„Ich habe das Buch Raum zum Schreiben genannt, weil jede Seite, jedes Kapitel eine Tür öffnet: zur Fantasie, zum Intellekt, zur Seele und zur Gefühlsebene."

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Du Tier!

05.08.2009


Aufgabe
Heute sehen Sie die Welt mit den Augen eines Tieres. Suchen Sie sich eines aus, das Sie kennen, mit dem Sie Erfahrung haben. Oder schreiben Sie aus der Sicht eines Tieres, mit dem Sie sich identifizieren können.


© 2008 Autorenhaus Verlag GmbH, Berlin
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Leserbeiträge

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Eingetragen am: 10.10.2009 von Berthild Lorenz
[ Lesezeichen ]

3744

„Die Gelegenheit ist günstig; sie steht zwar neben mir, aber sie redet mit nem anderen Hund. Da, hinter der breiten Straße riech ich ne schnuckelige Hundedame, nix wie hin!“

So dachte ich, als ich noch das junge und neu zu ihr gekommene Rexlein war.
Ich war seit einem halben Jahr auf der Welt und hatte meine Mutter und meine Brüder und Schwestern schon beinahe vergessen. Sie war dazugekommen, als mich mein zweites Herrchen ins Tierheim bringen wollte. Da war ich 18 Wochen jung und ihr Martin war 8 Jahre alt und er hat gesagt: „Mama, bitte!“ Und ich weiß noch ganz genau, wie sie sofort sagte: „Ich glaub jetzt ham wir wieder ein Haustier!“
„Ja, bitte, Mama!“ Hatte Martin gesagt und der Alte, der mich hatte, der hat gesagt, dass das nicht geht; er hat einen Platz im Tierheim für mich reserviert und sie hat für mich gekämpft.


Sie wollte auf keinen Fall, dass ich ins Tierheim komme. Naja, sie und Martin hatten mich an jedem Tag, wenn sie Martin aus der Schule abholte und ich am Laden angebunden war, geknuddelt und wir waren schon richtig gute Freunde; wir freuten uns auf einander!

Angebunden auf der Straße zu sitzen und andere Hunde, Kinder und große Menschen gehen vorbei und Eichhörnchen und man selber muss stillsitzen – das ist vielleicht gemein!

Sie und Martin haben mich verstanden! Sie sind immer zu mir gekommen, immer!!

Nun war ich bei ihnen und eines Abends standen wir im Rudel auf der Wiese, etwas von der vierspurigen Autostraße entfernt.
Das taten wir an jedem Abend; da hatte keiner Langeweile, jede Menschin hatte wen zum Quatschen und jeder Hund auch, dachte sie und merkte nicht, dass die anderen Hunde alle Langweiler waren!

Die standen wie Lämmer auf der Weide und rochen nicht, was ich roch! Wo hatten die nur ihre Nasen!? Weshalb standen die wie Schafe herum? Wussten die nicht, dass sie Hunde sind? Hatten die Rheuma in den Beinen oder Schnupfen, dass sie nichts rochen? Ich konnte es mir nicht erklären, kannte aber mich und meine Interessen!
Also rannte ich einfach los, ganz spontan!
Und ich fand sie, die Wunderschöne, aber sie hatte ne Leine am Halsband und oben dran einen Menschen, der mich anbrüllte und der brüllte „verschwinde!“.

Frauchen hat mir später erklärt, dass die Hündin läufig war. Das wusste ich doch selber! Deshalb war ich doch zu ihr gegangen; ich wollte ihr viele schöne kleine Rexlein machen; alleine kann sie das doch nicht!
Und schon während mich der Mann anbrüllte kam mein Frauchen und sie sagte, dass ich mit ihr gehen soll. Sie sagte: „Wer „a“ sagt, muss Limente zahlen -, was immer das auch sein mag.

Naja, ich liebte sie ja und auch den Martin, der hatte ja schließlich gesagt, dass ich nicht ins Tierheim soll, dass er mich mitnehmen will und sie haben mich ja auch mitgenommen, aber wer weiß, ob es nicht im Tierheim viel schöner gewesen wäre. Da sind ja wohl viele Tiere. Da gibt’s sicher keine Menschen, die mir die schöne Freundin vor der Nase rauben! Vielleicht wäre ich im Tierheim viel besser aufgehoben gewesen? Ich weiß es ja nicht, ich kenne auch keine Hundedame, die mir was vom Tierheim-Hotel erzählen wollte!
Na, ich muss mal sehen, dass ich irgendwann eine finden, die mir davon erzählt.


Ich ging also mit Frauchen mit, denn sie erzählte mir, dass sie sich gesorgt hat, als ich wegrannte. Sie liebt mich, hat sie gesagt. Sie hat mir erklärt, warum sie sich Sorgen gemacht hat, als sie sah, dass ich in Richtung Straße davonrenne. Sie hat gesagt, dass die Autofahrer ja nicht anhalten müssen, wenn ein Hund über die Straße gehen will und sie weiß ja nicht, ob ich warte, bis die Autos vorbei sind.

Aber ich versteh das Ganze nicht! Sie weiß, dass hier immer viele Autos fahren und sie sieht, dass ich alleine über die Straße gegangen bin und ich bin putzmunter - was meint sie wirklich? Ich bin doch nicht doof!

Ein anderes Mal hatte meine Supernase wieder etwas gerochen, wovon die Menschen alle keinen Dunst hatten und weg war ich. Es war am frühen Morgen und sie musste nach Hause, um die große Apfelkiste für Martins Schulpausen voller Äpfel zu schnippeln.Die anderen Eltern gaben ihren Kindern keine Äpfel mit, obwohl die Kinder die gerne wollten, also hat sie für alle Kinder in der Klasse Äpfel geschnippelt ...


„Ach, sie liebt mich, sie wird auf mich warten und wenn nicht, dann ist das auch nicht so schlimm; ich kenn ja den Weg. Meine Nase kennt sich aus im Revier!“

Und dann treff ich doch Tippel-Taps, meinen allerbesten Westi-Freund und wir ham uns gefreut, aber sein Frauchen fing gleich an: „Rexi!?“, und sie hatte sonen unfreundlichen Ton in der Stimme, „Rexi, wo ist denn dein Frauchen?!", und Taps und ich haben uns angegrinst, aber sie hat es nicht gemerkt. Sie hat gesagt: „Taps, wir bringen das Rexlein nach Hause! Kommt, Jungs!“

Ich bin ja kein Spielverderber! Bis zur übernächsten Kreuzung haben Taps und ich uns viel zu erzählen gehabt, aber dann war Taps sauer, weil er in die andre Richtung wollte. Ich hab sein Frauchen angeguckt, hab ihr zugezwinkert und bin in Richtung Zuhause gerannt und sie war beruhigt und was meint ihr, was Zuhause los war?

Frauchen hatte die Haustür verklemmt, damit sie für mich offen bleibt und die Wohnungstür stand offen, weil ich nicht an die Klingelknöpfe ranreiche! Ein Zeichen für wahre Liebe, dass sie an sowas denkt! Und ich ging zu ihr und sie knuddelte mich und ihr kullerten Tränen aus den Augen: „Rexlein, mein Rexlein, wie gut dass du wieder hier bist!“


Nachdem ich dann zum dritten Mal über eine vierspurige Autostraße gegangen war, knüpfte sie zwischen uns eine feste Verbindung. Ich bekam an mein Halsband zusätzlich zu den nervig klimpernden Marken auch noch ne Leine, die sie am anderen Ende anfasste. Ich guckte nicht schlecht! Was sollte das denn?
Die grüne schmale Leine wurde unser ständiger Begleiter und obwohl ich ja immer zurückgekommen war, ließen wir uns nicht mehr los.

„Ach, Rexlein“, sagte sie, „ich halt das in meinem Alter einfach nicht mehr aus, wenn du sowas anstellst, einfach über sone gefährliche Straße rennst, aber weißt du was, draußen lauf ich mit dir, wohin du möchtest, okay?“
Und so hat sie es auch gemacht. Allen, die blöde geguckt haben, die gesagt haben, dass der Hund wohl der Chef im Haus ist, hat sie gesagt, dass er nicht im Haus der Chef ist, aber bei seinem Spaziergang! Das ist Rexleins Zeit!


„Rexlein wartet täglich viele Stunden lang darauf, dass wir raus gehen; draußen ist seine Zeit! Da gehe ich mit ihm dort hin, wo er hin möchte!“ Und nicht nur dafür habe ich sie geliebt!


Sie hat meine Leine immer ganz locker gelassen, wenn wir andere Hunde trafen, denn im Laufe unseres Zusammenseins hat sie gelernt, dass Hunde, die an der kurzen Leine gehalten werden auch im Denken kurz werden; sie sind sobald ein anderer Hund kommt, groß, stark und bissig und das hatten wir nicht nötig, hat sie gesagt. Ich bin gerne mit ihr gaaanz lange gewandert, allerdings war das besonders schön, wenn sie die Leine abgemacht hat, wie damals, in Bad Saarow!


Ach, war daaaaas schön! Da lag gaaaanz frischer Kuhmist! Hast du schon mal gespürt, was für eine Wohltat es ist, sich in warmem Kuhmist zu reiben? Die Wiese und dann dieses schöne warme weiche, direkt an deiner Haut-Gefühl!


Naja, im Zug dann hat sie einen immer längeren Hals gemacht und gefragt, was denn hier so zum Gotterbarmen stinkt. Ja, ehrlich gesagt, so richtig toll roch das Ganze später nicht mehr, aber das wusste ich ja beim Genießen noch nicht und außerdem geht sowas ja vorüber und wir hatte das ganze Abteil für uns.

Nein, sie hat nicht gesehen, dass ich mich gesuhlt hab; sie war ziemlich weit weg, aber sie hat es geahnt, denn es war ihr schon ein Mal aufgefallen, dass ich zu den Haufen wollte und da hat sie mich davon abgehalten gehabt. Naja, aber ein Mal ist es mir ja denn doch gelungen und das war soooo dufte!
Überhaupt gibt es so viele tolle Düfte, so direkt am Straßenrand, aber ein bisschen weiter oben, da hört das denn mit den guten Gerüchen auf. Die Autos, die riechen schon eklig und erstmal die Menschen! Na, das ist doch kaum zu glauben! Die stinken ja alle irgendwie. Und ich hab sie mal beobachtet – die machen sich aus irgendwelchen Gläschen oder Fläschchen irgendwelchen Duft irgendwohin! Das würde ein Hund nie machen! Hunde sind die, die wissen, was gut riecht!


Eingetragen am: 05.09.2009 von britta khokhar
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3276

Ich wäre gerne eine schleichende Katze wie der tiger und würde auf vieles antwort finden was mir den letzen jahren passiert ist und der Sturm immer noch tobt


Eingetragen am: 18.08.2009 von marga
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3007

Wenn die Stürme von Osten die letzten Blätter von den Zweigen über das verschneite Moor wehen, ist für uns die Zeit gekommen Abschied zu nehmen und aufzubrechen in das Land in dem reife Ähren unsere Kinder gut ernähren. Schon von weitem hören die Freunde unser Geschrei und eilen herbei. Sie stimmen ein in das Kommando, während wir über Land, Berge und Meere ziehen und sorgen dafür, dass niemand verloren geht. Der Weg ist weit, wir rasten nur kurz und fliegen rasch weiter, denn der Winter folgt uns und versiegelt das Land mit Eis und Schnee. Wir schlagen die Flügel und alle stimmen ein in den Jubelschrei wenn endlich die der Wind uns den Geruch der Wüste entgegenweht. Am Horizont erscheinen alsbald die Wälder die sie umgeben. Für eine Weile lassen wir uns in ihren Baumkronen niedern und unsere Kinder feiern ausgelassen ein Fest und singen, tanzen und balzen bis in die Nacht. Wenn dann nach und nach der Mond die Bäume Schatten über uns verteilt, wird es still und jemand singt das Lied vom Schneekranich der die Heimat verlassen hat für ein besseres Leben und sich nun fragt, ob er je wieder zurückkehren wird; und sie singen und tanzen dazu bis in die Nacht. Viele Male bin ich nun schon mit ihnen gezogen, in den Morgen geflogen, in den Abend geflogen, in den Tag und in die Nacht. Doch nirgendwo ward mir ein Ort Heimat.


Eingetragen am: 16.08.2009 von Lou.
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2999

Ich fass’ es nicht, schon wieder dieser Lärm! Erst vor 2 Stunden habe ich mich auf´’s warme Fensterbrett gelegt und werd’ schon wieder gestört. Einfach unglaublich. Kann man hier nicht einmal in Ruhe Schönheitsschlaf halten?
Diese lästigen Apparate, erst sprechen sie und dann wird hineingesprochen, wer denkt sich so was aus? Ich starre mein Frauchen weiterhin an, den überheblichsten Blick den ich bieten kann. Bald wird sie mich bemerken!
Was? Nein, nicht umdrehen, du sollst mich anschauen und mir deine Aufmerksamkeit schenken! Ich fass es ja nicht.

Langsam stehe ich auf und streck mich erstmal ausgiebig. Die wird schon noch sehen was sie davon hat. Vorurteile gegenüber Katzen gibt es ja nicht umsonst.
Aber vielleicht sollte ich erst sachte anfangen. Nicht dass ich am Ende dann noch in den Keller muss …
„Miaaau.“ Keine Reaktion. Na warte. „Miaaaaaau!“ Nur ein kurzer Blick? Bitteschön, du willst es ja nicht anders.
Mir doch egal ob sie auf dem Tisch essen, heute spaziere ich eben drauf herum. Oh, eine kleine Vase, wie hübsch. Schwänzchen nach oben, und ganz aus Versehen dran vorbeigegangen. *Klirr* Oh nein, hab ich sie etwa umgestoßen?
Jaa, jetzt kommt das Frauchen angelaufen. Schnell vom Tisch springen und einen mitleidigen Blick aufsetzen. Miauend und schnurrend um ihre Beine streichen. Na also, das werd ich noch meinen Kindern beibringen können.
Sei frech, und du bekommst Streicheleinheiten.


Eingetragen am: 14.08.2009 von Veronika Oswald
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2970

Du Tier!

So, nun habe ich aber lange genug rum gehangen. Die Sonne geht gleich unter und mir knurrt langsam der Magen.
Ich stoße einen Schrei aus, um festzustellen, wer noch alles da ist. Aha, immer dieselben: Tante Vania mit ihrer ganzen Sippe. Nur Onkel Vince ist nicht mehr dabei. Tante Vania behauptet, er sei letztes Jahr einem Räuber zum Opfer gefallen.
Aber einige wollen ihn des öfteren drüben in der alten Ruine gesehen haben. Und zwar nicht alleine!

In demonstrativen Abstand zu Tante Vania und ihrer Sippe hängen Mama und ihre Schwester Vanessa.
Tante Vanessa ist immer lustig. Und sie ist die mutigste von uns, denn sie traut sich am dichtesten an die Menschen heran.
Nicht, dass sie ihnen irgendetwas tun will, aber Menschen, auf die sie zufliegt, schreien dann immer und rennen weg.
Nur eine alte Frau hat mal – nachdem sie sich von ihrem Schreck erholt hatte - etwas zu fressen rausgehängt für Tante Vanessa. Aber keiner von uns mochte Knoblauch.

Mama und Tante Vanessa tun so, als ob sie noch schlafen, damit sie nicht zusammen mit Tante Vania losfliegen müssen.

Drüben, direkt neben dem großen Stalaktiten hängt Cousin Vernon. Er hat mich gehört und zwinkert mir zu. Ich denke, wir beide werden wieder zusammen auf die Jagd gehen. Mit ihm ist es am lustigsten, weil er die spannendsten Echos kennt. Er kennt auch die Bäume, aus denen in dieser Jahreszeit die meisten Maikäfer fliegen.
Maikäfer sind wirklich dumm. Die fliegen laut brummend los, sind aber überhaupt nicht in der Lage, sich zu orientieren. Weder mit den Augen, noch mit Hilfe von Echos.
Kein Wunder, mit den tiefen Brummtönen klappt das auch nicht. Und dann fliegen sie volle Kanne gegen einen Baum oder einen Zaun.
Es ist fast zu leicht, sie zu jagen. Aber immerhin ist es eine gute Gelegenheit, schnell satt zu werden, so dass man noch Zeit für andere Unternehmen hat.
Tante Vania macht sich gerade startklar und zählt ihre Sippe durch.
Ich stoße einen kurzen Schrei aus und Cousin Vernon kapiert sofort. Bevor uns Tante Vania in eine bestimmte Gruppe stecken kann, sind wir schon aus unserer Höhle hinaus und fliegen direkt zu dem Garten, in dem der größte Maikäferbaum steht.

Doch heute sind wir nicht alleine. Zwei Menschenkinder stehen da mit merkwürdigen kleinen Netzen, die an einem Stock befestigt sind. Damit fuchteln sie in der Luft herum und greifen nach den Maikäfern. Und da Maikäfer dumm sind, haben sie auch schon einige gefangen, die sie in kleine Schächtelchen setzen.

So, nun lasst mal Vernon und Viktor ran! Wir zeigen euch jetzt, wie das geht. Platz da!
Wir fliegen ein paar riskante und knappe Manöver um die Köpfe der Kinder. Vernon hat schon seinen ersten Maikäfer. Die Kinder juchzen und fuchteln weiter mit ihren Netzen herum. Warum haben die eigentlich keine Angst vor uns?

Ich sause im Sturzflug auf das kleinere der beiden Kinder. Ich werde ihr mal mein berühmtes Touch-Down-Manöver zeigen, bei dem ich im Sturzflug mit einem Flügel den Boden berühre, bevor ich mit halsbrecherischer Wendung senkrecht nach oben ziehe.
Ich konzentriere mich auf den Boden. Er kommt näher. Noch näher. Achtung! Gleich berühre ich ihn.
Mist! Was ist denn das jetzt?? Ich hänge im Netz!
Und hat da nicht eben ein Maikäfer hämisch gelacht?


Kommentar von Berthild Lorenz

Ah, klar, mit "rumgehangen" war es eigentlich klar, aber ich hab mich ablenken lassen ... Bei uns in der Hausritze hängen sie auch rum, aber sie kommen nur heraus, wenn es so dunkel ist, dass man sie nicht erkennen kann ... Berliner Grüße. Berthild

Eingetragen am: 09.10.2009

Kommentar von Veronika Oswald

Hallo Berthild, schade, dass "mein" Tier nicht rauszubekommen war. Aber da ich es abend für abend auf meiner Terrasse habe, ist es für mich wohl schon zu selbstverständlich. Es ist die Fledermaus. Liebe Grüße, Veronika

Eingetragen am: 07.09.2009

Kommentar von Berthild Lorenz

Iss dittt schöööööön ... Allerdings hab ich Vogeldoofe nicht wirklich heraus bekomen, wer da erzählt, ich hab nur ne Idee ... Klärst du mich bitte auf?

Eingetragen am: 06.09.2009

Eingetragen am: 11.08.2009 von Alexandra Stahl
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2905

Ende Oktober 2008 wurde ich schon wieder in einen Käfig gesetzt. Über mehrere Stunden musste ich mit dem Auto fahren, bis ich endlich wieder heraus durfte. Mein Frauchen und Herrchen haben sich getrennt. Und mein Herrchen wollte mich nicht mehr haben. So musste ich mich auch von meiner Freundin, die in der gleichen Wohnung gelebt hat, trennen. Ich bin ja als letzter dazu gekommen und vielleicht ja auch nicht so niedlich, da ich ja schon drei Jahre alt war. Die vorherigen Besitzer haben mich auch alle irgendwann abgeschoben, weil sie mich nicht mehr brauchen konnten oder ein wichtigeres Tier, wie ein Hund, ins Haus kam. Überhaupt, wurde ich immer schreckhafter, bis ich nur noch bei jedem Geräusch zusammenzuckte und mich versteckt habe. Menschen haben mich nicht besonders gut behandelt, deshalb habe ich mich auch nicht mehr in die Nähe dieser gewagt oder womöglich streicheln lassen. Manche wollten mich in den Arm nehmen, aber das habe ich alles gemieden. Nach der langen Autofahrt, die der reine Horror war, ich habe getobt und geschrien, in meinem Käfig und dabei eine Kralle ausgerissen, war die Fahrt endlich zu Ende. Wir kamen in einem Haus an. Dort musste ich aber die meiste Zeit in einem Zimmer leben, die Türe wurde immer zu gemacht. Hier war auch schon eine Katze - eine weibliche. Ich war sowieso viel zu erschöpft und wollte eigentlich nur noch meine Ruhe. Am 5. November wurde ich dann schon wieder in diesen Käfig gesperrt und musste Autofahren. Diesmal war die Strecke sehr sehr kurz, für mich trotzdem ziemlich schlimm. Ich kam in eine neue Wohnung. Dort sollte ich so lange bleiben, bis mein vorheriges Frauchen mich wieder aufnehmen kann. Mein neues Frauchen hat ständig versucht, mit mir in Kontakt zu kommen. Sie wollte mich streicheln und auf den Arm nehmen. Das habe ich aber nicht zugelassen. Mein Lieblingsplatz ist immer der Stuhl, auf den sie sich gesetzt hat - dort riecht alles so schön.... Ich habe mich ihr immer mehr genähert. Wenn sie auf dem Sofa gesessen ist, habe ich mich auf die Lehne gesetzt. Sie hat mich immer wieder versucht zu kraulen, bis ich es eines Tages zugelassen habe. Sie hat mich noch nie geschlagen. Ich komme jetzt immer zu ihr und gebe ihr ein Küsschen. Wenn ich zu ihr ins Bett möchte, darf ich das nicht. Am Anfang habe ich immer versucht, die Tür zu öffnen. Das hat bisher in allen Wohnungen geklappt, nur dort nicht, da die Türe schwer geht. Ich habe dann im Schlafzimmer ein Körbchen bekommen, das aufs Bett gestellt wurde. Manchmal schleiche ich raus, da muss ich aber immer sehr aufpassen, dass mein Frauchen dies nicht bemerkt. Ich weiß nur eins, hier will ich nicht mehr weg. Da ich über drei Jahre eine reine Hauskatze war und ich mit meinem Frauchen immer auf die Terrasse gegangen bin, draußen geschnüffelt habe, Gras gefressen habe, einfach alles beobachten - wunderbar, da draußen. So habe ich mich eines Tages entschlossen auf Erkundung zu gehen und war vier Tage weg. Ich bin ziemlich nass geworden und habe teilweise sehr gefroren, so bin ich wieder nach Hause gelaufen. Ich weiß von meinem Frauchen, dass sie mich gesucht hat und schon sehr vermisst hat - die Liebe. Seither war ich nie länger als ein paar Stunden draußen. Ich gehe jeden Tag, es ist einfach unglaublich, was da draußen so alles vor sich geht. Und mein Frauchen freut sich immer so, wenn ich wieder da bin. So habe ich angefangen ihr ein Geschenk zu machen: eine Maus. Am nächsten Tag einen Vogel. Sie fand das irgendwie nicht so lustig...... Letzte Woche habe ich ihr zwei Vögel und eine Maus gebracht.............. Sie ist soooooo lieb.


Kommentar von Lillilu

Noch so ein rührender Pelzer! Wenn du die Geschichte noch ein wenig ausbauen möchtest, bieten sich seine Ausflüge an. Hier könntest du schreiben, was er denn alles so Tolles sieht, hört und riecht.

Eingetragen am: 12.08.2009

Eingetragen am: 10.08.2009 von Claudia Tyrchan
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2883

Beinahe wäre es nichts geworden mit meinem Menschen und mir.
Ich bin auf dem Bauernhof geboren worden. Und meine Mama wollte nichts mehr von mir wissen. So ist das bei uns Katzen – wenn Mama merkt, dass es einer von uns nicht schaffen wird, lässt sie uns allein. Zuerst fand ich das gar nicht so schlimm. Auf dem Hof waren immer viele Leute. Kleine Menschen nahmen mich in ihren Arm und es war sehr gemütlich. Fast so wie bei Mama. Immer fand ich ein Schüsselchen Milch und ein friedliches Plätzchen zum Schlafen. Aber bald merkte ich, dass etwas nicht in Ordnung war mit mir. Ich wurde schwacher, kam nur noch mit Mühe auf meinen Lieblingsheuballen und konnte kaum noch etwas sehen, denn meine Augen waren verklebt, so sehr ich mich auch putzte.
Und dann war sie auf einmal da. Sofort fühlte ich mich wohl bei ihr. Sie kraulte mich zwischen den Ohren und ließ sich auch nicht beirren, als eine Stimme zu ihr sagte: „Nehmen sie eine andere. Der ist krank. Mit dem schaffen sie es nicht mehr bis nach Hause.“

Seitdem lebe ich mit meinem Menschen. Als es mir nach kurzer Zeit wieder gut ging, habe ich angefangen, sie zu erziehen. Es war nicht so einfach, ihr beizubringen, dass wir morgens auf unnötiges Geschmuse verzichten und sofort mit dem Füttern anfangen können. Genauso mussten wir ganz klar unsere Reviere abstecken. Irgendwann hat sie endlich verstanden, dass sie nichts auf meinem Lieblingssessel zu suchen hat. Da nutzen auch ihre Bestechungsversuche mit Katzenhöhlen oder besonders weichen Haustierdecken nichts.

Auf meinem Sessel verbringe ich viel Zeit. Dort döse ich vor mich hin und warte, bis es das nächste Futter gibt. Ich könnte auch eines der Mäuschen angeln, die auf dem Komposthaufen herumlaufen – aber wozu die Mühe, wenn mein Mensch mir mundgerechte Häppchen in den Napf tut? Mein Mensch sagt, ich sei faul und gefräßig. Und dass ich mich mehr bewegen soll. Dabei bewege ich mich regelmäßig! Vom Sessel zum Napf und wieder zurück. Manchmal setzt mich mein Mensch dann einfach nach draußen vor die Tür. Das ist eine unglaubliche Tierquälerei und ich überlege jedes Mal, ob ich mir einen anderen Menschen suchen sollte. Einen, der mich besser versteht… Ich drehe dann eine Runde ums Haus und setze mich beleidigt vor die Terrassentür. Bis mein Mensch mich wieder hinein lässt und ich zurück auf meinen Sessel darf.
Es war ein hartes Stück Arbeit, ihr klar zu machen, dass ich einen eigenen Willen habe. Ich sehe auch dann noch in der Küche nach dem rechten – und nach eventuell herumliegendem Futter, wenn sie mir hundertmal sagt, dass ich dort nichts zu suchen habe. Manchmal versucht sie dann sogar mit mir in meiner Sprache zu kommunizieren und faucht mich an. Nun ja, eher bemitleidenswert, aber eine nette Geste.

Mein Mensch behauptet, ich habe den sechsten Sinn. Keine Ahnung, was sie damit meint. Vielleicht, dass ich immer rechtzeitig zur Seite springe, wenn sie mit dem Auto um die Ecke braust? Oder weil ich mich schon im Keller verstecke, lange bevor sie weiß, dass es ein Gewitter gibt? Vielleicht aber auch, weil ich merke, dass sie mich in manchen Momenten einfach braucht. Wenn sie traurig auf dem Sofa liegt, kuschel ich mich auf ihren Bauch. Dann krault sie mir wie damals zwischen den Ohren und ich bin froh, dass wir uns gefunden haben.


Kommentar von Berthild Lorenz

Wie sich doch die F(a)elle ähneln ... Deckungsgleichheit gibt es eben doch ...

Eingetragen am: 06.09.2009

Kommentar von Liliana-Louisa

Eine liebenswerte Geschichte mit Schmunzeleinlagen.

Eingetragen am: 21.08.2009

Kommentar von Audrey81

Hallo Claudia, süße kleine Geschichte. Ich bin zwar keine Katzennärrin, aber du hast alles so schön beschrieben, dass ich jetzt wünschte, ich könnte jemanden zwischen den Ohren kraulen. Liebe Grüße, Audrey

Eingetragen am: 11.08.2009

Kommentar von Lillilu

Die Katzen laufen allen Haustieren den Rang ab! Und sie haben es verdient. Diese hier ist etwas faul, gar nicht wie mein Watson, aber liebenswert und der Text ist auch mit Liebe geschrieben. LG Lillilu

Eingetragen am: 11.08.2009

Kommentar von putzi

Liebe Claudia. Mit Schmunzeln las ich, wie Dein Kater seinen Menschen erzieht. Ja, la, Katerchen hat es nicht leicht mit dem Hauspersonal! Dem kann ich nur beipflichten, gehöre ich doch auch zur Dienerschaft. Herzliche Grüße, putzi

Eingetragen am: 11.08.2009

Kommentar von Ursula Menzel

Hallo Claudia, in Deiner Geschichte spürt man, wie Du Dich in Deine Katze hineinversetzen kannst. Eine sehr hübsche Katzengeschichte Gruß Ursula

Eingetragen am: 11.08.2009

Eingetragen am: 10.08.2009 von Gabi E.
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2882

Die Schwarze Witwe

„Ich bin eine S-warze Witwe“, lispelte sie. Und kniff die Augen zusammen. Und den Mund. Um so gefährlicher zu wirken. Giftiger. Dazu hatte sie ihre sechs Beine hoch aufgerichtet, so hoch es ging. Der Leib - kaum stecknadelgroß - bebte. Frau Salomon stutzte. Sie beobachtete das winzige Spinnchen neben ihrem Badezimmerspiegel schon seit ein paar Minuten. Wie ein Vorbote des Sommers war es ihr vorgekommen. So winzigklein, so zart. Die langen Winterwochen hatte sie keine Spinne gesehen. Freilich, sie hatte sie auch nicht vermißt. Frau Salomon fürchtete sich vor Spinnen. Aber nicht vor so kleinen. Und so hatte sie das Tier mit liebevollem Interesse betrachtet, nachdem sie sich gerade die Zähne geputzt hatte.

Sie dachte im ersten Moment an eine Sinnestäuschung. Das Tier konnte doch nicht sprechen. Da hörte sie es wieder. „Ich bin eine S-warze Witwe.“ Sehr leise, aber doch deutlich vernehmbar. Die kleine Spinne sprach. Und sie lispelte! Frau Salomon war in gleicher Weise schockiert und gerührt. Spinnen konnten nicht sprechen. Zumindest nicht in einer für Menschen verständlichen Weise. Frau Salomon – sie hatte gerade die Sechzig überschritten - kamen die seltsamsten Gedanken. Konnte das ein Anzeichen für diese schreckliche Alzheimer-Krankheit sein? Wenn man Stimmen hörte, war man doch entschieden nicht mehr normal, dachte sie und schauderte. Sie hatte sich heute nur diesen einen kleinen Cognac gegönnt. So wie jeden Abend. Daran konnte es nicht liegen.

Da hörte sie es wieder: „Ich bin eine S-warze Witwe, ich kann Dich töten!“ Frau Salomon schob alle Überlegungen über eine Erkrankung beiseite und murmelte: „Spinnen können nicht sprechen...“ „Dummes Zeug“, zischte es. „Warum sollten wir nicht sprechen können. Ich warne Dich nur noch ein einziges Mal: Ich bin eine S-warze Witwe.“ Von einer Sekunde auf die andere fand Frau Salomon nichts mehr dabei, sich mit der Spinne zu unterhalten. „Du bist keine Schwarze Witwe. Die gibt es bei uns nicht. Du bist ein süßes kleines Spinnchen. Warum solltest Du mich töten wollen?“ – Stille.

Frau Salomon war sofort wieder in der Wirklichkeit. Welcher Wirklichkeit? – Mein Gott, sie hatte eben zu einem Spinnchen an der Wand gesagt: „Du bist keine Schwarze Witwe.“ Sie sollte wohl endlich zu Bett gehen, es war spät. Sie trat vom Spiegel zurück, lächelte in sich hinein und wollte eben das Licht ausmachen, als sie – sehr leise – die Worte hörte: „Du bist gemein!“ Frau Salomon atmete tief durch. Schluckte und blickte zum Spiegel. Zur Spinne. „Du bist so gemein.“

„Ich bin nur nicht groß genug. Aber ich bin trotzdem giftig. Ich könnte niemals Deine Haut durchbeißen. Ich weiß. Was habt ihr auch so eine dicke Lederhaut, ihr Menschen! Ich lisple. Ja. Das kommt noch dazu. Ich bin winzig klein. Ja, ja, ja. Weiß Du eigentlich, daß ich zu klein geraten bin, daß die anderen alle größer sind? Wenn man dann auch noch lispelt... Ach, du hast ja keine Ahnung!“

Frau Salomon hörte dem Spinnchen schweigend zu. Sie lachte nicht ein einziges Mal. Sie hatte das Gefühl, der Schmerz des kleinen Tiers drücke ihr Herz wie in einem Krampf zusammen. Sie suchte lange nach den passenden Worten. Dann sagte sie: „Du bist keine Schwarze Witwe. Aber Du hast eine wunderbare Gabe. Du kannst sprechen. Du kannst zu uns Menschen sprechen...“ Da fiel ihr das Spinnchen mit tränenerstickter Stimme ins Wort: „Du Närrin, das können wir doch alle. Ihr seid es, die ihr uns nicht versteht...“


Kommentar von Gabi E.

Ups, habe ich mich wieder mit der Zahl der Beine vertan? 8 sind´s, was? Ich kann´s mir einfach nicht merken. Danke für den Hinweis.

Eingetragen am: 12.08.2009

Kommentar von Lillilu

Ich bin begeistert! Ein wunderbarer Text. Aber was wurde aus den fehlenden zwei Beinchen der kleine Spinne? Von Haus aus haben sie ja alle acht.

Eingetragen am: 11.08.2009

Kommentar von Ginko

Gut, gut! Die spinnende Frau Salomon benötigt irgend ein Wesen, das zu ihr spricht. Dafür ist jedes Phantasiegeschöpf geeignet, mag es aussehen, wie es will, warum nicht ähnlich einer schwarzen Witwe. Was aber hier spricht, kann äußerlich betrachtet keine Spinne sein. Bitte schlag mal nach in einem Biologiebuch! Stirnrunzelnd, Ginko.

Eingetragen am: 11.08.2009

Eingetragen am: 10.08.2009 von Karin
[ Lesezeichen ]

2865

"Ich werde dich verlassen!" Muss Frauchen denn so schreien; gerade war ich so selig auf Herrchens Schoß eingeschlummert. Herrchen hebt kurz seinen Blick vom Buch, hört einen Moment auf, meinen Kopf zu kraulen: "Ich bin nicht taub." Immer cool, dieser Mensch. Durch nichts zu erschüttern. Schon liest er weiter, fährt mit dem Streicheln fort. Ich schnurre vor Behagen.
"Sieh mich an, wenn ich mit dir rede!“
„ …“ Ihr Keifen ist ihm keinerlei Reaktion Wert. Toll! Das muss ich mir merken. Ich bewundere ihn.
"Rede mit mir!"
"Was soll ich dir sagen? Überleg es dir noch einmal? Bleib bei mir?"
"Frag mich! Frag mich, warum ich dich verlassen will."
"Du wirst dich verliebt haben. In einen schwärmerischen Mann, der dir Zärtlichkeit gibt. Die du bei mir vermisst. Ist es nicht so? - Nicht, Musch, du vermisst keine Zärtlichkeit." Jetzt schaut Frauchen zu mir herüber, gleich wird sie flennen. Sehe ich etwa Eifersucht in ihren Augen? Na ja, Grund dazu hätte sie ja. Wie der mich streichelt.
„Du bist ein Scheusal! Ich hasse dich!" Jetzt weint sie wirklich, dreht sich um und rennt aus der Tür.
Die sind wir los. Herrchen, mach weiter! Was ist denn mit dir? Lass dir doch die Stimmung durch die nicht vermiesen. Ich bleib ja bei dir. Aua, nicht so fest. Du tust mir weh, ist denn deine Hand ein Schraubstock? Miau, mi…


Kommentar von Lillilu

Wunderbar das Thema Eifersucht von der Warte der Katze beschrieben. Er wird sie doch nicht etwa am Schluss..., der Verräter?

Eingetragen am: 10.08.2009

Eingetragen am: 10.08.2009 von Mara
[ Lesezeichen ]

2853

Ich liebe die Menschen und womit danken sie es mir?
Mit Mord und Totschlag.

Trotzdem kann ich nicht anders, sie ziehen mich magisch an. Ihre weiche, warme Haut, ihr Duft, so vielversprechend. Dafür gehe ich jedes Risiko ein.
Mein Vater sagt immer, Mädchen, nimm dir ein Beispiel an deinen Brüdern, die halten sich von den Menschen fern, die sind vernünftig. Von wegen vernünftig, Schieß haben die, die faulen Langweiler. Das Leben ist zu kurz, um es nicht in vollen Zügen zu genießen. Wer immer nur brav zu Hause bleibt, erlebt doch nichts. Verspürt nicht den Rausch, der mich erfüllt, wenn ich es geschafft habe mich mit den Menschen zu verbinden, ohne dabei mein Leben zu lassen. Ach, was wissen meine Brüder von Leidenschaft und Extase.

Da halt ich mich lieber an meine Mutter. Sie hat mir gezeigt, wie es geht. Du mußt nur den richtigen Zeitpunkt abpassen, am besten klappt es abends oder in der Nacht, da sehen die Menschen nicht so gut.

So harre ich seit Studen in meinem Versteck aus. Der köstliche Duft shweißnasser Menschenhaut steigt mir in die Nase und versetzt mich in helle Aufregung, aber ich muss noch ein wenig warten. Der Angriff muss plötzlich erfolgen. Ich lausche auf die regelmäßigen Atemzüge. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen. Ich breite meine Flügel aus, schwebe herab, steche zu und trinke, trinke.

Berauscht und schwer vom Menschenblut fliege ich zurück in die dunkle Nacht.


Kommentar von Bärbel

Ganz richtig... die Moral von der Geschicht: Wer nichts wagt, gewinnt auch nicht : ) - und dann auch noch so genussvoll. Ob ich nach dieser Geschichte noch eine Stechmücke zerquetschen kann...? LG Bärbel

Eingetragen am: 13.08.2009

Kommentar von Audrey81

Hallo Mara, ich mag Mücken nicht besonders, aber deine Mücke war mir auf anhieb sympatisch. Sehr schön geschrieben. Liebe Grüße, Audrey

Eingetragen am: 11.08.2009

Kommentar von Hadassa

Hallo Mara, ach ja, die Mücken. Wer wird von ihnen in dieser Zeit nicht geplagt. Eine nette Geschichte. lg Hadassa

Eingetragen am: 11.08.2009

Kommentar von Charis

Hallo Mara, haben wir beide zuviele unruhige Sommernächte verbracht oder zuviele Vampirfilme gesehen? Ich mag die Verachtung gegenüber den Brüdern - was wissen die schon... Gruß Charis

Eingetragen am: 10.08.2009

Eingetragen am: 10.08.2009 von Ursula Menzel
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2852

Du Tier

Kimberley – aus dem Leben einer Husky-Schäferhündin

Warum nur musste mir so etwas passieren! Da stand eines Tages eine junge Frau vor mir. Ja, ich erinnere mich noch genau an sie. Sie suchte für ihren Mann ein besonderes Geschenk. Zuerst wanderte ihr Blick unschlüssig von einer Box zur andern. Offenbar machten wir ihr die Wahl nicht leicht, denn jeder von uns war ein hübscher kuscheliger Welpe – einfach zum Liebhaben.
„Diese da ist die Chefin im Rudel.“ Der Verkäufer deutete auf mich. Das schien der jungen Frau zu gefallen. Zugegeben, als jüngste von sieben Geschwistern hatte ich früh gelernt, mich durchzusetzen. Ich beobachtete, wie die junge Frau dem Händler ein paar Geldscheine hinüberreichte. Und ehe ich mich versah, ging ich in ihren Besitz über – einfach so wie eine Ware. Warum hatte sie ausgerechnet mich gewählt? Dabei bin ich nicht einmal reinrassig. Meine Mutter ist eine Schäferhündin mit rehbraunen Augen und mein Vater ein Sibirien-Husky. Seine Augen sind stahlblau und sein Blick muss umwerfend gewesen sein. Ich hatte von beiden geerbt: ein braunes Auge von meiner Mutter und ein blaues von meinem Vater.
Also wurde ich zum „Kindersatz“ dieses jungen Ehepaares, obwohl ich noch gerne bei meiner Mutter geblieben wäre. Wie sehr vermisste ich ihr warmes Fell, an das ich mich so gerne gekuschelt hatte. Dafür bekam ich jetzt einen mit weichen Kissen ausgestatteten Hundekorb. Meine neuen Eltern gaben mir den Namen Kimberley. Jetzt war ich kein namenloses Wesen mehr.
Der Mann legte mir ein Halsband um, an dem er eine Leine befestigte. Diesen Schmuck mochte ich ganz und gar nicht. Immer nur dort hingehen, wo meine Menschen es wollten, das passte nicht zu einem freiheitsliebenden Wesen wie mich. Im Auto wurde ich an einem Gurt festgemacht. Sicherheitsvorschrift nannten meine Menschen das. Ich empfand es als Freiheitsberaubung. Sie führten mich ihren Freunden und Verwandten vor. Es gab immer jemanden, der mich auf den Arm nahm, meine zwei verschiedenen Augen bewunderte, und mit einem „Ach, ist die aber süß“ wieder auf den Boden setzte.

Die erste Schreckensnacht erlebte ich Sylvester. Laute Musik und Gelächter drang an meine Ohren. Das Schlimmste aber waren die Böller und Raketen, die mit großem Knall und Feuerschweif vor meinen Augen in die Luft zischten. Für mich war es wie ein Weltuntergang. Ich verkroch mich in die hinterste Ecke und wäre fast vor Angst gestorben. Die Angst vor Knallerei habe ich nie verloren.
Ein paar Tage später fuhren meine Menschen mit mir in den Winterurlaub. Wie herrlich war es, wenn meine Beine bis zur Brust im Schnee versanken. Hier hatte ich Natur pur. Diese unbändige Sehnsucht nach Freiheit hatte mir mein Vater vererbt. Ich liebte es, wenn dichte weiße Flocken vom Himmel fielen und sich auf meiner Nase türmten. „Könnten wir doch für immer hier bleiben“, wünschte ich mir.
Der Urlaub ging zu Ende und meine Menschen mussten wieder zur Arbeit. Sie erfüllen eben ihre Pflicht im Berufsleben und das muss ein Welpe doch verstehen – oder? Ich habe es nie verstanden. Meine Menschen gingen also morgens aus dem Haus und ich war mutterseelenallein – eingesperrt im Korridor. Wussten die Menschen nicht, dass man einen jungen Hund, wie ich es war, nicht stundenlang alleine lässt dazu eingesperrt auf engstem Raum? Ich begann wie ein Wolf zu heulen, kratzte an der Tapete und biss in meiner Verzweiflung in die Beine des neuen Schuhschrankes. Irgendwie musste ich mich aus der Enge befreien. Plötzlich klopfte es laut an die Tür und eine Männerstimme rief: „Ruhe da!“ Nein, es war nicht die Stimme meines Herrchens. Die fremden Schritte entfernten sich wieder und hinterließen in mir eine furchtbare Angst. Als Herrchen abends Tapetenfetzen auf dem Boden liegen sah, und die Spuren meiner Zähne am Schuhschrank entdeckte, schüttelte er mich kräftig hin und her, sodass mir ganz schwindelig wurde. Er reagierte immer spontan, so aus dem Bauch heraus. Auch Frauchen rief entsetzt: „Was ist denn hier passiert!“ Sie beugte sich zu mir herunter: „Du bist ein Miststück!“ Ängstlich kauerte ich in meiner Ecke und dachte: „Warum sind die Menschen plötzlich so unfreundlich zu mir? Was habe ich ihnen nur getan?“

Der Flur wurde neu tapeziert und die Schrammen am Schuhschrank mit Möbelpolitur beseitigt. Natürlich hielt es mich nicht davon ab, in einsamen Stunden erneut die Tapete von der Wand zu kratzen, worauf mich meine Menschen wieder fürchterlich beschimpften. Warum konnten sie nicht begreifen, dass ich als Rudeltier mit jeder Faser ihre Gemeinschaft suchte? So blieb jede Rüge ohne Wirkung. Wenn meine Menschen nach Hause kamen, suchte ich gleich meine Zufluchtsstätte auf. So war ich vor ihrem Zugriff sicher. Konnte ich ihnen noch vertrauen? Aus meinen Erfahrungen mit ihnen hatte ich gelernt: „Komme niemals einem Menschen zu nahe.“
Eines Tages kam ein Brief vom Vermieter. Frauchen las die Zeilen und sah mich dann ganz traurig an. „Was machen wir nur mit dir?“
Jetzt las auch Herrchen den Brief. Wütend warf er ihn auf den Tisch. „Wenn du die Töle nicht erziehen kannst, haben wir bald eine Räumungsklage am Hals.“ Frauchen fuhr aus dem Sessel hoch. „Du wolltest doch den Hund, oder?“
„Ja, ich wollte einen Hund der wachsam ist und nicht so einen, der wie ein Wolf den ganzen Tag heult, dass sich die Nachbarn beschweren.“
Für meine Menschen war ich nun ein hoffnungsloser Fall. Über eines waren sie sich bald einig. „Der Hund muss aus dem Haus.“

Eines Tages fuhren sie mit mir im Auto eine lange Strecke. Vor einem Gebäude mit einer hohen Mauer hielten sie an. Herrchen öffnete die Heckklappe. Ich sprang hinaus und streckte meine Nase in den Wind. Hundegebell drang an meine Ohren. Es mussten viele Hunde sein, die da kläfften oder jaulten. Sie gingen mit mir einen Gang entlang. Rechts und links befanden sich Gittertüren, hinter denen sich jeweils ein oder mehrere Hunde befanden. Auch sie waren sicher einmal als „geliebte Hausgenossen“ angeschafft worden. Ich ahnte nichts Gutes. In der Tierannahmestelle wurden die Formalitäten erledigt. Ich beobachtete meine Menschen und spürte, dass ich mich nun für immer von ihnen verabschieden musste. Eine Tierpflegerin führte mich hinter einer dieser Gittertüren. Ich war an diesem Tag gerade neun Monate alt. Ich sah durch die Gitterstäbe wie sich Frauchen mit einem Taschentuch die Augen wischte. Offenbar fiel auch ihr der Abschied nicht leicht. Warum nur haben mich meine Menschen weggegeben? Dabei wollte ich ihnen doch ein treuer Hund und guter Begleiter sein. Und ganz sicher wäre ich es auch wenn, ja wenn sie gewusst hätten, wie man mit einem jungen Hund umgeht. Oder hätten sie sich besser die Frage gestellt: „Passt ein Hund zur Zeit in unser Leben?“
In den nächsten Wochen und Tagen sah ich viele Menschen an meiner Tür vorbei gehen. Und eines Tages öffnete sich dieses wieder für mich. Wieder waren es zwei Menschen, die mich mitnahmen. Für sie bin ich weder „Kind-Ersatz“ noch ein „besonderes Geschenk“. Ich lebe als Hund in ihrer Gemeinschaft. Das macht mich glücklich und sicher auch meinen Menschen. Sie fahren mit mir ins Hunde-Auslaufgebiet und ich darf mit meinen Artgenossen spielen und glücklich sein. Ich bekomme keine Schelte mehr, und ganz allmählich gewinne ich wieder Vertrauen zu den Menschen. Mit viel Geduld, Bachblüten-Therapie und Tellington-Touch konnte ich meine Ängste in Grenzen halten. Sogar das Alleinsein habe ich mit Hilfe meiner neuen Menschen weitgehend gelernt. Seit dem weiß ich, dass ich kein hoffnungsloser Fall bin, sondern das, was ich immer sein wollte, ein liebenswerter und treuer Begleiter.


Kommentar von Mara

Hallo Ursula, Deine Geschichte ist sehr einfühlsam geschrieben. Ich rege mich immer fürchterlich auf, wenn Menschen sich keine Gedanken darüber machen, was es heißt, ein Tier zu besitzen. Liene Grüße Mara

Eingetragen am: 10.08.2009

Eingetragen am: 09.08.2009 von Frog
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2849

Endlich allein! Die anderen haben ein Melone aufgespürt und sind von dannen geschossen, um sie zu plündern. Ich bin satt, der Kopf steht mir nicht nach Beute. Ich putze meine Krallen und recke mein Haupt dem Licht entgegen. Die Sonne steht genau richtig für ein Bad. Ich sause aus meinem Versteck über den Kiesel, gleite wie im Flug über die staubigen Rosmarinäste und klettere hinauf auf meinen Stein. Wundervoll, diese Wärme zu spüren! Mein Leib erwacht im Bad der Strahlen, die mich durchdringen und das Leben zurück in meine Zellen pumpen. Jede einzelne Schuppe spüre ich. Am liebsten möchte ich tanzen zum Gesang der Zikaden. Mein Stein ist so wohlig heiß, ich flitze hinauf bis auf seine Spitze, sie ist mein Thron und ich schaue auf unser Revier, in dem ich lebe mit den Mädels. Jetzt, wo die Paarungszeit vorbei, sind wir endlich wieder unter uns. Ich genieße das. Aber noch mehr genieße ich jetzt die Ruhe, und die Sonne. Bis sich ein Schatten vor meine Augen schiebt!
„Sargantana!“, ruft der Schatten. „bleib!“ Ich zucke zusammen. „Husch nicht wieder so schnell davon, meine Schöne. Bleib ein Weilchen! Ich will dich zeichnen, wie du da oben thronst und schillerst wie eine Königin!“
Die Worte schmeicheln mir. Ich stelle mich in Positur. Der Schatten summt leise eine Melodie, ein Stift kratzt über das Papier. Ich bin schön! Ich bin eine Königin! Und jetzt werde ich auch noch gezeichnet! Vielleicht werde ich bald berühmt? Das muss ich sofort den anderen erzählen...


Kommentar von frog

Freut mich, dass ich Ginko so schön inspirieren konnte. Die Verben passen alle sehr gut. Und: Sargantana sagt man auf den Balearen zu Eidechse - sie sind zauberhaft...:-) Grüße

Eingetragen am: 12.08.2009

Kommentar von Lillilu

Eine Auszeichnung für deinen sommerheißen, schönen Text und eine Medaille für Ginkos fette Vokabelgabe.

Eingetragen am: 11.08.2009

Kommentar von Audrey81

Hallo Frog, dein Text hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich erst durch die Kommentare der anderen erfahren habe, um welche Art Tier es sich handelt. Ich wünschte auch ich könnte jeden Tag die Sonne so sehr genießen. Liebe Grüße, Audrey

Eingetragen am: 11.08.2009

Kommentar von Ginko

Liebe Frog, die Empfindungen der Eidechse lässt Du ahnen, indem Du ihr Verhalten schilderst. Du schlüpfst in sie hinein und zeigst die Welt (eine Ecke Katalaniens?) aus ihrer Sicht. Einige Ausdrücke reiben sich etwas an meinem Wunsch, mit zu fühlen. Gängigerweise wird "von dannen" mit "ziehen" vergesellschaftet, was zwar Eile bedeutet, doch weniger energiegeladen als "schießen". Sicher fällt es schwer, die schussartigen Bewegungsabschnitte treffend wieder zu geben. Da ich ausgiebig Gelegenheit habe, Eidechsen zu beobachten, werfe ich mal einfach auf einen Haufen, was mir noch zu ihnen einfällt: aalen, äugen, blinzeln, dehnen, dösen, drohen, ducken, erstarren, fächeln, fauchen, federn, fließen, glänzen, gleiten, glitzern, graben, greifen, hangeln, huschen, jagen, klammern, klappen, klettern, kneifen, knicken, knipsen, krümmen, lauern, neigen, nicken, pendeln, pirschen, rascheln, rollen, ruhen, rutschen, schillern, schlängeln, schleichen, schlingen, schlucken, schlüpfen, schnalzen, schnappen, schnellen, schrecken, schwänzeln, spannen, spurten, starren, stemmen, stöbern, sträuben, strecken, stürzen, stützen, tänzeln, tappen, tarnen, tippen, treteln, tupfen, verharren, verstecken, vibrieren, werfen, wiegen, winden, winken, wippen, wischen, zappeln, zielen, zischen, zittern, züngeln, zustoßen, zwacken, zwicken, zwinkern. Den Stift würde ich auf dem Papier nicht "kratzen" lassen, sondern "schaben, streichen, ziehen". Sonnig, Ginko.

Eingetragen am: 10.08.2009

Kommentar von Mara

Hallo Frog, wie du das Sonnenbad beschreibs hat mir richtig gut gefallen, deine Eidechse kann ich nur beneiden Liebe Grüße Mara

Eingetragen am: 10.08.2009

Kommentar von putzi

Hallo Frog. Du schreibst bestimmt von einer Eidechse. Doch haben die Namen wie Hautiere und träumen vom Ruhm? Egal, des Dichters Freiheit ist unbegrenzt und deshalb bekommst Du auch ein Lob von mir. Viele Grüße, putzi

Eingetragen am: 10.08.2009

Eingetragen am: 09.08.2009 von Ro McGer
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2848

Das Thema ist der eine Horror für mich. Ich hatte schon gekaufte Bücher zur Seite gelegt und nie wieder angesehen, weil mir deren Vermischung von Tier und Mensch nicht gefiel. Tiere mit menschlichen Eigenschaften oder Menschen mit normalen tierischen Eigenschaften sind eben nicht meine Welt. Was will der jeweilige Autor beweisen? Das Tiere die besseren Menschen sind? Bei Filmen ist es noch schlimmer. Der Planet der Affen besitzt keinerlei Aussicht, je von mir zu ende angesehen zu werden. Irgendwie muss ich diese Aufgabe auch mal zu Ende bringen. Täglich die Datei zu starten und dann den Bildschirm blöd anzuschauen, ist keine sinnvolle Beschäftigung. Ich könnte ja auch etwas wichtiges tun, zum Beispiel meine Hemden bügeln. Dann starre ich doch lieber auf den Bildschirm. Hemden kann man schließlich auch ungebügelt tragen.

Es hatte mir doch jemand angedroht, ich müsste nach der Wiederauferstehung als Darmbakterie leben. Aus der Sicht einer Darmbakterie erscheint mir alles einfach und übersichtlich. Es ist immer dunkel um mich herum. Ich habe keinen Wach- und Schlafzyklus. Ich bin immer wach und spalte die an mir vorbei strömenden Lebensmittel, dann kann mein Wirt die Bestandteile leichter aufnehmen. Wir Darmbakterien führen keine Kämpfe um die Weibchen, entweder kommen sie vorbei oder sie lassen es bleiben. Deshalb fallen auch die Revierkämpfe aus. Trotzdem ist das Leben im Darm nicht immer so harmonisch. Ab und zu ist der Nahrungsbrei die reinste Giftbrühe. Unseren Wirt scheint es nicht so richtig interessieren. Entweder kommen ein paar Tabletten oder ein Kräuterlikör vorbei geschwommen, die aber auch nicht immer das „Gelbe vom Ei“ sind. Entweder hat er den Beipackzettel nicht richtig gelesen oder er hat zu intensiv auf die schöne Nachbarin gehört. Dann kann ich nur noch trauernd den Brüdern und Schwestern hinterher schauen, die sich nicht mehr halten konnten und den Weg allen Irdischen genommen hatten. Im schlimmsten Falle endet der Nahrungsbrei und mit ihm jegliche Bewegung unseres Wirts. Dann stellen wir uns die Frage, als was wir dann wieder auferstehen. Hoffentlich nicht als Schriftsteller, in dessen Leben mangelt es so an Anerkennung und wir würden am Anfang der Nahrungskette stehen.


Kommentar von Ro McGer

Hallo Putzi, es stimmt, ich persönlich hatte nie Tiere, meine Kinder schon, deshalb kenne ich so viele Parkplätze von Tierarztpraxen. Einmal ist der Heilige Abend fast ausgefallen. Während andere am Abend ihr Bäumchen illuminierten, stand ich auf Glatteis vor der Tür des Tiernotdienstes, natürlich ohne Standheizung. Nach meiner Definition sind Einzeller auch Tiere. Da fällt mir die Sache mit den Atomen aus meiner Schulzeit ein. Das Atom heißt auf deutsch „das Unteilbare“ und besteht aus einem Kern und einer Hülle. Man kann Elektronen abspalten (siehe Taschenlampe) und man kann Neutronen abspalten (siehe Neutronenbombe). Ob man die Prositronen auch abspalten kann, habe ich vergessen. So geht es mir auch mit den Einzellern, diese bestehen in der Realität doch auch aus mehreren Bestandteilen. Zum Beispiel einen Zellkern, den sie zur Vermehrung benutzt. Einem Bandwurm gegenüber habe ich immer unbewusst Schuldgefühle. Es ist doch die unfaire Aktion gegen Bandwürmer ausreichend bekannt. Zehn Tage isst man mittags nur immer einen Keks und eine Banane. Am elften Tag lässt man die Banane weg. Wenn er raus guckt und fragt „Wo bleibt meine Banane?“, dann herzhaft zugreifen und ziehen. Unter diesen Umständen erschien mir die Darmbakterie als die günstigere Alternative. Da muss ich wohl wieder den Kopf zwischen die Schultern ziehen. Beim Schreiben des originalen Beitrags ist mir nur die Werbung mit der „schönen Nachbarin“ eingefallen. Aktimel ist glatt vorbeigegangen. Und das bei meinem Alter ...

Eingetragen am: 11.08.2009

Kommentar von putzi

Lieber Ro McGer. Du scheinst keine Haustiere zu haben, sonst fiele Dir die Aufgabe auch nicht so schwer. Deine Idee über Darmbakterien zu schreiben, finde ich echt witzig. Darauf einen Aktimel! Leider sind Bakterien keine Tiere, sondern Einzeller. Um die Aufgabe zu lösen, hättest Du besser über einen Bandwurm schreiben sollen. Viele Grüße, putzi

Eingetragen am: 10.08.2009

Eingetragen am: 09.08.2009 von Audrey81
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2847

Freddy

Sie nervt! Sie nervt mich total!
Gestern kam sie hier einfach hineingescheit. Mit einem großen Kasten an der Hand, stand sie plötzlich in der Tür. Meine große Freundin, bei der ich wohne, hatte sich erst sehr gefreut. Sie fing laut an zu kreischen, was sie sich wohl bei mir abgeguckt hatte und breitete dann ihre ungefederten Flügel aus. Doch sobald sie den Neuankömmling in die nackten Flügel geschlossen hatte, veränderte sich ihr Gesichtsausdruck. Das strahlende Lächeln, das eben noch ihr Gesicht erhellt hatte, verschwand. Stattdessen erscheinen Sorgenfalten auf ihrer Stirn. Sie war traurig. Und egal was sie traurig machte, dieses etwas konnte ich nicht leiden.
Aber das alles ist nicht der Grund, warum ich so genervt bin. Seid dem wir den Besuch bekommen haben, ist alles anders. Seid gestern bin ich hier nicht mehr herausgekommen. Seid gestern, beachtet mich meine große Freundin überhaupt nicht mehr. Nur ganz kurz hatte sie mir eine Schüssel mit diesen langweiligen Körnern gegeben, die ich sonst eigentlich nur dann bekomme, wenn ich mal wieder etwas angeknabbert hatte, was ich nicht durfte. Aber ich hatte gar nichts angeknabbert. Ich habe gar nichts falsch gemacht. Warum werde ich dann bestraft?
Das ist alles nur ihre Schuld. Dieser „Odrey“, so nannte meine große Freundin sie, würde ich gerne mal die Haare zerzausen. Vielleicht würde sie dann endlich mal aufhören zu heulen. Sie weinte und schluchzte fast unaufhörlich. Ihre großen braunen Augen waren schon ganz blutunterlaufen. Und wenn sie sich dann mal für einen kurzen Moment beruhigt hatte, kam immer der gleiche Laut aus ihrem komischen Schnabel „Kris“. „Kris“ hier „Kris“ da, „Kris“ überall. Und bei jedem „Kris“ fing Odreys Körper erneut an zu beben, woraufhin sich der nächste Schwall von Tränen, seinen Weg durch ihr blasses Gesicht bahnte.
Den ganzen Tag und den ganzen Abend hatte meine Freundin mit Odrey in der Küche verbracht. Sie hatten viel geredet und sehr viel rote Flüssigkeit getrunken. Da ich von Natur aus neugierig bin und leider gar nichts dagegen tun kann, lauschte ich ihren Worten und schloss für eine Weile meine Augen. Ich öffnete sie erst als meine Freundin mit veränderter Tonlage sprach „Du musst Kris jetzt endlich vergessen. Du solltest den Kontakt komplett abbrechen. Du hast schließlich auch noch andere Freunde“ Meine Freundin klang setzt nicht mehr tröstend oder aufmunternd. Sie klang eher energisch. Daraufhin sprang Odrey von ihren Stuhl und schrie meine Freundin Wut entbrannt an „Weißt du eigentlich was es heißt verliebt zu sein? Glaubst du denn nicht, ich hätte schon alles versucht, um ihn aus meinen Kopf zu bekommen? Denkst du wirklich das alles wäre so einfach wie du sagt?“ Auch meine Freundin hatte sich nun von ihrem Stuhl erhoben. Sie standen sich gegenüber und waren beide zu tiefst enttäuscht. Das konnte man an ihren Augen sehen. Mit den Worten „Ich gehe jetzt zu Bett.“ ging meine Freundin in ihr Zimmer und Odrey blieb allein zurück.
Es ging also schon die ganze Zeit um die Liebe. Auch ich hatte einmal einen Partner gehabt mit dem ich mir dieses zu Hause geteilt hatte. Aber er war krank geworden und vor kurzem, hat er mich dann für immer verlassen. Ich wusste was Liebe ist, denn ich hatte meinen Eddy sehr geliebt und ich vermisste ihn schrecklich. Odrey war es schuld, dass ich immer noch keinen neuen Partner hatte. Denn als sie so überraschend hier aufgetaucht war, wollte meine große Freundin eigentlich zu Mr. Smizz fahren, dem Mann mit den vielen Papageien.
Als hätte sie meine Gedanken hören können, kam sie jetzt plötzlich auf mich zu. Vor meiner Voliere blieb sie stehen. „ Hi Freddy. Sam hat uns gar nicht bekannt gemacht. Ich bin Odrey.“ Am liebsten würde ich ihr das Wort „Heulsuse“ an den Kopf schmeißen, aber ich wusste, wenn meine Freundin davon Wind bekommen würde, gab es für mich wieder nur diese blöden Körner zum futtern. Also blieb ich still, aber Odrey sprach weiter „ Weißt du Freddy, ich glaube wir haben gerade viel gemeinsam. Du fühlst dich bestimmt genauso wie ich. Eingesperrt und einsam. Was meinst du, soll ich dich mal für eine Weile frei lassen? Ich glaube Sam hat dich meinetwegen heute ein wenig vernachlässigt.“ „Ein wenig“ ist wohl etwas untertrieben. Aber ich wollte wirklich raus und ich versuchte es ihr zu signalisieren in dem ich ihr näher kam. Odrey lächelte das erste Mal seid sie hier war und öffnete die Voliere.
Sofort breitete ich meine Flügel aus und schwang ich mich durch die Luft. Was für ein gutes Gefühl.
Odrey beobachtete mich. Sie war ganz bestimmt neidisch, dass sie keine Federn an ihren Flügeln hatte. Sie setzte sich wieder an den Küchentisch und vergrub ihr Gesicht in den Händen. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie hatte ich plötzlich Mitleid mit ihr. Ja, wir hatten so manches gemeinsam. Mit dem unterschied, dass dieser Kris wohl noch am leben war. Eddy aber nicht. Also, wenn sie ihn doch so sehr liebte und er noch am leben war, warum war sie dann hier und nicht bei ihm? Warum waren diese Wesen nur so kompliziert?
Ich landete vor ihr auf den Küchentisch und sie hob den Kopf. „Du hast bestimmt Hunger was? Von diesen komischen Körnern wird man bestimmt nicht wirklich satt. Mal schauen, was wir schönes für dich haben.“ Sie stand auf und ging zum Kühlschrank, auf dem die Obstschale stand. „ Ich wette du magst Äpfel, stimmts?“ Mit lief das Wasser im Schnabel zusammen, Äpfel waren meine Lieblingsspeise. Ich flog ihr auf die Schulter. Sie schien sich über meine Nähe zu freuen.
Nachdem sie den Apfel klein gemacht hatte, setzten wir uns gemeinsam an den Tisch. Ich ließ sie mich füttern und genoss die herrliche Frucht. Vielleicht war sie ja doch nicht so nervig, wie ich am Anfang dachte. „Kris“ krächzte ich. Odrey sah mich erschrocken an. Wusste sie etwa nicht, dass ich sprechen kann? „ Ha..Hast du gerade Kris gesagt?“ Zur Antwort wiederholte ich meinen Laut „Kris“. „Das gibt es doch gar nicht“ Odrey war völlig erstaunt. Ich fand es lustig und legte noch einen drauf „Fahren…Kris“ Odrey kräuselte die Stirn „Was willst du mir damit sagen?“ Diese Wesen waren ja noch begriffsstutziger als ich dachte „Fahren…zu Kris…zu Kris fahren“ deutlicher konnte ich nun wirklich nicht werden. „Du meinst ich soll zu Kris fahren? Ich soll zu ihn fahren und mit ihm sprechen?“ Davon hatte ich zwar nichts gesagt, aber warum nicht. Zur Bestätigung bekam sie von mir noch ein „Kris“. Ein trauriger Ausdruck lag auf ihrem Gesicht „Ich glaube darüber sollte ich erst mal eine Nacht schlafen“.
Am nächsten Morgen war Odrey wieder verschwunden und meine Freundin fuhr endlich zu Mr. Smizz.


Kommentar von putzi

Schöne Geschichte. Etwas märchenhaft zwar, aber dennoch hinreißend geschrieben. Viele Grüße, putzi

Eingetragen am: 10.08.2009

Eingetragen am: 09.08.2009 von putzi
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2846

Ausgesetzt

Möchten Herrchen oder Frauchen mit mir spielen, mich streicheln, oder Gassi gehen, dann rufen sie einfach Struppi, schon stehe ich auf der Matte.
Auch auf das Wort Gassi reagiere ich sofort. Es bedeutet aus dem Haus gehen, Duftmarken setzen können und, nicht zu vergessen, einen großen Haufen setzen zu dürfen. Nach so einer Erleichterung fühle ich mich gleich viel wohler.
Bin ich nicht ein schlaues Kerlchen, das Menschensprache so gut versteht?
Sollte das Wetter schön sein und meine Dosenöffner Zeit haben, dann darf ich noch ein paar Runden rennen, bevor es heimgeht. Meistens haben sie einen kleinen Ball dabei, der weit weggeworfen wird, damit ich ihn ganz schnell wieder einfangen kann. Dieses Spiel macht uns allen viel Spaß. Wenn ich den Ball zurückgebracht habe, will meist Herrchen mir die Beute aus dem Maul nehmen. Aber sie gehört mir, deshalb halte ich den Ball mit meinen Zähnen ganz fest und lasse ihn mir nicht so leicht wieder wegnehmen. Manchmal knurre ich gefährlich. Das gehört zum Spiel und ist nicht böse gemeint. Ich weiß ganz genau, sie verstehen mich richtig. Oft werde ich dann gestreichelt. Es sind schöne und glückliche Momente in meinem Leben.

Menschen sind ganz komische Tiere. Sie können weder bellen, noch feste zubeißen. Wenn sie laufen müssen, dann sind sie ganz langsam und immer gleich müde. Aber niemand sollte den Fehler machen sie zu unterschätzen. Für jede Fähigkeit die ihnen fehlt, haben sie Hilfsmittel unter Kontrolle, mit denen sie unangreifbar werden.
Eines davon mag ich besonders gerne. In meiner Familie heißt es Auto. Es ist eigentlich nur ein Kasten, der rundherum Löcher zum Rausgucken hat. Etwas zum sitzen ist auch noch drin, hätte ich doch beinahe vergessen zu erwähnen. Ist unsere ganze Meute in so einem Auto eingesperrt, dann fängt dieses Ding an ungeheuer schnell zu rennen. Die ganze Welt rast an uns vorbei, als würde sie vor uns flüchten. Wenn ich im Auto sitze fühle ich mich großartig und bin ungeheuer stolz darauf, dass dieser komische Kasten zu unserem Rudel gehört. Auch wenn er fürchterlich stinkt.

Es liegt was in der Luft, das wittere ich ganz deutlich. Herrchen und Frauchen sind abweisend und kühl zu mir. Es gibt kein schmusen, oder gemeinsames toben auf dem Teppich mehr. Gassi gehen, fällt auch immer kürzer aus. Kaum habe ich mein „Geschäft“ erledigt, muss ich zurück ins Haus. Dabei gibt es überall jede Menge zu erschnüffeln.
Fremde Gerüche aufzunehmen ist meine Lieblingsbeschäftigung. Ich verstehe nicht, warum kein Mensche sich daran beteiligen will. Sie ahnen ja gar nicht, was ihnen alles entgeht. Ihre Nasen stecken mitten im Gesicht, aber ob sie damit auch riechen können bezweifle ich stark.

Es wird gerade Abend und eine stinklangweilige Nacht steht mir wieder bevor. Mir bleibt gar nichts anderes übrig, als einzuschlafen. Das ständige Faulenzen macht mich sowieso sehr müde. Ach war das schön, als die Familie nicht aufhören wollte mit mir zu spielen. Doch jetzt? Na, lassen wir das. Es hat eh keinen Zweck darüber nachzudenken.

Ein leises Klicken erreicht mein Ohr. Habe ich richtig gehört? Um diese Zeit? Meine Ohrspitzen deuten in Richtung Diele. Dort kam das hoffnungserweckende Geräusch her. Ja – tatsächlich. Herrchen will mit mir Gassi gehen! Erwartungsvoll stehe ich auf, strecke ausgiebig meine Glieder und bereite mich auf den unerwarteten Ausgang vor. Mein Schwanz klopft rhythmisch. Vor lauter Freude hüpfe ich ungeduldig auf und ab. Das hat es noch nie gegeben, dass jemand aus meinem Rudel zu so später Stunde noch mit mir weggehen will, doch die Idee finde ich prima. So etwas könnten wir ruhig öfter machen.

Wir gehen zum Auto.
Also ist nicht nur ein kurzer Gang um den Häuserblock geplant.
Während unser Auto auf einem Weg entlang rennt, auf dem ganz viele dieser Blechkästen Wettbewerbe veranstalten, steigt meine Erwartung. Welche Düfte werden bald auf mich einströmen? Sind abends die gleichen Tiere unterwegs wie am Tage? Gleich kann ich es erschnüffeln.
Herrchen hat mich doch noch lieb. Würde es sonst diesen Ausflug mit mir machen?
Jetzt wird unser Auto langsamer und läuft zu einem ruhigen Platz, ganz in der Nähe der Rennbahn.

Endlich aussteigen. Mein Schwanz wedelt energisch hin und her und versetzt Herrchen ein paar Hiebe, doch solche Kleinigkeiten ignorieren wir. Jetzt geht’s gleich los.

Von wegen. Mein Rudelführer bindet mich an einen Baum fest, der nur wenige Schritte von der Autorennbahn entfernt steht. Ich bin maßlos enttäuscht und protestiere heftig. Herrchen reagiert nicht darauf, sondern läuft zum Auto. Ich werde lauter. Mit aller Kraft zerre ich an der Leine, belle so kräftig wie ich kann, doch der Kerl sieht sich noch nicht einmal nach mir um. Hastig steigt er in seinen Blechkasten ein und verschwindet.

Jetzt verstehe ich gar nichts mehr. Warum hat er das gemacht? Wieso lässt er mich alleine? Wo bin ich eigentlich? Es ist gemein mich anzubinden. Wenn jetzt ein großes Tier vorbeikommt, kann ich mich noch nicht einmal wehren. Auch weglaufen ist unmöglich. Herrchen sollte das eigentlich wissen. Ich ärgere mich über ihn, knurre gefährlich, doch bald beruhige ich mich wieder. Es kommt bestimmt gleich wieder. Wahrscheinlich hat er nur den Ball vergessen, mit dem wir immer spielen.
So dumm können auch nur Menschen sein. Es hätte mich doch mitnehmen können, um den Ball zu sucht. Ich finde das Spielzeug mit Sicherheit viel schneller. Momentan kann ich nur warten. Hoffentlich findet es den Ball schnell und muss nicht noch ewig lange suchen.

Es ist stockdunkel geworden und ich sitze hier immer noch ganz alleine rum. Langsam habe ich Angst und ein schrecklicher Verdacht schnürt mir den Hals zu. Herrchen wird mich doch nicht alleine gelassen haben, weil es nichts mehr von mir wissen will? Aber das kann nicht sein. Dazu wären meine Rudelführer niemals fähig. Wir sind doch eine Familie, die zusammen gehört!
Ich bekomme Durst und kann noch nicht einmal nach Wasser suchen. Eine kleine Pfütze würde mir schon genügen. Auch wenn das Wasser nach Erde schmeckt, würde das jetzt nicht stören. Solange ich nur meinen Durst löschen könnte, wäre ich auch damit zufrieden.
Ein leises Jaulen entrinnt meiner Kehle, dann nehme meine ganze Kraft zusammen und zerre so lange, bis Blut am Halsband herunterläuft.
Die Leine hält. Was kann ich jetzt noch versuchen? Aufrecht stehend belle ich so laut, wie ich noch nie gebellt habe und versuche Aufmerksamkeit zu erregen.
„He, ihr blöden Autorenner, wird denn keiner von euch mal müde? Warum hört mich denn keiner? Ich bin hier, gleich neben der Rennbahn und brauche eure Hilfe!“
Keine Reaktion. Eigentlich habe ich auch keine Hilfe erwartet, doch konnte und wollte nichts unversucht lassen. Mir bleibt nur noch übrig zu warten. Worauf? Ehrlich gebellt weiß ich das auch nicht so genau.
Warum holt Herrchen mich nicht ab? Hat er mich ausgestoßen?

Mein Hals tut weh und der Durst quält mich unbarmherzig. Ich schließe die Augen und hoffe, dass dieser Albtraum bald zu Ende geht. Das Fell juckt fürchterlich, die Zunge ist ganz dick geworden und mein Herz pocht so heftig, dass ich jeden einzelnen Schlag hören kann.
Egal wie, ich muss hier weg. Doch so laut ich auch belle, jaule, oder heule, niemand bemerkt mich.
Voller Panik renne ich um den Baum herum. Mit einem Ruck, meldet sich schmerzhaft die offene Wunde in mein Gedächtnis und das sinnlose Treiben wird gestoppt. Ich möchte mich setzen, doch inzwischen ist die Leine so kurz geworden, dass sie mir den Atem nimmt, wenn ich sie noch mehr spanne.
Mit Kraft der Verzweiflung, springe ich gegen das Hindernis an, drehe mich in der Luft und lande unsanft auf dem Rücken. Die Leine reißt zwar nicht, doch wenigsten habe ich jetzt wieder etwas mehr Bewegungsfreiheit gewonnen. Hechelnd sitze ich neben dem Baum. Nur gut, dass Weg für Autos direkt an mir vorbeiführt. Sowie eines müde wird und sich ausruhen will, kann ich mich bemerkbar machen. Ich muss nur aufpassen, dass keines wegrennt, bevor seine Begleiter mich vom Baum losgebunden haben.

Es ist hell geworden. Ich fühle mich müde und schwach, wie noch nie zuvor. Alles tut weh. Die Beine, der Rücken, auf den ich mit meinem ganzen Gewicht knallte, die Wunde vom Halsband und vor allem meine trockene Kehle. Ich habe Durst. Mächtig, unbarmherzig und verlangend überlagert die Vorstellung an Wasser jeden anderen Gedanken. Wenn Blätter an den Bäumen rascheln, sehe ich einen fließenden Bach vor mir und wenn die Blechkisten in meiner Nähe vorbeirennen, erinnert mich das Geräusch der Autoreifen die auf den Boden klatschen, an Wasser das über Steine plätschert. Hoffentlich kommt bald jemand vorbei, ich werde noch verrückt und bin halb wahnsinnig vor Angst.

Als sich ein Auto dem Platz nähert, wo ich angebunden bin, bemerke ich es kaum noch. Ich hatte mich bereits dem Schicksal ergeben und schon jede Hoffnung auf Rettung verloren. Erst als unüberhörbar Schritte eines jungen Weibchens auf mich zukommen, öffne ich die Augen. Durch mein Winseln möchte ich ihm zu verstehen geben, dass ich Schmerzen habe. Es muss keine Angst vor mir haben, ich beiße nicht. Jedoch wäre ich glücklich, wenn es mir etwas zu trinken bringen könnte. Ob es mich versteht? Menschen haben keine Rute an dem man ablesen kann, was sie gerade denken und fühlen. Auch ihre Ohren sind unbeweglich. Manche verstecken die Lauscher sogar unter den Haaren. Wie soll man da erkennen, ob sie überhaupt zuhören?
Das Weibchen kommt näher. Vorsichtig betastet es meinen Hals. Ich knurre leise um zu zeigen, dass seine Berührungen weh tun.
Verdammt! Mein Knurren hat es erschreckt, denn es läuft zum Auto zurück. Warum konnte ich blöder Köter bloß das Maul nicht halten?
Doch ich habe mich geirrt, denn es kommt wieder und hält etwas in der Hand, das ich nicht erkennen kann.
Jetzt kramt es in einem Behälter, in den Menschen alles Mögliche hineinwerfen.
Nun sehe und rieche ich dass das Weibchen Wasser hat!
Meine Erleichterung ist riesengroß! Wasser ist genau das was ich jetzt am nötigsten brauche.
Die Menschenfrau reinigt eine kleine Schale und bringt mir etwas zu trinken. Hastig lecke ich jeden Tropfen auf und achte nicht auf die Schmerzen am Hals. Sie gießt nach und lässt mich so viel saufen, bis ich nichts mehr herunterbekomme.
Mit tiefem Seufzer lasse ich sie wissen, wie gut das tat.
Nun bindet sie mich los. Nicht von der verhassten Leine, nur von dem Baum, der mich die ganze Zeit gefangen hielt. Das Weibchen führt mich zu ihrem Auto und lässt mich einsteigen.
Bevor ich hineinklettere breche ich erst noch etwas Wasser aus, denn ich hatte doch zuviel und zu hastig getrunken.

Es ist kaum zu glauben, dass ich neben meiner Retterin im Auto sitzen darf. Alles riecht so fremd und doch sehr, sehr angenehm. Jetzt erst bemerke ich meinen Heißhunger. Drei gefüllte Schüsseln könnte ich auf einmal leer zu fressen. Solange Durst mich leide ließ, bemerkte ich den Hunger gar nicht. Doch nun ist er da. Wütend knurrend forderte mein Magen etwas zum fressen. Ich sehe das Weibchen mit großen Augen an und winsele leise um Entschuldigung. Es lächelt und redet mit mir. Ich verstehe zwar nicht was es sagt, doch seine Stimme klingt sanft und beruhigend. Bei ihm fühle ich mich sicher. Wenn Herrchen mich jetzt sehen könnte. Immer war es mürrisch und ungeduldig, wenn ich etwas gebraucht habe.
Jetzt wird alles gut, das fühle ich. Dieses Frauchen ist das Beste, was mir je über den Weg laufen konnte.

Mittlerweile ist einige Zeit vergangen. Das Weibchen, welches mich aus meiner Notlage befreite, gab mir ein neues, liebevolles Zuhause. Bei ihm fühle ich mich richtig wohl. Auch die Wunde am Hals ist längst verheilt.
An mein früheres Herrchen denke ich nur noch ganz selten. Sollte es jemals hier vorbeikommen, dann beiße ich so feste in sein Bein, dass bei ihm ein bleibendes Andenken zurück bleibt. Was mir von ihm angetan wurde, kann ich nicht vergessen.


Kommentar von putzi

Grüß Dich Mara. Danke für Dein Lob. Wie Du Dir vorstellen kannst liebe ich Tiere. Viele Jahre lang hatten mein Mann und ich einen Hund, bis er starb. Danach wurden wir von einer Katze auserkoren für sie zu sorgen. Sie lief uns einfach zu und blieb. Diese Kurzgeschichte hatte ich vor drei Jahren geschrieben, und mit zwei unterschiedlichen Finalen versehen. Die zweite Fassung ist wahrscheinlicher, weil Struppi von Angestellten der Autobahnmeisterei, die turnusmäßig alle Rastplätze abfahren, halb verdurstet, völlig verdreckt und total verängstigt gefunden wurde. Auch bei dieser Geschichte gibt es ein Happy End. Einer der Arbeiter war so berührt vom Anblick des armen Bündels, dass er den Hund nicht im Tierheim abgab, sondern bei sich zu Hause aufpäppelte. Weil ich aber die Perspektive wechselte und den Schluss als „allwissende Autorin“ erzählte, entschied ich mich zu dieser Variante. Liebe Maren. Kann es ein größeres Kompliment geben, als dass die Geschichte den Leser berührte und er nicht aufhören konnte zu lesen, obwohl die Länge des Textes ihn zuerst störte? Vielen herzlichen Dank! Es freut mich, dass Du mitfühlen konntest. Meine Hausaufgabe scheine ich gut gemacht zu haben. Hallo Hadassa. Es freut mich, Dich beeindruckt zu haben. Ich liebe Happy Ends, auch wenn Schicksalsschläge vorher gehen. Als Autorin kann ich für meine Figuren ein bisschen Gott spielen und mache von dieser Möglichkeit regen gebrauch. Grüß Dich Babs. Du hast Dir genau den Satz herausgepickt, den ich auch am liebsten mag. Da ein Hund nicht reden kann blieb nur: "Ehrlich gebellt", übrig. Als der Satz auf dem Monitor erschien, musste ich schmunzeln. Manchmal kann Logik richtig komisch sein. Früher hörte man in den Medien viel öfter von Haustieren, die kurz vor Urlaubsbeginn ausgesetzt wurden, als heute. Wegen dem unermüdlichen Einsatz von Tierschutzorganisationen, ist das Leid auch beim Gesetzgeber angekommen und Strafen für so ein Vergehen wurden drastisch erhöht. Gott sei Dank!! Liebe Audrey. Herzlichen Dank für Deine Antwort, ich freue mich sehr drüber. Viele Grüße an alle, die einen Kommentar zu meiner Kurzgeschichte abgegeben haben, putzi

Eingetragen am: 12.08.2009

Kommentar von Audrey81

Hallo putzi, ich kann mich meinen "Vorrednern" nur anschliessen: Du hast einen wirklich traurig, schönen Text geschrieben, der richtig ans Herz geht. Ich habe ihn wirklich sehr sehr gerne gelesen. Liebe Grüße, Audrey

Eingetragen am: 11.08.2009

Kommentar von Babs

Hallo Putzi, Du hast das Leiden des ausgetzten Hundes sehr eindringlich beschrieben. Wie grausam doch manche Hundehalter sein können, da kann man wirklich nur mit dem Kopf schütteln und hoffen, das sie niemals wieder ein Tier in ihre "Obhut" bekommen. Trotz aller Wut, die mich beschleicht wenn ich mir das Leiden des Hundes vorstelle, der Satz : "Ehrlich gebellt weiß ich das nicht so genau" ist herrlich. Liebe Grüße Babs, danke für Deinen Kommentar!

Eingetragen am: 11.08.2009

Kommentar von Hadassa

Hallo Putzi, eine furchtbar traurige Geschichte, zum Glück endet sie glücklich. Sehr eindrücklich geschrieben. lg Hadassa

Eingetragen am: 11.08.2009

Kommentar von Maren

Putzi, da hast du eine Geschichte geschrieben, die einem die Tränen in die Augen treibt. Zuerst wollte ich deinen Beitrag nicht lesen, er sieht so lang aus ( ist es auch), aber dann begann ich und konnte nicht mehr stoppen. Eine gute, traurige Hundegeschichte mit Happy End, Gruss Maren

Eingetragen am: 10.08.2009

Kommentar von Mara

Hallo Putzi, du hast sehr gut das Elend des Hundes zum Ausdruck gebracht, sehr genau beobachtet, nur gut, das die Rettung so nah war. Vielen Tieren geht es nicht so. Eine traurig/schöne Geschichte. Liebe Grüße Mara

Eingetragen am: 10.08.2009

Eingetragen am: 09.08.2009 von Babs
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2830

Fortsetzung zu 2812

Ja - ich habe es wieder einmal geschafft. Ich habe gesiegt, was gar nicht so schwer war, denn ich verstehe etwas von meinem Handwerk.
Ein kleiner Gedanke hier; ein kaum wahrnehmbares Ziehen in der Wade da. Eine dicke, dunkle Wolke am Himmel, oder eine leichte Übelkeit durch den einen oder anderen Espresso zuviel. Ja, ich verstehe mein Handwerk, kenne Babs aus dem eff-eff. Und, ganz ehrlich, manchmal ist sie mir direkt dankbar, wenn ich sie besiege. Aber ich wünsche mir im Geheimen, dass sie es mir nicht immer so leicht macht und den Kampf annimmt. Daran übt sie noch.
Ja, so ist das mit mir, ihrem inneren Schweinehund. Doch halt: ich werde gerufen...


Kommentar von Hadassa

Hallo Babs, wer kennt ihn nicht,den inneren Schweinehund, der einem so viele Pläne durchkreuzt. Nett, mal seine Sicht der Dinge zu erfahren. Vielleicht kann man ihn dann in Zukunft besser bekämpfen. lg Hadassa

Eingetragen am: 11.08.2009

Kommentar von putzi

Grüß Dich Babs. Seit der Reklame für eine gewisse Elektrizitätsgesellschaft weiß ich endlich, wie mein innerer Schweinehund aussieht. Diesem süßen Kerlchen kann ich auch nur schwer widerstehen. Heute hab ich einen kleinen Sieg errungen und auf Deine Geschichte geantwortet. Außergewöhnliche Ideen verleiten zu außergewöhnliche Taten. Armer Schweinehund. Viele Grüße mit breitem Lächeln, putzi

Eingetragen am: 10.08.2009

Eingetragen am: 09.08.2009 von Bärbel
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2829

Du Tier!

Ich tanke auf im Licht, speichere Wärme für dunkle Zeit, um mich dann in mich selbst zurückzuziehen, allen Bedürfnissen entsagend, in mir ruhend bis es Zeit ist, ins Leben zurückzukehren, einer inneren Uhr folgend.
Man spricht mir Weisheit zu als einem der ältesten Lebewesen dieser Welt.
Ich genüge mir selbst und brauche nicht viel zum Leben, bin niemandes Feind.
In Freiheit durchwandere ich das Sein – überall und nirgendwo zuhause auf der Suche zurück nach Eden, ohne Hektik, als wortloser Prophet für eine friedliche Existenz. Mein Ziel heißt Leben. Ich beanspruche nichts und falle niemandem zur Last. Deshalb bin ich ein Neutrum in diese Welt, den meisten Menschen geheimnisvoll fremd. Mein Panzer bietet nur begrenzten Schutz in einer aggressiven Welt, doch macht er unabhängig von Raum und Zeit – seit jeher, viele Leben lang.


Kommentar von Audrey81

Hallo Bärbel, ich möchte mich ganz herzlich bei dir für die vielen lieben, Kommentare meiner vergangenen Beiträge bedanken. Ich hab mich soo gefreut, dass kannst du dir gar nicht vorstellen! Du hast mir wirklich den Abend versüßt! Vielen, vielen dank!!! Liebe Grüße, Audrey

Eingetragen am: 12.08.2009

Kommentar von Audrey81

Hallo Bärbel, ich kann mich Mara nur anschliessen. Dein Text hat wirklich eine gewisse Mystik, die mich sehr angesprochen hat. Ich hätte gerne noch mehr davon gelesen. Liebe Grüße, Audrey

Eingetragen am: 11.08.2009

Kommentar von Mara

Hallo Bärbel, ich denke, da spricht eine Schlange. Gefällt mir gut, so schön mystisch. Liebe Grüße Mara

Eingetragen am: 10.08.2009

Eingetragen am: 09.08.2009 von Maren
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2826

Hui, ich habe wieder gesiegt!
Es ist ein Zweikampf, nein eigentlich ein Dreikampf.
Ich bin der Stärkste, schon immer gewesen. Mein Gegner ist schwach, aber er versucht es immer wieder, mich klein zu kriegen, lästig ist das.
Manchmal schafft er es fast. Aber nur, wenn sich unsere Herrin von ihren Freunden und ihren Zweifeln beeinflussen lässt.
Nur dann bin ich am Verlieren. Ich gebe vorerst einmal klein bei, natürlich nur bis mein Gegner sich richtig sicher fühlt.
Jetzt beginne ich wieder zu sticheln, rufe Zweifel hervor, sende Verlockungen, wie „das merkt ja niemand“ oder „nur einmal, dann nie wieder.“
So gewinne ich mal wieder, ich, ihr „ innerer Schweinhund“, den sie nicht überwinden kann.


Kommentar von Hadassa

Hallo Maren, schön, daß Du uns auch die Geheimnisse des inneren Schweinehundes nennst. Somit haben wir vielleicht in Zukunft eine etwas größere Chance zu siegen. Gut geschrieben und eine gute Idee. lg Hadassa

Eingetragen am: 11.08.2009

Kommentar von putzi

Ihn kennen wir alle liebe Maren. Manchmal geht er mir auf die Nerven, manchmal lasse ich mich gerne von ihm verleiten. Als ständiger Wegbegleiter trickse ich ihn aus, oder bin erleichtert, wenn ich seinem Rat folge. Er ist ein Teil von mir. Fröhliches Wauwau, putzi

Eingetragen am: 10.08.2009

Kommentar von Babs

Hallo Maren, auch Dein innerer Schweinehund ist ganz schön hinterhältig, nicht wahr? Und irgendwie hört dieser Kampf gegen ihn wohl niemals auf. Gruß, Babs

Eingetragen am: 10.08.2009

Eingetragen am: 08.08.2009 von Charis
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2825

Hunger habe ich. Nicht auf so eine süße Blütennektarlimonade, lieber was herzhaftes. Tiefroter Saft, wohltemperiert, das wäre genau das richtige. Mal schauen, was sich so anbietet. Bei den Temperaturen ist das nicht schwierig, eine gute Bar zu finden. Die Riesen liegen ja überall im Freien rum, da muss man noch nicht einmal in dunkle Schlafzimmer fliegen.
Mal ein bisschen die Antennen ausrichten – Moment, da zog schon was an meiner Nase vorbei, aus Richtung Osten, da hinten, gleich vor den Bäumen, auf dem blau-grün karierten Quadrat. Oh, dieser Geruch! Fettsäuren! Ammoniak! Kohlendioxid! Festmahl, ich komme!
Der Geruch wird immer stärker und mein Hunger immer größer. Ich liebe diese heißen Sommerabende, wenn überall die Bars offen herumliegen. Aber ich glaube, die Riesen finden das nicht so witzig. Manchmal versuchen sie es mit Türstehern. Duftkerzen, UV-Lampen oder mit diesen lustigen hochfrequenten Tönen. Ich könnte mich immer kringelig fliegen, wenn sie versuchen, mich damit auszutricksen. Vor allem diese Sprays! Irgendeine Stelle vergessen sie immer! Ich verstehe sowieso nicht, was diese riesigen Wesen für ein Problem damit haben, wenn ich mal ein bisschen an ihnen nuckle. Die paar Tropfen merken die doch gar nicht.
So, da liegt sie. Eine Frau, Blutgruppe A positiv. Nicht ganz mein Lieblingssaft, aber schon eine gute Qualität. Mir läuft schon die Spucke im Mund zusammen.
Au! Das war knapp! Der Typ daneben hat doch glatt mit einer Zeitung nach mir geschlagen. Na warte, das Spielchen können zwei spielen. Schon mal von einem Picknick nach Hause gekommen und wie ein Streuselkuchen ausgesehen? Ich habe eine Menge Freundinnen!
Jetzt muss ich aber erst einmal ein paar Runden fliegen, bevor sie mich vergessen haben. Das dauert nie lange. Nur nachts sind sie manchmal hartnäckiger. Stehen im Nachthemd mitten im Zimmer und halten drohend die zusammengerollte Zeitung hoch. Tante Elfriede ist so ums Leben gekommen, war einfach nicht schnell genug, die Arme.
So, ích glaub, ich kann jetzt, die beiden denken nicht mehr an mich, sie sind selbst mit Essen beschäftigt. Gut. Dann mal Landeanflug. Die Stelle da unten an der Wade unter dem Rock ist wahrscheinlich die beste, gut rasiert und gut durchblutet. Ganz sanft landen, dann merkt sie das nicht. Jetzt nur noch die Unterlippe aufsetzen und die Mundwerkzeuge tief hinein bohren. Ah, wie ich das liebe. Dieser leichte Druck, bis die Haut mit einem leichten Plopp nachgibt und ich die ersten Tropfen des leckeren Safts aufnehmen kann. Hhm, köstlich, darüber könnte ich glatt alles andere vergess-

Klatsch.


Kommentar von Hadassa

Hallo Charis, ich schließe mich Mara an. Eine klasse Geschichte - sehr gut erzählt, mit guten Details. Mir hat die Geschichte gefallen, Mücken gefallen mir nicht - erst recht nicht ihr Hunger auf etwas herzhaftes... lg Hadassa

Eingetragen am: 12.08.2009

Kommentar von Audrey81

Hallo Charis, ich finde deine Mücken-Story einfach Klasse. Wirklich schade, dass sie so schnell zu Ende war. Liebe Grüße, Audrey

Eingetragen am: 11.08.2009

Kommentar von Mara

Hallo Charis, das muss der Neid dir lassen, deine Geschichte ist weitaus ausgereifeter als meine (bei mir war es auch die Mücke), du hast so viele tolle Details verarbeitet, die Sache mit der Mückenabwehr gefällt mir auch gut und die Stelle, wo die Haut mit einem leichten Plopp nachgibt. Prima Geschichte Liebe Grüße Mara

Eingetragen am: 10.08.2009

Kommentar von Liliana-Louisa

Ach nööö, Lass bitte die Mücke leben. Sie kommt so sympathisch rüber, dass ich ihr die Mahlzeit von Herzen gönne.

Eingetragen am: 09.08.2009

Kommentar von Lillilu

Großartige Beschreibung eines Mückenlebens! Witzig und gut beobachtet. ich würde allerdings dem Satz "Jetzt muss ich erst mal ein paar Runden fliegen, BEVOR sie mich vergessen haben" ändern in DAMIT sie mich vergessen. LG Lillilu

Eingetragen am: 09.08.2009

Eingetragen am: 08.08.2009 von Rosima Ka
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2824

GEBURTSTAGSFUTTER

„He, Max! Sind sie alle weg?“ Maja kroch unter dem großen Sessel hervor, schüttelte sich und begann, ihr Fell mit der rosa Zunge zu bürsten.
„Fast alle,“ antwortete ich. „Ein paar sind noch im Garten, und SIE ist mit dabei.“ Ich hatte mich hinter dem Fernseher versteckt.
„Was war das denn heute, diese vielen Riesen im Haus?“ fragte Maja, meine Zwillingsschwester.
„Also, genau weiß ich das nicht, aber ich hab ein neues Wort gehört, das kannte ich noch nicht. Das Wort ist ‚Geburtstag’. Das haben alle Riesen zu IHR gesagt, als sie reinkamen, und dabei haben sie SIE umarmt und manche haben SIE auch mit dem Mund berührt. Das schien IHR aber nicht zu gefallen, und SIE hat immer den Kopf weg gedreht.“ In dieser Hinsicht fühlt SIE wie wir, dachte ich. Warum die Riesen immer streicheln und drücken und küssen wollen, sogar uns! Das kann ich nicht verstehen, das geht mir und Maja so gegen den Strich. Darum verstehen wir uns mit IHR auch so gut. Wir sitzen wohl gern auf IHREM Schoß, wenn SIE liest oder fernsieht; das ist so schön warm und weich. Nachts lässt SIE uns auch in IHR Bett. SIE sagt zwar immer, wir sollen zu IHREN Füßen liegen bleiben, aber morgens wachen wir fast immer an IHRER Schulter auf, und dann lächelt SIE, wenn SIE aufwacht.
„Da kommt SIE! Hoffentlich sind die andern Riesen alle weg und SIE ist wieder allein für uns da. Ich hab Hunger,“ sagte Maja.
Ich ging IHR entgegen und schmiegte mich an IHRE Beine; das mag SIE. Maja begrüßte SIE mit einem herzerweichenden Miau:
„Was war das denn, was wollten diese vielen fremden Riesen von DIR? Ich hab Hunger!“
„Ich hab heute Geburtstag,“ sagte SIE, und da hab ich was ganz Schönes für euch zwei Lieben. Ihr sollt doch auch ein bisschen feiern. Kommt mal mit in die Küche.“
Da war ich aber gespannt, und grübelte wieder über dem Wort ‚Geburtstag’?“ SIE merkte wohl, dass wir von dem ganzen Trubel und den vielen Riesen ziemlich durcheinander und verstört waren und suchte nach einer Erklärung, als wir vor IHR her in die Küche liefen.
„Ja, ich hab heute Geburtstag . . .“ begann SIE.
„Ich hab Hunger,“ jammerte Maja.
Da holte SIE eine Dose aus dem Schrank, öffnete sie und verteilte den Inhalt auf unsere zwei Schüsselchen auf dem Boden neben dem Kühlschrank. Erst zögerten wir und schnupperten an dieser neuen Speise. Aber dann kosteten, schleckten, schmatzten wir, futterten und fraßen alles auf. Es schmeckte fantastisch!
Diese Dose hatte ich doch schon mal im Fernsehen bemerkt. Die Werbung stimmt, dachte ich: „Katzen würden ‚Mausi’ kaufen!“
Aber ‚Geburtstag’? Was das ist, das wissen wir immer noch nicht.


Kommentar von Angela Barotti

Ja, die menschlichen Besonderheiten einer Geburtstagsfeier wird ein Tier wohl niemals nachvollziehen können. Tammtamm und Trara, nur weil man geboren wurde, ist ihrem Wesen fremd. Doch solange exquisites Futter für sie abfällt, werden sie sich wohl nicht beschweren. /Warum werden die Personalpronomen groß geschrieben? Diese Optik hat mich beim Lesen gestört. Ist SIE so etwas wie ein gottähnliches Wesen für die Tiere? Hunden würde ich solch eine Denkweise über ihren Besitzer abnehmen, Katzen jedoch nicht.

Eingetragen am: 09.08.2009

Kommentar von Lillilu

Süße Katzenkinder - müssen noch viel lernen. Später verstehen sie jedes Wort, das wir sagen und dann lesen sie noch unsere Gedanken! Bitte schreib "IHRE rosa Zunge" am Anfang, sonst hört es sich so an, als wenn es mehrere Zungen zur Auswahl gäbe.

Eingetragen am: 09.08.2009

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