„Ich habe das Buch Raum zum Schreiben genannt, weil jede Seite, jedes Kapitel eine Tür öffnet: zur Fantasie, zum Intellekt, zur Seele und zur Gefühlsebene."

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Lasst Küsse sprechen

29.07.2009



Aufgabe
Schreiben Sie über das Küssen. Es macht Spaß und ist besonders gut dazu geeignet, sich im Schreiben von Liebesszenen zu üben.


© 2008 Autorenhaus Verlag GmbH, Berlin
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Leserbeiträge

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Eingetragen am: 22.10.2009 von Ursula Menzel
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3775

Lasst Küsse sprechen

Die Gäste waren gegangen. Das Licht einiger Lampions flackerte im Dämmerschein der lauen Sommernacht. Auf diesem Moment hatte Holger gewartet. Er setzte sich zu Grit in die Gartenschaukel und legte seinen Arm um ihre Schultern. „War es nicht ein schöner Tag heute?“ Grit lächelte und legte ihren Kopf auf seine Schulter. Ja, bei Holger fühlte sie sich geborgen. Sie spürte seine Lippen in ihrem Haar, dann am linken Ohr. Seine Zunge saugte den Duft ihrer Haut. Zärtlich streichelte er ihre Oberarme. Seine Berührungen elektrisierten ihren Körper. Sie fühlte, wie seine Zunge ihre Lippen berührten. Zwanglos öffnete sie ihren Mund. Sie gab sich ihm hin. Noch nie hatte sie eine so innige Liebe gespürt…


Eingetragen am: 29.09.2009 von Alexandra Tumler
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3637

Als ich dich das erste Mal schmeckte, war ich überrascht. Nicht Dein Geschmack, meine Entzückung überraschte mich. Ich erinnere mich, dass meine Zunge ganz vorsichtig, fast scheu und zurückhaltend, erst deine Armbeuge, dann die Achselhöhle abtastete - und sie jubilierte vor Entzückung. Welch ein leiser, fast geruchloser und doch unglaublich anziehend kraftvoller Geschmack, den Deine Haut an diesen Stellen verbreitete. Ich tanzte mit der Zunge auf Dir herum, mal Walzer, dann Samba – es war ein Fest der Ausgelassenheit, das Du ihr erlaubtest. Dein Hals, schon etwas knorrig und faltig, ließ erste Salzspuren erkennen. Und wie gierig diese meine Zunge machten. Sie wollte nicht ablassen, konnte nicht genug bekommen. Ganz allmählich, nachdem ich sie zur Ordnung gerufen hatte, schlich sie sich zu Deinen Lippen, die Du erwatungsvoll ein klein wenig geöffnet hattest. Lass mich dich saufen, schrie etwas in mir. schenk mir von all dem, was dir heute begegnet ist – lass mich Deine Zigaretten schmecken, das Bier und das Dessert, und lass mich von Deiner Lust kosten, die Du für mich zubereitet hast. Welch ein reich gedeckter Tisch, an den Du mich so zielstrebig geführt hast.


Eingetragen am: 06.09.2009 von britta khokhar
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3289

Heute ist ist ihr Fest und sie waren sie glücklicher als sonst heute waren alle ihre Söhne da und ihre Enkelin. Es ist Abend. Ihre Söhne und ihre Schwiegertöchter schauen einen Film an. Heute ausnahmsweise schon seit Jahren hat ihr Mann die Pizza zugelassen. Sie saßen im anderen Zimmer. Sie schaut ihn an. Er hat graue Haare, die letzten Jahre sind an ihm nicht spurlos vorbeigangen, verhärmte Falten um seinen Mund obwohl er erst 54 Jahre ist. Er sieht sie an. Schon lange haben sie sich nicht mehr geküsst fast zwei Jahre. Susanne sieht dass ihr Mann sich ihr nähert, denkt sie, warum heute nach zwei jahren am Tag vorm Fest. Sie zögert, aber sie gibt sich einen Ruck. Noch zwei Jahre will sie nicht warten. Sie muss vergessen.
Ihre vierjährige Enkelin schaut durch die leicht geöffnete Tür. Die Mama kommt und fragt was machst du denn da? Pst sagte die Kleine. Ihre Mutter gibt ihr einen leichten Klaps auf den Po Verschwinde Opa und Oma haben es sich verdient. Sie hatten schwere Jahre. Auch der Vater von der Kleinen war froh dass seine Eltern wieder zueinander gefunden haben. Und es war ihm leicht ums Herz


Eingetragen am: 20.08.2009 von Berthild Lorenz
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3048

„Komm doch mal zu mir, Küsschen,“ bat Vater Kuss seinen Jüngsten.

„Au ja Papa, erzählst du mir die Geschichte von Opi, bitte?“
Schon saß der Jüngste auf Papas Schoß.

„Ach, Küsschen, du und die Vergangenheit; was ist daran so spannend?“, fragte Papa Kuss
den 8 Jährigen, den jüngsten Sohn seiner vielköpfigen Kussfamilie.

Etliche der älteren Kussfamilienkinder waren schon längst ausgeflogen und schrieben immer mal kurze knappe Mails von ihrem Berufsleben und ein wenig längere, in denen sie aus ihrem privaten Umfeld erählten.

Das interessierte den 8 Jährigen herzlich wenig, aber die Geschichte von Opi, die war irgendwie anders. Immer wieder konnte Papa die selbe Geschichte hervorkramen und der Bursche auf seinem Schoß bekam ein Leuchten in den Augen, wenn er dem Erzählenden lauschte.

„Papa, bitte, nur noch ein Mal!“
„Gut, es ist deine Zeit, du hast die Wahl, welche Geschichte möchtest du hören ?“
„Papa, das weißt du doch! Immer die selbe, die, wo Opi und Omi sich zum ersten Mal küssen wollten.“

„Es war an einem Frühlingstag im Jahr 20 Millionen vor unserer Zeitrechnung. Egon Kuss, dein Opi, schlenderte die Berliner Allee entlang. Gaaanz langsam setzte er Fuß vor Fuß. Sein Ziel war der See, links neben der Allee. Dort hat er sich mit einem jungen hübschen Mädchen verabredet. „Ob Anna wohl pünktlich ist? Ach, ich freu mich so darauf, sie endlich treffen zu können!“, dachte er bei sich und schaute in die Fenster der Lehmhütten, die den Alleerand bildeten.


Die Ampel zeigte rot. „Was soll der Quatsch – eine Ampel? Wozu gibt es hier eine Ampel?“, dachte Egon, blickte nach links und nach rechts und sah NIX. Er war völlig alleine, drum ging über die Allee.

Nun stand er direkt vor Anna. Er erschrak. Anna schlang ihre Arme um seinen Hals und drückte ihm flüchtig ihre Lippen auf die Wange.
„Sie müssen es sein, nur Sie können der sein, auf den ich warte, stimmt´s?, sprudelte es aus ihr.

Egon stand noch immer wie angewurzelt an dem Flecken, an dem ihn Anna erwischt hatte.
„Kuss.“, flüsterte er.

„Wie?“, fragte Anna, „Was meinst du damit? Was ich eben getan hab? Sag den Satz doch ganz, sag doch einfach: „Küss mich!“, und ich werde es tun!“

Egon sah schweigend diese Schönheit an und seufzte.
„ Entschuldigung, ich sage Sie zu Ihnen und Sie sagen du zu mir? Wie soll das weitergehen?“

Anna nahm Egon einfach in ihre Arme: „Ach Egon, sag doch du zu mir und drückte Egon noch ein Mal ganz schnell, als flöge sie an ihm vorbei, ihre Lippen auf die Wange.“

„Kuss.“, flüsterte der wieder.

Anna lachte. „Erklär mir doch um Himmels Willen, warum du Kuss sagst, wenn ich meine Lippen deine Wange berühren lasse, Egon.“

„Weil ich Kuss heiße und du, wenn du so weitermachst auch bald Kuss heißen wirst, Liebes.“


Er nahm Anna in die Arme und drückte sie zärtlich an sich.


Eingetragen am: 20.08.2009 von Berthild Lorenz
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3047

„Küsse unterm Regenbogen“, klingt noch heute in meinem Ohr, beinahe ein halbes Jahrhundert danach ...

Wie ist das gemeint? Sollte ich nur unterm Regenbogen Küsse austeilen und empfangen?



Heute sehe ich keinen Regenbogen und er drückt mich fest an sich, schiebt seine Zunge mit Gewalt in meinen Mund!
Was soll das? Ich mag das nicht, eklig! Mich quält ein Brechreiz! Er lässt von mir.

„Was hast DU denn?“ Er schüttelt seinen Kopf und betont das DU stark! „Sowas iss mir ja noch nie passiert! Die Weiber sind immer alle ganz heiß darauf, von mir geküsst zu werden und was machst du? Würgst dir einen ab!“

Er schüttelt den Kopf und atmet tief ein.


„Wenn du mich nicht liebst, dann geh ich eben; es warten tausende von Weibern auf einen so feinen Kerl wie mich, tschüss!“, sprach`s und drehte sich auf dem Absatz von mir.


Wir haben uns nie wieder geküsst!
Und es erinnerte mich an den Kuss von Judas, von dem in der Bibel erzählt wird, dass der Jesus an seine Henker verriet.

Er sprach von Liebe ...
Was ist denn Liebe?

Gewaltanwenden?


Eingetragen am: 13.08.2009 von Sigrid Leister
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2964

Sein Kuss war wie ein vorsichtiges tasten, ein zitterndes Verlangen das hinter der feuchten Wärme lauerte, wie ein Raubtier zum Sprung bereit. Der Kuss, der warm und weicht begann wurde fester und drängender. Seine kleine spitze Zunge drang vorsichtig in meine warme Mundhöhle ein und erforschte das Neuland wie ein Entdecker Neues Land für sich in Besitz nimmt. Und ich ließ mich erobern.


Eingetragen am: 13.08.2009 von Bärbel
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2946

Dachte ich doch immer, der Kuss sei einer, den man beherrschen muss. Und meiner zwingt dann den Geküssten in die Knie oder besser - macht ihn süchtig. Im Traum läuft es immer so. Ich habe alle voll in der Hand. In meinem Kuss liegt die Macht.
Der erste, den ich probehalber loslasse, vermasselt es total. Er gerät in einen Schockzustand, der auf die Atmungsorgane übergreift. Als die Duldungsstarre zu lange anhält, setzt ein würgender Schluckreflex der Pein ein Ende. Jetzt hat er erst einmal Hausarrest. So eine Blamage! Die nächste Verabredung wird gestrichen.
Eine Chance sollte er aber doch noch kriegen – jetzt ist die Gelegenheit und die Voraussetzungen sind optimal.
Schummriges Licht, Musik, ein Freund meines Bruders, der mit dem großen Mund. Er kann hochkant einen De Beukelaer Butterkeks in den Mund stecken. Mal sehen, was er mit meinem Kuss anfängt. Bissig ist der gar nicht,spielt mit meinem Kuss ganz zärtlich – und der hält ganz gut mit. Ich bin versöhnt.
Genug ist genug – Marsch zurück. Die Ehre ist wieder hergestellt.
Wie war das noch mit dem Kuss beherrschen? Neue Chance - voll ausgenutzt:
Meiner hat sich plötzlich von den unterschiedlichsten Seiten gezeigt. Ich bin völlig baff. Er lässt sich gar nicht mehr aufhalten, reagiert nicht auf meine Fragen, was eigentlich los ist und ob ich träume oder er wirklich so abgeht. Der will gar nicht mehr aufhören, obwohl der Kiefer nach Stunden stöhnt. Alles wegen diesem Typ mit den Wahnsinns-Augen, dessen Kuss einen in denselben treibt – einfach Wahnsinn. Unsere Küsse geraten völlig außer Kontrolle. Meiner leidet nun in den Zwangspausen an Entzugserscheinungen. Völlig krank – oder?


Eingetragen am: 11.08.2009 von Michele
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2898

Ich schau Dich an!
Meine Lippen verzehren sich nach Dir!
Und nur nach Dir!
Sie sehnen sich danach die Deinen zu berühren!
Sie trauen sich nicht!
Doch in Ihrer Fantasie spüren sie Deine zarten Lippen!
Erst ganz sanft und dann mit Kraft!
Ein gewaltiges Beben durchzieht meinen Körper!
Nur durch diesen einen Kuß!
Wie himmlisch muß es sein Dich in Wahrheit zu fühlen!
Ich trau mich nicht!
So träum ich doch nur von Dir!


Eingetragen am: 05.08.2009 von MacPie
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2761

Lasst Küsse sprechen!

Früh – sehr früh am Morgen treffen sich hoch oben in der Luft zwei Küsse.

Fragt der zweite Kuss den ersten:
„Na, du siehst ja fertig aus, was ist denn mit dir passiert?“
Dieser lächelt ermattet, aber selig:
„Hab die ganze Nacht durchgeküsst! Das war eine Süße, sage ich dir.“
„Erzähl mal! Wie, wo und wer?“
„Zuerst hab ich ganz vorsichtig an ihren Lippen geknabbert. Dann wurde ich immer dreister, immer frecher!“
„Und dann?“
„Die Kleine war erst ganz aufgeregt und plötzlich ganz wild, sag ich dir. Die Zungen haben sich fast verknotet und ich wurde dabei ganz nass. Dann bin ich ihren schlanken Hals mit den entzückenden Haarlöckchen entlang gehaucht. Und danach – WOW!! Über ihren gesamten Körper bin ich gejüpft, bis zu dem süßen Bauchnabel… das hat so schön geprickelt!!!“

Der erste Kuss macht eine genussvolle Pause. Danach fragt er:
„Und Du? Du bist ja ganz verkratzt rund herum, was ist denn mit Dir passiert?“
Der zweite Kuss verzieht verächtlich die Mundwinkel:
„Naja, kein Wunder! Weißt du, so etwas wie deine Kleine hätte ich mir auch gewünscht.
Aber es kommt ja immer anders. Dass die zwei sich nicht besonders gut rasiert hatten, das war schon unerhört! Und nun hab ich meinen Spitznamen weg: ‚Sozialistischer Bruderkuss’, so nennt man mich seit ’79. Aber diesen Akt hätten sich der Breschnew und der Honecker sparen können, geändert hat sich DADURCH 10 Jahre lang auch nicht viel!“

Da huscht ein kleiner Kuss eilig vorbei.
Der erste Kuss ruft ihm hinterher:
„Was ist los? Du bist ja ganz rot?“
Der Kleine dreht sich verschämt um:
„War mein Erstes Mal!“
Und schon ist er weg.

Überraschend zucken Blitze am Himmel. Ein schwarzer Kuss taucht aus dem dunklen Nebel auf. Blut tropft an ihm herunter.
Es klingt furchterregend:
„Wisst ihr, wie früh es ist? Ich muss vor Sonnenaufgang von hier verschwunden sein.“
„Meine Güte! Graf habt Ihr uns erschreckt!“ ruft der erste Kuss ihm zu.
Zaghaft fragt der zweite:
„Wer ist das?“
„Du kennst mich nicht?“
donnert der Neuankömmling,
„Ich bin der Graf aller blutigen Küsse in der Dunkelheit! Ich bin in Eile, muss bis zur Abenddämmerung wieder bei Dracula sein! Ihr entschuldigt mich also bitte!“
Er verschwindet in den Nebelwolken.

Verdutzt bleiben die beiden Küsse zurück.
Nach einer kleinen Schreckenspause jedoch unterhalten sie sich weiter, plaudern über diesen und jenen Bekannten:
„Hast Du was von dem Handkuss gehört? Lebt der noch und ist der immer noch aktuell? Und was machen unsere Freunde aus der Kälte, die Nasenküsse?“
Plötzlich fragt der zweite Kuss:
„Wie geht es eigentlich dem grandiosesten Kuss aller Filmküsse?“
„Du meinst diese Berühmtheit aus ‚Vom Winde verweht’“?
„Ja, genau den! Die ganze Kusswelt hat pausiert, als der Rhett Butler seinen Mund auf die Lippen von Scarlett O’Hara drückte. Wann war das noch mal? Ahja,1939! Meine Güte, wie die Zeit vergeht.“
„Ich habe keine Ahnung, habe ihn schon ewig nicht mehr gesehen!“

„Und weißt Du eigentlich, ob die Kleine vom Grimm inzwischen aus ihrem 100jährigen Schlaf erwacht ist?“
will Kuss Nr. 1 wissen.
„Oder wartet sie immer noch auf ihren Prinzen, dass er sie endlich wachküsst!“

Ein fremder Kuss nähert sich schleppend den beiden. Er macht einen tieftraurigen Eindruck. Die beiden gehen ihm teilnahmvoll entgegen.
„Was ist mit dir, dass du so bekümmert daher kommst? Was bedrückt dich? Und warum leidest du so sehr?

„Mein Name ist Judas und ich bin der schlimmste aller Küsse...“


Kommentar von Bärbel

Super Idee, die Küsse zu personifizieren : )- macht einfach Spaß. LG Bärbel

Eingetragen am: 13.08.2009

Kommentar von Lillilu

Der Kater aus der Detektei Sarotti hat mir hiervon erzählt: herrlicher Text!

Eingetragen am: 08.08.2009

Kommentar von Angela Barotti

Eine 1 für die originelle Idee. Und auch die Umsetzung finde ich gelungen. So macht das Lesen Spaß.

Eingetragen am: 06.08.2009

Eingetragen am: 05.08.2009 von Anomi
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2749

Rote Lippen

"Rote Lip-pen soll man küssen, denn zum küssen sind sie da..." Der Schlager riss Eugene aus ihren Gedanken, der amerikanische Akzent des Sängers drängte sich an ihr Ohr. Eugene starrte das Radio an. "... rote Lippen sind dem siebtem Himmel ja so - " und stellte es mit einer gezielten, schnellen Handbewegung ab. Nicht zu fassen, was Andreas in ihrer Abwesenheit an Musik hörte. Die Musik dieses Senders könnte glatt zum Gehörsturtz führen. Doch das Lied blieb in ihrem Kopf hängen, durchbrach ihre kreisenden Gedanken. Wie lange saß sie schon hier? Eugene stand auf, ging zur Spüle und goss sich ein kaltes Glas Wasser ein. Viel lieber würde sie ja ein Glas Wein trinken, jetzt, mitten am Nachmittag. Aber das durfte sie sich nicht erlauben, das ging eindeutig zu weit. Und sie war schon in den letzten Wochen in so mancher Hinsicht zu weit gegangen. Sie setzte sich wieder an den Küchentisch, betrachtete das leere Glas in ihrer Hand. Starrte das stumme Radio an. "Rote Lippen soll man küs-sen..." Verflixt, dieser Gassenhauer hatte sich in ihrem Gehirn eingenistet. Ihr Blick streifte den sauber geputzten Aschenbecher auf der Anrichte. Seit drei Wochen rauchte sie schon nicht mehr. Sie hätte ihn schon längst in die hinterste Ecke ihres Küchenschranks verbannen sollen. Andererseits - so ein schönes Glas Wein mit einer Zigarette, das wäre jetzt genau das Richtige... Eugenes Zeigefinger strich wie von selbst über die Konturen ihrer Oberlippe. Denk nicht mal dran. Rauchen hilft dir jetzt auch nicht weiter. Zigaretten sind ein verdammt schlechter Trost, das weißt du doch mittlerweile. Fällt dir keine sinnvolle Beschäftigung ein? Dann kämest du endlich auf andere Gedanken. Eugene atmete tief aus, ließ gerüschvoll die Luft entweichen, wölbte dabei die Lippen vor. Sie fühlte sich so süchtig, so bedürftig wie schon lange nicht mehr. Und dann stahlen sich die Bilder wieder in ihren Kopf, und diesmal ließ sie es zu und schloss die Augen. Wie seine Lippen sich anfühlen, fest und warm. Der geschmack von Erdbeeren. Wie seine Hände, kräftig und sanft, sie berühren, ihre Brüste umschließen. Sein Flüstern so rauh und zärtlich... Eugene spürte ein zartes Ziehen unterhalb des Bauchnabels, das sich ausbreitete wie ein Feuer. Oh, nein, stop. Hör auf damit. Eugene blinzelte und öffnete widerstrebend die Augen. Sie fühlte sich schwindlig.
Ich könnte ihn anrufen. Er will, dass ich ihn anrufe.
Das wirst du nicht tun! Lass es sein, schlags dir aus dem Kopf.
Er fühlt sich so gut an... ich kann nicht aufhören, an ihn zu denken... an seine Haut... das dunkle Fell seiner Schamhaare, das sich zum Bauchnabel hochzieht und wie ich meine Wange hineinschmiege... und wie ich ihn küsse, seine schmalen Schenkel, mit wunden roten Lippen, und dann sein leises Stöhnen...
Lass es, komm wieder runter. Es ist nur ... Sex. Nichts weiter. Austauschbar. Er meint vielleicht, es sei Liebe, aber er täuscht sich, das weißt du. Du wirst ihn in Ruhe lassen.
Außerdem gibt es da noch Andreas - wie wärs, wenn du ein paar Gedanken an ihn verschwenden würdest? Wie lange willst du ihm noch was vormachen?
Eugene setzte sich auf unf wandte den Kopf zum Telefon. Das Ticken der Küchenuhr schien unnatürlich laut. Du rufst da jetzt nicht an! Du wirst ihn nicht mehr anrufen! Sie stand abrupt auf, wanderte in der Küche umher. Ging hinaus auf den Flur. Blieb vor der Garderobe stehen, betrachtete die Jacken an den Messinghaken. An einem hing Andreas Regenjacke, die aus dem teuren Outdoorladen. Eugene griff ohne nachzudenken in eine der Seitentaschen, durchsuchte dann systematisch alle Innen- und Außentaschen. Eine der Innentaschen war ausgebeult, es fühlte sich an wie ... eine Zigarettenschachtel. Bingo. So war das also. Andreas war rückfällig geworden und hatte ihr kein Wort gesagt. Sie betrachtete die Schachtel in ihrer Hand, spürte, wie die Wut in ihr hochkroch. Na warte, Freund, dir werd ich was erzählen, wenn du nachhause kommst. - Was willst du ihm erzählen? höhnte die Stimme in ihrem Kopf, Willst du ihm vielleicht auch von Stefan erzählen? Vielleicht, dass du mit ihm den besten Sex der letzten Jahre gehabt hast? Eugene starrte auf den roten Schriftzug der Zigarrettenschachtel, dann stopfte sie die Packung wahllos in eine der Seitentaschen. Er soll wenigstens merken, dass ich ihm auf die Schliche gekommen bin. Wenn er schon sonst nichts merkt. Ihr Mund schmeckt bitter wie nach einer Zigarette. Sie geht in die Küche. Nein, ich werde keinen Wein trinken. Wandert zurück in den Flur, bleibt vor der Garderobe stehen. Reisst die Regenjacke an sich, nimmt die Zigarettenschachtel heraus, steckt sich eine Zigarette zwischen die Lippen. hält sie fest, zieht ein bißchen daran. Wie sehr vermisst sie das. "Rote Lippen sind dem siebten Himmel ..." Sie stöhnt, nimmt die Zigarette aus dem Mund. Aus der Küche schrillt das Telefon. Eugene erstarrt, lässt die Jacke fallen und die Zigarette. Das muss Stefan sein. Er hält es genauso wenig aus wie ich. Sie sprintet in die Küche, sucht hektisch nach dem Telefon. Als sie es findet, hat das Läuten aufgehört. Sie sinkt auf den Küchenstuhl, schaut zum Aschenbecher hinüber. Das Telefon klingelt erneut.
"Hallo?" Ihr Herz schlägt viel zu schnell.
"Hallo Eugene? Ich habs eben schon mal probiert, die Verbindung ist so schlecht hier... "
"Oh, ich habs gehört, war aber nicht schnell genug, ich hab gerade..."
"Ich wollte dir nur kurz sagen, dass es später wird heute," unterbricht sie Andreas. Wir müssen das neue Projekt durchsprechen, das kann noch ein paar Stunden dauern." Im Hintergrund hört sie das Rauschen von Verkehr, Hupen und einzelne Stimmen. Eine Frauenstimme.
"Eugene? Bist du noch dran?"
"Wer heißt wir? Du und Daniela?"
"Was... wie kommst du.. ja sicher ist Daniela dabei, sie ist ja meine Assistentin, aber da sind auch noch andere im Projekt... was soll das eigentlich gerade? Muss ich mich jetzt rechtfertigen vor dir? Dafür hab ich jetzt echt keine Zeit. Ich muss aufhören - wir sehen uns dann später. Warte nicht auf mich. Küsschen!"
Andreas hat gestottert! Eugene starrt auf das Telefon. Ich habs gewußt, die ganze Zeit schon. Seit diese Daniela eingestellt wurde, hat er ständig dringende, wichtige Geschäftsbesprechungen, vorwiegend abends. Interessant, das alles, oder? Wieso traue ich meinem Gefühl so wenig?
Eugene atmet tief durch, spürt wie sie ganz ruhig wird. Holt die Zigarettenschachtel, plaziert sie vor sich auf dem Tisch. Nimmt das Telefon und wählt. Sie kennt die Nummer auswendig. Als er sich meldet, breitet sich in ihr ein Lächeln aus wie eine Sonne in ihrer Brust.
"Hallo, Stefan? Ich bins, Eugene. Was machst du heute noch?"


Eingetragen am: 05.08.2009 von Babs
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2746

Hallo Susanne,
danke für Deinen Kommentar.
Hallo Eva Marcuse,
nein, `Teresa` ist kein Mitglied dieses Sommerworkshops, sondern eine gute Freundin. Auch Dir danke für Deinen Kommentar.
Gruß an Euch Beide
Babs


Eingetragen am: 04.08.2009 von Angela Barotti
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2738

Ich hatte meinen Prokuristen zwangsverpflichtet, mit mir nach Dienstschluss in eine Bar zu gehen und bestellte meinen dritten Mai Thai. „Und Sie, Herr Berger, was möchten Sie noch trinken?“, fragte ich ihn. Meine Zunge war schwer geworden und ließ sich nicht mehr so geschmeidig wie gewohnt bewegen.
„Für mich ein weiteres Ginger Ale, bitte.“
„Sie sind eine Spaßbremse. Jawohl, das sind Sie“, beschwerte ich mich. „Das ist bereits Ihr drittes alkoholfreies Getränk.“
Er lächelte. Nein, es war eher ein kurzes Zucken seiner Mundwinkel. „Frau Habermann, ich habe auch keinen Grund mein Heil im Vergessen zu suchen.“
Dieser überhebliche Kerl! Was bildete er sich eigentlich ein? Er hatte kein Recht, so mit mir zu reden. „Ich bin Ihre Chefin. Vergessen Sie das nicht“, warnte ich ihn.
Er schüttelte unbeeindruckt den Kopf. „Wir sind hier nicht in der Firma, Frau Habermann. Ich bin als Privatmann hier. Und ich möchte einen klaren Kopf behalten.“
Neugierig sah ich ihn an. „Wovor haben Sie Angst? Was passiert, wenn Sie einen über den Durst trinken würden? Muss ich damit rechnen, dass Sie mir dann die Meinung geigen?“
„Ja“, sagte er schlicht.
Ich lachte. „Nur keine Angst, Berger. Legen Sie los. Ich verspreche Ihnen, dass es keine Konsequenzen für Sie haben wird.“
Ich konnte sehen, wie es in seinem Hirn rotierte. Er schien abzuwägen, ob er meinem Worten Vertrauen schenken konnte.
„Nur zu“, animierte ich ihn. „Ich bin kein prokuristenfressendes Ekel.“
„Das wird sich zeigen“, sagte er. „Aber eine dumme Kuh sind Sie auf alle Fälle.“
Ich schluckte, holte tief Luft, um ihn zu beschimpfen, doch er ließ mich nicht zu Wort kommen, redete weiter. „Sie sind zu dumm, um zu bemerken wer es gut mit Ihnen meint und wer nicht. Sie sind auf Ihren Windhund von Ehemann hereingefallen, während Sie mich und meine aufrichtigen Gefühle nicht wahrnehmen. Ich war mehr als überrascht, dass Sie mich heute in diese Bar eingeladen haben. Was ist los?“
Was hatte er gesagt? Aufrichtige Gefühle? Ich starrte ihn an. Zum ersten Mal sah ich in ihm einen Mann, keinen Angestellten. Einen Mann, der mich anscheinend begehrte.
Ich war so ausgehungert nach Zärtlichkeiten, dass ich mich vorbeugte und ihn spontan auf den Mund küsste. Er jedoch zuckte zurück und sah mich mit zusammengekniffenen Augen unfreundlich an.
Mein Gesicht wurde heiß vor Scham. Hatte ich irgendetwas falsch verstanden? Hatte mein cocktailumnebeltes Hirn falsche Schlüsse gezogen? Weg, nur weg, dachte ich und stand abrupt auf. So schnell es meine Highheels und mein Alkoholpegel erlaubten, hastete ich von dannen.


Kommentar von Ginko

Liebe Angela, spätestens an dieser Stelle sehe ich im Klappentext nach, was in etwa zu erwarten ist. Und wenn da kein Appetitmacher steht, klappe ich zu. Verkorkste Weiblichkeit kommt mir genug in die Quere. Wozu soll ich dann noch über solche Gestalten etwas lesen? Allenfalls kann ich verstehen, wie ihr beim dritten Mai Thai der Schädel des Gegenübers durchsichtig scheint, um das rotierend Gehirn wahrzunehmen. Wortwahl und sprachliche Ausführung halte ich für die Handlung angemessen. Hm. An welcher Ecke könnte man die Lady abfangen? Lauernd, Ginko.

Eingetragen am: 05.08.2009

Kommentar von Leanda

Peng! Ein Schlag in die Magengrube einer Frau. Sogar mich als Leserin hat er hart getroffen. Ganz toll geschrieben. Aber erleichtert wäre ich gewesen, wenn der Mann aufgestanden, seiner Chefin nachgespurtet wäre und ihr einen herzhaften Gegenkuss versetzt hätte. Nun hirne ich, wie die beiden sich am nächsten Arbeitstag begegnet sind... Übrigens: hab Dank für Deinen Kommentar betreffend meinem Null-Diät-Beitrag. Die Idee ist super!

Eingetragen am: 05.08.2009

Eingetragen am: 04.08.2009 von minnelayde
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2724

Ich möchte Dich küssen, doch Du bist so fern. Ich wollt es wäre Deine Hand, die mich zart berührt. Ich schließe die Augen und träume davon. Du hältst mich in Deinen Armen, ich kann Deine Wärme spüren. Ich liebe es, wie Du meinen Körper umfasst mit Deinen Händen. So nahe möchte ich Dir immer sein, wie in diesen Momenten, so nah in der Seele und doch so körperlich. Ich lege meinen Kopf an Deine Schulter, umfasse Dich sanft. Du streichelst mein Haar, ich kann jedes einzelne spüren, wie es durch deine Finger gleitet. Jede Berührung übergießt mich wie ein feiner warmer Sommerregen. Ich schmiege meinen Körper immer enger an den Deinen. Will Dich spüren mit jedem Zentimeter meiner Haut. Mit jedem Atemzug verschmelze ich mehr mit Dir. Der Duft Deiner Haut betört meine Sinne. Alles um uns herum ist wie in einem Nebel, ganz weit weg, ich nehme nur noch Dich wahr. Ich liebe den Moment in dem Du mich lächelnd und mit Deinen strahlenden Augen anblickst, diesen kurzen Moment, bevor Deine Lippen meine berühren. Meine Knie werden weich, alles dreht sich um mich, ich falle ganz sanft tief in eine Welt wie Watte. Es ist dieser kleine Augeblick in dem die Sehnsucht unendlich groß ist, wie ein ganzes Universum. Deine Finger berühren meine Wangen, streichen über meine Lippen. Warm und sanft berühren sich unsere Lippen. Innig. Fordernd. Wild. Sanft. Wie eine Ewigkeit sind diese Momente. Zart, zerbrechlich und endlich, aber wunderschön. Ich bewahre sie in mir auf. Bis Du wiederkommst und mich in Deine Arme nimmst.


Eingetragen am: 03.08.2009 von Charis
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2707

Wenn sie nur aufhören würde, zu reden. Obwohl – wenn er sich das genau überlegte, wollte Georg das nicht. Zwar bekam er nicht ein Wort von dem mit, was über Maries Lippen kam. Aber das war ihm egal. So versunken war er in den Anblick der vollen, leicht vorgewölbten Unterlippe, die sie manchmal wie eine schlecht gelaunte Fünfjährige vorschob. So sehr betete er die Oberlippe an, die nicht so üppig wie ihre untere Schwester ausgefallen war, dafür aber einen wundervollen Schwung besaß.
Wie hieß es? An ihren Lippen hängen. Ach ja, wenn sie nur aufhören würde zu reden, vielleicht käme er heute endlich einen Schritt weiter ... Doch noch blieb ihm nur übrig, diese rot geschminkten Lippen mit seinen Blicken zu streicheln.
»Sie hat gesagt, ich hätte gar keine Chancen! Kannst du dir das vorstellen?« Georg atmete schneller. Was für einen herrlichen Schmollmund sie ziehen konnte!
»Georg! Hörst du mir überhaupt zu?«
Kurz wanderte sein Blick in Maries Gesicht nach oben. Traf auf strafende Blicke aus kühlen Augen unter gerunzelten Augenbrauen.
»Natürlich höre ich dir zu. Die weiß doch gar nicht, worüber sie redet«, murmelte er und hoffte, dass er es besser wusste. Marie schien zufrieden mit der Antwort zu sein, sie setzte ihre Klage fort. Ihre Lippen teilten sich und schlossen sich wieder, die Zungenspitze erschien in einem Mundwinkel und fuhr kurz über ihre Unterlippe. Georg presste seine Hände zusammen, um nicht denselben Weg mit seinem Finger nachzufahren. Was war Marie eigentlich so wichtig, dass sie endlos darüber reden konnte?
»Sie würde dich besser kennen als ich!«
»Was?«
Marie seufzte. Dann beugte sie sich über den Tisch. Traf mit ihren Lippen auf eine Wange, auf der ein schon älterer Dreitagebart vor sich hin stoppelte. Wanderte mit ihrem Mund weiter hinab zu Georgs Mund.
»Du würdest mich nie küssen!«
Sie hatte Georgs Unterlippe erreicht.
»Stimmt das?«
Georg ahnte, dass die gestotterten Wortfetzen, die ihm durch den Kopf schossen, nur die Stimmung zerstören würden. Also hielt er still.
Maries Lippen teilten sich, um seine Unterlippe zu umfassen. Sie saugte leicht an ihr, dann fuhr sie mit der Zungenspitze an der Lippe entlang, wie sie es vorhin bei sich gemacht hatte. Georg schwebte. Die Welt verschwand um ihn herum, verschwand vor diesem Wunder, dass er endlich, endlich –
Marie hielt inne. Sie löste ihren Mund von Georgs und zog ihren Kopf zurück. Zwei Seufzer hingen resigniert zwischen ihnen.
»Es stimmt.« Die Kühle in ihrer Stimme weckte Georg aus seinem Traum.
»Du magst mich gar nicht«, sagte Marie in einer tonlosen Stimme. Sie griff nach ihrer Handtasche. »Ich geh dann wohl lieber. Lisa scheint dich ja tatsächlich besser zu kennen als ich.« Sie schob den Stuhl heftig zurück und ging mit schnellen Schritten aus dem Raum.
Georg sah ihr nicht nach. Er fuhr mit seinen Fingern über seine Lippen.
Beinahe. Und schon mehr als mit Lisa. Er würde noch dahinter kommen, was es mit diesem Küssen auf sich hatte.


Kommentar von Frog

Mit viel Geschick und augenzwinkernd formuliert. Die Psychologie dahinter gefällt mir. Eine bittersüße Szene. Gruß Frog

Eingetragen am: 18.08.2009

Kommentar von Liliana-Louisa

Da verstehe einer die deutschen Männer. Hier bekommt dein Prota die Frau auf einem Silbertablett serviert – und bleibt passiv! Welche Blamage! Das finde ich lustig.

Eingetragen am: 04.08.2009

Kommentar von Lillilu

Ist das nicht die Fortsetzung von #2631 oder hab ich mich geirrt? LG Lillilu

Eingetragen am: 04.08.2009

Kommentar von Lillilu

Sehr schön! Der Kuss in Fortsetzung. Natürlich ist es immer noch ein Rätsel, weshalb sie sich so lange nicht küssten. Da du hier durchweg seine Perspektive eingenommen hast, solltest du eine winzige Änderung in dem Satz "Traf mit ihren Lippen auf eine Wange, auf der ein schon älterer Dreitagebart..." vornehmen, damit es wieder von SEINER Warte aus beschrieben wird. Ein süßer Satz, übrigens. LG Lillilu

Eingetragen am: 04.08.2009

Kommentar von Iris H.

Liebe Charis, hoffentlich erwacht er bald aus seinem Traum und ist dann in der Lage, die Initiave zu ergreifen oder wenigstens zu reagieren. Hat Spaß gemacht zu lesen. Gruß, Iris

Eingetragen am: 04.08.2009

Kommentar von Eva Marcuse

Klasse! Witzig! Perfekt.

Eingetragen am: 04.08.2009

Eingetragen am: 03.08.2009 von Hadassa
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2697

„Seit zwei Wochen hat es nicht geregnet.“ Mags Blick war anklagend auf den blauen Himmel gerichtet. „Da, keine einzige Wolke. Nur blau und nochmals blau. Schauderhaft. Dabei mag ich eigentlich diese Farbe.“
„Gehst du deshalb nicht spazieren“, fragte Zoe und dirigierte sie über den Rathausplatz.
„Kannst du dich bei dreißig Grad im Schatten mehr als nötig bewegen oder überhaupt etwas tun? Ich nicht! Ich lebe auf Sparflamme, schlafe nicht richtig und spazieren gehen ist gar nicht drin.“
„Hier am Platz ist ein gutes Eiscafé. Vielleicht sollten wir uns dorthin verkriechen und etwas Kühles trinken oder ein Eis essen“, schlug Zoe vor.
„Ja“, seufzte Mag. „Das ist vielleicht die Rettung. Ich habe den Eindruck, ich vertrockne wie ein Qualle am Sandstrand.“
„Schau mal, dort vorne auf dem Fahrrad ist Malka“, unterbrach sie Zoe. „Hey, Malka. Hallo, hier sind wir. Schau mal nach links“, rief sie dann. Einen Augenblick später stand Malka vor ihnen.
„Wir wollen ins Eiscafé. Mag erträgt die Hitze nicht und befürchtet, daß sie zu einer vertrockneten Qualle mutiert.“
„Eine ausgezeichnete Idee, das mit dem Café, meine ich. Vielleicht wird der Tag dann noch gut“, stimmte Malka zu. „Ich kette fix mein Fahrrad an die Laterne und dann kann es los gehen.“
„Wir können uns überall hinsetzen, nur nicht in die Sonne“, bat Mag.
„Ich weiß, die Qualle“, lachte Malka.
„Ich kümmere mich darum“, Zoe, die die Gäste im Eiscafé beobachtete, spurtete plötzlich wie ein Rugbyspieler los.
„Die eine fährt Rad, die andere sprintet – und das alles bei gefühlten fünfundvierzig Grad“, stöhnte Mag.
„Du bist die verrückteste Frau, die ich kenne. Jeder ist froh, daß endlich Sommer ist und du jammerst und stöhnst und sehnst dich nach Regen. Schau, Zoe hat einen Schattentisch für uns bekommen.“
Die Eisbecher waren groß und das Eis fruchtig und kalt, und Zoe lehnte sich zufrieden in ihren Stuhl zurück. „Was wir hier tun ist schlecht für die Figur, ich weiß das und mein Hosenbund weiß das auch. Aber wir haben im Jahr nur einmal Sommer und das sollte man genießen.“
„Ich frag mich wie man das genießen kann. Allein der Gedanke daran wäre für mich zu warm – da brauche ich nicht auch noch wallendes Blut“, antwortete Mag.
„Ist es jetzt so weit, daß die Hitze dich zu kryptischen Äußerungen verleitet oder willst du uns etwas Tiefsinniges mitteilen und hast bis jetzt nicht die rechten Worte dazu gefunden?“
„Ich meine dieses junge Liebespaar dort vorne. Seitdem ich den Eisbecher vor mir stehen habe, küssen die sich ab. Man könnte meinen sie hätten selbst einen Eisbecher, so schlecken die. Und das bei dieser Hitze.“ Mag deutete mit ihrem Löffelstiel auf das Paar.
„Na, so schlimm finde ich das nicht“, meinte Zoe. „Die beiden mögen sich halt, sind jung und wahrscheinlich frisch verliebt. Lass sie doch.“
„Ich sagte ja nicht, daß es mich stört. Ich sagte nur, daß es mir dafür zu heiß wäre und ich nicht noch zusätzlich Hitzeeinschläge durch aufwallendes Blut bräuchte.“
„Na, immer noch besser als diese Schicki-Micki-Küsschen. Diese Küsschen, bei denen jeder so tut als sei der andere sein bester Freund und dabei kann er ihn nicht ausstehen“, analysierte Malka.
„Das ist das Nirwana der Neunziger Jahre“, lachte Zoe. „Man spitzt ein wenig die Lippen und sucht einen Punkt im Nichts und hat das Küssen auch schon im nächsten Augenblick vergessen. Das große Vergessen im modernen Nichts. Ich verweigere diese Nirwana-Küsse konsequent. Bei mir braucht niemand die Luft neben meinen Wangen zu küssen.“
„Funktioniert das“, fragte Mag und beobachtete, wie das Paar nach wenigen Schritten sich erneut küsste.
„Sicher funktioniert das. Das hat etwas mit Körpersprache zu tun. Du nimmst die Schultern zurück, streckst den rechten Arm mit der offenen Hand weit nach vorn. Bei sehr unsensiblen Menschen schaust du noch sehr kritisch. Das kapiert dann jeder. Da stirbt der Kuss noch auf den Lippen des anderen.“
„Und niemand ist beleidigt oder gekränkt, daß du diese Küsse nicht willst?“
„Doch, aber das nehme ich hin. Irene, die Schwiegermutter meiner Schwester küsst mit Vorliebe Verwandte und Bekannte ab. Bei mir schafft sie es nie. Regelmäßig beschwert sie sich dann und ist abgekühlt und distanziert. Aber was solls, ich lasse mich doch nicht erpressen oder Kussvergewaltigen. Man muß nur konsequent sein.“
„Schlimmer als diese Nirwanaküsser finde ich die Füßeküsser“, mischte sich Malka ein.
„Du kennst Leute, die anderen die Füße küssen“, fragten Zoe und Mag gleichzeitig.
„Oh, Mensch! Ich meine es doch nicht wörtlich. Schließlich sind wir doch nicht im Orient.“ Malka legte den Eislöffel betont auf den Glasuntersetzer. „Ich meine die Leute, die anderen im übertragenem Sinne die Füße küssen, damit diese lieb und freundlich zu ihnen sind. Und diese Geküßten nutzen dann die anderen mit jedem Fußkuß weiter aus.“
Zoes Gesicht hatte sich zu Fragefalten verzogen. „Ich kapiere kein Wort, entweder seid ihr beide heute kryptisch oder das Wetter ist doch entschieden zu heiß und sonnig.“
„Sag ich doch“, murmelte Mag. „Schon gut, ich weiß ja, was Malka meint“, winkte sie dann ab. „Es geht um Hermine. Malka hat eine Arbeitskollegin, die einfach nicht alle Schweine im Rennen hat und mit jedem Tag bescheuerter wird.“
„Hermine heißt Henriette“, korrigierte Malka. „Und im übrigen ist mir diese Frau absolut egal.“
„Und was ist das Besondere an dieser Henriette?“
„Henriette ist nicht besonders. Sie ist einfach bescheuert“, ereiferte sich Malka. „Vor drei Jahren fing sie als Schreibkraft in unserem Institut an. Wir hatten einen hohen Krankheitsstand und brauchten eine Art Aushilfe. Sie erzählte unseren Chefs, daß sie eigentlich eine medizinische Ausbildung hätte und dann war sie eines Tages plötzlich in einem der Labore und half dort aus. Jetzt, drei Jahre später ist sie dort in der Leitung.“
„Das nenne ich Karriere“, antwortete Zoe.
Malka griff nach ihrem Eislöffel und fuchtelte erbost nach Zoe. „Das ist eine tolle Karriere, insbesonders für das Institut. Die Frau hat kaum Ahnung, kann sich aber blendend verkaufen, ist permanent muffelig und kommandiert alle herum. Inzwischen versucht sie auch in den anderen Abteilungen Fuß zu fassen.“
„Und was hat das mit Füße küssen zu tun,“ fragte Zoe neugierig.
„Ganz einfach. Jede Angestellte leidet unter ihre schreckliche Art. Wenn du Henriette eine Frage stellst, bekommst du keine Antwort oder erhälst einen Einblick in ihre nach oben verdrehten und genervten Augen. Übrigens sehen verdrehte Augen wirklich doof aus.“
„Die Fußküsser“, erinnerte Mag.
„Ja, die Fußküsser. Ich habe sie nicht vergessen. Also, jeder ist sauer auf Henriette und regt sich über sie auf. Aber wenn sie den Raum betritt, werden die Fußküsser zu Bäh-Lämmchen. Dann wird gelächelt und gescherzt und man hilft ihr bei ihren zahlreichen Fehler und in den Pausen schwatzt man mit ihr. An ihrem Geburtstag wird sie dann noch umarmt und sie bekommt von diesen Füßeküssern auch noch diese Nirwana-Küsse.“
„Und was machst du“, fragte Mag.
Malka wurde rot. „Gar nichts. Ich küsse nicht, weder gibt es einen Kuss ins Nichts noch einen Kuss auf den Fuß. Im Gegenteil. Letzte Woche habe ich mich mit ihr bis auf die Skalpellklinge gefetzt. Ich meine es bildlich“, fügte sie hinzu, als sie die entsetzten Blicke der beiden Frauen sah. „Aber ich habe ihr deutlich die Meinung gesagt. Seitdem grüßt sie mich nicht mehr.“
„Was haben die Füßeküsser gesagt“, Zoes Stimme klang fasziniert und neugierig.
„Füßeküsser sagen nichts“, belehrte sie Malka. „Füßeküsser schweigen sich aus. Vielleicht finden sie es gut, daß ich etwas sagte. Vielleicht hoffen sie auch, daß sie von meiner Fetzerei profitieren können, daß meine offene Meinung über Henriette was bewirkt. Aber Füßeküsser selbst haben nur heimliche Meinungen. Ja, manchmal sind diese Meinungen so geheim, daß sie diese selbst nicht kennen. Schaut mal“, unterbrach sie sich. „Die beiden küssen sich noch immer. Das ist unbeschwerte Liebe, Liebe ohne Schmeichelei, wahre Liebe.“


Kommentar von Hadassa

Hallo Babs, hallo Lillilu, danke für die Kommentare. @Lillilu: Danke für den Hinweis mit den Fragezeichen. Irgendwie habe ich sie verschusselt. Ich wüßte nicht, daß ich ein Angebot für den deutschen Wortschatz gemacht habe. Nirvana/Nirwana-Küsse ist ein Wortspiel von mir, Fußkuß oder Fußküsse nicht. Über die - in deinen Augen - nervende Malka werde ich nachdenken. lg Hadassa

Eingetragen am: 05.08.2009

Kommentar von Lillilu

Ein Übungstext über Kussvarianten in Dialogform. Wer redet so? Malka ist eine Nervensäge. Die fehlenden Fragezeichen warfen mich jedes Mal aus dem mäanderndem Redefluss. Werden hier ‚Nirvana-Küsse’ und ‚Fußküsse’ für den deutschen Wortschatz angeboten? LG Lillilu

Eingetragen am: 04.08.2009

Kommentar von Babs

Hallo Hadassa, ja - Füßeküsser sind wirklich schrecklich unangenehm. Toll, wie Du diese Kußvariante umgesetzt hast. Gruß Babs

Eingetragen am: 04.08.2009

Eingetragen am: 03.08.2009 von Gina
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2696

"Fronija, hast du mal ein Handtuch?"
Zlata hatte die Duschwand beiseite geschoben und spähte in den dämmerigen Raum. Vor der Spiegelleuchte zeichnete sich ihre Kontur als Scherenschnitt ab. Fronja wedelte mit einigen Seiftüchern.
"Hier! Du musst ein bisschen improvisieren. Lass dir helfen."
Zlata hielt eines der Tüchlein auf ihren Haaren fest und ließ sich von Fronija abtrocknen.
"Ahuh! Vorsicht!" Die rauen Lappen wirkten auf ihren Schrammen gar nicht gut.
"Du bist wohl in einen Mähdrescher geraten? Komm, leg dich hier auf die Polster. Ich creme dich ein."
Zlatas Füße waren besonders zerkratzt und geschwollen.
"Dafür habe ich etwas gutes. Ringelblumen mit Arnika."
"Eine Kräuterhexe bist du auch?"
"Immer schon gewesen. Halt still!"
Zlata fröstelte etwas, so ohne Bedeckung, aber Fronija hatte unglaublich warme Hände. Sie tat ihr wohl. Behutsam verstrich sie die Salbe auf der wunden Haut und ging allmählich zu einer streichelnden Massage über. Als Fronijas Finger Zlatas Beine entlang strichen, spürte die Erschöpfte, mit welcher Hingabe ihre Gastgeberin auf sie einging. Sanft küsste sie ihre Schenkel. "Ja, hallo?" Unbeirrt tupfte Fronija mit ihren Lippen weiter hinauf. "Aach" Zlata schloss die Augen und ließ ihre Beine auseinander gleiten. Eben noch inniges Geben, wandelte sich Fronijas Zärtlichkeit in saugende Forderung. Zlatas Schoß antwortete mit frischer Feuchte.


Kommentar von Eva Marcuse

Liebe Gina, Wie immer bei dir, überraschende Wortkombinationen, Sprachbilder mit vollkommener Ausdruckskraft, wie z.B. die Kontur als Scherenschnitt, und alles in hoher Präzision. / "Ahuh" tut echt weh beim Lesen. ... / Die fehlenden Handtücher bezeichnen gut das Umfeld. ___Im übrigen schließe ich mich Iris und Lillilu an. ____Eine kleine Kritik habe ich aber noch: Irgendwann geht es etwas durcheinander, wer gerade mit "sie" gemeint ist: "Zlata fröstelte... Fronija hatte warme Hände .. Sie [besser: das] tat ihr wohl. Behutsam verstrich sie die Salbe". Und wer sagt (und warum): "Ja, hallo?"? __ Gruß, Eva M

Eingetragen am: 04.08.2009

Kommentar von Iris H.

Liebe Gina, diese Beschreibung von Wundbehandlung über Massage zu erotischer Liebkosung gefällt mir sehr. Wie übrigens deine ganze Geschichte. (habe nachgelesen im RieJ) Du mutest sowohl deinen Figuren als auch deinen Lesern einiges zu, genau das mag ich. Auch diese Mischung von ursprünglichem Instinkt und Intelligenz/ Bildung. Ein Roman, nach dem ich sofort greifen würde, nicht zuletzt weil er mit Meer und Seefahrt zu tun hat, da liebe ich schon allein das Vokabular. LG Iris

Eingetragen am: 04.08.2009

Kommentar von Lillilu

Toll geschrieben und mutig!

Eingetragen am: 04.08.2009

Eingetragen am: 03.08.2009 von Babs
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2694

Sorry, aber leider wurde es keine Liebesszene im herkömmlichen Sinne.

Lasst Küsse sprechen
Küsse, die sich ein liebendes Paar gibt, Elternküsse, Kinderküsse, Opa-Omaküsse – sie wurden schon tausendfach geschildert, beschrieben.
Es gibt auch andere Küsse.
Küsse des Abschieds.
Teresa, Mitglied und unersetzbares Mosaiksteinchen unserer Schreibgruppe wird gehen. Für immer.
Als es ihr noch gut ging, tauschten wir Wangenküsse zur Begrüßung. Nicht, weil diese Form der Begrüßung heute so „in“ ist, sondern weil gegenseitige Sympathie und Zuneigung uns verband. Wir alle haben gute, geistreiche, kreative, humorvolle aber auch ernste Stunden mit Teresa verbracht. Ihre Texte, so unnachahmlich geschrieben und vorgetragen, ihre kritischen, aber nie verletzend formulierten Anmerkungen zu unseren Texten waren ein wertvoller und unvergesslicher Bestandteil jedes Treffens.
Wenn wir sie heute besuchen, tauschen wir immer noch Wangenküsse zur Begrüßung.
Aber wir alle fürchten uns vor dem Augenblick, an dem der Begrüßungskuss der Vorletzte, und der Letzte der Abschiedskuss sein wird.


Kommentar von Babs

Hallo Angela, Du liegst richtig mit Deiner Interpretation und hast meinen Text richtig verstanden. Danke für Deinen Kommentar. Gruß Babs

Eingetragen am: 06.08.2009

Kommentar von Angela Barotti

Da meine Interpretation total von der Evas abweicht, möchte ich dir sagen, wie ich den Text verstehe: Teresa ist sterbenskrank und jede Begegnung mit ihr kann die letzte sein. Das alles lese ich aus dem Hinweis "als es ihr noch gut ging" heraus. Liege ich falsch?

Eingetragen am: 05.08.2009

Kommentar von Eva Marcuse

Hallo Babs, kann es sein, dass Teresa ein "echtes" Mitglied hier im Sommerworkshop Raum-zum-Schreiben, und aus mir nicht bekannten Gründen enttäuscht ist. Dass sie sich deshalb "für immer" verabschieden will? Wenn dem so sein sollte, dann sollte Teresa besser ihren Frust durchaus auch ganz unliterarisch offenlegen. Vielleicht gibt es ja doch eine Chance für Teresa, weiter mitzuschreiben? Aufmunternde Grüße, Eva

Eingetragen am: 04.08.2009

Kommentar von Susanne

Eine sehr traurige und melancholische Geschichte, die mir sehr gut gefällt. Abschiedsküsse sind so schwer, ich würde sie auch am liebsten verbannen, vor allem, wenn man weiß, dass es keinen Begrüßungskuss mehr geben wird.

Eingetragen am: 03.08.2009

Eingetragen am: 03.08.2009 von Manfred Pe.
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2677

Paco

„Paco?“ – „Si“
Der alte Mann, der eigentlich gar kein alter Mann war, setzte sich neben dem Angesprochenen. Es war früher Vormittag, die Sonne erleuchtete das Meer. Beide saßen auf der Steinbank vor der Treppe zur Kirche, ein beliebter Ort zum Rasten, mit dem Rücken zum Wasser. Hier konnte man ausruhen und in aller Ruhe die Menschen beobachten, die in der noch angenehmen Luft ihre ersten Besorgungen erledigten.

„Paco, es tut mir leid, dass es solange gedauert hat, ich war wirklich regelmäßig hier. Verzeih’ mir auch die Lüge, ich habe die ganze Zeit darunter gelitten.“

Der angesprochene Spanier sah den alten Mann verwundert an. Obwohl einige, genau gesagt, sieben Jahre älter, machte er einen wesentlich frischeren Eindruck. Dies lag nicht so sehr an seiner gebräunten Haut, nicht so sehr an seinem vollem schwarzem Haar, nur an den Schläfen ergraut. Es lag im Wesentlichen an seinen frischen Augen, die noch immer neugierig die Welt beobachteten, nach innen auf ein offensichtlich zufriedenstellend verlaufendes Leben blickten.

„Entschuldigen Sie, kennen wir uns? Sie sind offensichtlich ein deutscher Tourist, ich kann mich nicht erinnern, Sie schon einmal getroffen zu haben.“

„Ach, Paco, Dein Deutsch ist soviel besser, als….“

1974

– das Jahr des Abiturs, endlich keine Schule mehr, die Freiheit ruft, oder das, was man im Alter von einundzwanzig erwartet. Zu viert waren sie mir ihrer Ente losgezogen. Hatten Straßburg hinter sich gelassen, waren südlich von Paris über Bourges und Carcassonne in Perpignan gelandet. Hier entdeckten sie eine kleine Pension, in der sie zu ihnen möglichen Preisen übernachten konnten.

Wer waren diese Vier? Alle Abiturienten, zwei Pärchen ungefähr im gleichen Alter. Das eine Pärchen war wirklich ein Pärchen mit allem, was in der Zeit nach der sexuellen Revolution erlaubt war. Das andere war über das Petting nicht hinausgekommen, doch das störte niemanden, außerdem erlaubte sich das Mädchen in dieser Beziehung nebenbei so das eine oder andere Vergnügen und schätzte die zuvorkommende Art ihres Partners, des jungen alten Mannes.

Ihre Laune war hervorragend, denn der bisherige Verlauf ihrer privaten Abitur-Abschlußfahrt war wirklich gut gewesen. Noch immer unter dem Eindruck der mittelalterlichen Stadt Carcassonne, überlegten sie, wohin sie jetzt fahren könnten. Ist es nicht schön, keinem festen Plan folgen zu müssen, sondern jeden Tag sich ein neues Abenteuer auszusuchen?

„Wenn wir jetzt schon so weit im Süden sind, warum nicht auf einen Abstecher nach Spanien?“ schlug der Junge in der richtigen Beziehung vor.

„Ja, aber wir als richtig linksorientierte Bald-Studenten? Nach Spanien, wo dieser Franco noch immer sein Szepter schwingt?“ Der junge alte Mann hatte schon immer eine Neigung, prinzipienfest zu sein, ob er dies immer in seinem privaten Leben halten konnte, darüber wollte er weniger gern reden.

Spanien im Jahr 1974, noch immer ist Franco an der Macht auch wenn er lebend langsam zu verfaulen schien. Noch ahnte niemand, dass in Kürze ein für politisch unwichtig gehaltener Kronprinz dieses Land revolutionieren, zur Freiheit führen würde. Aber natürlich hatte Spanien den Tourismus entdeckt und so eroberten mehr und mehr Touristen aus Mitteleuropa und Großbritannien das Land.

Nun meldeten sich die Mädchen zu Wort und waren offensichtlich ganz begeistert von dem Plan. Ihre Bemerkungen über die tollen Toreros in ihren ach so geilen knappen Kostümen weckten bei dem männlichen Teil dieser Gesellschaft gemischte Gefühle, die allerdings hinter politisch korrekten, sofern man die Verschleierung der Wahrheit damals schon so nannte, bezüglich Tierschutz, Grausamkeit etc. versteckt wurden.

Auf jeden Fall einigten sich die vier und verabredeten, möglichst früh am nächsten Tag aufzubrechen, sich südlich von Barcelona einen Ort zu suchen, der für sie erschwinglich war, nah genug an Barcelona, um diese Stadt erkunden zu können, aber natürlich romantisch am Meer gelegen.

Nach einen schönen Frühstück mit viel Croissants und Café au lait, brachen sie am nächsten Morgen Richtung Spanien, genauer Katalonien auf.

Nach der Grenze war die Stimmung etwas gedrückt. Ungewohnt die vielen Soldaten am Rande der Straße, irgendwie empfanden sie, ständig unter Beobachtung zu stehen. Der in Madrid langsam vermodernde Leichnam zeigte noch immer seine Stärke.

Wie verabredet ließen sie Barcelona hinter sich, um einen geeigneten kleinen Ort zu finden, der ihr Stützpunkt werden sollte. Die Karte nutzte wenig, da ihnen die ganzen Ortschaften nichts sagten. Und wir wollen nicht vergessen, damals war das Internet noch eine Idee der Zukunft, an die keiner dachte.

Spanien 1974, noch keine Autobahnen, die die Landschaft durchpflügen, die sich mittels Tunnel durch die Berge fressen. Die Straße verlief noch direkt am Meer, mäanderte an den Felsen entlang und der Blick auf die herrliche Küste und das Meer war noch frei.

Wieder eine Biegung und nahezu gleichzeitig erklang ein „Oh – Ah“ in dem Wagen. Vor ihnen breitete sich ein Ort aus, der nichts an Romantik vermissen ließ. Keine Hotelburg war zu sehen, stattdessen erstreckten sich Häuser, spanisch, d.h. katalonisch, wie man sie sich nicht katalonischer vorstellen konnte. Auf einer kleinen felsigen Halbinsel stand eine Kirche, die den Ort zu bewachen schien.

Alle waren sich einig, dies war der Ort, den sie suchten. Sie ahnten nicht, dass sie tatsächlich eine Perle im Süden Barcelonas gefunden hatten, ein Ort, der viele Künstler angezogen hatte und deshalb auch ein Ort von gewisser Großzügigkeit war, sogar in der späten Franco-Ära.

Die Suche nach einem günstigen Appartement verlief erfolgreich, auch wenn der Preis den Meeresblick verhinderte. Sie richteten sich ein, holten sich die notwendigen Lebensmittel, erkundeten den Ort und ihre Begeisterung wuchs von Tag zu Tag.

Doch wie es so ist, der Tag des Abschiedes, des sich auf den Rückweg machens näherte sich. Schließlich war es soweit, noch eine Nacht, am nächsten Morgen sollte es über Frankreich, der Schweiz zurück nach Deutschland gehen, wo die Jungs hofften, keinen Einberufungsbescheid vorzufinden.

Was richtige junge Leute sind, gehen sie am letzten Abend durchaus nicht früh zu Bett, sondern wollen Abschied von einem Ort nehmen, den sie in ihr Herz geschlossen haben. Also, noch einmal eine Kneipentour.

In dem Ort gab es eine Straße, eigentlich keine Straße mehr eine breite Gasse, die die Straße der Sünde genannt wurde. Hier war eine Kneipe nach der anderen und nicht immer war für die jungen Leute klar auszumachen, welchem Geschlecht die Gäste immer zugehörten.

Eine Kneipe, offen zur Straße, wie so viele in dem Ort, war die Lieblingskneipe gewesen des jungen alten Mannes und seiner Freundin. Niemand wusste so recht, warum sich die Paare getrennt hatten, lag es daran, dass wieder einmal die Interessen zu unterschiedlich waren? Lag es daran, dass etwas in der Luft lag, von dem niemand etwas ahnen konnte?

Das Mädchen jedenfalls lotste den jungen alten Mann zielstrebig in diese Kneipe an die Bar.

Irgendwie hatte der junge alte Mann nach ein paar Drinks das Gefühl, dass das Mädchen nicht so richtig bei der Sache war. Ihr Blick ging immer wieder an ihm vorbei, gleichgültig was er sagte. Ihre Augen bekamen einen nahezu gierigen Blick. Er drehte sich um und sein Blick fiel auf einen Spanier, einen Spanier aus dem Bilderbuch. Groß gewachsen, braun gebrannt, dunkle schwarze Haare, die gleichen dunklen Augen, die etwas gleichgültig die Gäste taxierten. Mit lässigen Bewegungen balancierte er sein Glas und seine Zigarette. War er gleichgültig? War er arrogant? Der junge alte Mann hatte den Eindruck, er suchte etwas. Sofort überkam ihn Eifersucht, denn offensichtlich fand das Mädchen mehr Gefallen an diesem jungen Mann, als ihm lieb war. Bei aller Toleranz, nicht am letzten Abend.

Das Mädchen verschwand kurz auf der Toilette und als der Aufenthalt sich doch etwas lang hinauszögerte, wendete sich der junge alte Mann um, um sie zu suchen. Dies musste er nicht lange, denn sein Blick fiel in die Ecke des jungen Spaniers und wer unterhielt sich da lachend mit ihm – sein Mädchen. War es sein Mädchen? Schließlich hatten sie noch nie richtigen Sex gehabt, aber deswegen gleich den letzten Abend verderben – nicht mit ihm.

Der junge alte Mann ging entschlossen zu den beiden und sprach das Mädchen an, was das solle. Sie sah ihn nur schnippisch an, verstand offensichtlich diesen Emotionsausbruch des jungen alten Mannes nicht und fühlte sich nur gestört. Den jungen Spanier beachtete der junge alte Mann erst gar nicht, doch als er den Blick zu ihm wandte, ihm seine Empörung zeigen wollte, geschah etwas, auf das er nicht vorbereitet war.

Klar, er war auf einen spöttischen Blick vorbereitet, er war sich klar, dass er sich auf eine Art lächerlich machte, doch das war ihm gleichgültig. Doch den Blick, den er auffing, war irgendwie anders. Ja, der junge Spanier amüsierte sich über seinen Auftritt, doch neben Spott war etwas anderes in dem Blick. Die dunklen Augen gruben sich in die Augen des jungen alten Mannes. Ohne den Blick von seinen Augen zu wenden schien der junge Spanier unseren jungen alten Mann zu taxieren. Und was er da erblickte, schien ihm nicht unsympathisch zu sein.

Der spöttische Blick verwandelte sich in ein Lächeln. Der ganze Süden lächelte nun den jungen alten Mann an, der ganze Süden mit seiner Verführungskunst. Ihm blieb nichts anderes übrig, als dieses Lächeln zu erwidern. Verschwunden war das Mädchen, das noch immer schimpfend neben ihm stand.

Plötzlich Stille, auch das Mädchen war verstummt, konnte die Situation nicht fassen. Glaubte sich auch von dem jungen Spanier verspottet, holte sich ihre Tasche, verschwand mit einem „Mach doch was Du willst“.

Nun war der junge alte Mann mit dem Spanier allein und wusste nicht, was hier vor sich ging. Oh, diese Bewegung als sein neuer Bekannter, wirklich schon Bekannter, zwei Drinks für sie bestellte, sich vorstellte, „Paco heiß ich – und Du“. Der junge alte Mann stellte sich vor und plötzlich war kein Fremdeln mehr vorhanden, sie erzählten woher sie kamen, was sie hier machten, was sie mochten, wie es in Spanien war, wie in Deutschland.

Nach einiger Zeit machte Paco den Vorschlag, doch das Lokal zu wechseln und noch einen schönen Absacker zu nehmen, er wüsste ein schönes, kleines Lokal, nicht weit weg, nicht so überfüllt, fast nur Einheimische. Sie machten sich auf den Weg.

Das Lokal war wirklich klein und heimelig. In einer Seitengasse gelegen war es den Touristenschwärmen verborgen und wie Paco versprochen hatte, waren nur Einheimische dort und – das fiel unserem jungen alten Mann erst nach einiger Zeit auf, nur Männer.

„Jetzt müssen wir uns aber auf den Weg machen, sonst brauchen wir uns gar nicht mehr ins Bett zu legen. Am besten machen wir gleich etwas aus. Wir treffen uns Morgen um zehn Uhr am Vormittag an der Steintreppe, die zur Kirche führt. Da ist eine Bank, auch aus Stein und man kann die Leute beobachten und herrlich über sie lästern.“ „Klar Paco, das machen wir.“ Der junge alte Mann hatte ganz vergessen, dass er um diese Zeit mit seinen Freunden bereits auf dem Weg zurück in die Heimat sein würde.

Sie verließen die Kneipe und gingen Richtung Appartement. Sie durchquerten die verschiedensten dunklen Gassen, nahezu kein Mensch war mehr unterwegs.

In einer dieser dunklen Gassen blieb Paco plötzlich stehen, drehte sich zu unserem jungen alten Mann, lächelte. Der junge alte Mann blieb ebenfalls stehen und sein überraschtes Gesicht war dem Gesicht von Paco nahe.

Da fasste Paco ihn und drängte ihn an die eine Wand der engen Gasse, drückte ihn an die von der Sonne des Tages noch warmen Steine. Sein Gesicht näherte sich ihm, sein Mund näherte sich seinem Mund. Der junge alte Mann erstarrte, er glaubte in Stein verwandelt zu sein. Während Paco seinen Händen erlaubte, langsam den Körper unseres jungen alten Mannes zu betasten, zu streicheln, ließ der junge alte Mann seine stramm an seinem Körper liegen, als probte er das erste Strammstehen für die Bundeswehr.

Nun war der Mund Pacos direkt bei seinem. Paco öffnete den Mund, strich mit seiner Zunge über die Lippen unseres jungen alten Mannes, der noch mehr erstarrte. Zärtlich liebkoste Paco dessen Lippen, der junge alte Mann schloss seine Augen, ein Zittern durchlief seinen Körper, irgendetwas tief in ihm drängte nach außen. Das durfte man doch nicht machen, was stellte Paco mit ihm an?

Pacos Zunge suchte den Weg in den Mund des jungen alten Mannes. Immer geringer wurde der Widerstand, nach dem Zittern durchliefen ihn heiße Schauer. Eine Erkenntnis machte sich in seinem Körper Bahn. Und ehe er noch darüber nachdenken konnte, öffnete sich sein Mund, gab er der Zunge von Paco freie Bahn, ergab sich dem Unausweichlichen.

So groß die Versteinerung der Arme des jungen alten Mannes gewesen war, umso gieriger ergriffen sie nun den Körper Pacos. Mit beiden Händen hielt er seinen Kopf fest, um den Mund von Paco nie mehr hergeben zu müssen, seine Zunge spielte mit Pacos, sie vereinten sich, sie fanden sich.

Der junge alte Mann verbrachte die letzte Nacht nicht in dem Appartement mit seinen Freunden, sondern mit Paco. Als er am nächsten Morgen zu seinen Freunden stieß, sagte keiner ein Wort. Nicht einmal eine Bemerkung über seine aufgescheuerte Mundpartie, hier hatte Pacos starker Bartwuchs deutliche Spuren hinterlassen, war ihnen eine Bemerkung wert. Das Mädchen ignorierte ihn lange. Erst in der Schweiz normalisierte sich ihr Verhältnis wieder, aber auch hier wurde nicht über die letzte Nacht gesprochen.

Und hier war der junge alte Mann schon längst todunglücklich. In all seiner Euphorie mit dem, was mit ihm geschehen war, mit dem was er entdeckt hatte, mit der Tatsache, dass er sich entdeckt hatte, hatte er etwas vergessen. Er hatte mit Paco ausgemacht, sich am nächsten Tag zu treffen und hatte am Schluss vergessen, dieses aufzuklären, hatte vergessen, sich die Adresse aufzuschreiben, hatte vergessen, seine Adresse weiterzugeben. Das ganze war wie ein Rausch gewesen, alle Vernunft war verschwunden. In diesen Momenten nahm er sich fest vor, sobald wie möglich wieder in den kleinen Ort zu fahren um auf die Suche nach Paco zu gehen.

Zurück in Deutschland fing ihn die Bundeswehr ein, das Studium begann, das Leben lief. Er schaffte es nur alle zehn Jahre in diesen Ort zu fahren, auf der Suche nach Paco.

2004

„Siehst Du Paco, damals hast Du mich erweckt, fast wie im Märchen, nur das ich keine Prinzessin war und bin. Du hast mir gezeigt, wer ich bin. Ich habe Dich in all den Jahren nicht vergessen. Ich hatte viele Beziehungen, aber keiner kam an Dich ran, keiner genügte mir. Du hast mein Leben bestimmt, mit einem Kuss. Und nun, nach all den vielen Jahren habe ich Dich doch noch getroffen.“

Der Spanier hatte schweigend zugehört. Offensichtlich peinlich berührt, blickte er zum Boden, erhob sich, wendete sich Richtung Ortsmitte, blieb stehen. Ohne den alten Mann anzusehen:

„Sie müssen sich irren, ich bin seit 30 Jahren verheiratet und hatte nie eine Beziehung, wie sie sie beschreiben. Ich habe drei Söhne und mittlerweile zwei Enkel. Mein Leben ist in geordneten Bahnen gelaufen, ohne Touristen anzumachen. Entschuldigen Sie, ich muss heim, meine Frau wartet auf mich. Ihnen alles Gute.“

Nach ein paar Schritten blieb der Spanier stehen, er schien über irgendetwas nachzudenken, sich etwas zu überlegen, wollte er sich wieder umwenden, dem alten Mann zu? Nein, nach kurzer Zeit ging er ohne weitere Verzögerung weiter.

„Ach Paco“ dachte der alte Mann. „Es war schön, Dich noch einmal zu sehen. Mit einem Kuss hast Du mein Leben verändert. Schade, dass nicht einmal eine Umarmung für mich übriggeblieben ist. Aber es war schön. Nun habe ich mein Ziel erreicht, auch wenn der Ausgang nicht unbedingt so war, wie er hätte sein sollen.“

Am nächsten Morgen fand die örtliche Polizei einen alten Mann auf der steinernen Bank bei der Treppe zur Kirche. Viele Menschen waren schon vorbeigegangen und hatten sich über den Mann gewundert, der lächelnd reglos in die Weite starrte. Warum fiel lange niemandem etwas auf? Er bewegte sich nicht, er lächelte, er war in einer Zeit, an einem Ort, den ihn niemand nehmen konnte.


Kommentar von minnelayde

Die Idee und der Verlauf der Geschichte an sich finde ich sehr gut. Zwei Menschen treffen sich, gehen wieder ihre Wege und beim nächsten Wiedersehen haben beide völlig andere Lebenswege beschritten, kein happy ending, keine "wir sind beide gay´s" Geschichte, das finde ich gut. Auch mich hat das mit dem jungen alten Mann genervt - als Hintergrundinfo schön, die Frage bleibt nur warum diese Bezeichnung als Name stehen bleibt und der Hintergrund nicht klar geklärt wird (kann ja auch implizit geschehen). In Spanien sind Toreros Helden und der Inbegriff von Mann und Erotik, da ist geil kein cooles Wort. Fazit: Geschichte prima - Wortwahl und Ausdrucksweise noch ausbaufähig. LG Bianca

Eingetragen am: 05.08.2009

Kommentar von Lillilu

Mir gehts auch wie den Kommentatoren vor mir. Sehr schöne, lesenswerte Geschichte, aber zu lang. Und der "junge, alte Mann" muss unbedingt anders benannt werden. Bitte auch die "geilen, knappen Kostüme" umbenennen! Geil hieß damals, was es bekannterweise auch bedeutet. Hätte niemand in den siebziger Jahren gesagt! Vielleicht hätten die Mädchen von "scharfen" oder "tollen" Kostümen geschwärmt. LG Lillilu

Eingetragen am: 05.08.2009

Kommentar von Iris H.

Lieber Manfred, ich schließe mich Mara in allen Punkten an. Den Kern der Geschichte finde ich sehr berührend. Und schon so manches Mal hat mich die Länge deiner Texte vom Kommentieren abgehalten. Nichts für ungut, Iris

Eingetragen am: 04.08.2009

Kommentar von Mara

Hallo Manfred, du beschreibst einfühlsam die Entdeckung der Sexualität deines Prota. Schöne Bilder, schöne Stimmung, aber ein wenig haben mich die ständigen Wiederholungen des "Jungen alten Mannes" genervt, auch ist mir die Vorgeschichte zu lang. Fang doch einfach mit dem Eintreffen in Spanien an. Liebe Grüße Mara

Eingetragen am: 03.08.2009

Eingetragen am: 02.08.2009 von Liliana-Louisa
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Ich kicherte. Bernadette erzählte mir von ihrer Cousine Claudette. Und davon, dass sie beobachtet hatte, wie diese von einem Jungen geküsst wurde.
Zur Veranschaulichung ihrer Worte schlang Bernadette die Arme um sich selbst, spitzte den Mund und küsste die Luft. „Mmh, mmh, oooh, oui, mmh“, stöhnte sie mit geschlossenen Augen.
Mein Kichern ging in lautes Prusten über. Die Vorstellung war zu komisch.
Bernadette löste ihre Selbstumarmung und stimmte in mein Gelächter ein. „Warte, Julie, das Beste kommt noch“, sagte sie, als wir uns wieder beruhigt hatten. „Ich habe dir noch nicht alles erzählt.“
„Was denn noch?“ Meine Stimme war schwer und dunkel vor Neugierde.
„Dann“, sagte Bernadette und machte eine bedeutungsschwere Pause, „dann hat er mit seinem Mund an ihrem Hals herumgesaugt. Wie ein Vampir! Meine Cousine stand stocksteif und mit weit aufgerissenen Augen da.“
„Und dann?“, fragte ich atemlos und rechnete damit, dass Claudette den Jungen wütend weggestoßen und beschimpft hatte.
Bernadette tippte mit ihrem Zeigefinger an meinen Hals. „Als er fertig war, war ungefähr an dieser Stelle bei Claudette ein dunkler Fleck. Als ich meine Cousine später darauf ansprach, erklärte sie mir, dass das ein Knutschfleck sei. Sie meinte, es sei eine Art Trophäe. Ein Beweis, dass sich ein Junge für sie interessieren würde. Sie war sehr stolz darauf.“

Als ich abends in meinem Bett lag, bedauerte ich, dass ich mir nicht selbst einen Knutschfleck am Hals verpassen konnte. Ich hätte dann behauptet, er stamme von Nadim.
So saugte ich an meinem Unterarm herum – nur so zur Probe –, brachte jedoch nichts zustande, was annähernd Bernadettes Beschreibung von einem Knutschfleck entsprach.


Kommentar von Frog

Eine sehr lebendige Schilderung, die Bernadette da abliefert. Und wie die kleine staunende Cousine leicht verschämt den Worten lauscht und sie genießt. Wunderbar geschrieben, hat am Ende auch bei mir Erinnerungen wachgerufen. Salut, Mme. Grenouille

Eingetragen am: 18.08.2009

Kommentar von Eva Marcuse

Üben, üben, üben.

Eingetragen am: 06.08.2009

Kommentar von Hadassa

Hallo Liliana-Louisa, wie immer hast Du die Aufgabe klasse gelöst. Mich fasziniert die Geschichte von Aufgabe zu Aufgabe. lg Hadassa

Eingetragen am: 04.08.2009

Kommentar von Babs

Hallo Liliana-Louisa, ja, so war das damals. Wir waren alle schockiert und doch gleichzeitig fasziniert. Die noch keinen Knutschfleck vorzuweisen hatten, standen außen vor. Deine Geschichte weckt Erinnerungen. Gruß Babs

Eingetragen am: 04.08.2009

Eingetragen am: 02.08.2009 von Susanne
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Flaschendrehen

Ich fand die Einladung auf meinem Matheheft, zweimal gefaltet.
Karsten hatte zu seinem 15. Geburtstag am Samstag die halbe Klasse in den Partykeller seiner Eltern gebeten und eine großartige Fete versprochen,
Schon Tage vorher überlegten meine beiden Freundinnen Beate und Claudia, was sie anziehen sollten, um dem süßen Holger aus der letzten Reihe zu gefallen. Würde Ralf einen seitlichen Pferdeschwanz besser finden? Wo sollten sie sich schminken, denn zu Hause würden es die Mütter verbieten? Würden sie nach der Party mit den beiden Jungen gehen?
Stumm hörte ich ihrem aufgeregtem Getuschel zu, denn ich fand ihre Sorgen albern. Jungen waren doof und ekelhaft mit ihrem Gockelgehabe. Ich wollte mit ihnen nicht näher in Kontakt kommen und konnte nicht verstehen, warum Beate und Claudia es toll fanden, Händchen haltend über den Schulhof zu laufen und in der dunklen Ecke vor den Klos zu knutschen.
Für mich stand nur das Überleben des Abends im Vordergrund, den ich mir in meinen Albträumen ausmalte: Gekicher bei meinen Freundinnnen, um die Aufmerksamkeit der Jungen auf sich zu lenken, zarte Bande zwischen Beate und Ralf, die in peinlicher Knutscherei enden würde - dafür würde meine Freundin schon sorgen - und wahrscheinlich Stehblues, bei dem man sich den Jungen vom Leib halten musste.
Aber kneifen konnte ich auch nicht, sonst gehörte ich am Montag nicht mehr zur Clique. Und das war weitaus schlimmer, als sich mit einem pickeligen Jungen den ganzen Abend zu unterhalten.
Punkt sechs Uhr stand ich mit einem eingewickelten Buch unter dem Arm vor Karstens Haustür und klingelte. Laute Musik schallte durch das Treppenhaus, als er mir öffnete und mich anschließend in den Keller führte. Der große Raum war schummrig beleuchtet, die Diskokugel an der Decke warf silberne Rechtecke an die Mauern, die zu Nena und Trio tanzten.
Vor den Wänden lagen große Kissen auf dem Boden. Ich gesellte mich zu Beate, Claudia und zwei weiteren Mädchen und beobachtete, wie die Jungen lässig an der Bar lehnten und das weibliche Geschlecht ignorieren. Gut so, dachte ich, die wollen mit uns auch nichts zu tun haben.
„So, Leute“, forderte uns Karstens älterer Bruder nach einer Stunde auf, „damit hier mal ein bisschen Stimmung aufkommt, setzt euch mal alle in einen Kreis.“
Beate und Claudia saßen sofort in der Raummitte, während ich noch überlegte, ob ich nicht dringend aufs Klo müsste. Aber so lange würde ich nicht wegbleiben können, bis der Spuk vorüber war. Also ließ ich mich ebenfalls nieder. Die Jungen hatten schon ordentlich Bier getrunken, es fiel nicht mehr jedem leicht, sich auf dem Boden zu platzieren.
Karstens Bruder hielt eine leere Colaflasche in der Hand.
Oh nein, schoss es mir durch den Kopf, nicht …
„Flaschen drehen!“
Waren die ersten Aufgaben noch harmlos, bestand schon nach wenigen Minuten die Strafe darin, denjenigen, der die Flasche gedreht hatte, zu küssen.
Ralf drehte schwungvoll. Beate schöpfte Hoffnung, dass sie die Auserwählte sein würde. Aber nach zwei Umdrehungen zeigte der Flaschenhals genau auf mich.
Am liebsten wäre ich im Boden versunken. Ausgerechnet der Sitzenbleiber, den ich mit seinem vorlauten Maul überhaupt nicht leiden konnte!
Mir brach der Schweiß aus, heiß stieg das Blut in meinen Kopf. Mit wackeligen Knien erhob ich mich unter dem Gejohle der anderen. Ralf hatte sich schon breitbeinig hingestellt und zog mich am Arm zu sich.
Seine Wangen waren mit unzähligen Eiterpickeln übersät, am Kinn glänzten knallrote Pusteln. Und mir schlug der nach Bier stinkende Atem entgegen. Igitt, wie ekelig!
Musste ich ihn wirklich küssen?
Ich spitzte meine Lippen und hauchte einen Schmatzer mehr in die Luft als auf seinen Mund. Schnell zog ich den Kopf wieder zurück und befreite mich aus seiner Umarmung.
„Das war aber nichts“, grölte es mehrstimmig vom Fußboden. „Du musst ihn schon richtig küssen, mindestens 30 Sekunden lang!“
Ralf grinste mich breit an und schlang seine Arme um meine Taille. Es gab kein Entkommen, als seine nassen Lippen sich auf meine pressten.
Ich schloss meine Augen und zählte im Geiste die Sekunden mit.
Nach zehn Sekunden atmete ich das erste Mal durch die Nase ein. Dabei bewegten sich meine Lippen minimal auseinander. Ralf atmete aus und öffnete seinen Mund. Wie zwei Fische waren wir aneinandergedockt und schnappten nach Luft.
Nur fünf Sekunden später wurde der Spalt zwischen Ralfs Lippen größer. Ich musste ebenfalls meinen Mund weiter aufmachen. Plötzlich drang seine Zunge zwischen meine Zähne, begleitet von einer Speichelflut, die mir fast aus den Mundwinkeln tropfte. Schnell sog ich die Körperflüssigkeit ein, was jedoch Ralfs Vorstoß in meine Mundhöhle nur förderte. Gierig suchte er nach meiner Zunge, und als er sie endlich im letzten Winkel fand, begann er mit ihr zu kämpfen.
Unser Publikum musste bemerkt haben, dass der Kuss an Intensität zugenommen hatte und klatschte begeistert Beifall.
Weitere zehn Sekunden ertrug ich das Spiel unserer Zungen und erwartete sehnsüchtig den Ruf, das wir aufhören konnten, von Karstens Bruder, der mit einer Stoppuhr dafür sorgte, dass die Zeit eingehalten wurde.
Ich war mittlerweile bei vierzig angekommen, und Ralf tastete immer noch meine Zähne ab. Entsetzt riss ich die Augen auf, spähte an seinem Kopf vorbei und blickte in das grinsende Gesicht von Karstens Bruder, der in diesem Moment das erlösende Wort „Vorbei!“ rief.
Ralf ließ endlich von mir ab. Ich wischte mir mit dem Ärmel den Speichel von Lippen und Kinn und grinste Beate an, die stocksteif und bleich vor Neid auf dem Kissen saß.
Wenn sie wüsste, was sie verpasst hatte!


Kommentar von minnelayde

Hallo Susanne, sehr schön erzählt. Flaschendrehen, Küssen, Gruppenzwang, Cliquen und die Pubertät - absolut realistisch und authentsich wirkende Prota. Ja, wäh, auch ich konnt vor lauter Grausen nicht aufhörenzu lesen :-) Minnelayde

Eingetragen am: 05.08.2009

Kommentar von Erwina

Hallo Susanne, eklig! Super! Klasse geschrieben, ich konnte mich in die Protagonistin gut reinversetzen - und geh mir jetzt erstmal den Mund ausspülen...;-) Erwina

Eingetragen am: 04.08.2009

Kommentar von Mara

Hallo Susanne, schön eklig deine Geschichte und so naturgetreu. Die ersen Kussversuche sind nicht unbedingt das große Erlebnis, weiß ich aus eigener Erfahrung. Gut getroffen. Liebe Grüße Mara

Eingetragen am: 03.08.2009

Kommentar von Lillilu

Hey Susanne, das ist wirklich schön ekelig rübergekommen - ich konnte gar nicht aufhören zu lesen. War wie Pickel ausdrücken. Prima geschrieben. LG Lillilu

Eingetragen am: 03.08.2009

Kommentar von Eva Marcuse

Atemlos habe ich deinen Text gelesen. Ich weiß nicht, wieviele Sekunden das Lesen gedauert hat, jedenfalls war es wie eine Ewigkeit. Klasse Text. Nichts zu kritisieren. Erinnerte mich an krampfige Situationen in den eignen Teenie-Jahren.

Eingetragen am: 03.08.2009

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