Schreiben Sie mit!
Die Musik in dir
Augabe
Schreiben Sie über das Instrument, das Sie sind. Beziehen Sie dazu einige der oben genannten Aspekte mit ein. Oder schreiben Sie ein Gedicht oder einen Kurztext aus der Sicht eines fremden Instruments.
Leserbeiträge
1 · 2 · weiter »[ Lesezeichen ]
3682
Dieses Kind hat über Nacht
die Musik in dir zum Klingen gebracht...
Noch bist du müde, ohne Kraft,
und doch umströmt dich ein zartes Licht;
du warst schon immer wunderschön,
aber dieses Leuchten hattest du nicht,
bis unser erstes Kind geboren;
Dieses Kind hat über Nacht
das Schöne was du in dir trägst
zum Klingen und zum Leuchten gebracht...
[ Lesezeichen ]
3392
„Du erinnerst mich an ein ganzes Orchester!“, sagte er mir eines Tages.
Weshalb? Wie kam er darauf, was für eine seltsame Idee, mich mit einem Orchester zu vergleichen!
Wir hatten uns vor etlichen Jahren, auf einem Kongress für ein bedingungsloses Grundeinkommen zum ersten Mal getroffen und hatten seitdem schon viele Stunden gemeinsam gestaltet. An so manchem Tag hingen wir stundenlang an der Strippe, er in Österreich, ich in Berlin. Dank der Flatrate war das stundenlange Gerede sogar auf solch große Entfernung kein Problem mehr.
Eines Tages war er mal wieder in Berlin gelandet und ich zeigte ihm ein kleines Heftchen. Es war das Heft, in dem die senior-street-art Aktion von 2008 dokumentiert worden war, das unter www.seniorstreerart.de anzuseehen nund zu lesen ist ...
Nachdem er meine senior-street-artistic Aktionen gesehen hatte und eines meiner Gedichte, das von den Rosen am Straßenrand der Hauptstadt, gelesen hatte, sagte er den Satz, in dem er mich mit einem Orchester verglich. Wir standen gerade in meinem Zimmer und er guckte sich in meinem Zimmer um.
"Was du alles machst!"
Er sah die Gitarren, die Blockflötem das Keyboard und darüber das Foto, auf dem Simon im Rollstuhl in der Luft „hing“.
„Was ist das denn? Bearbeitet am PehZeh, was?“ Herausfordernd sah er mich an.
Ich sah ihm fest in die Augen. „Weshalb soll das am PehZeh bearbeitet sein?“
Ich antwortete mit einer Frage. Das war nicht meine gewohnte Art, auf eine Frage zu reagieren, ich fand es aber in diesem Falle angemessen. Immer dieses Überstülpen der Normen! Es ist normal, Alles und Jeden in das eigene, oft über Jahrzehnte antrainierte Denkschema zu pressen. Bloß nicht abweichen – das könnte etwas Verhärtetes aufweichen ...
Meine Alarmglocke schrillte!
Er sah, dass sich mein Gesicht verfinstert hatte und begann zu lachen. Laut und unbefangen, wie ein kleiner losgelassener Junge, lachte er mich an. Ich konnte ihm nicht widerstehen. Zu schön, dieses befreiende Lachen, das sich mit meinem Lachen mischte. Nur mühsam konnte ich Luft holen. „Jetzt, jetzt klingen wir beiden wie ein Lachsalvenorchester!“, quetschte ich durch mein Lachen hinaus und wir lachten ungehemmt weiter.
„Komm, lass uns ein wenig an die frische Luft gehen. In Berlin gibt es so viele schöne Fleckchen.“
Ich nahm seinen Arm und zog ihn aus dem Haus und er ließ es zu, dass ich ihn führte. Wir gingen zu Faulen See, vorbei am Tennisplatz auf dem ich früher völlig einsam Bälle gegen die Wand geprügelt hatte. Das war mein großes Vergnügen an den Vormittagen, bevor ich zum Spätdienst in der Psychiatrie ging.
In solch einen Schlag gegen die Wand konnte ich den ganzen Frust, den ich am Vortag erlebt hatte legen und ihn damit loslassen. War der Ball an der Wand aufgeklatscht, war ich erleichtert.
So ganz nebenbei wurden meine Koordinationsfähigkeit trainiert, die Reaktionsschnelligkeit und die Konzentration und die Ausdauer.
Auf dem Rückweg auf dem Fahrrad sang ich laut vor mich hin und es klang in mir das große Symphonieorchester, in dem alle Instrumente der Welt zu einem harmonischen Miteinander gefunden hatten.
Genau das ist es, was ich mir im Miteinander von Menschen, Pflanzen und Tieren wünsche, die Harmonie eines großen symphonischen Orchesters, das einen Dirigenten vor sich zu stehen hat, auf dessen Harmoniebestreben sich alle Mitmachenden einlassen. Es gibt nichts Schöneres, als ein Melodie, die alle mitspielen ...
[ Lesezeichen ]
3379
Wen Gott liebt, dem schenkt er die Gabe der Musik und ein Klavier; mir leider nicht und dennoch spielt ganz tief in mir immer ein Klavier. Sprachlos bin ich lange schon und achte auf den Klang und finde nicht den Ton für das was zwischen dir und mir. Zum Schweigen hat man uns gezwungen und unterm Hügel tief erreicht dich flehend mein Klavier und fragt: "...wie geht es dir?"
[ Lesezeichen ]
3357
Die Musik in dir.
Eine wunderschöne, klangvolle Gitarre bin ich.
In jungen Jahren durfte ich viel Musik machen. Oft waren es laute Töne, aber es war meistens sehr lustig, die Freunde tanzten um mich herum, ehrlich, wie die Wilden. Ich war stolz darauf und spielte immer besser.
So mancher Abend war aber auch erfüllt von Liedern der Liebe, Romantik und Stille. Es gab manchmal Traurigkeit, ich weiss nicht warum, diese Musik liebte ich sehr, sie war voller Gefühl.
Schöne Lebenszeiten waren das für mich!
Später hiess es immer“ keine Zeit“, muss noch diese und jenes machen, es gab nur den Beruf und eine unerklärliche Hetze. Das war kein schönes Leben.
Nun ist Ruhe eingekehrt. Jetzt darf ich hin und wieder spielen, und ich ertöne noch wie vor vierzig Jahren, vielleicht etwas weniger klangvoll, aber noch immer gut. So ist das, wenn eine so schöne Gitarre wie ich es bin,zu lange ruhen muss.
Mein Traum: wunderschöne Melodien wenigstens einmal in der Woche zu spielen.
[ Lesezeichen ]
3351
beim Schreiben meines neuen Romans fällt mir ein dass ich mal fast sieben Instrumente in meiner Kindheit gespielt habe. Melodicca, Gitarre, Mundharmonica. Akkordeon kurzfristig,Klavier ein wenig und am liebsten Flöte. Ich hatte viele Talente doch habe ich sie verschlumemrn lassen. Müsste mal ausprobieren, ob ich sie noch kann. Flöte spiele ich heute noch manchmal und vergesse dann alles um mich herum.
[ Lesezeichen ]
3236
Louises Lied
Wieder werden sie an diesem Stachel zupfen. Kein Blut, kein Schmerz, keine Wunde, aber immer weiter an diesem Stachel zupfen. Der Stachel sitzt tief.
Bist du da, neben mir?
Siehst du, wie die schwere Kette Muster in meinen Stamm rasiert?
Lass mich! Lass es nicht zu!
„Alles ist in Ordnung, alles wird gut“. Die leise Stimme schmeichelt tausend Eimer Düngemittel auf eine heile Welt.
Gut. Alles wird gut. Und wie? Warum sagst du nichts?
Sie sägen schrill an meinem Dach, und ich sitze darunter.
Sie schneiden mich in Stücke, um einen kleinen Stachel zu entfernen.
Lass es nicht zu! Geh nicht weg!
Louise betet. Betet zum Gott ihrer Kindheit. Lieber Vater im Himmel.
Sie betet zu fremden Göttern und dunklen Masken.
Lasst mich. Nehmt die Ketten von meinen Knöcheln
Bist du das? Neben mir? Nein, natürlich nicht. Schon lange nicht mehr – Jan?
Die Musik. Tausendfach zurückgeschellt von der Kuppel der Bergkirche.
Aufgepeitschte Töne schrauben sich hoch hinauf ins Reich der Fledermäuse.
Schrille Flötentöne weben nebelige Schleier.
Die Musik. Schneller. Höher. Fordernd. Tanz, wenn du kannst.
Jans kühles Saxophon kann sie jetzt nicht mehr beschwichtigen.
Ihr ist heiß. Sie will sich drehen mit dieser Teufelsgeige. Ihre Füße zucken, ihr Herz rast. Aber die Beine ….die Kette an den Knöcheln gibt keinen Millimeter nach.
Hilf mir ruft sie und hört das Rasseln in der Kehle. War das ich?
Bist du da? Geh nicht fort. Nimm mich mit. Mach mit los!
„Alles wird gut“ Jan?
Das Radio spielt unverdrossen. Paukenschlag und Donnergrollen.
Louise hebt den Arm, will der Musik Einhalt gebieten.
Stimmen, Gelächter, der Duft von Kaffee, Toast und Zigaretten.
Ein Glas zerschellt auf dem Steinboden.
Zaghaft setzt sich Louise auf und tastet mit den Zehenspitzen nach ihrem Pantoffel.
Langsam, schön langsam! Siehst du, es geht.
Die Krücken lehnen griffbereit am Nachttisch. Es wird schon. Vorsichtig. Nicht belasten, hat der Arzt gesagt. Ich schaffe das. Jan?
Sie stößt das Fenster auf und sieht hinunter in den kleinen Hof, den ein Brunnen in penible Rechtecke teilt.
Ein paar Eiszapfen am Dach gegenüber erklären dem Herbst schon den Krieg.
stimmt, hm, ja, Iris, hast Recht! Ich werde nachdenken Liebe Grüße ulli
Hallo Ulli, ich bin's noch mal, entschuldige meine Penetranz. Bist du dir sicher mit "zerschellt" an dieser Stelle, also an der Kuppel der Bergkirche? Das würde zwar passen, allerdings kommt das Wort später noch mal: "Ein Glas zerschellt auf dem Steinboden." Deshalb fände ich vorher ein anderes Wort besser. Bin nur so hartnäckig, weil ich den Text ansonsten perfekt finde. LG Iris
Hallo Iris, danke für dein Kommentar, und auch für das aufmerksame Lesen! Es sollte natürlich zerschellt heißen...ooops!
Überwältigend! Ich möchte diesen Text gar nicht zerpflücken, werde ihn lieber noch ein paar mal lesen und auf mich wirken lassen. Da steckt viel Kraft drin. Es gibt ein einziges Wort, das ich in seinem Zusammenhang nicht ganz verstehe: "zurückgeschellt". Soll das so heißen? Oder meintest du zerschellt, zurückgeschnellt oder zurückgeschallt? Gruß, Iris
[ Lesezeichen ]
3235
Weltvergessen tanzte sie in der Mitte des Raumes. Die Musik durchflutete ihren Körper, der Rhythmus bemächtigte sich ihrer Füße, ihrer Arme, der Hüfte. Die fließenden, beinahe anmutigen Bewegungen verzauberten auch ihn, ließen auch ihn die Welt vergessen.
[ Lesezeichen ]
3231
Das weiße Klavier glänzt unter dem Einfluss des Sonnenlichts. Wie schön wäre es, wenn ich mich hinsitzen könnte, meine Finger gekonnt auf den Tasten sprängen und meinen Gefühlen melodiösen Auslauf geben würden. Müdigkeit und Schweiss würden mein Vorhaben bremsen zu versuchen, doch nichts würde mich abhalten, in Passion und Träumereien zu schwelgen und manchmal darüber ein Lachen oder eine Träne zu gewinnen. Diese Sehnsucht hatte ich vor ein paar Jahren.
Derweilen drängt sich das Schlagzeug an die Vorfront meiner Lieblingsinstrumente. Ich möchte den Takt angeben, den Rythmus bestimmen, Herzen betupfen oder mit Getöse schütteln, Menschen Ideen bringen oder zum Tatendrang bewegen. Die Trommeln sollen die Menschen zum Nachsinnen über Liebe, Verständnis und Respekt gegenüber Mitmenschen und zu gedanklichen Auseinandersetzungen aufrufen. Werden die Trommelschläge noch mit Humor oder unter Spannungsfeldern erzeugt, bin ich mit meinen musikalischen Darbietungen als Schriftsteller sehr zufrieden.
[ Lesezeichen ]
3224
mein gutes bauchgefühl
fängt jede stimmung ein
legt sie in meinen bogen
der schlüssel zur seele
umstreicht und wärmt
das wesen bis es ganz
herz und sinn im sein
[ Lesezeichen ]
3216
Musik in dir
Der Bildschirm ist leer. Vor mir liegt eine Vielzahl von Tasten. Neunundzwanzig Buchstaben wollen in sinnvoller Reihenfolge auf die weiße Fläche transportiert werden. Was soll ich nur mit ihnen anfangen? Mein Kopf ist wie ausgefegt. Ich schließe die Augen, will mich konzentrieren - vergeblich. Will sich keine Idee einstellen? Kommt kein vernünftiger Satz zustande?
Ich atme tief durch und schaue aus dem geöffneten Fenster. Sonnenlicht durchflutet den Garten. Der Sommerwind spielt mit den Blättern der Bäume. Ich höre ihn leise rauschen. Wieder schließe ich die Augen und lasse das Rauschen auf mich wirken. Es klingt wie eine Melodie, zuerst leise hohe Töne. Sie kommen beschwingt daher und füllen mein Inneres mit fröhlichen, unbeschwerten Gedanken. Die Töne werden lauter und tiefer. Basstöne fügen sich hinzu. Ich sehe Tasten vor mir, weiße und schwarze, greife voll hinein und ein Klangvolumen erfüllt mich. Es sind Klänge verschiedenster Art; laut, leise, fröhlich, beschwingt, traurig, bunt wie das Leben. Mein Kopf ist wieder voller Ideen und meine Finger fliegen über die Tastatur wie bei einer Pianistin, die das Notenblatt herunterspielt. So schreibe ich die Geschichte. Ja ich fühle mich wie eine Pianistin – eine Pianistin am Schreibtisch.
[ Lesezeichen ]
3209
Wie wär‘s mit einer Flöte? Schon als wohlbehütetes Kind im Primarschulalter wurden mir Flötenstunden zu teil. Zusammen mit drei Klassenkameraden hatte ich das zweifelhafte Vergnügen beim Fröllein Jäger Flötenunterricht zu bekommen. Jedesmal gab es Hausaufgaben, die wir vier beschlossen zusammen zu lösen. Jedesmal bei einem anderen Schulkammeraden zu Hause. Wir spielten mit der Eisenbahn, oder mit Bauklötzen, assen Kuchen, tranken Tee, alles um den Flötenaufgaben zu entrinnen. Zufrieden ging ich danach nach Hause, nichts ahnend, dass ich schon bald die ganze Härte der bösen Welt kennen lernen würde. Mein Vertrauen in die Menschheit sollte unwiederbringlich erschüttert werden. Nichts würde mehr sein wie zuvor.
Klar, es waren Buben und ich ein Mädchen. Aber einen solchen Verrat hätte ich mir nie, auch nur im Traume, vorstellen können. Bei der nächsten Flötenstunde krächzte mein Instrument in höchsten Misstönen, während meine drei Mitschüler mir die Flötentöne vom Reinsten bliesen. Ich wurde suspendiert. Während ich mich wichtigen Kinderproblemen widmete, hatten sie, hinter meinem Rücken, heimlich zu Hause geübt. Die Verräter. Nein, Flöten sind aus.
Dann halt ein Klavier? Nur wenige Jahre nach meinem Flötendebakel erhielt ich Klavierunterricht für höhere Töchter. Für Klavierspielen hatte ich schon immer ein faible. Zu Hause wurden Klavierkonzerte auf Schellakplatten abgespielt und ich schmolz dahin. Also, auf zur Klavierlehrerin. Schon wieder eine Hoffnung geplatzt. Nach einer Stunde musste ich einsehen, dass Klavierspielen nicht in 10 einfachen Lektionen gelernt werden kann. Noch immer trauere ich der Unmögllichkeit nach, Boogie Woogie spielen zu können.
Nun denn, also, Guitarre. Da kam ich schon ziemlich weit. Zum Begleiten von Liedern in der Pfadi reichte es allemal. Inzwischen liegt die Guitarre aber ungenutzt auf dem Estrich. Mein Mann beschuldigte mich der Ohrquälerei. Dem häuslichen Frieden zu Liebe fängt sie seit Jahren Staub und tönt nur in meinen Tagträumen nach.
Singen. Singen sagen Sie? Ja, das hat zur Guitarre gehört. Singen tu ich gerne und laut. Die Tonart ist manchmal das Problem, sie passt sich nicht immer meiner Stimme an. Aber letzthin hatte ich ein herausragendes Erfolgserlebnis. Beim Geburtstag eines Kollegen hauchte ich, Marylin like, „Happy Birthday…..“ Danach wurde ich gefragt, was mein Repertoire wäre und ob ich noch Termine frei hätte! Also schon ganz vielversprechend.
Nein. Alle diese Instrumente sind viel zu einseitig, sie werden meiner Vielfalt nicht gerecht. das einzige Instrument, in welchem ich mich wieder erkenne ist:
Das Füllhorn!
Liebe Agatha, soeben habe ich für alle grossen Tageszeitungen Deutschlands und der Schweiz folgendes Inserat aufgegeben: "Tausche Konzertflügel gegen Füllhorn, Offerten bitte unter Chiffre XXL." (Das Füllhorn als Pointe ist einfach super!)
[ Lesezeichen ]
3192
Die Musik in mir? Bitte sehr, rückt ganz nahe zu mir, umarmt mich und drückt ein Ohr an meinen Körper. Jetzt hört Ihr’s: Das Herz trommelt. Der Magen knurrt. Das Blut rauscht. Der Hals rasselt. Das Gedärm flötet. Die Knie quietschen. Die Nase pfeift. Die Lippen fispeln. Die Lunge orgelt. Der Bauch rumpelt. Die Zähne knirschen. Die Gelenke knarren. Die Wirbel krachen. In den Ohren klingelt’s.
Hilfe, ein Hirnschla... !
Deinen Witz würde ich mir manchmal wünschen. Super! LG Bärbel
Liebe Leanda Super originelle Umsetzung des Themas. lg agatha
Das scheint mir ein Fall für die Instrumentenversicherung zu sein. Die Kur wird mit Sicherheit genehmigt, dann läuft bald alles wieder wie geschmiert ;) --- Liebe Leanda, der Körper als Instrument (oder ganzes Orchester), das gefällt mir. Der Schluss ist mir etwas zu makaber, aber das ist reine Geschmackssache. LG Iris
[ Lesezeichen ]
3191
Als ich ein Kind war, wollte ich unbedingt Harfe spielen.
Denn alle Harfenistinnen schienen lange blonde Haare zu haben. Sie saßen im Orchester und während sie spielten, lag ihr langes Haar schimmernd auf ihrem Rücken. In meinen Augen waren sie der Inbegriff von verborgenen Prinzessinnen, die der Harfe ihre Stimme liehen und ihr Märchen erzählen ließen. Ich wollte auch eine Harfenistin sein, vor allem wollte ich, daß meine Haare lang waren. Aber sie waren kurz geschnitten, weil meine Mutter und meine Großmutter es praktischer fanden und die Mode es als schön ansah. Würde ich Harfe spielen, müßte ich lange Haare haben und dann wäre ich vielleicht sogar ein Prinzessin und ich könnte meine Geschichten, die ich in meinen Träumen erlebte, erzählen.
Als ich zur Schule kam, war ich fast sieben und ich wußte inzwischen, daß nicht jede Harfenistin lange blonde Haare hatte, ich ahnte, daß es keine Prinzessin war, meine Mutter erlaubte mir endlich lange Haare, und ich schrieb meine erdachten Geschichten nun selbst auf. Die Harfe brauchte ich nicht mehr, um meine Wünsche zu erfüllen.
An ihre Stelle rückte nun das Cello. Und es blieb ein Teil von mir. Wäre ich ein Instrument, so wäre ich ein Cello. Es erzählt die Geschichten, die andere erleben und schreiben. Nur ein Cello kann einen Schwan majestätisch über einen See gleiten lassen, ein Cello weint und lacht mit Dir, läßt Hummeln durch die laue Sommerluft schwirren. Aber ein Cello bleibt nicht allein, es ordnet sich ein, macht aus dem Trio ein Quartett, unterstützt die Klarinette bei der Klezmermusik.
Ihm ist es wichtig, daß die Geschichte erzählt wird.
Vielen Dank für die Kommentare. @M.P.: Du scheinst sehr viel Ahnung von Musik zu haben und Dein Geschmack scheint breit gefächert zu sein. Danke für die Impulse. Mit den irischen Elfen und der Harfenmusik könntest Du recht haben. @Iris: ich werde mir Deinen Vorschlag Brenda - Cello merken. Danke. @Rosima: faszinierend, daß man mit seinen Kinderproblemen und seinem Kinderkummer nicht alleine war. Im übrigen mag ich das Cello auch als Soloinstrument. Noch eine Gemeinsamkeit.@Babs: Klarinette und Cello passen immer zusammen. Lustig, daß wir in unseren Kommentaren die gleichen Gedanken hatten. Allen nochmals vielen Dank. lg Hadassa
Hallo Hadassa. Harfinistinnen haben immer was von irischen Elfen, das ist mein Klischeedenken. Seis drum. ;O) Cellosoli sind vielfältig. Intensiv oder sanft, mit klagenden Saiten oder vibrierendem Klangkörper. Für mich ein Instrument, das völlig unterschätzt und in seiner Virtuosität zu selten genutzt wird. Wers kann, ist meiner Meinung nach, Apocalyptica. Eine moderne Rockband, die dem Cello neue Klänge entlocken. Ein feiner Text. LG M.P.
Liebe Hadassa, gerade kommt mir die Idee, dass vielleicht Brenda Harfe spielen könnte ... Na ja, als Autorin kannst du alles leben: die Harfenistin, die Prinzessin ... Mir gefällt dein Text, und mit dem Cello scheinst du wirklich dein Instrument gefunden zu haben. LG Iris
Liebe Hadassa, Harfe und Cello – da haben wir ja mal wieder was gemeinsam. Und noch was: das kleine Mädchen, dessen Haare kurz gehalten wurden, und das sich nach langen, blonden Haaren sehnt; nur bei mir waren es blonde Zöpfe. Ein Unterschied: wenn ich ein Cello bin, will ich am liebsten solo spielen. Herzlichen Gruß, Rosima
Hallo Hadassa, ja - das Cello und die Klarinette passen gut zusammen, nicht nur bei den Klängen der Klezmermusik. Ich frage mich, ob nicht die Harfe auch dazu passen würde? Die getragenen Töne des Cellos, umspielt von der munteren Harfe und den, zwischen beiden umherschwirrenden Melodien der Klarinette, das hätte doch was. Liebe Grüße Babs
[ Lesezeichen ]
3189
»Liebes Rateteam, bitte setzen Sie sich jetzt Ihre Masken auf. Wir begrüßen unseren heutigen Studiogast. Er ist klangvoll.«
Maja mit der Löwenmaske, hinter der ihre obere Gesichtshälfte völlig verschwand, stellte die erste Frage: »Sie sind klangvoll. Heißt das, Sie sind ein Instrument?«
»Richtig! Obwohl-« Der Gast blickte hilfesuchend zum Moderator.
Er nickte und warf ein Geldstück in das grüne Schweinchen, das vor ihm stand. »Ich denke, wir können schon sagen, dass Sie ein Instrument sind.«
»Aber Sie sind nicht nur ein Instrument«, stellte Maja fest.
»Genau. Eigentlich bin ich kein Instrument, jedenfalls nicht zum Musikmachen.«
Georg hakte ein. »Wenn Sie nicht zum Musikmachen genutzt werden, dann bringen Sie andere Seiten zum Klingen?«
Ein weiteres 2-Euro-Stück verschwand in dem Schweinchen.
»Das ist Musik in meinen Ohren, wenn ich mir mal dieses Wortspiel erlauben darf.« Georg drehte seinen Kopf hin und her, als würde er ein Loch in seiner schwarzen Zorromaske suchen. »Sie bringen andere Seiten zum Klingen. Kann ich das wörtlich nehmen? Schreiben Sie?«
»Richtig.« Der Gast drehte sich schulternzuckend zum Moderator um. »Ich glaube, das wird eine schnelle Runde, tut mir Leid.«
»Ach, das sieht jetzt nur so aus, mein Rateteam schwächelt gerne auf den letzten Metern. Ja, liebes Rateteam, Sie haben ein schriftstellerisches Instrument vor sich sitzen. Aber wir brauchen es genauer. Womit und mit wem haben wir es zu tun?«
»Trommeln. Sie schreiben hart, mit abrupten Wendungen und einem Knalleffekt am Ende.« Maja ließ einen Testballon steigen.
»Nein.«
»Geigen. Zartschmelzende Geschichten, die so schnell verfliegen, wie man sie gelesen hat. Natürlich mit Happy End.«
Der Studiogast verzog das Gesicht. »Nicht gerade ein Kompliment, so wie Sie das ausdrücken. Ich kann Ihnen versichern, dass meine Geschichten lange haften bleiben – auch wenn sie manchmal glücklich enden und auch mal von zarter Natur sind.«
Franziska meldete sich zu Wort. »Ein Tasteninstrument. Klavier, zum Beispiel. Wahrscheinlich nicht komplizierte Konzerte, sondern eher Unterhaltungsmusik.«
Sowohl der Moderator als auch der Gast wiegten die Köpfe. »Schon nicht schlecht. Nein, aber das trifft es noch nicht genau.«
Franziska wollte es genauer wissen. »Aber Klavier stimmt schon mal?«
Das grüne Schweinchen wurde wieder mit einem Geldstück gefüttert.
»Klavier, hm.« Georg zupfte an seiner Maske. »Keine Konzerte, aber auch nichts Seichtes. Vielleicht ist es so: Sie spielen mit den Tasten, um verschiedene Handlungsstränge zu verfolgen, die Sie am Ende in einem perfekten Akkord vereinen. Manchmal nutzen Sie nur eine einzelne Taste. Eine stille, nachdenkliche Szene. Dann tanzen gleich mehrere zusammen, Dialogzeilen fliegen hin und her und die Stimmung steigt. Und zuletzt: Ein schriller Überraschungsakkord.«
Der Gast hatte atemlos zugehört. Mit jedem Satz nickte er heftiger. Der Moderator war gar nicht mehr nachgekommen, so viele Münzen hatte er in das Schweinchen werfen müssen.
»Alles richtig. Es fehlt nur noch eins. Wer ist unser Studiogast.«
»Sie sind Charis!«
Liebe Charis, Dein Beitrag ist ein Leckerbissen! Das nicht leichte Thema in diesen Rahmen zu stecken, ist schlichtweg eine tolle Idee. Ich schicke Dir fröhlich klingende Grüsse! Leanda
Hallo Charis, amüsante Lösung der Aufgabe! Fehlt nur noch die Beantwortung der Frage: Welches Schweinderl hätten`s denn gerne? Herrlich! Liebe Grüße, Babs
[ Lesezeichen ]
3187
Ich bin immer da.
Bleibe im Hintergrund.
Gebe den Rhythmus vor
Traurig!
Eine kraftlos anmutende Berührung,
fast lautloses Seufzen.
Verzweifelung!
Kraft untermalt leise Stimmen,
die Lautstärke steigt.
Zärtlich!
Nur zu ahnendes Pochen,
Sticks streicheln Oberflächen.
Angst!
Ein Vibrieren der Nerven,
wirbelndes atemloses Rasen.
Wut!
Puls hämmert im Ohr,
ungebändigt dröhnende Schläge.
Takt
und die Betonung
Ich bin die Idee!
Wenn ich davon ausgehe, dass Du die Percussions beschreibst, bin ich von der Intension fasziniert. Sind es nicht meist die kleinen Dinge, die den Ton angeben? LG M.P.
[ Lesezeichen ]
3186
DIE MUSIK IN DIR
Als ich den Musiker unter meinen Freunden, der selbst fünf Instrumente spielt, fragte, welches Instrument ich seiner Meinung nach sein könnte, kam die Antwort sofort: „Du bist ein Tenor-Horn.“ Ein Tenor-Horn? Wie kommt er denn darauf? Auf keinen Fall könnte ich oder möchte ich ein Blechblasinstrument sein! Dann fragte ich noch eine Freundin, die meinte, ich müsste eine Harfe sein. Sie hörte klare, reine Tonfolgen und harmonische Klänge, die sie mit mir in Verbindung brachte. Ich versuchte mir auch das vorzustellen, aber so recht identifizieren konnte ich mich mit der Harfe auch nicht, obwohl ich Harfenmusik gerne höre. Nein, das war’s nicht.
Ich meine, ich könnte eher eine Viola sein, auch Bratsche genannt. Die Viola ist etwas dunkler im Timbre als die jubilierende Violine, zu deren feuriger Brillianz ich mich nicht aufschwingen könnte, wenn ich sie auch immer bewundert habe. Die Viola ist besonnener, ruhiger, beschaulicher; sie kann aber auch melancholische Momente haben, aber dann nicht so schluchzend wie die Schwester Violine, eher still und elegisch. „. . .Die Viola besitzt durch die tiefe C-Saite eine …Herbheit, kompakt, etwas heiser, mit dem Nachgeschmack von Holz, Erde. . .“ schrieb der ungarische Komponist György Ligeti.
Dann wieder scheint mir, dass ich dabei bin, mich langsam in ein Cello zu verwandeln, im Klang noch tiefer, sonorer, vor allem langsamer als die Viola. Der rechte Arm streicht den Bogen sacht über meine Saiten und verweilt auf den einzelnen Tönen. Die linke Hand umklammert Saiten-vibrierend den Steg, und so vereinen beide Arme und Hände sich in klanglicher Harmonie über meinem behäbigen Korpus.
Mein größter Wunsch wäre, dass Pablo Casals, wenn er noch lebte, mit mir die Cello-Sonaten von Johann Sebastian Bach spielen würde.
Ich weiß, ich bin kein entscheidungsfreudiger Mensch, und jetzt erwartet man vielleicht schon, was ich als meine nächste Stufe der Streichinstrumente wählen könnte. Aber zur brummelnden Bassgeige werde ich nicht mutieren; das bin ich nicht, auf gar keinen Fall!
Doch wenn ich meiner Fantasie noch etwas mehr freien Lauf lasse, dann könnte ich mir vorstellen, ein Cembalo zu sein, und dann wäre ich das Instrument aus diesem alten Gedicht von mir, und GG hätte ausnahmsweise mal auf dem Cembalo gespielt.
GG SPIELT
Ein schiefer
kleiner Schemel
fingerlose Handschuhe
an kostbaren Händen
die Klänge einer Fuge
wie Perlen ausgegossen
auf Glas
Glenn Gould spielt Bach
Hallo Rosima, ich komme wieder einmal zu spät und kann mich nur anschließen. Wie üblich ein klasse Text und das Gedicht ist voller Poesie. Statt Pau Casals höre ich gerne Paul Tortelier. Aber auch der ist leider schon lange tot. Wie auch immer, es ist immer wieder spannend deine Texte zu lesen. lg Hadassa
Liebe Rosima, deine Überlegungen gefallen mir. Poetisch mit einer Prise Humor. Und dein kleines Gedicht finde ich sehr schön und aussagestark. LG Iris
Hallo Rosima, die Klänge einer Fuge wie Perlen ausgegossen auf Glas sehr lyrisch beschrieben. Mir gefällts Gruß Babs
Hallo Rosima, Dir ist da ein sehr poetischer Text gelungen, der in mir gleich mehrere Saiten zum Schwingen brachte. Ich spiele zwar selber kein Instrument, aber zum Schreiben brauche ich unbedingt Musik. Manchmal lenkt sie mich ab, manchmal zieht sie mich tief ins Geschehen hinein. Die von Dir dargestellten Eigenheiten der Musikinstrumente spielen dabei eine große Rolle. Mein einziger kritischer Hinweis: Du könntest ein paar Füllwörter streichen und vor allem sparsamer mit "ABER" umgehen. Zum Gedicht: Leider hat sich mir nicht erschlossen, wie "fingerlose Handschuhe an kostbaren Händen" Klavier spielen sollen. Beste Grüße Anna
[ Lesezeichen ]
3180
Erst kommt es mir komisch vor, dass ich sofort an eine Mandoline denke. Ein Saitennstrument war klar, weil sie für mich die wirkungsvollsten Verstärker von Gefühlen sind.
Ich versuche einen Vergleich zu meinem Schreben herzustellen.
Wörter, die ich tippe, fühlen sich an wie gezupft - gezupft auf den Saiten einer fröhlich-unbeschwerten Mandoline.
Die Saiten einer Mandoline schwingen, vibrieren und tragen die Melodie - die Melodie der Geschichte.
Wenn ich die richtigen Saiten zupfe, übertragen sich meine Schwingungen auf die des Lesers.
Meine Lieblingsszene in "Frühstück bei Tiffany" ist die mit dem Gitarrensolo von Audrey Hepburn - "Moonriver" ist fantastisch gut platziert und die Gitarre verstärkt die melancholische Stimmung von Holly Golightly.
[ Lesezeichen ]
3176
Ich bin das Orchester
Der vergangenen
Und der zukünftigen
Melodien
Und Facetten
Meines Lebens
Ich bin das Piano
Der kleinen Nachtmusik
Die Geige
Des Sommernachtstraums
Die Harfe
Des irischen Folks
Die Gitarre
Des Rockìn Roll
Die Trommel
Des Urwalds
All dies und noch mehr
Sind die Instrumente
Meines Ichs
Die wechseln wie
Die Farben der Natur
Im Frühjahr, Sommer
Herbst und Winter
Hallo Monika, das ist ein stimmiges Gedicht und eine schöne Melodie. Mir gefällt es. lg Hadassa
[ Lesezeichen ]
3175
Am Lagerfeuer unter dem Sternenhimmel klinge ich nach Freiheit und Abenteuer. Vielleicht streicht auch der Wind sacht durch meine Saiten und fragt nach Dingen, die er nicht versteht. Wie dem Gefühl, irgendwo zu Hause zu sein, Wurzeln zu haben. Ich habe einen Resonanzkörper, wie man mich berührt, so klinge ich. Und doch habe ich eine eigene Stimme, etwas Unverwechselbares.
In der Stadt auf staubigem Asphalt singe ich vom Fernweh, der Sehnsucht nach einem fremden Ort. Vielleicht hält der Spieler mich zu fest, auf der Suche nach Halt und Sicherheit. Mein Klang erweicht das Herz der Passanten und zieht ihnen das Kleingeld aus der Tasche.
In einem dunklen Club auf der Bühne stehe ich unter Strom, ich jaule, ich schreie. Heraus müssen Frust und Elend, Wut und Aggression, irgendjemand da in der Masse muss mich doch verstehen. Vielleicht spielt sich jemand die Finger an mir wund.
In einem muffigen Zimmer auf dem Bett klage ich über meine verlorene Liebe. Sehnsüchtig streicht ein junger Mann über meine delikaten Rundungen und denkt an einen anderen Körper. Auch seinem Kummer gebe ich den Klang und den Rhythmus des Lebens, wir scheitern und beginnen von vorn. Vielleicht bade ich in Tränen...
Ich bin eine Gitarre, ich klinge wie ich will. Ich habe in mir den Klang der Welt, Regen, Wind, Sonne, Liebe, Wut und Kummer.
Liebe Andriana, dieser Text weckt Emotionen in mir und die Erinnerung an viele schöne Momente, begleitet von Gitarrenmusik. Du beschreibst sehr gut die unterschiedlichen Stimmungen und Möglichkeiten, die das Gitarrenspiel bietet. Gefällt mir sehr. LG Iris
Hallo Andriana, Du hast so schöne Bilder mit Worten gemalt, dass mir ganz spontan ein Gedicht aus den Fingern geflossen ist. Es gibt Texte, die man immer wieder lesen kann und immer wieder fällt einem etwas anderes dazu ein - so wie dieser Beitrag von Dir! Danke! Anna
[ Lesezeichen ]
3169
DIE MUSIK IN DIR
Ich bin klein. Deutlich kleiner als meine Schwestern. Aber ich bin doch vollständig, mit allem ausgerüstet, was ich brauche, um schön zu singen. Mich kränkt es sehr, wenn die großen immer behaupten, ich sei nur ein Viertel.
Natürlich weiß ich, dass ich niemals so laut werde singen können, wie meine Schwestern. Aber alle Töne, die die können, kann ich auch.
Ich muss es nur erst noch richtig lernen. Und zwar zusammen mit dem kleinen Mädchen, dass mich jeden Tag liebevoll in den Arm nimmt und mich an seine Wange drückt.
Dann streicht sie sanft mit Pferdehaar über meine Saiten und ich fange vor Freude an zu jubilieren.
Manchmal tut es weh und dann quietsche ich. Ich glaube, dem kleinen Mädchen tut es dann auch etwas weh, denn sie drückt mich beinahe schmerzhaft an sich.
Aber sie gibt sich viel Mühe und ich quietsche immer seltener.
Besonders genieße ich es, wenn ich zusammen mit anderen singen kann. Da das kleine Mädchen immer sehr fleißig mit mir zusammen geübt hat, dürfen wir jetzt in einer Gruppe mitmusizieren, in der auch viele meiner Schwestern sind. Und – zu meiner großen Freude – auch andere, die so klein sind wie ich! Ich bin also nicht die einzige. Und die großen nehmen in dieser Gruppe Rücksicht auf uns Kleine und tönen nicht zu laut.
Aber nicht nur meine großen Schwestern sind dabei. Auch Onkel, Tanten und Vettern. Die sind noch viel, viel größer. Sie singen auch sehr schön, schaffen aber nicht so Töne wie meine Schwestern und ich. Und der größte Onkel, der brummt eigentlich mehr als dass er singt.
Wenn das kleine Mädchen und ich zu Hause sind, dann trällert manchmal noch ein seltsames langes, silbernes Rohr mit uns.
Die Mutter des kleinen Mädchens hält es sich an den Mund und lässt Luft durch es hindurchströmen.
Das silberne Rohr kann wunderbar singen und jubilieren und kann ähnliche Töne wie ich erzeugen.
Aber ich komme doch noch ein bisschen höher.
Leider wird das kleine Mädchen größer und bald wird sie einer meiner größeren Schwestern an sich drücken und sie zart streicheln.
Hoffentlich finde ich recht bald wieder jemanden, der so oft mit mir singt und spielt. Auch wenn ich am Anfang wieder quietschen muss.
Liebe Veronika, dein Text weckt Erinnerungen in mir an die Jahre, in denen meine Tochter Geigenunterricht hatte. Sie fing auch mit der Viertelgeige an, dann kam die halbe, heute beherrscht sie die ganze recht gut, spielt aber viel lieber E-Gitarre:) An das Gequietsche, das man aus Gründen der Motivationserhaltung natürlich niemals kritisieren durfte, erinnere ich mich noch sehr gut. Du schreibst richtig schön und lebendig aus Sicht der Geige. LG Iris
1 · 2 · weiter »