. Aber nun war sie in einem weissen Gang, steril, heller zwar, aber der Maler hatte seine Leiter mitgenommen und war wieder verschwunden. Sie suchte weiter einen Ausweg.
Und so sucht sie heute noch, einen Ausweg. Aus diesem Dilemma, oder aus jenem.
Sie grübelt bis von ihr selbst nichts mehr übrig ist, und sie die komischen Tränen weint, die Mutti unter Lachen fallen lies.
Es war viel passiert in den Kindertagen. Nachkriegszeit für die Eltern – Frohsinn für sie.
Magerjahre und dann Wirtschaftswunder und Tod des Vaters. Sie wuchs und wuchs. Bekam hornige Ellenbogen, Grübelfalten und ein eieriges Kreuz.

Und so ist es auch im Bauch – eierig. Wie die Tür im Traum – mal fällt was hinein in ihn und wärmt ihn – da weich. Mal wird er stramm vor Zorn weil die Galle am arbeiten ist. Neutrale Tage sind ihr eher langweilig und von daher schneller vergessen.

Doch die Energie, das Kraftstrotzende, die liegt irgendwo auf Schienen, die sie nicht kennt. Die ihr abhanden gekommen ist über die Jahre des Tuns, was andere wollen oder ihr rieten, wahrscheinlich wollten – nicht immer war das so direkt ausgesprochen, sondern eher intuitiv aufgenommen worden von ihr.
Sie litt – sie litt auch mit jedem mit, als wäre es ihr eigenes Schicksal. Leisten müssen, klug werden half ihr nicht Gefühle zu eleminieren.
Sie lag viel auf dem Sofa – sozusagen ihr halbes Leben – das andere bestand aus Arbeit und Frohsinn. Auch aus Neugier an der Welt, aus Tugenden und Moral.
Sie ist weich, der Bauch lässt sich schnellstens mühelos eindrücken. Doch die Energie, die sie nicht kennt, verhindert das sie selbst die Tür schliesst und sagt: Ohne mich.
Schlimmstenfalls macht sie alles alleine.
Es geht einfach nicht – immer wieder stellt sie sich ein, auf das Du. Doch das will ihr nicht immer den Bauch wärmen. Das Du ist mit sich und seiner Welt beschäftigt. Es stellt sie hin als dumm, als Lügner, als nicht mütterlich genug, als nicht ordentlich genug, als nicht schlank genug, als nicht fleissig genug, nicht schnell genug nicht sparsam genug und dann wäre da noch der Sex, als zu kühl. Ist nicht wie bei Aschenputtel – die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. Gab auch gute ins Kröpfchen: Sie sei klug, sie könne gut analysieren, sie hätte Talent, sie sehe gut aus, sie hätte doch nichts zu leiden. Sie hätte doch erfolgreich ihre Kinder ins Leben geschickt usw.


Eingetragen am: 06.10.2009 von Feile
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3705

Äusserlichkeiten
Weich und rund und kurz ist sie und könnte dazu führen sie in den Arm zu nehmen – für weich und Mütterlich zu halten. Wenn da nicht diese zwischen den Brauen gelegte Stirnfalte wäre – das Blitzen in den Augäpfeln, die sowohl Nachdenklichkeit, wie auch den Zorn beinhalten könnten.
Von Aussen betrachtet, sind keine weiteren Auffälligkeiten auszumachen. Bekleidungstechnisch wirkt sie unauffällig gepflegt – sportlich eher als contra zu den Rundungen.
Manchmal klappern ihre Absätze, manchmal schleicht sie mit Turnschuhen wie eine Katze auf samtenen Pfoten. Ihr Bewegungsablauf ist bedächtig – nicht alt nicht jung. Auch nicht so sportlich wie die Bekleidung –
Das Alter – es kommt auf sie zu. Die kleinen Blessuren, die das Leben hinterliess, drücken ihren Kopf und Schultern zuweilen – den Blick am Boden.

Doch sollte man meinen, dort am Boden läge die Trübnis, der irrt. Dort spielt sich das Zauberhafte des Lebens ab. Da wird eine geradezu kindische Neugier geweckt, was denn dort liegt, nachgedacht, wer es hinterlassen hat. Die rote Tüte zum Beispiel mit dem dicken M in geschwungenen Buchstaben in gelb. Oder das Braune am Regensiel – wie Holzschutzfarbe – und ihre Stirnfalte vertieft sich.
Ist auf der Grasnarbe etwas beweglich, dann beugt sie sich hernieder. Schaut genau hin, legt sich das Tier auf die Hand und sucht die Augen – das Vorne und das Hinten.
Trifft sie auf Kinder, schaut sie hin, was spielen denn sie? Heute wieder bunte Blumensträuße als Collage gelegt? Werden Schnecken mit Stöckchen irgendwo hingeschoben? Was singen und spielen die Kinder dort am Straßenrand?
Oder die alte Frau, die sie schon ein paar Monate nicht gesichtet hatte – die sieht sie und spricht sie an fragt nach ihren Sorgen. Man sieht sie also eher selten von A nach B gehen, nicht rechts, nicht links schauend, sondern genau so: geradeaus, und nach rechts oder links schauend.
Bei der Bank richtet sie sich auf. Schaut in die Auszüge – und entspannt sich wieder. Bei einem Gespräch dort kommen zu der einen Falte noch mehr kleinere – jene die mitdenken, nach dem Kleingedruckten fragen. Die Realität abklopfen und der Entscheidung auf die Sprünge helfen
Nach dem Aufsuchen der Bank wird sie einkaufen gehen – die Liste abarbeiten, die sie im Laufe der Woche geschrieben hat. Am Monatsanfang wird sie wieder von einem Geschäft zum nächsten den Einkaufswagen mit ihren Taschen schieben – denn im Rücken ist da keine Stabilität mehr um all das Schwere zu tragen was sie für die Familie bereithalten muss.
Das Erfüllen der Lebenssubstanz – das Wohlfühlgefühl herstellen – das ist ihre Aufgabe und auch der Wille für sich selbst.
Nebenbei schaut sie auch andere Menschen an, jene die ihr häufiger begegnen, oder bemerkt jene, die sie seit mehr als zwanzig Jahren nicht gesehen hatte. Es gab da Verbindungen über die Krippen, die Schulen, die Kirche oder den Malkurs. Sie freut sich über das bekannte Gesicht. Sie plaudert. Auch wenn die Person immer noch kein Deutsch einwandfrei sprechen kann. Sie hört zu, fragt nach. Sie bemerkt auch, wenn jemand absichtlich seine Brille nicht aufgesetzt hat, weil er andere nicht sehen möchte. Das piekt sie, aber um so schneller ist sie auch wieder im eigenen Hause oder dort, wo es nicht piekt. Z.B. im Internetforum.

Manchmal bilden sich beim Gegenüber die Stirnfalten oder sie glätten sich. Unterschiedlich.
Nicht immer kommt sie im rechten Moment – Frau hat immer irgendwie zu tun.
Ihr ergeht es ebenso – nicht immer ist Zeit für andere da. Das ICH will auch gepflegt werden.
Aber wo bleiben da die anderen? Das muss sie wohl für sich organisieren. Telefonate führen, Termine vereinbaren, sich zur Fortbildung X anmelden. Eine Stunde einschliessen und nur Ich sein dürfen – Lesen gar, dass es auch andere gibt, die desgleichen tun.


Eingetragen am: 29.09.2009 von Sasha Bliss
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3641

ICH BIN LEBENDIG - in allen Facetten: MEINE SEELE glitzert. Sie mag Stille und meidet die Hektik. Im Alltag zeigt sie sich eher selten. Hin und wieder küßt sie mich klar. Dann bin ich sanft und federleicht, ohne Ego. Meine Seele kichert als neugierige Freude und breitet sich aus als kraftvolle Liebe.
MEIN EGO ist willenssstark, ungeduldig, stur. Es braucht Dynamik und Luxus. Es sonnt sich im Blitzlicht und sucht das Funkeln der Macht. Es ist immer hungrig nach Dramen und dürstet nach Beachtung und Bestätigung. Schau her, ruft es trotzig, ich bin der Wettkampf!
MEIN KÖRPER ist weiblich, schlank, braucht Bewegung, Sonne und viele Streicheleinheiten. Meine Hände lieben Berührung und können sich zu Fäusten ballen, wenn sie wütend sind. Mein Mund ist selten geschminkt um nicht mit den dunklen Augenbrauen in Konkurrenz zu treten. Das macht ihm nichts aus, da er von Natur aus eine ebenmäßige rosa Farbe besitzt und perfekt konturiert ist. Süß! ärgert ihn öfter die neidische Nase, weil sie gekränkt ist, dass niemand sie beachtet. Still! wird sie von den schwarzen Wimpern ermahnt. Da seufzt mein Blick: Er ist offen und direkt, entweder Fenster zur Seele, oder Grenzwächter des Egos. In jedem Fall aber Ausdruck meines SELBST.


Kommentar von Feile

Hallo Sascha ja, ich habe tatsächlich einen ganzen Absatz einfach unterschlagen - es steht ganz deutlich da: MEIN KÖRPER ist weiblich, schlank, braucht Bewegung, Sonne und viele Streicheleinheiten. Meine Hände lieben Berührung und können sich zu Fäusten ballen, wenn sie wütend sind. Mein Mund ist selten geschminkt Entschuldige - ich habe sämtliche Texte offline in einem Rutsch kommentiert, aber dann erst Stück um Stück die Kommentare hier Tag um Tag abgegeben. Irgendwas war mir komisch mit dem Text - das weiss ich noch. An das EGO hab ich aber wirklich nicht gedacht, ehrlich gesagt noch nicht einmal nachgedacht worin da Unterschiede zum ICH sind. Die Texte hier sind auch unterschiedlich gestrickt - und ich ging eher nicht von literarisch angedachten Personen aus- aber bei einigen wenigen schon.

Eingetragen am: 11.10.2009

Kommentar von Sasha Bliss

Hallo Feile, Mein Körper ist weiblich - hast Du überlesen. Ich beschreibe NICHT meinen Charakter, sondern mein EGO, das ist grundlegend was anderes, da sich der Charakter/Wesen aus Seelenanteilen zusammensetzt, die allerdings nur punktuelle vom EGO überlagert werden. Interessant auch, dass Deine Aufmerksamkeit ausschliesslich am EGO hängen geblieben ist. Damit entgehen Dir nämlich weitere Eigenschaften: still, neugierig, sanft, liebend, (und v. Körper: gern an der Luft, agil). ch bin Dir dankbar für diesbez. Feedback, weil ich das vermutlich zu abstrakt beschrieben habe. Die Einteilung Seele, Ego, Körper ist nicht selbsterklärend und sieht vermutlich jeder etwas anders. Ich nehme mit, dass - um in eine Handlung eingebaut zu werden - da sicher einiges an erzählender Vorarbeit notwendig ist.

Eingetragen am: 10.10.2009

Kommentar von Feile

Hallo Sasha ich habe beim lesen nicht darauf geachtet od Männlein oder Weiblein schrieb - evtl ist es doch wichtig? Zum Charakter : willensstark, ungeduldig, stur, sucht die Aufmerksamkeit und möchte Macht, trotzig ist fast stur, oder? Den Luxus einer eingehenden Textanalyse kann ich leider nicht erbringen irgendwie fehlt mir etwas – sehe aber nicht was..

Eingetragen am: 08.10.2009

Eingetragen am: 22.09.2009 von Jördis-Elna
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3581

Wer bist Du?
Frag ich mich.
Tausend und eine oder keine.
Wer diese Frage schnell und schlicht beantwortet, kann nur ein Weiser oder Dummkopf sein.

Das Ungeborene will nicht zur Welt kommen
Der Säugling brüllt seinen Protest in die Nacht und spuckt den Brei wieder aus
Das Kleinkind verlangt das Märchen vom Dornröschen und Froschkönig zu hören
Die Erstklässlerin beugt sich über die Schiefertafel und kratzt as und bs darauf
Die Fünftklässlerin schämt sich für das Elternhaus, das keine Bildung kennt
Die Laienschauspielerin spielt mit Bravour den ordinären Soldaten täuschend ähnlich
Die Revoluzzerin stürmt durch die Straßen, skandiert Ho Chi Min
Die Studentin besteht ihr Examen mit Auszeichnung
Die junge Lehrerin fördert enthusiastisch die schwachen Schüler
Die junge Mutter bringt zwei Kinder zur Welt und wird vom Vater verlassen
Die Mutter ist den Aufgaben allein nicht gewachsen
Die attraktive Frau sucht einen Liebhaber
Die …

Was bringt’s, die Liste fortzuführen?
Sagt sie doch nichts aus über tausend und abertausend Gedanken und Gefühle, über Glück und Unglück, Hoffnung und Verzweiflung, Sieg und Niederlage. Über die heiteren und düsteren Momente. Und über all die Momente, an die ich mich nicht erinnere, weil sie mir zu banal erschienen oder weil das Leben einem Strudel glich, der mich mit sich riss.

Wer bist du?
Ich kann es nicht sagen.
In jeder Zelle meines Körpers lagern unendlich viele Erfahrungen und Eindrücke.
Ob ich klug geworden bin?
Auch das vermag ich nicht einzuschätzen.
Jeder Tag stellt uns vor neue, andere Aufgaben.
In einem Moment meines Lebens kann ich ganz ich, in einem anderen ganz weit von mir entfernt sein.
Aber auch das entstammt meinem Ich, wenn ich nicht bei mir bin.
Wer bin ich?
Das ständige Bemühen um Glück, Erkenntnis, Entwicklung?
Ich weiß es immer noch nicht.
Vielleicht ist es nicht wichtig, darauf eine Antwort zu wissen.
Sondern nur:
Jeden Tag bewusst zu leben


Kommentar von Feile

Ein Mensch, der sich selbst nicht kennen will. Langweilig für mich eine Lebensliste, ein Lebenslaufbrief wie das ICH ja selbst sagt, doch könnte das ICH so es dem Schreiben zugetan ist, sich einen Punkt herausgreifen und ausweiten, wie eine Pizza – bunt belegen. Der Charakter des Ichs ist dem Ich scheinbar gut bekannt, das ICH teilt es uns aber eher nicht mit (das Bunte, das Vielfältige, das Erlebte, das Verhängnisvolle, die Niederlagen). Jeden Tag bewusst leben – der Satz kann nur für ICHs Gültigkeit haben, welches schon Täler durchschritten hat, und das Positive daran erkannt hat. Die Moral von der Geschicht hab ich lieber selbst entdeckt bzw möchte dahin geführt werden zur Selbsterkenntnis – mags nicht so aufgedrückt bekommen

Eingetragen am: 08.10.2009

Eingetragen am: 22.09.2009 von Berthild Lorenz
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3580

Ich sitze am Schreibtisch, direkt vor dem offenen Fenster und höre ihre Gift sprühende Stimme. „Na, haste schön zugehört? Kannste alles weitererzählen!“

Ihre Stimme ist laut und kreischend. Immer wenn ich ihr begegne schreit sie mich an.

Das war durchaus nicht immer so. Es gab Zeiten, in denen wir mit einander an meinem Tisch Kaffee tranken und Verständigung mit einander suchten.
Das Sozial-Ich in mir sagte: „Wenn nicht du, wer sollte sich sonst mit ihr beschäftigen; du weißt, sie schreit, um Zuwendung zu erhaschen. Die Normalen wissen das nicht! Kümmere dich um sie!“

Das ist Jahre her und sie hat mir ihr Leben, das sie in einem Kinderheim nach dem anderen verleben musste, erzählt. Sie wurde hin- und hergeschubst und erzählt noch heute von ihrer lieben Mutti, die ihr Pakete schickte und schickt ...

Wegen ihrer Epilepsiediagnose und der einseitigen Lähmung galt sie als Behinderte, wurde also doppelt ausgesondert ...

Ich hatte sie immer wieder freundlich gegrüßt und sie nahm das irgendwann dankend an. Wir redeten also mit einander und stellten fest, dass uns beiden die selbe Diagnose aufgedrückt worden war – EpileptikerInnen.

Wir hatten das trotzdem, obwohl es wie ein Beruf klang, nicht zu unserem Beruf gemacht; wir weigerten uns, epileptische Anfälle zu bekommen.
Sie erzählte, dass sie eines Tages einfach das Medikament abgesetzt hatte, um wieder ein Mensch sein zu können.

Diese Medikamente sind dazu da, Menschen ruhig zu stellen ...

„Was sie kann, kann ich auch!“ , sagte ich eines Tages, und obwohl mein medizynisches Wissen dagegen sprach, setzte ich von einer Minute auf die andere das Medikament ab.

Das medizynische Ich sagte vorher: „Du hast es gelernt, du musst das Medikament sehr langsam ausschleichen, sonst kannst du am status epilepticus krepieren!“

Das Ich, das ihr zugehört hatte und sich ständig mit aktueller Fachliteratur beschäftigt hatte, sprach laut und deutlich zu meinem Ich-Team: „Ihr wisst es alle ganz genau; eure Psyche ist eure stärkste Kraft! Als ihr Angst hattet, damals, beim fachfraulichen Ausschleichen des Medikamentes, habt ihr einen epileptischen Anfall gehabt. Tut es wie sie, angstfrei, und ihr werdet gesund!“

Seitdem leben wir Ichs wieder friedvoll mit einander, in einem Körper.

Ihr antwortete eines von uns, das das meinte, dass sie den gelebten Jahren nach auch erwachsen ist: „Es sind nicht alle Menschen wie du, das vergisst du immer wieder!“

Das soziale Ich fragte sofort: „Wozu hast du das getan? Was ist dein Bedürfnis dahinter? Willst du ihr sagen, dass immer DU das letzte Wort haben musst? In solch einer Not steckst du? Du bist keinen cm erwachsener als sie, wenn du dich so benimmst!“

Sehr nachdenklich fragte das Gemeinschaft suchende Ich: „Und was, wenn ich mal wieder mit ihr Kaffee trinken möchte? Sie ist genauso wertvoll, wie ich und sie sucht doch genau wie Ich, die Gemeinschaft mit anderen Menschen!“

„Wann hast du sie das letzte Mal einladend angesprochen?“, fragte das soziale Ich und ließ ein schweigendes inneres Team zurück.


Kommentar von Feile

Hallo Berthild Der Text ist zunächst einmal nicht ganz einfach, wegen der widerstreitenden Ichs – schön das medizynische Ich – herrlich geradezu. Er berichtet von der Auseinandersetzung des ICHs mit einer Erkrankung, die nicht so einfach aus der Welt zu schaffen ist, sondern auch Mut erforderte, Geschriebenes zu tun. Mein Beifall dafür, für den Versuch – und das medizynische Ich wird’s schon richten, wenn sich im Leiden wieder etwas tut gleich zu handeln. Traurig erscheint mir, dass das ICH sich völlig zurückgezogen, hat aber durch das Schreiben vermutlich eine weise Erkenntnis hat. Eine Geschichte die Mitleiden erzeugt und zu Gedanken anregt, wie das ICH wieder lebensfroher werden könnte

Eingetragen am: 08.10.2009

Eingetragen am: 22.09.2009 von Bärbel
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3579

ich-annäherung

in
mitten
menschen
fluchten
suchen
finden
im allein
sein sich
eintauchen
mich
ausatme
frei
werde
ich


Kommentar von Feile

Hallo Bärbel eher eine Beschwörungstheorie zu werden, als zu sein. Selbsthypnose könnte man es auch nennen oder Entspannungstechnik ( in sich eintauchen das triffts ausgezechnet)

Eingetragen am: 08.10.2009

Eingetragen am: 21.09.2009 von Hadassa
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3568

Tiefschlaf,
süßer, friedlicher Tiefschlaf.
Wir alle schlafen – ich, mein kreatives Ich, mein Alltags-Ich.
Ein kurzer, synthetischer Ton im Nichts der Dunkelheit unterbricht den Frieden.
„Teemaschine ist angesprungen“, meldet sich mein Alltags-Ich nüchtern und knapp zu Wort. Wie immer ist es sofort wach.
„Mhm“,murmeln mein kreatives Ich und ich im Duett, suchen die Decke und ziehen sie noch ein wenig mehr über den Kopf.
„Der Tee ist durchgezogen und in der Kanne“, das Alltags-Ich kann einfach nicht schweigen. Ich hasse diese frühen analytischen Bemerkungen.
„Ich weiß“, antwortete ich undeutlich und ziehe die Decke noch ein Stück höher. Das kreative Ich versteckt sich jetzt ganz und gaukelt Tiefschlaf vor.
„Hör auf damit, Hadassa und mach die Augen auf. Der Wecker schellt sowieso in wenigen Augenblicken“, das Alltags-Ich läßt nicht locker, hält einen Vortrag über die Unsinnigkeit, die Teemaschine zu programmieren und dann weiterzuschlafen. Jeden Morgen höre ich mir diesen Vortrag an und jeden Morgen reagiere ich nicht.
Der Wecker schellt, sein Ton ist hoch und dringt wie eine spitze Nadel ins Hirn. Ich mag ihn nicht, mache ihn hektisch aus, gieße mir die erste Tasse Tee ein. Beide Ich schweigen. Ich weiß aber, daß sie mich genau beobachten und bei Bedarf zu Wort melden.
Der Tee ist heiß und stark.
„Welch ein großartiger Luxus im Bett zu liegen und einen Tee zu trinken und den Tag fern zu halten“, seufzt mein kreatives Ich genüßlich.
„Er wäre noch größer, wenn Hadassa sofort wach würde, anstatt diesen Heck-Meck mit der Bettdecke auszuleben“, das Alltags-Ich muß wie immer das letzte Wort haben.
„Ich höre ein Flugzeug und die Blätter der Linde und irgendwo bellt ein großer Hund“, unterbricht das kreative Ich. Ich selbst sage nichts, starre in die Dunkelheit, trinke den Tee.
„Du solltest, sobald der Zeitungsbote vorfährt, die zweite Tasse Tee trinken und dann mit den Morgenseiten anfangen. Dann hast du die vertrödelte Zeit herausgeholt“, meldet sich nach einigen stillen Momenten das Alltags-Ich zu Wort.
„Ich mag den Zeitungsmenschen nicht. Er ist so schrecklich laut und außerdem spuckt er immer aufs Pflaster. Ekelhaft!“, empört sich mein kreatives Ich.
„Bitte keine weiteren Details, ich möchte meine Ruhe haben“, stöhne ich und schenke mir nach.
Als ich die Tasse absetze, sitzt das Alltags-Ich schon auf der Bettkante. „Nimm schnell das Heft und den Stift und schreibe die drei Seiten“, befiehlt es mir.
„Die drei Seiten sind meine Sache und gehen dich überhaupt nichts an. Hör endlich auf Hadassa so herumzukommandieren. Kreativität braucht Zeit“, schimpft das kreative Ich. „Und außerdem habe ich heute keine Lust, daß Hadassa etwas schreibt.“
„Das hattest du gestern und vorgestern auch nicht. Heute wird geschrieben“, bestimme ich, greife nach dem Stift, schreibe mein Pensum und höre meinem kreativen Ich zu. Und wie jeden Tag erzählt es mir seine nächtlichen Träume und Gedanken, erinnert mich an vergessene Vergangenheit.
Als ich den letzten Satz schreibe, ist das Alltags-Ich wieder da und nennt mir mit nüchterner Stimme die Uhrzeit. „Zeit aufzustehen und sich auf den Weg zu machen“, fordert es mich auf.
Ich taumel ins Bad, putze meine Zähne, schlüpfe in Laufkleidung und Schuhe. Ziehe leise die Tür ins Schloß, eile die knarrenden Holzstufen nach unten.
„Beeil dich“, sagt das Alltags-Ich und „bist du auch richtig aufgewärmt und gedehnt?“ Jeden Morgen sagt es das gleiche und jeden Morgen mache ich eine letzte Dehnübung und laufe langsam und ein wenig unsicher los.
„Ich finde es ganz schön dunkel und sehr kühl und da vorne sitzt eine Katze und...“, mein kreatives Ich gibt mir laufend seine Neuigkeiten durch.
„Halt den Mund. Hadassa muß sich auf ihren Laufrhythmus konzentrieren. Sie läuft sowieso schon schlecht genug,“ rügt das Alltags-Ich.
Das kreative Ich ist ein wenig beleidigt und hält den Mund, während ich auf meine Schritte lausche.
„Da vorne fängt der andere Teil der Stadtmauer an“, jeden Morgen ist das kreative Ich von der Stadtmauer begeistert, ständig flüstert es mir ins Ohr stehen zu bleiben und sie zu berühren. Gemeinsam ist uns vor ein paar Tagen der halbe Satz:; im Schatten der Mauer’ eingefallen. Das kreative Ich brütet seitdem darüber, sagt aber nichts. „Die Stadtmauer, im Schatten der Mauer, wer lebt dort und warum lebt er dort“, singt es mir im eigenen Rhythmus vor.
„Wir leben innerhalb der Stadtmauer“, das Alltags-Ich hört sich sauer an. „Immer dieser Sing-Sang. Am besten du hörst nicht hin und konzentrierst dich auf deine Atmung. Geh die Steigung locker an“,redet es nun laut auf mich ein, um das kreative Ich zu übertönen.
„Es riecht nach frischen Brötchen und nach Hefeplätzchen...“, meinem kreativen Ich entgeht nichts.
„Das ist die erste Bäckerei“, navigiert mich mein Alltags-Ich.
„Ich weiß, ich bin ja nicht bescheuert“, antworte ich genervt.
Beide Ich halten für einige Meter den Mund.
„Da vorne sind die Kastanienbäume und eben war eine Eiche, aber jetzt kommt die nächste Bäckerei. Ah....ich liebe diesen Geruch“, mein kreatives Ich kann bei so vielen Impulsen nicht schweigen.
„Ja, ich weiß“,mumel ich und bemühe mich um einen ordentlichen Laufschritt.
„Nicht zu schnell, sonst bist du an der Sparkasse wieder außer Atem“, ermahnt mich mein Alltags-Ich.
„Die Kastanienbäume werfen ihre Kastanien ab“,bemerkt das kreative Ich. Vorhin, bei der Eiche habe ich gehört, wie die Eicheln auf den Asphalt fielen.“
„Ist mit nicht aufgefallen“, das Alltags-Ich bleibt nüchtern. „Da vorne kommt ein Auto, lauf bitte auf dem Bürgersteig.“
„Ich habe es aber gehört, wie die Eicheln und Kastanien herunterfielen. Und würdest du Hadassa nicht so antreiben, hätte sie es auch gehört. Da, wieder fällt eine Kastanie auf den Asphalt. Hast du gehört, wie ihre Schale wegplatzte. Schade, daß es nur so dunkel ist, sonst könnte Hadassa sie sehen und mit nach Hause nehmen.“
„Hadassa soll laufen und nicht unter die Sammler gehen. Jetzt lauf langsamer, wir müssen über die Straße. Alles in Ordnung, es kommt kein Auto. Du kannst rüber.“ Mein Alltags-Ich lotst mich.
„Wir könnten nach links abbiegen und Hadassa holt sich rasch ein warmes Hefeteilchen für nachher“, versucht mich das kreative Ich unverhofft zu verführen.
„Nein“, sagen Alltags-Ich und ich laut. „Ich möchte weder jetzt noch später ein Teilchen und außerdem haben sie geschlossen und ich habe sowieso kein Geld dabei.“
„War ja nur so eine Idee. Ich meine, man braucht doch immer wieder neue Impulse für den Alltag und es wäre doch nett, so früh in eine Bäckerei zu gehen und....“
„Sie hat noch geschlossen....“
„Nein, hat sie nicht.“
Auf den nächsten Metern streiten sich die beiden und ich renne weiter, höre nicht hin, laufe einen Umweg Richtung Schwimmhalle.
Zehn Minuten später bin ich am Ausgangspunkt angelangt, mache Dehnübungen, schaue in den heller werdenen Himmel, öffne die Haustür, steige die knarrenden Holzstufen in mein Krähennest.
„Ich mag die Holztreppe und ihren Geruch und ihre knarrenden Laute und den Kaffeeduft hier und den Morgen überhaupt“, das kreative Ich singt seine ihm eigene Melodie und ich ahne, daß es wieder in das nur ihm bekannte Notizbuch schreibt.
Das Alltags-Ich redet auch. Es feuert mich an, mich zu beeilen. Sorgt dafür, daß ich zum Abschluß kalt dusche, gibt mir minütliche Zeitdurchsagen, sucht mir die Kleidung aus. „Nicht ganz so kreativ, du arbeitest schließlich in einer Pathologie“, weist es mich zurecht.
Für den Alltag bereit steige ich in mein Auto, beide Ich drängeln sich auf den Beifahrerplatz und kommentieren ihre Sicht zu meinem Fahrverhalten. Im Parkhaus registriert das Alltags-Ich die Nummer des Parkdecks, während das kreative Ich mich auf die beiden Spatzen aufmerksam macht.
Der Weg zum Institut ist schnell gelaufen. Ich gehe zu meinem Spind, lege den Rucksack ab.
Das kreative Ich schweigt. Ich weiß aber, daß es da ist. Es überläßt dem Alltags-Ich den Tag, aber es wird mich den Tag über beobachten, sich Notizen machen und manchmal – nur manchmal zu Wort melden.
Ich ziehe den weißen Kittel an, sein Geruch und sein Stoff sind mir angenehm vertraut.


Kommentar von Feile

das ist ein geschickt verpacktes ICH - die Dialoge sind nicht ganz einfach zu lesen – zuviel fast, und doch zeigt es uns, dass es ausser Wecker ignorieren, wieder Tatkraft noch vor der Arbeit in der Pathologie Sport zu treiben – und sich nebenbei alles Lebendige anzuschauen. Auch eine Situation, mit der anderen fertig zu werden. Ich denke es handelt sich um einen energetischen Menschen, mit viel Kraft und Mut und auch Präzision. Ich habe den Text über ein Wordformular gelesen, es wäre mir sonst zu schwer gefallen durchzuhalten. Sicher liesse er sich ebenso wie meiner auch hier oder dort noch raffen (mal ganz fies um die Ecke gedacht, ich glaube heute doch eher, die Person denkt sich lieber etwas aus - hatte es gestern gelesen und mir notizen gemacht)

Eingetragen am: 08.10.2009

Kommentar von Angela Barotti

Leider muss ich Eva Recht geben, was ich bedauere. Ich bin bis zu dem auf den Boden spuckenden Zeitungsjungen gekommen, dann verließ mich die Konzentration. Dabei lese ich insbesondere deine Texte sehr gerne. Ich probiere es noch einmal, wenn ich weniger müde bin.

Eingetragen am: 22.09.2009

Kommentar von Eva Marcuse

Ich fürchte, das ist zu lang.

Eingetragen am: 21.09.2009

Eingetragen am: 21.09.2009 von Ursula Menzel
[ Lesezeichen ]

3566

Ich, ich und ich

Der weite Weg zum Ich

Dass Charaktereigenschaften angeboren, und somit unveränderbar sind, erfuhr ich erst im Alter des späteren Erwachsenseins.
Als ich noch in den Kinderschuhen steckte, musste mein Charakter erstmal geprägt werden, und das gleich von drei Generationen. Wie oft hörte ich von Mutter und Großmutter: die Ermahnung „Ein Bäumchen biegt sich, ein Baum nicht mehr.“ Ich war also noch veränderbar, nur, in welche Richtung? Großmutter versuchte mich nach dem Muster ihrer Mutter zu formen, die für sie immer ein Vorbild gewesen war. Voller Stolz zeigte sie mir einmal ein Foto von ihr – eine Frau mit herben, fast bitteren Gesichtszügen.
Ebenso konnte Vater Gefühlsduselei nicht leiden. Seine harte Jugend und die Kriegsjahre werden dazu beigetragen haben.
Wenn ich mich einen Augenblick lang unbeobachtet fühlte, las ich Gedichte oder dichtete kindhafte, naive Verse, was Mutter und Großmutter als Spinnerei „bewerteten“.
„Du musst ein Praktiker werden“, hörte ich sie oft sagen, „was sollen die brotlosen Künste? Nur Menschen, die praktisch arbeiten, kommen durchs Leben.“

Einzig und allein meine Urgroßmutter schien mich so zu mögen, wie ich war. Im Gegensatz zu meiner Mutter und Großmutter hörte ich von ihr, was mein Wesen betraf, kaum Kritik.
Vielleicht entdeckte sie an mir Charaktereigenschaften ihres verstorbenen Mannes. Von Natur aus war ich sensibel und mitfühlend, hatte nahe am Wasser gebaut.
Auf ihrer Beisetzung – es war die erste Beerdigung, die ich mit dreizehn Jahren erlebte, erinnerte ich mich an so manches liebe Wort von ihr und konnte meine Tränen nicht zurückhalten. „Mach nicht so ein dummes Gesicht als wolltest du heulen, „hörte ich eine harsche Stimme neben mir. Großmutter zog mich beiseite. Solche Sprüche und Ermahnungen hörte ich oft. Also Härte zeigen, in ein anderes Ich schlüpfen. So kämpfte ich gegen Gefühle.
Ich kehrte in mich selbst zurück, zeigte kaum Regungen, und hatte in meinem Geburtsort wenig Freunde.
Als ich meinen Mann kennen lernte, und zu ihm in seinen 150 km. entfernten Heimatort zog,
begann ein anderes Leben. Ich wurde in seinen Freundeskreis aufgenommen. Endlich durfte ich diejenige sein, die ich wirklich war – oder?
Nach unserer Hochzeit war ich für die Eltern meines Mannes nicht mehr die Frau, die sie sich für ihren Sohn gewünscht hätten. „Du musst erst mal zu einer von uns erzogen werden, ehe du in unsere Familie aufgenommen werden kannst.“ Sollte ich mir wieder eine neue Haut zulegen, weil andere es so wollten? Erneut schloss ich meine Seele in einen Eispanzer. Mein neues Ich, eine seelenlose Figur. Nur so glaubte ich, mich vor den verbalen Angriffen meiner Schwiegermutter schützen zu können. Meine Unnahbarkeit spürte mit der Zeit auch mein Mann.
Erst als ich, Mitte dreißig, mit ihm in eine andere Stadt zog, einige hundert Kilometer entfernt von den Einflüssen meiner Schwiegermutter, konnte ich mich Menschen gegenüber wieder öffnen. So fand ich auch Freunde, zu denen ich noch heute eine gute Verbindung habe.
Hier durfte ich so sein, wie ich bin und musste mich nicht verbiegen. So verdanke ich es nicht zuletzt meinem Mann, mit dem ich fortan eine harmonische Ehe führte, und der mir den Weg zum eigenen Ich wieder öffnete.


Kommentar von Feile

Hallo Ursula Dies ist eine nicht so tiefgehende Erzählung über ein Leben, wie es viele erleben, aber nicht immer wahrnehmen geschweige denn zu Papier bringen können. Was auch im Kontrast steht, sind wohl die unterschiedlichen Einstellungen der Familien des Vaters, der Mutter zu Emotionen und wie das ICH damit umzugehen hat. Das ICH ist das ICH - das muss sich immer mal gerade machen. Wer feinfühlig ist, spürt diese Unterschiede sollte vielleicht lernen sie zu kommentieren, Gegenargumente zu schaffen, oder heulen wenn’s angesagt ist, schreien, meckern, lächeln, was auch immer – Die Traurikeit ist es ja nicht alleine die das Sensibelchen macht.. Sehr gut empfand ich eigentlich den Beginn der Erzählung. Die ersten beiden Sätze widersprechen sich aber enorm – das hemmt gleich den Lesefluss. Das Sprichwort: Ein Bäumchen lässt sich ziehen, ein Baum verbiegt sich nicht mehr ist ein guter Aufhänger] Dieses Thema, Mutters Familie, Vaters Familie und welche wie beschaffen scheint - spannend finde ich grad. Natürlich sucht ICH auch immer nach Nähe zu diesem oder Jenem - Doch haben auch die Menschen zu denen das ICH lieber Distanz hält, vielleicht auch Anlagen mit gelegt auf die man sich nur nicht gestürzt hat? Die ebenfalls "abgebügelt" wurden?

Eingetragen am: 08.10.2009

Kommentar von Liliana-Louisa

Ja, es gibt Menschen, die einen an der freien Entfaltung hindern. Schön, dass dein Mann zu dir – und nicht zu seiner Mutter – gehalten hat.

Eingetragen am: 22.09.2009

Kommentar von Eva Marcuse

Nein, du verdankst es dir selbst

Eingetragen am: 21.09.2009

Eingetragen am: 21.09.2009 von Veronika Oswald
[ Lesezeichen ]

3559

ICH UND ICH

Liebe Veronika,
ich schreibe Dir aus einer anderen Zeit und weiß auch nicht, ob der Brief Dich jemals erreichen wird.

Uns trennen Welten. Wir sind zwei völlig verschiedene Personen und doch sind wir beide ICH.
Du kennst mich nicht, aber ich kenne dich genau, denn ich bin dein zehn Jahre älteres ICH.

Hättest du zuweilen andere Entscheidungen getroffen, wäre ich jetzt eine andere.
Will ich das? Bin ich zufrieden mit dem, was du aus mir gemacht hast?
Im Großen und Ganzen schon.

Hättest du allerdings vor zehn Jahren geahnt, wie mein Leben später aussieht, wärst du schockiert gewesen. Vielleicht hättest du die Flucht ergriffen.

Für eine Studentin, die in einem lustigen Wohnheim lebt, abends mit Freunden einen trinken oder ins Kino geht, tagsüber Vorlesungen besucht und mit einem guten Buch im englischen Garten in der Sonne liegt, ist das Leben als Ehefrau und Mutter von zwei Kindern sicherlich unvorstellbar.
Kino ist jetzt ein Luxus, sowohl zeitlich als auch finanziell. Denn zu den Kinokosten kommen noch die Kosten für den Babysitter dazu. Und zum Lesen komme ich auch nur noch abends im Bett.
Auch der Freundeskreis hat sich gewandelt. Um mich herum sind Familien mit Kindern. Und so drehen sich auch die Gespräche meistens um Kinder und nicht um Sternewinde und Herztsprung-Russel-Diagramme.
Aber keine Sorge, es ist nicht so schlimm, wie es sich jetzt anhört.

Am Anfang habe ich zwar sehr darunter gelitten und mit meinem Schicksal gehadert. Aber Dank deiner Zielstrebigkeit und deines Ehrgeizes im Studium hast du mir ein gutes Fundament gegeben. Auch wenn ich zurzeit noch nicht wieder als Physikerin arbeite.
Hast du bei der Wahl deines Studiums eigentlich mal daran gedacht, wie groß die Chancen sind, als FRAU, die seit sieben Jahren nicht mehr in der Wissenschaft ist, eine gutbezahlte Stelle – wegen der Kinder am besten eine halbe Stelle - im Bereich der ASTROphysik zu finden? Nein, ich weiß, daran hast du nie einen Gedanken verschwendet.
Für dich zählte immer nur, deinen Hunger nach Wissen, was die Welt im innersten zusammenhält, zu stillen.

Wenn ich jetzt so über dich nachdenke, stelle ich fest, dass diese Entscheidung eigentlich schon mit zwölf Jahren fiel. Damals hat unser Vater dir das erste Buch über Radioastronomie geschenkt.
Aber warum hast du dann vor deinem Studium noch diese Ausbildung gemacht? Ach ja, ich weiß, du hattest Angst vor der Uni. Hast gedacht, du schaffst es vielleicht nicht.

Keine Sorge, du hast es geschafft. Und das auch noch sehr gut. Sogar unser Vater, der dich dabei nicht nur überhaupt nicht unterstützt hat, sondern dir auch noch einreden wollte, dass ein Physikstudium für eine Frau rausgeschmissenes Geld und vergeudete Zeit sei, weil sie später ja doch nur in der Küche steht, selbst der wird später stolz auf dich sein und vor seinen Freunden mit dir angeben.
Tja, nur gut für dich und natürlich auch für mich, dass du es geschafft hast, elternunabhängiges BAFÖG zu bekommen, sonst sähe mein Leben jetzt sicher anders aus.
Dann hätte ich auch andere Leute kennen gelernt, hätte andere Freunde gehabt. Vielleicht hätte ich nicht geheiratet.
Ja, du liest richtig. Ich bin verheiratet. Das hättest du auch nicht gedacht, oder?
Du kennst ihn noch nicht. Aber er ist wirklich in Ordnung. Vielleicht nicht der Traummann, so wie du ihn dir momentan vorstellst, aber glaub mir, den gibt es nicht.
Dieser hier ist ein intelligenter, freundlicher Ehemann und ein guter Vater für seine zwei Kinder.

Und die zwei sind wirklich das Klasse! Ich kann mir ein Leben ohne sie überhaupt nicht mehr vorstellen. Die Zeit davor, also die Zeit als DU, war ein anderes Leben. B.C, Before Children und A.L., Anno Liberorum.

Aber obwohl ich meine Kinder über alles liebe, fühle ich doch noch genau wie du dieses Verlangen nach Wissenschaft, nach der Physik, nach den Sternen. Vielleicht werde ich eines Tages wieder dabei sein. Zurzeit muss ich mich damit begnügen, hin und wieder Vorträge zu halten. Aber das ist Ordnung. Alles zu seiner Zeit.

So, liebe Veronika, ich weiß ja nicht, ob du diesen Brief, der nicht in die chinesische, sondern in die eigene Vergangenheit geht, jemals bekommst. Aber wenn doch, dann wollte ich dir nur sagen: Bleib, wie du bist.

Liebe Grüße aus der Zukunft,

Deine Veronika


p.s. Weißt du noch, dass du immer schon einen Wunschnamen parat hattest, falls du mal einen Sohn bekommst?
Dann will ich dir schon mal verraten: Du bekommst einen Sohn und er wird diesen Namen tragen.

p.p.s Und verzeih mir, dass der Brief länger als eine Seite wurde.


Kommentar von Feile

Hallo Veronika Hier handelt es sich um den beruflichen Lebensweg einer Frau. Der Text ist interessant – so vom Aufbau her nach dem Motto – „Hätte der Hund nicht geschissen, dann“ Gesellschaftsthema - berührend Physik ist zwar nicht Allgemeingut – und offenbar lief das für Frau auch ohne Komplikationen durch HERRENschaft ab – das ist ungewöhnlich. Dann noch Familie zu gründen und wieder einen Einstieg auf anderer Schiene zu finden, ist auch ungewöhnlich selten. Ein Positives Beispiel für einen Frauen Berufsweg. Die Briefform Ich schreibt an ICH empfinde ich auch als originell gewählt und ein gutes Mittel nicht in Allgemeinplätze abzudriften. Die Sprache ist sehr vertraut mit dem ICH – sehr natürlich und ungestelzt. Ein positiv eingestellter Mensch der auch schafft. Der eine oder andere Satz könnte evtl. fortfallen oder gerafft werden – hab nicht so genau geguckt wo. Die Sache hat nur einen Haken, wenn ich ihn nicht überlesen habe - gabs denn nie Stolpersteine? So geschmeidig wie Margarinebrote streichen - so verläuft doch das Leben selten. (wenn der "hätte der Hund.." ) das bewirkt da kommt noch was - aber es wird nicht wirklich erfüllt.

Eingetragen am: 08.10.2009

Kommentar von Angela Barotti

Nicht nur die Idee ist klasse – auch die Umsetzung finde ich sehr gelungen.

Eingetragen am: 22.09.2009

Kommentar von Max

Was sind Sternewinde und Herztsprung-Russel-Diagramme? Das hört sich gefährlich an.

Eingetragen am: 21.09.2009

Eingetragen am: 20.09.2009 von Maren
[ Lesezeichen ]

3554

Als „ich“ merkte, dass ich nur noch durch seine Augen gesehen habe,
dass ich nur noch seine Worte durch meinen Mund kamen,
da war es Zeit, dass ich mich selbst wurde.
Ich habe immer alles gemacht wie ich es machen sollte,
ich habe nie getan, was ich wollte,
bin ich zu dem Ich „ geworden, dass ich heute bin.
Ich habe schlicht die Nase davon voll.
Jetzt entscheide ich, dass ich in Zukunft das tue, was ich wirklich will.
Ich will mich sein, damit ich „Ich“ werde.
Muss man so alt werden, um das zu erkennen?
Ich habe es jetzt erkannt.


Kommentar von Liliana-Louisa

Lyrische Prosa. Doch jetzt möchte ich noch wissen, welches Ereignis diese Selbsterkenntnis ausgelöst hat.

Eingetragen am: 22.09.2009

Kommentar von Ursula Menzel

Hallo Maren, wie schön, dass Du zu Dir selbst gefunden bist, und wie du es beschreiben hast. Mir erging es ähnlich, immer die Marionette der Anderen sein. Du hast es geschafft Dein Ich zu finden. Und das ist gut so, egal wie alt man ist. Viele Grüße Ursula Menzel

Eingetragen am: 21.09.2009

Kommentar von M.P.

Hallo Maren. Tue es, zieh durch und sprenge die Ketten, die Dich an eine Person binden, die Du nicht bist. Freie Persönlichkeitsentfaltung und das Recht darauf, auch Anderen ihre Macken zu erlauben. Das Leben ist schön, man kann es jederzeit beginnen. LG M.P.

Eingetragen am: 21.09.2009

Kommentar von Monika Han.

Hallo Maren, sich selbst finden und nur noch das tun, was man selbst auch wirklich will statt das, was die anderen wollen (oder der andere) ist gut. Schön, dass du den Mut hast, endlich du zu sein. Gruß Monika Han.

Eingetragen am: 21.09.2009

Eingetragen am: 20.09.2009 von Eva Marcuse
[ Lesezeichen ]

3551

Die Türe geht auf, die Wände bröckeln, ich fliege los:
Ich suche André Breton in Mexiko, lebe in einem osmanischen Haus in Damaskus im 17. Jahrhundert, schlafe nachts auf einer Parkbank, mühsam mit Pappe und Zeitungen gewärmt.
Ich ziehe die Fäden im Kanzleramt, verhandle die Übergabe von Opel an die Belegschaft. In der geschlossenen Abteilung der psychiatrischen Klinik wird mir zwangsweise eine hohe Dosis Haldol verabreicht.
Ich skate mit Hermes, dem Gott der Diebe und Reisenden; ich stehe im Fußballtor, das ich mit Leib und Seele verteidige, und werfe mich mit Verve dem Ball entgegen. Ich drehe mich unaufhörlich wie ein Derwisch im Kreis, lege den Kopf ein wenig zur Seite, hebe die Hände an, immer höher; eine Spirale, ein Sog – der Himmel öffnet sich.


Kommentar von Feile

Hallo Eva Humpf, das ist ja ein Musterbeispiel für Wahndarstellung, für sich rausboxen aus dem Alltag – und immer in der Historie verhaftet. Entschuldige ich muss grienen – es ist gut irgendwie. Der dahinterstehende Mensch könnte ein Ausbrecher sein wollen, aus den Zwängen der Gesellschaft, dem Lackglanz einer Hochhauswohnung und dem Stift des Buchhalters entfliehen wollen.- aber das kann ich nur unterstellen – Anhaltspunkte gibt’s dafür nicht Ich bin in der Geschichte und ihren Figuren auch nicht genügend bewandert – da weiss das schreibende ICH gewiss, was es sagen wollte so zwischen den Zeilen. Bilder gibt es viele – das ist immer gut, um einen Text und seinen Inhalt nicht aus den Augen zu verlieren – mein Cent f .O

Eingetragen am: 09.10.2009

Kommentar von Liliana-Louisa

Wenn nicht die psychiatrische Klinik erwähnt worden wäre, hätte ich auf eine Theaterschauspielerin/Kabarettistin getippt, die mit ihren Rollen verschmilzt, in die sie ständig schlüpfen muss. __ So schnell wie der Derwisch tanzt, so schnell wird der Leser von einem Ich zum nächsten gehetzt. Das kommt der im Schlusssatz beschriebenen Sogwirkung sehr nahe.

Eingetragen am: 22.09.2009

Kommentar von Iris H.

Super! Liebe Eva, dieser Text löst bei mir die Vorstellung aus, dass durch die Drehung des Derwisch eine Zentrifugalkraft wirksam wird, die einzelne Teile deines Ichs voneinander trennt, so dass sie in allen Zeiten und Himmelsrichtungen unterwegs sein können. Vielleicht könnten sie per Zentripetalkraft wieder zusammengefügt werden, und das wärst dann du in Kompaktform ... Nur so eine Idee ;) LG Iris

Eingetragen am: 21.09.2009

Kommentar von M.P.

Hallo Eva. Es ist ewig her, dass ich den Ausdruck "Verve" in einem Text gelesen habe. Hier passt er perfekt. LG M.P.

Eingetragen am: 21.09.2009

Eingetragen am: 19.09.2009 von Angela Barotti
[ Lesezeichen ]

3550

Ich bin anders als die meisten Frauen. Romantik ist mir fremd. Wenn ein Mann Kerzen bei einem Date entzündet, lache ich ihn aus. Bekomme ich Parfüm oder Schmuck geschenkt, verweigere ich die Annahme. Ein Mann, der mich beeindrucken will, muss mich überraschen können, darf keine Klischees bedienen. Ein verunglückter, selbstgebackener Kuchen dagegen rührt mich zu Tränen.
Ich genüge mir selbst. Andere Menschen sind mir zumeist ein Gräuel. Ich brauche täglich eine Portion Einsamkeit. Nur wenn ich die bekomme, bin ich in der Lage, andere Menschen zu ertragen.
Ich bevorzuge die Einsamkeit und die Ruhe auch im Urlaub. Je menschenleerer, desto besser. Ich liebe einsame Strände genauso wie die Berge. Mein liebstes Urlaubsziel ist Madeira, denn das verbindet alle meine Sehnsüchte aufs perfekteste miteinander: Sonne, Meer, Blumen, Berge, Wanderungen, Ruhe, einsame Ecken.
Ich bin morbide, denn ich liebe Friedhöfe. Egal, wo ich bin, ein Besuch auf dem nächstgelegenen Friedhof muss sein. Ich lasse mir die Namen, die auf den Grabsteinen eingemeißelt sind, auf der Zunge zergehen. Am liebsten spaziere ich über Großstadtfriedhöfe. Der jahrhunderte alte Baumbestand wirkt beruhigend auf mich. Genauso wie das Rauschen der Blätter im Wind und das Zwitschern der Vögel. Hier, bei den Toten fühle ich mich wohl.
Auf Fremde oder flüchtige Bekannte wirke ich abweisend und verschlossen. Ich reiche Leuten lieber die Hand, als dass ich es ihnen erlaube Luftküsschen an meine Wange zu schmatzen.
Leeres, sinnloses Geplapper liegt mir nicht. Deshalb suche ich eher die Gesellschaft von Männern als die von Frauen. Männer genießen einfach die Gegenwart des Gegenübers, müssen ihn nicht zwanghaft zutexten. Sie bekommen keine Panik wenn geschwiegen wird. Das schätze ich an ihnen.
Zum Telefon habe ich ein gestörtes Verhältnis. Auf Arbeit telefoniere ich sehr gerne. Das geht kurz und knackig. Thema abhaken – fertig. Privat hasse ich es angerufen zu werden. Wenn es klingelt, zucke ich zusammen. Einige Frauen aus unserer Bekanntschaft glauben immer noch ernsthaft, ich würde mich dafür interessieren, welche Schnäppchen sie im Kaufhaus gemacht, welche Gerichte sie zum Essen gekocht, welche Krankheiten ihre Haustiere haben und welche Nachbarin ihnen welchen Klatsch erzählt hat. Das ist Folter für mich! Ich nenne diese Leute „Lebenszeitstehler“.
Doch ich habe ein offenes Ohr für echte Sorgen und Nöte. Schon als Kind haben mir Mitschüler Dinge anvertraut, über die sie nicht mit anderen sprechen wollten. Meine Schweigsamkeit wird wohl unbewusst als Verschwiegenheit interpretiert. Zu Recht! Auch heute noch bin ich Anlaufstelle für seelischen Ballast anderer. Ich nehme das als Kompliment für meine Vertrauenswürdigkeit.
Als Teeny schwärmte ich für harte Rockstars und bewunderte Männer mit schweren Maschinen. Wenn die Jungs um die Ecke knatterten und ich sah, wie die Fransen ihrer Lederjacken im Fahrtwind wehten, wurde ich feucht im Schritt. Das hat mich geprägt. Mein Beuteschema bei Männern geht in Richtung Outlaw und Lonely Cowboy. Angepasste Anzugträger langweilen mich. Ich brauche die Herausforderung.
Wenn es jedoch um Kinder geht, kommt meine weiche Seite zum Vorschein. Ihnen gehört meine ganze Sympathie. Das ist auch der Grund, warum ich lieber Jugendromane schreibe und ich mich mit meiner Firmenchefin so schwer tue.


Kommentar von Catze

Liebe Angela, da kannst Du Dir ja wirklich dazu gratulieren, was für eine tolle und ungewöhnliche Frau Du bist, ganz und gar ohne Schwächen...

Eingetragen am: 13.10.2009

Kommentar von Feile

Hallo Angela B. hier erzählt das Ich sehr viel genaues über sich – und doch wieder nicht, denn es vergleicht seinen Anspruch mit vielen Dingen, die es in unserer Welt gibt - das Küsschen geben, der Schmuck für Frauen als Geschenke, das Pafüm - alles Edle Dinge - Blumen täten es auch... Insofern ist ein kleines bisschen Zeitgeschichte oder sind Zeitklischees mit darin verpackt. Das hebt natürlich die Besonderheit dieser Person hervor, man wird neugierig, wie sie wohl tatsächlich wäre, ob man auch nur irgendwas von dieser sagen wir mal Burschikosität bemerken kann. Weiter - mehr zwischen den Zeilen mitgedacht, um mir das ICH näher zu bringen (solche ICHs sind mir ziemlich fremd) hab ich hier evtl. Unterstellungen betrieben - nicht aufregen - es steht davon nix im Text. +++ hier erzählt das Ich sehr viel genaues über sich – und doch wieder nicht. zB Ich genüge mir selbst. Andere Menschen sind mir zumeist ein Gräuel. Ich brauche täglich eine Portion Einsamkeit. Nur wenn ich die bekomme, bin ich in der Lage, andere Menschen zu ertragen – es scheint hier die Umkehrung vorzuliegen – Das Mensch ist nur für andere da und hat sein ICH auf den Friedhöfen gelassen. Es erwartet Intellekt und keine Gefühle. Die tun evtl auch weh, was das Ich vermutlich auch weiss, und darum durchaus auch in der Lage sein kann, anderen zu helfen. Die selbstgewählte Blaustrümpfigkeit hält die Distanz die das ICH braucht, um selbst zu gedeihen. Eine gewisse Natürlichkeit im Sinne auch von Natur möchte das ICH in dieser Welt haben, in dieser Gesellschaft und nicht solchen Barbieaffenkram wie uns die Werbung gerne suggeriert (auch immer Klisschees, denen wir dummen Leute auch noch nacheifern möchten) wie das Leben sein sollte oder sein könnte. Ein Realist? Oder doch ein Träumer auf der Suche nach heiler Welt? Realität? Nach sich ? Ein Ich über das ich länger nachdenken muss – so etwas begegnet man nicht alle Tage. Die Darstellung ist wie die Telefonate – knackig.] zB Ich genüge mir selbst. Andere Menschen sind mir zumeist ein Gräuel. Ich brauche täglich eine Portion Einsamkeit. Nur wenn ich die bekomme, bin ich in der Lage, andere Menschen zu ertragen – es scheint hier die Umkehrung vorzuliegen – Das Mensch ist nur für andere da und hat sein ICH auf den Friedhöfen gelassen. Es erwartet Intellekt und keine Gefühle. Die tun evtl auch weh, was es auch weiss, und darum durchaus auch in der Lage sein kann, anderen zu helfen. Die selbstgewählte Blaustrümpfigkeit hält die Distanz die das ICH braucht um selbst zu gedeihen. Eine gewisse Natürlichkeit im Sinne auch von Natur möchte das ICH in dieser Welt haben, in dieser Gesellschaft und nicht solchen Barbieaffenkram wie uns die Werbung gerne suggeriert wie das Leben sein sollte oder sein könnte. Ein Realist? Oder doch ein Träumer auf der Suche nach heiler Welt? Realität? Nach sich ? Ein Ich über das ich länger nachdenken muss – so etwas begegnet man nicht alle Tage. Die Darstellung ist wie die Telefonate – knackig.]

Eingetragen am: 09.10.2009

Kommentar von Frog

Mein erster Gedanke war: Du kennst die falschen Frauen:-) Ansonsten: schonungslose Selbsteinschätzung. Mit dieser klaren Sicht kommt Frau gut durchs Leben. Wobei: Ich glaube auf keinen Fall, dass Dir Romantik fremd ist. Deine Definition ist nur eine andere. P.S. In Hamburg gibt es sagenhaft morbide Friedhöfe...

Eingetragen am: 22.09.2009

Kommentar von Gabriela

Hallo Angela Das war richtig spannend Deinen Text zu lesen - ich fand mich vermutlich zum Teil selber darin. Im Zusammenhang mit schweigen und zuhören stieg in mir das Bild von Momo aus Michael Ende's Geschichte hoch. Ob Ihr Euch wohl kennt??? Wie Du Klartext sprichst über Dinge, die Dir nicht passen, ist unglaublich clever: Da Du immer bei Deiner Sicht bleibst, kann Dir niemand Verurteilung vorwerfen und trotzdem rüttelst Du an den Pfosten der Oberflächlichkeit. Gefällt mir auch stilistisch sehr gut. Herzlich von Gabriela

Eingetragen am: 21.09.2009

Kommentar von Iris H.

Liebe Angela, du scheinst dich wirklich gut zu kennen. Beeindruckend klares Selbstporträt. Und dazu lieferst du gleich hilfreiche Hinweise mit, wie man am besten mit dir umgeht. Z.B. würde ich dich, sollten wir uns jemals begegnen, nicht anders als mit Handschlag begrüßen;) Die Rührung beim missglückten Kuchen weist auf tiefer gelegene Zonen hin, die bestimmt auch bei dir noch nicht komplett ausgelotet sind. LG Iris

Eingetragen am: 21.09.2009

Kommentar von M.P.

Hallo Angela. Du bist vermutlich so, wie dich Deine Kommentare aussehen lassen. Offen, bedingungslos ehrlich und kein bisschen zimperlich. Das ist jedenfalls das Bild, das ich von Dir habe. Eine Frau mit Charakter. LG M.P.

Eingetragen am: 21.09.2009

Eingetragen am: 19.09.2009 von Andriana
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3548

Mein Ich ist ein zwiespältiges Ding und das ist längst nicht alles. Mein erwachsenes Ich steht morgens pünktlich auf und geht zur Arbeit. Es ist intelligent, ernsthaft und zuverlässig.
Es bevorzugt gedeckte Farben, tritt selbstbewusst auf und kann Kassenbücher führen, Zahlungsvorgänge überwachen und Arbeit delegieren. Mein kindliches Ich fläzt sich gerne lange in den Kissen und träumt beim Frühstück vor sich hin. Es ist neugierig, verspielt und leicht zu beeindrucken. Es liebt alles was bunt ist, mag Süßigkeiten und Blumen.
Erwachsen-Ich trägt vernünftige Schuhe, nimmt den Regenschirm und betrachtet die Welt mit kritischen Augen. Es weiß wie man Leute benutzt und will selber nicht benutzt werden, deswegen schützt es sich mit einem Wall von Skepsis. Kind-Ich tanzt barfüßig über die Wiese, hofft auf Regenbögen und freut sich arglos über alles. Es trägt sein Herz auf der Zunge, sieht in allen Menschen das Gute und verliebt sich gerne und oft.
Erwachsen-Ich unterschreibt Verträge, prüft Kontoauszüge und schreibt alle Termine in den Kalender. Es zahlt Miete, sorgt für einen vollen Kühlschrank und putzt die Wohnung.
Kind-Ich glaubt an Versprechen, schöne Augen und macht nur worauf es Lust hat. Es malt die Welt in hellen Farben, liebt Nudeln mit Tomatensoße und will dauernd verreisen.
Und wer bin ich? Eine Mischung aus alldem und das ist längst nicht alles!


Kommentar von Feile

göttlich, ein gut schlank gefasstes mit sich streitendes Ich. Ein Ich mit Selbstbewusstsein und der bunten Palette an Bedürfnissen . die drei Ebenen die wir in uns haben erfasst Ich bin Ich oder so

Eingetragen am: 09.10.2009

Kommentar von Angela Barotti

Da möchte ich sofort barfuß mittanzen. Schön, wenn man sich kindliche Freuden und Genüsse erhalten kann. Du hast es erwähnt – es bringt Farbe in den grauen Alltag.

Eingetragen am: 22.09.2009

Eingetragen am: 19.09.2009 von karin k.
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3541

ich bin die
die ich einmal war

ich bin die
die ich einmal sein werde

ich bin die
die ich bin

jeden tag ein wenig
anders aber
immer die gleiche


Kommentar von Feile

wie bei Lyrikern so üblich – nix genaues erfährt man nicht. Lediglich, dass dem ICH ein Bewusstsein für sich vorhanden ist, weil Text eben das gestern, heute, morgen beinhaltet. Richtig ist der Schluss – WIR sind ICH – klug auch

Eingetragen am: 09.10.2009

Kommentar von Liliana-Louisa

Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft prägen das Ich. Das trifft auf jeden von uns zu. Was macht das Ich deiner Prota zu etwas besonderem?

Eingetragen am: 22.09.2009

Eingetragen am: 19.09.2009 von F.M. Christians
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3540

Ich weiß wer ich bin! Nicht unbedingt die Person, die ich nach außen hin zeige. Nicht immer wenigstens. Ich habe verschiedene Rollen, in die ich hineinschlüpfe, ohne zu überlegen. Sie werden von außen getriggert. Trotzdem weiß ich wer ich bin. Immer! Die Person im Inneren, die als stiller Beobachter unter der Oberfläche wacht. Sie beobachtet die Schauspielerin und manchmal kommentiert sie deren Verhalten. Nützliche Ratschläge gibt sie eher selten. Es liegt ihr mehr zu kritisieren. Das Kind zu beschimpfen, wenn es in den Brunnen gefallen ist. Trotzdem... Woher kommt diese Lachen? Nein! Nicht du! Verschwinde! Du bist kein Teil von mir. Niemals!

So? Nicht? Ich bin immer da! Ich bin du, auch wenn du es nicht wahrhaben willst. Du spielst schon wieder eine Rolle. Willst es nicht zugeben. Du bist jaaa so vernünftig. Aber mich kannst du nicht wegleugnen. Ich bin der Teil von dir, der kein Verständnis hat. Der Teil, der fordert! Ich bin es, der dafür sorgt, dass wir nicht untergehen. Du mit deinem erbärmlichen Mitleid.

Ob ich unter Schizophrenie leide? Nein! Ich leide nicht darunter.


Kommentar von Feile

Hallo F.M. Christians Hm, das Ich ist verinnerlicht – nach innen gerichtet. Und natürlich spielen wir alle Rollenspiele, unbewusst. Das ist keine Schauspielerei – jedem Menschen gegenüber treten wir anders auf – teils weil wir sie aus dem FF kennen, teils weil wir in Abhängigkeiten immer noch gleich reagien (Eltern-Kind und umgekehrt) Oder beim Kaufmann immer die selbe Leier, Arzt ebenso, bestimmten Freunden erzählt man manchens, anderen nur einmal und nie wieder - Das Leben ist ein Theaterstück, in dem ein jeder täglich in eine Rolle schlüpft (eigentlich viele). Der Spruch kursierte in meinem Elternhaus. Ich halte das ICH für ziemlich normal und nicht für einen Schauspieler auch wenn wir alle es werden könnten. Das Lachen? Die Satire lässt uns auch Lachen – woraus sie entsteht wäre mal zu erkunden vom ICH. Oder wie Witze wirken. Man darf erstaunt sein...

Eingetragen am: 08.10.2009

Kommentar von Liliana-Louisa

Ich hatte gerade Evas Text kommentiert und bin nun auf deinen gestoßen. Ich finde, dass sich eure beiden Texte gut ergänzen. Die Prota erwähnt, dass sie von außen getriggert wird, was wohl bedeutet, dass sie ihre Rollenwahl nicht steuern kann. __ Der Schlusssatz ist für mich doppeldeutig zu verstehen; Die Prota hat sich mit ihrer „Macke“ arrangiert, doch es ist wohl ihre Umwelt, die mit ihrem Verhalten Probleme hat.

Eingetragen am: 22.09.2009

Eingetragen am: 18.09.2009 von marga
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3533

Ich im Rausch, bin ich müde vom Tag, vom Monat, vom Jahr, vom Leben. Darauf einen Burgunder. Du gingst fort. Darauf einen Burgunder. Träume, Hoffnung, Sehnsucht, sind hier bei mir geblieben. Darauf einen Burgunder. Nirgendwo bin ich nun mehr zu Hause, weil niemand mir Liebe und Heimat gibt. Darauf einen Burgunder. Nirgens mag ich bleiben, seit du gegangen bist. Darauf noch einen trockenen Burgunder. Rastlos irre ich um die Welt, durch die Zeit, ohne Ziel. Darauf einen teuren Burgunder. Doch nun sag ich Prost, mit ein paar Tränen in deinem bitteren Burgunder. Leb wohl, ich will dich nie mehr wiedersehn. Darauf einen..., oh, schon wieder leer, ich glaube, ich gehe jetzt besser ins B...


Kommentar von Angela Barotti

Eine verlorene Liebe hat aus der Prota eine Alkoholikerin gemacht. Sehr gut dargestellt. Gefällt mir.

Eingetragen am: 19.09.2009

Eingetragen am: 18.09.2009 von Erwina
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Ich möchte Euch etwas geben! Oder nicht? Oder möchte ich etwas von Euch bekommen? Anerkennung, freundliche Worte, ein Lob? Jedenfalls möchte ich Euch sagen, dass es mir viel bedeutet, wenn Ihr mir Resonanz auf meine Texte gebt. Ihr seid die Kraft, aus der ich schöpfe, wenn ich hier schreibe.

‚Schreiben ist geben’ ist eines meiner Leitsprüche.

Doch suche ich auch nach Texten, die mich berühren, die mir ein Gefühl spiegeln oder eine interessante Geschichte bescheren, egal, ob sie spannend, skurril, schockierend oder interessant geschrieben ist. Viele Texte, die ich hier gelesen habe, haben mich berührt, ich weiß nicht, ob ich das jedem Schreiber, jeder Schreiberin von Euch gespiegelt habe. Ganz sicher habe ich die wenigsten Texte gelesen. Doch viele von denen, die ich gelesen habe, habe ich von diesem Ort, meinem Computer und Arbeitsplatz, forttragen können und sie haben mich beschäftigt, erfreut und berührt. Dafür empfinde ich Dankbarkeit.
Ja, wirklich, ich bin dankbar für Eure Texte, denn auch diese geben mir Kraft und bereichern meinen Alltag. Und in manchen Kommentaren spüre ich, dass es dem einen oder anderen mit meinen Texten genauso geht.
Das ist einfach schön. Wir profitieren alle davon!
Ich möchte mehr schreiben, ich möchte längere Texte schreiben können und komme über diese Einseiter nicht hinaus. Warum nicht? Was unterscheidet einen ‚echten’ Autor, der Romane schreiben kann, von meiner Winzigkeit? Mit Sehnsucht – nein, Neid ist es nicht! – betrachte ich die, die das können. Was macht den Unterschied aus?
Das ist eine Frage, mit der ich mich momentan beschäftige. Ich spüre Kraft in mir, zu schreiben und tue dies nur wenig – warum? Wo ich doch ahne, dass ich Euch etwas geben kann!
Ich schreibe, also bin ich! Auch das stimmt! Es gibt in meinem Leben nichts Einmaligeres als das, was ich schreibe. Ich weiß nicht, wo die Wörter, die Sätze, die Geschichten herkommen, die mir zufliegen. Aber ich habe das Gefühl, dass sie durch meine subjektive Wahrnehmung und meine eigenmächtige Formulierung und Auslegung zu etwas Neuem, Eigenständigen werden, als setzte ich kleine Blümchen auf ein Feld, auf dem sonst vielleicht nichts blühen würde. Ich wünschte mir, es entstünde eine üppig blühende, bunte Wiese, in die man eintauchen und versinken möchte oder an deren Rand man gerne sitzen und den Blick schweifen lässt, während sich ein Wohlgefühl ausbreitet, das einen fortträgt in ferne Welten und Kraft spendet, um die eigene Welt zu vergrößern.
Wisst Ihr, was ich meine?
Das bin ich – oder auch: vielleicht der kleinste Teil meines Ichs. Aber den hätte ich gerne größer.


Kommentar von Angela Barotti

Hier spricht eine romantisch veranlagte Autorin. Du möchtest die Seelen deiner Leser sanft streicheln und deren Welt mit deinen Texten vergrößern und bereichern. Und du ärgerst dich darüber, dass dein Atem für dein gestecktes Ziel (Roman) nicht ausreicht. Mach dich beim Schreiben von dem Gedanken frei, dass der Leser möglichst viel Nutzen aus deinen Worten schöpfen soll. Das setzt dich nur unnötig unter Druck. Aber vielleicht hängst du auch nur am falschen Genre fest. Probier dich aus.

Eingetragen am: 19.09.2009

Kommentar von Gabriela

Hallo Erwina Ich kann sehr gut nachvollziehen, was in Dir vorgeht. Hast Du schon ein Studium, wie man schreiben lernen kann, absolviert? Ich bin im Moment bei der Schule des Schreibens dabei und lerne enorm viel und werde dahin geführt, wie ich selber ein Buch schreiben kann. Deinen Text finde ich nett, nicht sehr spannend, stilistisch gut abgefasst und etwas langatmig. Herzlich von Gabriela

Eingetragen am: 19.09.2009

Eingetragen am: 18.09.2009 von Monika Han.
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Mein Ich

Mein Ich, das schlummerte lange in mir, denn ich ließ es viele Jahre nicht heraus. Es hatte sich versteckt. Nur zaghaft kam es Stück für Stück zum Vorschein. Ich glaube, ein kleiner Teil meines Ichs hält sich auch heute noch versteckt und wurde von mir noch nicht entdeckt. Doch ich werde es aufspüren. Ich arbeite daran, mich selbst so gründlich wie möglich kennenzulernen.
Denn das ist das Wichtigste, um meine Ziele zu erreichen und damit meine Wünsche und Träume in Erfüllung gehen. Wer sich selbst nicht kennt, weiß auch nicht, welcher Weg für ihn der Richtige ist.
Als ich anfing, mein Ich zu entdecken, musste ich manchesmal schlucken, wie falsch ich mich doch selbst eingeschätzt hatte. Aber es gab auch vieles, wo ich mir sagte, ich habe von mir nichts anderes erwartet und klopfte mir in Gedanken selbst auf die Schulter.
Meine Neugier und Wissbegierde sind unerschütterlich und so werde ich noch viel lernen und meine Freude oder auch meine Qual daran haben.


Kommentar von Monika Han.

Hallo Lilliana-Louisa. Ich war früher sehr schüchtern, habe mir wenig zugetraut und meist das getan, was von mir erwartet wurde. Was ich wirklich selbst will, habe ich erst später gelernt. Danke dir und allen anderen, die mich kommentiert haben. LG Monika Han.

Eingetragen am: 23.09.2009

Kommentar von Liliana-Louisa

Hier würde mich interessieren, warum sich dein Ich so lange versteckt hat. Gab es dafür einen bestimmten Grund?

Eingetragen am: 22.09.2009

Kommentar von Angela T.

Das hast du schön beschrieben. Ich sehe das auch so. LG von Angela T.

Eingetragen am: 20.09.2009

Kommentar von M.P.

Sich selbst zu finden, auf der Suche nach Erkenntnis zu sein ist das größte Abenteuer, das ein Mensch hat. Es zeugt von Mut, wenn man sich akzeptiert. Ich sehe es ähnlich, wie Du, Monika. LG M.P.

Eingetragen am: 19.09.2009

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