„Ich habe das Buch Raum zum Schreiben genannt, weil jede Seite, jedes Kapitel eine Tür öffnet: zur Fantasie, zum Intellekt, zur Seele und zur Gefühlsebene."

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Nulldiät!

21.07.2009


Aufgabe
Schreiben Sie über etwas, nach dem Sie hungern.
Wenn Sie vor diesem Thema zurückschrecken, beginnen Sie mit etwas schlichtem – Heißhunger auf Schokolade oder Sushi beispielsweise.
Beschreiben Sie anschließend Erfahrungen, die Ihren Hunger entweder stillen oder verstärken.

© 2008 Autorenhaus Verlag GmbH, Berlin
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Leserbeiträge

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Eingetragen am: 01.09.2009 von britta khokhar
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3229

Die Kleider sind mir zu eng geworden. Mich kümmert es nicht. Den noch bin ich geistig und körpelich fit.


Eingetragen am: 20.08.2009 von Berthild Lorenz
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3046

„Nulldiät ist angesagt!“ schrie sie in die Runde. Ich war frisch in den Bundestag gewählt und hatte mich darauf gefreut, dass ich nun endlich so viel Geld bekommen werde, dass ich mir immer und überall das zu essen kaufen kann, worauf ich Appetit habe. Und nun das!
„Was soll der Quatsch?!“ schrie ich ihr vor versammelter Mannschaft entgegen. „Wozu soll das gut sein, wozu?!?“
„Ach Kindchen, du bist neu hier. Ich werde es dir erklären. Der Bundestag ist neu bestuhlt worden und die Sitze haben ein bestimmte Breite, weil die Preise für diese Bestuhlung günstiger waren. Wenn wir mit den Steuergeldern der Bürger unseres Landes nicht achtungsvoll umgehen, dann sind wir bald keine PolitikerInnen mehr und das will doch wohl keineR von uns, stimmt`s?“

Alle außer mir nickten.


„Wo bin ich hier, um Himmels Willen?“, schrie ich und schoss schweißüberströmt auf meiner Matratze hoch! Boah, was für ein Traum! Ich hatte eine unbändige Sehnsucht nach Nähe und Zärtlichkeit gespürt und nun das! Wie konnte das geschehen. Was hat mein Hirn aus diesem Wunsch nach menschlicher Nähe gemacht!

Mit Träumen konnte ich diesem Hunger nach Wärme und Zärtlichkeit nicht begegnen, was sollte ich tun? Ich ging auf die Straße hinaus, mitten in der stockfinsteren Nacht, um mich von diesem Traum zu erholen und traf einen Menschen, der auch unterwegs war.
Wir waren weit und breit die Einzigen.


Eingetragen am: 16.08.2009 von Charlotte Camboné
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2990

Nulldiät

Ich bin schon ein etwas reiferer Jahrgang. Meine Kinder sind erwachsen, sogar eins oder zwei meiner acht Enkel ist schon sozusagen erwachsen. Mein Mann lebt auch noch, wenn auch mit einer anderen Frau. Und das seit 30 Jahren. Wir sind gute Freunde, alle zusammen. Mutter, Kinder, Enkel, Urenkel und der immer-noch-Ehemann mit seiner Lebensgefährtin. Ich habe auch noch eine Schwester. Einsam bin ich nicht.

Und doch....

Vor kurzem kamen wir aus Italien zurück. Wir hatten in Verona Aida gehört und das Land bereist. Der Fahrer des Buses hatte meinen Koffer zum Taxi gerollt. Als ich mich bedanken und verabschieden wollte, nahm er mich in den Arm. Ganz überraschend. Er drückte mich fest und ... man höre und staune ... ich drückte ihn auch. Und ich sagte mitten in dieser Umarmung: ´Ach wie schön... ich habe mich nicht getraut!´.

Ich bin jetzt noch sehr verblüfft! Wieso habe ich mich in dieser Umarmung so wohl gefühlt? Wieso habe ich so etwas gesagt?

Wie das Leben so spielt.

Ganz plötzlich werden einem Dinge klar. Ich kann nicht sagen, dass ich hungere, aber offensichtlich habe ich einen kleinen versteckten Appetit! Und das, obwohl ich seit Jahren sehr vergnügt und zufrieden mit meiner Null-Diät gelebt habe......


Eingetragen am: 11.08.2009 von Michele
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2890

Du hast mich im Stich gelassen,
Einfach so fallengelassen!
Geschichten hast Du mir erzählt.
Bunt und wild.
Meinen Glauben hast Du mir genommen.
Kurz und ohne zögern.
Ohne Gewissen hast Du gespielt,
Gespielt mit meinem Herzen.
Geschenkt hab ich`s Dir.
Nun steh ich hier.
Allein und fassungslos.


Eingetragen am: 06.08.2009 von Maria Weiss
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2772

Wo bist du nur? Das frage ich mich, jeden Tag. Ich kann nicht mehr klar denken, denn du tauchst immer wieder in meinen Gedanken auf. Ich kenne nicht deinen Namen, ich weiß nicht, wie du aussiehst, aber ich weiß, das ich dich suche und du mich suchst. Denn wir sind zwei getrennte Seelen, die darauf warten wieder vereint zu werden. Das Problem ist, wir haben uns noch nicht gefunden! Wieso? Weshalb? Und Warum? Das weiß ich leider nicht! Aber es macht mich wahnsinnig, jeder Gedanke an dich begleitet mich in jeder Alltagssituation. Ich kann nicht mehr klar denken, ich bin frustriert und falle in den Wahn der Lustlosigkeit. Denn du kannst nicht bei mir sein! Du besuchst mich zwar ab und zu in meinen Träumen. Doch du erzählst nie, wie lange es noch dauert. Wie lange soll ich noch auf dich warten? Oder weißt du es selbst nicht? Ob ich dich auch in deinen Träume besuche und du das selbe fühlst? Meine Sehnsucht, mein Verlangen nach dir wird Tag für Tag immer stärker. Ich glaube wahnsinnig zu werden! Ich kann nicht mehr essen, nicht mehr trinken, ohne ein Gedanken an dich zu verschwenden. Werden wir uns noch finden?
Wenn es endlich soweit sein sollte, dann sind wir endlich vereint in diesem Leben und können unsere Zweisamkeit genießen. Bis uns der Tod wieder von einander trennt und wir wieder auf eine neue Reise aufbrechen müssen. Ob wir uns im nächsten Leben finden werden, wissen wir beide nicht, doch wir werden uns suchen und darum kämpfen uns zu finden.
Bis endlich unsere Seelenwanderung eine Ende haben wird und wir beide zu Sternen werden und die Menschen von oben beobachten können, wie sie von einem Leben zum nächsten reisen bis sie sich zu uns gesellen.
Und irgendwann werden auch wir für immer erlöst sein und unser Sternendasein verlassen und auf Ewig ins Nichts verschwinden.


Eingetragen am: 02.08.2009 von marga
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2630

Ich habe Hunger nach Bewegung.Ich habe Hunger zu Fuß um die Welt zu reisen, mit den Menschen aller Länder in Kontakt zu kommen, ihre Lebensweise zu verstehen aber mein Geld reicht nur bis nach Holland und für die bin ich eine von jenen damals.

Ich habe Hunger nach Veränderung. Ich habe Hunger aufzustehen, mir eine Flagge zu nähen, den Mächtigen den Gehorsam zu verweigern, mich vor die Unterdrückten zu stellen und mit ihnen zu den Machthabern zu ziehen aber ich sitze in meinem Büro und tippe diktierte Briefe und für die bin ich ein Kostenfaktor.

Ich habe einen unbändigen Hunger nach Fortschritt zum Frieden. Ich habe Hunger allen Leuten die andere mißhandeln und mißbrauchen vor das Schienbein treten, aber ich bin gut erzogen. Deshalb fordere ich sie nur höflich auf das mit der Ausbeuterei zu lassen und für die bin ich eine Mobbingkandidatin.


Eingetragen am: 01.08.2009 von Sigrid Leister
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2607

Nulldiät
Ich habe in meinem Leben nur einmal eine Diät gemacht und das war die Kohlsuppendiät.
Die Folge ist, dass ich nie wieder eine Kohlsuppe anrühren werde.
Diese Strapazen waren nichts im Vergleich zu den ein Sandkorn im Vergleich zu dem nagende Hunger der mich jetzt überfallen hat. Der Hunger nach Liebe und Zuneigung des einen Menschen der uns ergänzt und akzeptiert so wie wir sind.
Ich hatte diesen Menschen gefunden und mit ihm 20 wundervolle Jahre verlebt.
Dann ist er ohne Erklärung fort gegangen und hat einen wichtigen Teil von mir mitgenommen. Ich sehe mich selbst wie in einem zerbrochenen Spiegel. Alles wirkt verzerrt. In mir breitet sich eine herrenlose Wüste aus, die unter der grauenhaften Hitze stöhnt und meine Tränen, die mir unaufhörlich aus den Augen quellen, verdampfen. Außer dem Schmerz, der überall in meinem Körper wühlt empfinde ich nur Leere. Der Schmerz und die Leere ist beständig und immer präsent. So habe ich mich in Sachen Liebe auf Nulldiät gesetzt. Doch der Schmerz ist geblieben und manchmal wache ich weinend auf, weil ich sein Gesicht im Traum gesehen habe. Hoffentlich schlägt die Diät bald an. Gute Nacht liebes Tagebuch.


Eingetragen am: 29.07.2009 von Mara
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2550

Sie war ein Kind der See. Sie liebte das Gelächter der Möwen, die über ihrem Kopf Kreise zogen. Sie liebte die kleinen Strandläufer mit ihren Streichholzbeinchen, die in Gruppen am Wasserrand entlang trippelten und wie auf ein geheimes Kommando plötzlich die Richtung wechselten. Sie liebte es in den Dünen zu liegen, den Blick in den Himmel gerichtet und dem Treiben der Wolken zuzuschauen. Mal türmten sich die Stapelwolken zu riesigen Monstern auf, um sich einige Zeit später in aufzulösen. Übrig blieben Wölckchen, so zart wie Wattetupfer. Mal streichelte der Wind das Dünengras, ein anders Mal fuhr er wie ein wütender Kobold dazwischen, sodass die Halme in alle Richtungen auseinanderstoben. Sie liebte es, am Strand zu sitzen und den warmen Sand durch die Finger gleiten zu lassen. Aber am meistens liebte sie die See mit ihren unendlichen Weite. Hier lies sich gut träumen.
Als der Krieg kam fragte er nicht – möchtest du hier bleiben.
In der Fremde war die Sehnsucht groß. Sie schnitt ins Herz, tat so weh. War es besonders schlimm, lief sie hinunter zum Fluss, schloss die Augen, hörte das Tuckern der Schleppkäne und stellte sich vor, es seien die Fischkutter ihrer Heimat. Wenn sie die Lider nur einen winzigen Spalt öffnete, sodass sie gerade noch die glitzernde Wasseroberfläche sehen konnte, wähnte sie sich zu Hause am Strand, und der Geruch von Fisch und Tang stieg ihr in die Nase. Oft gönnte sie sich diese Ausflüge nicht. Es war zu gefährlich, stattdessen begrub sie die Sehnsucht tief in ihrem Inneren, Schicht um Schicht, Jahr für Jahr. Irgendwann tat es nicht mehr weh.
Viele,viele Jahre sagte ihre Tochter: “Mutter, was hältst du davon mit uns dieses Frühjahr an die See zu fahren?
Als wäre diese einfache Frage ein Schlüssel zu ihrem Inneren, brach sich die alte Sehnsucht Bahn und drängte an die Oberfläche. Sie war nicht begraben, nur verschüttet. Alte Bilder tauchten auf. Das Meer kurz vor Sonnenuntergang, wenn es ruhig und sanft auf den Strand rollt. Oder wenn es vom Wind gepeitscht wütend aufs Ufer klatscht, dass einem die Gischt ins Gesicht spritzt. Sie sah die untergehende Sonne wie einen riesigen Feuerball am Himmel stehen, der das Wasser in einem breiten Streifen rot färbte.
Als sie das Meer endlich wieder sah, zog sie Schuhe und Strümpfe aus und lief bis zu den Knöcheln ins Wasser, die Kälte bis ihr in die Haut aber sie war glücklich. Die Mittagssonne lies die Wassertropfen wie tausend und abertausend Diamanten funkeln und sie musste die Augen vor dem gleißenden Licht schützen. Oder waren es die Freudentränen, die ihren Blick trübten?


Kommentar von Iris H.

Liebe Mara, nun ist der Workshop zu Ende. Ich hatte gehofft, hier noch mal etwas von dir lesen zu können. Jetzt melde ich mich einfach auf diesem Wege, um mich von dir zu verabschieden. Ich habe deine Texte und Kommentare sehr gemocht, für mich hatten sie etwas ganz besonderes, ich fand sie immer sehr liebevoll und geradeheraus. Ich wünsche dir alles Gute und hoffe, dass wir uns mal "wiederlesen". Liebe Grüße, Iris

Eingetragen am: 05.10.2009

Kommentar von Iris H.

Liebe Mara, dies ist einer der schönsten Texte, die ich je über die Liebe zum Meer gelesen habe. Wunderbarer erster Satz. Und diese Sehnsucht nach dem Meer kenne ich gut, für mich ist es ein Gefühl wie Heimweh, so stark. Vielleicht, weil das Meer Ursprung alles Lebens ist? Und sich gewissermaßen ein Kreis schließt, wenn man dorthin zurückkehrt? --- Kennst du den Satz von Heinrich Heine "Ich liebe das Meer wie meine Seele."? Genau das steckt in deinem Text. Liebe Grüße, Iris

Eingetragen am: 31.07.2009

Kommentar von Hadassa

Liebe Mara, ein durch und durch poetischer Text, mit wunderschönen Bildern und Beschreibungen, voller Sehnsucht. Ich kann Deine Protagonistin so gut verstehen, es zieht mich auch immer wieder ans Meer. Danke für den Text. liebe Grüße Hadassa

Eingetragen am: 29.07.2009

Eingetragen am: 27.07.2009 von Charis
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2545

Manchmal träume ich davon. Dass mich das Leben in eine flauschige Decke einhüllt, so wie es meine Mutter getan hatte, wenn ich meinen Mittagsschlaf unbedingt im Garten machen wollte. Dass mein Leben glänzt und funkelt, wie die billige Kette, mit der ich mir wie eine Prinzessin vorkam. Dass mir mein Leben fröhliche Melodien vorspielt und ich den Text auswendig mitsingen kann.
Doch dann klingelt der Wecker. Ich finde mich wieder, wie ich mich durch den Sumpf der Alltagsprobleme kämpfe, mit schweren Beinen und klumpigen Brocken an den Füßen. Wie ich mit bloßen Händen die Speere des Schicksals abwehre und auf der nie ruhenden Wippe des Lebens versuche, die Balance zu halten.
Manchmal träume ich davon. Dass ich das fehlende Puzzleteil finde, das Fixierspray auch und mein perfektes Leben einrahme. Dass ich die richtigen Farben aus dem Tuschkasten mische und den Regenbogen meines Lebens male. Dass ich die Laufmasche in meinem Leben finde und stopfe.
Manchmal wäre ich damit zufrieden, wenn mein Leben wie mein altes Leuchtjojo wäre. Auf- und abspringend und in bunten Lichtern strahlend. Vielleicht würde ich es sogar einmal schaffen, es oben zu schnappen, gerade in dem Moment, in dem es sich ganz aufgewickelt hat. Ich würde es festhalten und sicher sein, dass ich es jederzeit zum Leuchten bringen könnte. Wenn ich nur wollte.
Doch will ich das? Will ich die flauschige Decke, die mich vor Erfahrungen abschneidet? Will ich den falschen Glanz, der mir in den Augen weh tut? Die lauten Klänge, die mich daran hindern, leise Worte zu hören? Ein Leben, das als Bild fixiert ist?
Ein Regenbogen zeigt sich nur, wenn es regnet. Ein Pullover wird erst dann zum Lieblingsstück, wenn er schon etwas verzogen und vielleicht an einer kleinen Stelle gestopft ist.
Wenn ich auf der Wippe unten sitze, sehne ich mich nach den Höhenflügen, nach dem Gefühl der Leichtigkeit, der Ahnung des Fliegens. Ich fühle mich schwer und steinern, bin überzeugt, nie wieder hoch zu kommen, auf ewig unten hängen zu bleiben, die Füße im matschigen Boden, die Knie unbequem angezogen. Doch will ich absteigen? Das Spiel aufgeben?
Manchmal träume ich davon. Dass ich einen Mitspieler finde, der sich auf die andere Seite setzt. Mein Gegengewicht bildet und mich nach oben schwingen lässt. Der stark genug ist, um mich auf alle Zeit fliegen zu lassen.
Doch dann klingelt der Wecker. Und ich finde mich wieder, wie wir gemeinsam wippen. Auf und ab schweben, Spaß dabei finden, den anderen in den Himmel zu heben genauso wie selbst in die Höhe zu sausen. Ein Spiel, das beiden gefällt. Das beide antreiben, indem sie sich ab und zu ein bisschen stärker abstoßen, als es nötig wäre.
Wie langweilig wäre es, balancierten wir uns in der Mitte aus, blieben in der Waagerechten hängen. Weder den Kopf in den Wolken, noch die Füße auf dem Boden. Manchmal sollte man aus Träumen aufwachen.


Kommentar von Maria Weiss

Hi^^!Dein Beitrag gehört zu den Texten bei denen ich auch hängen geblieben bin. Da meine Zeit begrenzt ist, lese ich nur die Beiträge zu Ende, die mich wirklich faszienieren.Du hast eine schöne Ausdrucksweise! Und das Ende "Back to Reality", hat den Text den letzten Schliff gegeben.Liebe Grüße Maria

Eingetragen am: 30.07.2009

Kommentar von Angela Barotti

Mir erging es genau wie Iris. Wunderschöne Bilder plus Hochgefühl am Anfang, die später in Ernüchterung bei mir als Leser enden. Am Anfang überwiegt das Herz, am Ende der Verstand. Kindliches Glück gegen die Weisheiten der Erwachsenenwelt. Hier wurde Peter Pan erfolgreich aus Nimmerland vertrieben. Doch immerhin ist er zufrieden mit seinem Los.

Eingetragen am: 30.07.2009

Kommentar von Iris H.

Hallo Charis, ich finde den Anfang deines Textes so schön, so mitreißend, dass es richtig schade und ernüchternd ist als die Frage kommt "Doch will ich das?" Da beginnst du gegeneinander abzuwägen und machst die Träume im Nachhinein klein. Was folgt, sind allgemein bekannte Lebensweisheiten, die für meinen Geschmack dem weiteren Text das Poetische nehmen. Vielleicht ist das ja deine Absicht. Aber könnte nicht beides - Realität und Traum - gleichberechtigt nebeneinander stehen? "Und" statt "Doch", ein offenes Ende statt der Entscheidung für die Realität? Dennoch finde ich deinen Text, die Bilder, die du verwendest wunderschön. Liebe Grüße, Iris

Eingetragen am: 30.07.2009

Eingetragen am: 27.07.2009 von Maria Lauke
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2541

Im letzten Jahr war ich für einige Monate in Frankreich, machte dort ein Praktikum. Mitte Juli kam ich zurück. Ich nahm mir einige Tage, mich wieder einzuleben, meine Familie wiederzusehen, ihnen von meinen Erlebnissen zu berichten. Dann setzte ich mich in den Garten, um zu schreiben, und stellte fest: Mein Füller schreibt nicht. Als sei er leer, kratzte er über das Papier. Er hinterließ kaum Spuren...
Ich habe einen ganz besonders schönen Füller. Meine Oma schenkte ihn mir. Ein richtiger Füller, ein Tintenfüller, ein Füller, bei dem man die Tinte aufziehen muss, direkt aus dem Tintenfäßchen. Ein richtiger Füller für richtige Tinte! Kein Schulfüller mit diesen geruchsneutralen "Instant-Patronen". Nein, bei meinem Füller richt man die Tinte schon, bevor man beginnt, zu schreiben. Man muss das Fäßchen öffnen, den Duft in sich aufnehmen, dann die Tinte aufziehen, nochmal den Duft einsaugen, das Fäßchen wieder schließen. Und wenn man schreibt, hört man dieses Geräusch, dieses sanfte Geräusch der Feder, wie sie das Papier streift. Man sieht und hört und riecht und fühlt und in gewisser Weise schmeckt man auch nur dies eine, was wichtig ist: Tinte auf Papier.
Auf all das musste ich verzichten. Mein wunderbarer Füller schreibt nicht mehr. Und eigentlich bedeutet es nichts anderes, als: Ich schreibe nicht mehr. Ich habe es versucht, immer wieder. Habe versucht, meinen Füller auszuspülen, habe einen anderen Füller benutzt, habe am Computer gearbeitet. Nichts. Ich bekomme einfach keinen vernünftigen Satz zustande. Langsam, langsam wird es besser in den letzten Wochen. Heute unterzog ich meinen Füller einer Grundreinigung, habe ihn auseinandergeschraubt, habe ihn abgebürstet, ihn nochmals ausgespült. Ich hoffe, morgen schreibt er endlich wieder... Es wird Zeit!


Eingetragen am: 27.07.2009 von U.Vloskel
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2537

Paula schrieb, das Wetter sei heute nicht so toll. Sie hat ein paar Zeilen dazu gereimt. Ein nettes Gedicht!

Und Susi hat vorbeigeschaut, aus Südafrika!. Toll das Internet. Um den halben Erdball herum kommunizieren und ganz fix auch noch. Schwuppdiwupp sind die Nachrichten ausgetauscht. Schneller als die Post früher und viel persönlicher finde ich.
Ich habe Susi noch nie gesehen und trotzdem, ich kenne sie, als würde sie um die Ecke wohnen und wir könnten uns jeden Tag auf ein Schwätzchen treffen.

Die anderen haben sich rar gemacht. Wahrscheinlich treiben die sich im Garten rum oder arbeiten gar! Bei dem Wetter! Vor mir, auf dem Schreibtisch, häuft sich auch die Arbeit. Eigentlich habe ich heute keine Lust mehr den Berg anzupacken. Aber ich muss ja! Vielleicht schau ich nachher noch einmal im Forum vorbei. Vielleicht fallen mir ja auch noch ein paar Gedichtzeilen ein, meinetwegen sogar zum Wetter. Oder zum Träumen. Oder Glück! Glück ist auch ein klasse Thema. Darüber liest jeder gern.
Gestern habe mir dazu ja auch etwas einfallen lassen. Ok, es war ein Minigeschichtchen. Aber immerhin! Eigentlich seltsam, bisher hat das noch niemand kommentiert. Wahrscheinlich war der Text doch nicht so gut. Ich sollte das wieder löschen. Liest ja eh keiner, diesen Quark. Was ich mir aber auch manchmal einbilde?! Ich könnte ja einfach noch mal nachschauen. Vielleicht hat ja jetzt jemand geantwortet. Ich muss ja nur ganz kurz nachgucken. Ganz schnell und gleich wieder raus da.

Das ist fast wie eine Sucht! Oder auch nicht, es ist ist ja wohl immerhin ein Hobby und Hobbys kann man leidenschaftlich und intensiv frönen. Da kann keiner was sagen. Obwohl, in der Verlaufsliste steht die Adresse ziemlich häufig drin. Ich lösch die Einträge, dann merkt das keiner. Dann ich kann nachher noch einmal ruhigen Gewissens nachschauen, ob sich vielleicht doch jemand bequemt hat. Und huups ist der Tag auch schon vorbei. Und heute Abend gibt es dann einen richtig guten Schwatz mit den Kolleginnen im Schreibforum. Genau!


Eingetragen am: 26.07.2009 von Erwina
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2528

Vielleicht glauben Sie, dass ich Ihren Sohn nur verführt habe, weil ich so sprunghaft und oberflächlich sei. Aber so ist es nicht!
Ich kann verstehen, dass Sie diesen Eindruck gewinnen können. Schließlich war ich vor Markus mit Micha, dann mit Basti und dann mit Kevin zusammen, ach nein davor mit Jonas, aber den kennen Sie nicht… Aber das ist es nicht. Ich schlafe mit all den Männern, aber doch nur, weil ich das Gefühl habe, dass sie mich lieben. Dann begehren sie mich, und was ist schon dabei? Gehe ich mit ihnen ins Bett. Doch spätestens am nächsten Morgen, manchmal noch in derselben Nacht, wurden sie ungemütlich, alle vier, nein fünf, denn Markus machte da keine Ausnahme, und verlassen mich. Und ich? Bleibe zurück, allein. Enttäuscht? Vielleicht, wenn ich darüber nachdenken würde, aber das tue ich besser gar nicht.
Ich suche nicht das schnelle Abenteuer, ich suche die Liebe meines Lebens! Und wie soll ich sie denn sonst finden?
Und nun sagen Sie mir, dass Markus schlimmen Liebeskummer leidet? Weil ich jetzt mit Daniel zusammen bin? Hallo? Kann er mir das nicht selber sagen? Sie meinen, dass er das schon getan hätte? Wenn Sie davon sprechen, dass er mir neulich in der Disco aufgelauert hat, um mich dann in eine Ecke zu drücken – was meinen Sie, wie viel Angst ich in dem Moment hatte! – dann will ich davon nichts wissen. Wenn er mich liebt, dann müsste er mir das schon anders zeigen, nicht auf solch brutale Tour – und das können Sie ihm bestellen! Was soll ich denn von solch einem Verhalten denken? Dass er mich noch liebt? Wie soll das gehen?
Wie gesagt, ich bin jetzt mit Daniel zusammen, schon eine Woche. Ich glaube, der liebt mich echt. Wir können uns immer nur einen Moment anschauen, und schon müssen wir uns in den Arm nehmen, voll romantisch und so. Lassen Sie mich mit Markus in Ruhe!
*
Was, Sie schon wieder? Ist Ihr Sohn immer noch so liebeskrank? Weil ich noch mal mit ihm geschlafen habe? Ich bitte Sie! Beim ersten Mal hat ihm das doch auch nicht so viel ausgemacht… Was mit Daniel ist? Nichts ist mit Daniel. Stehen gelassen hat er mich! Ganz plötzlich! Ich meine, wir waren schon zwei Monate zusammen, und irgendwas hat sich bei ihm plötzlich verändert, meinte, ich würde ja voll wie eine Klette an ihm hängen, nur weil ich wahnsinnig gerne mit ihm zusammen war… Aber das ist doch normal, dass man seine ganze Freizeit mit seinem Freund verbringen will, oder? Er meinte, ihm würde Luft zum Atmen fehlen und so. So ein Quatsch. Wissen Sie, was ich glaube? Der hat mich nicht wirklich geliebt…
Gut, ich gebe zu, da wollte ich ihm eins auswischen, und Markus kam gerade angedackelt. Sie haben ja Recht, ich hätte das nicht ausnutzen dürfen, dass er mir immer noch nachläuft, und eigentlich hat er mich ja auch eher genervt. Und Daniel hat nicht mal mit der Wimper gezuckt, als er uns hat knutschen sehen…
Aber Markus bedeutet mir nichts. Hören Sie? Das habe ich ihm auch selbst schon gesagt, dass er mir nichts bedeutet! Und jetzt kommt der Vater, um mir noch mal zu sagen, dass sein Sohn mich liebt. Was soll ich denn jetzt von Ihrem Sohn halten? Ist der denn so ein Weichei, dass er nicht für sich selbst sprechen kann?
Was schauen Sie mich denn so komisch an? Lassen Sie meine Hand los! Na hören Sie mal, was glauben Sie denn von mir? Dass ich erst mit dem Sohn vögele und dann mit dem Vater? Nein, nein, da haben Sie aber etwas falsch verstanden! Ich suche keine Abenteuer, ich suche keinen Sex, auch wenn ich schon mit vielen Männern geschlafen habe, ich suche die Liebe…
Was, Sie auch? Sie sind doch wohl verheiratet, ach nicht mehr? Das wusste ich nicht… mit Ihnen etwas trinken gehen? Versprechen Sie mir, dass Sie mich denn in Ruhe lassen? Gut! Nichts soll passieren, was ich nicht selbst will, Ehrenwort? Gut. Dann gehen wir etwas trinken. Aber, bitte: Kein Wort mehr über Markus, o.k.?


Kommentar von Angela Barotti

Hier tut sich für mich ein neuer Charakterzug deiner Prota auf: naiv und bindungsunfähig. Bisher hätte ich Verständnis für ihr Handeln (Trennung nach der Hochzeit). Nun möchte ich sie schütteln und sie vor sich selbst beschützen. Wie du siehst, weckt dieser Text bei mir als Leser mehr Emotionen als die bisherigen. Und ein Autor, der bei mir Gefühle auszulösen vermag, bekommt ein dickes Lob.

Eingetragen am: 30.07.2009

Kommentar von Charis

Hallo Erwina, bin ja neugierig, ob er wirklich nicht mehr über Markus geredet hat. Du hast den beiläufigen Gesprächsstil gut durchgezogen und dabei ein Bild einer Frau gezeichnet, die gar nicht erkennt, was ihre wirkliche Sehnsucht ist. Obwohl sie sich selbst ja nicht beschreibt, hatte ich dennoch ein Bild von ihr. Hat Spaß gemacht, diesen Text zu lesen. Gruß Charis

Eingetragen am: 27.07.2009

Eingetragen am: 26.07.2009 von Babs
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2526

Nulldiät
Ti ding ti ding ti ding
Keine Ideen, keine Worte – nur ein blinkender Cursor auf meinem Bildschirm.
Keine Buchstabensuppe, kein Wortsalat. Eine besondere Nulldiät. Wer sich mit dem Schreiben von Texten und Gedichten befasst, kennt diese Diät. Manchmal dauert sie länger, ein anderes Mal werden die Gedanken und Ideen schnell rückfällig. Nichts. Nada de nada. Niente. Der Cursor blinkt auffordernd, fast frech.
Ti ding ti ding ti ding
Stur bleibt er in seiner Startposition, bereit, sich jederzeit in Bewegung zu setzen. Schon nach kurzer Zeit blinkt er bereits in meinem Hirn.
Ti ding ti ding ti ding Schreib doch schreib doch schreib doch
Aber, ich bin „auf Diät“, sozusagen.
Nicht, dass in meinem Hirn gähnende Leere vorherrschen würde. Im Gegenteil.
Mein Gedankenstrom scheint überzulaufen. Mein Speicher ist überfüllt.
Trotzdem will mir das richtige Wort aus meinem Wortsammelsurium nicht einfallen. Keines, das es verdient hätte, den Cursor von seinem Platz zu verdrängen
Ti ding ti ding ti ding Fang an fang an fang an
Nulldiät.
Bisher war ich der Meinung, dass dieser Begriff ausschließlich den Verzicht auf Nahrung beschreibt. In diesem Fall ist die Einhaltung einer Nulldiät zumindest zeitweise von Erfolg gekrönt.
Ti ding ti ding ti ding Schau mal schau mal schau mal
Mein Cursor hat seine Startposition verlassen und ist um ein paar Zeilen nach unten gewandert.
Über ihm stehen nun Worte.
Nulldiät
Ti ding ti ding ti ding
Keine Ideen, keine Worte – nur ein blinkender Cursor auf meinem Bildschirm.


Kommentar von Hadassa

Hallo Babs, mir ist es auch schon häufig so ergangen wie Du es in Deinem Text geschildert hast. Jetzt weiß ich, wie ich dieses Stadium ab sofort nennen werde: Nulldiät... Danke für den Text und den Hinweis. liebe Grüße, Hadassa

Eingetragen am: 27.07.2009

Eingetragen am: 26.07.2009 von Ro McGer
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2510

Mein Heißhunger ist schon immer auf eine Weltreise gerichtet. Nicht sehr realistisch, denn als Arbeitsloser ohne heimlichen Einkommen kann ich mir in der größten Hauptstadt nicht einmal eine Fahrkarte im Öffentlichen Verkehr leisten. Aber kein Problem. Dank der Zeit in der Ex-DDR und fehlender Beziehungen besitzt man ja Jahrzehnte lange Erfahrung, derartigen Heißhunger zu unterdrücken. Aber will man denn noch etwas besuchen, wenn man sich schon alles abgewöhnt hat? Die reichliche Werbung, die mir an allen Ecken und Enden einredet, dass ich bei Nutzung ihres Angebots erhebliches einsparen könnte, hilft ja auch nicht wirklich weiter. Wo sollte ich etwas einsparen, wenn die nicht genannten teure Variante außerhalb meiner Zahlungsfähigkeit liegt? Und inhaltlich will mich niemand von denen wirklich beraten. Da kommen ja die sieben neuen Welt einschließlich der Pyramiden als das „Ewige Weltwunder“ gerade recht. Zwar distanzierte sich die UNESCO als offizielle Hüterin des Weltkulturerbes von der als „private Kampagne“ ohne wissenschaftliche Kriterien bezeichneten Wahl, aber sie existiert nun einmal.

Das Kolosseum ist ja von der Entfernung her noch am günstigen zu erreichen. Rational betrachtet ist es heute nur noch eine Ruine. Um noch halbwegs ansehnliche Bilder zu erzeugen, sind wohl nur noch Aufnahmen aus der Entfernung möglich. Die üblichen Postkartenansichten kommen ohne Vorder- und Hintergrund aus. Gut machen sich in solchen Fällen das scharf abgebildete Gebäude mit irgend etwas unscharf umrahmenden als Vordergrund. Rom ist noch nicht der richtige Heißhunger. Die ewige Stadt erinnert etwas an die Provinz und die Hauptstadt. Damals im Jahre sieben der neuen, der Christlichen Zeitrechnung wollten die Römer den Germanen etwas von ihrem Ordnungssinn beibringen. Das ging damals daneben. Die Germanen haben in ihrer Tolpatschigkeit so mal nebenbei drei Römische Legionen im Teuteburger Wald kaputt gemacht. Deren Waffen haben sie sich genommen und den Rest liegen gelassen. Die ordnungsliebenden Römer sind dann ein paar Jahre später wiedergekommen und hatten aufgeräumt. Kein Wunder, dass man bis heute nicht weiß, wo die Schlacht wirklich geschlagen worden war. Das mit dem Ordentlichkeit haben die Römer wohl in der Zwischenzeit aufgegeben und auch das Kolosseum nicht mehr repariert. Deshalb konnte ich mich bisher auch noch nicht zu einem Tagesausflug aufraffen.

Vom Kolosseum würde ich dann einen größeren Sprung zur Chinesischen Mauer machen. Sie ist zwar auch noch nicht der ununterdrückbare Heishunger, aber dafür die größte Mauer. Sie ist aus dem Weltall zu sehen. Das, was die Ex-DDR damals gebaut hatte, war ja im Vergleich zu ihr nur ein Mäuerchen. Die Größe hat der Chinesischen Mauer aber auch nicht geholfen, auch sie wurde überwunden. Deren Reste existieren heute nur noch für die Touristen. Im Gegensatz zu einer bestimmten anderen Nation stehen die Chinesen zu ihrer Vergangenheit, zu der eben auch diese Grenzbefestigung gehört.

Nun das Große Wasser überquert und ich stehe vor dem Christo Redentor. Damit erweiterte sich der Heißhunger wieder etwas. Aber eben wieder nur ein ganz kleines bisschen. Man fährt mit der speziellen Bahn bis zum Sockel hinauf und stellt sich auf den Platz des professionellen Fotografen, wenn er gerade ein Bild für einen Kunden ausdruckt. Und schon kann man ebenfalls ein Profi-Bild herumzeigen. Natürlich würde ich auch ein paar Risiken eingehen. Eine andere Beleuchtung, etwas Vordergrund, aber das sind wie schon gesagt, Risiken. Im Sockel existiert auch noch eine kleine Kapelle, aber bei meinem Glück wird die gerade abgeschlossen sein. Niemand ist perfekt, weder dieser Jesus noch ich.

Eigentlich nur ein Grabmal für eine geliebte Ehefrau in Auftrag geben von einem, der offenbar über kaum begrenzte Geldmittel verfügte, wurde Taj Mahal aus verschiedenen Vorbildern zusammengesetzt, wirkt aber „wie aus einem Stück“ gegossen. Aber auch hier kommt mein Heißhunger wieder etwas zu spät. Wesentliche Teile wurden dem neugierigen Touristen verschlossen. Aber auch die Gesamterscheinung existiert in ihrer Komplexität auf der Welt kaum ein zweites Mal. Der Fotograf kann sich hier entspannt zurück lehnen. Wie an nur sehr wenigen antiken Bauwerken wurden die „stürzenden Linien“ auch hier bereits im Konzept korrigiert. Die Minarette stehen etwas nach außen geneigt und wirken damit auf dem Foto „korrekt“ senkrecht. Ganz nebenbei bemerkt, bei einem Erdbeben fallen sie deshalb auch nach außen und würden den Kern des Komplexes nicht beschädigen.

Eine ca. 120 km östlich von Mérida befindliche Ruinenstätte auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán würde auf Deutsch „Am Mund des Brunnens der Itzá“ heißen. Bekannter ist sie aber unter „Chichen Itza“ Am Brunnen kann man seinen Durst stillen, der Heißhunger, besonders der symbolische, steigert sich weiter. Chichén Itzá wurde vom Volk der Maya gegründet. Die Tempelstadt mit war um die Wasserversorgung herum errichtet worden. Bewohnt wurde die Hauptstadt eines Maya-Reiches aber nur von Priestern und Regierungsfunktionsträgern. Die in der Umgebung Ackerbau betreibenden Bauern hausten um die Anlage herum in Stroh- und Lehmhütten. Aber das kennen wir ja auch aus dem europäischen Mittelalter.

Heute ist Machu Picchu eine der größten Touristenattraktionen in Südamerika mit täglich etwa 2.000 Besuchern. Um das Kulturerbe nicht zu gefährden, sähe die UNESCO gern eine Reduktion auf 40%. Diese auf einer Bergspitze der Anden gut erhaltene Ruinenstadt der Inka wurde schon mehrmals gefunden und ging auch genau oft verloren. Solch eine historische Entwicklung bringt natürlich meinen Heißhunger in die Nähe der Grenze zum Kochen.

Die scheinbar verlassene Felsenstadt Petra im heutigen Jordanien war in der Antike die Hauptstadt des Reiches der Nabatäer. Wegen ihrer nur noch existierenden Grabtempel und deren direkt aus dem anstehenden Fels gemeißelten Monumentalfassaden, gilt sie als einzigartiges Kulturdenkmal. Die fehlende Sicherheit für Touristen steht dabei im umgekehrten Verhältnis zu meinem fast grenzenlosen Heißhunger, diese Stätte einmal mit eigenen Augen zu sehen und mit dem eigenen Fotoapparat für die Nachwelt in den Speicherchip zu bannen. Vor über 20 Jahren wurde Petra in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Das war offensichtlich nicht genug, um der historischen Bedeutung und der heutigen Bedrohung gerecht zu werden.

Die Pyramiden von Gizeh stehen als antike Weltwunder etwas über den übrigen. Kairo weitet sich immer weiter aus, bald werden die Pyramiden irgendwie in der Innenstadt stehen. Sie sind so alt, dass niemand mehr erzählen kann, wie sie technisch errichtet wurden. Und organisatorisch entwickelte sich damals eine Meisterleistung, die Ägypten zu der Größe entstehen lies, die es zwischendurch mal hatte. Auf jeden an den manuellen Bauarbeiten Tätigen kamen noch 10 Mitmenschen im Hintergrund, die für die Verpflegung, die Materialversorgung sowie die übrigen notwendigen Verrichtungen sorgten. Mit diesem gut funktionierenden beamtenähnlichen Apparat war es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch das restliche Ägypten aufblühte. Mein fast auf dem Höhepunkt angekommener Heißhunger verzehrt sich nicht nur von den heute recht heruntergekommenen Steinhaufen sondern auch von der Frage, warum konnten die organisatorischen Fähigkeiten derart in Vergessenheit geraten. Waren doch die Außerirdischen daran Schuld?

Beenden möchte ich die Spur meines Heißhungers in Angkor Wat, dem größten Tempelkomplex der Welt der auch erst vor hundert Jahren wieder entdeckt wurde. Heißer kann mein Hunger nicht werden, nur die Vernunft bremst ihn. Ich werde diese Reise niemals in der Realität erleben. Sonst müsste ich mir eine besondere Auslandskrankenkasse mit umfassenden Leistungen einschließlich der qualifizierten medizinischen Rückholung heim ins Reich um jeden Preis bemühen. Als Fotograf sucht man sich auch schon mal rechts oder links abseits des Weg einen Standort, um ein paar besonders unübliche Fotos zu schießen. Dort könnte einem ein solcher Fehltritt im wörtlichsten Sinne die Beine wegreißen. Trotz aller Landmienen-Verbote und der Königlichen Vereine, die sich die Ächtung dieser Objekte auf ihre Karitativen Fahnen geschrieben haben. In einem solchen Falle weiß ich nicht, ob man sich besonders glücklich schätzt, wenn noch ein paar lebende Überreste nach Hause geschickt werden können. Man muss sich ja nicht jedem Heißhunger hingeben. Aber wie heißt es so schön? Venedig sehen und sterben. Aber das war wohl nicht so wörtlich gemeint.


Eingetragen am: 26.07.2009 von minnelayde
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2498

Es ist ein fahler Geschmack an diesem heißen Sommermorgen, mit dem ich aufwache. So schal, wie das Erwachen nach einer durchzechten Nacht. Ich fühle mich leer. Es ist unendlich leer in mir, ewige Weiten tun sich auf, endloses Nichts. Und doch fühlt sich dieses Nichts an, wie ein Kerker, ein feuchter kalter, klammer Kerker, ohne Sonnenlicht, nur modrige Luft, von irgendwo her ein kalter Hauch, ohne eine Ahnung wo es nach Draußen geht, ob es überhaupt einen Weg nach Draußen gibt. Ich will hier raus. Ich muss hier raus. Es erstickt mich, umgreift mich mit eisigen Klauen, würgt meinen Hals mit Unerbittlichkeit, lässt mich kaum mehr Atmen. Ich will die Sonne sehen. Ihre Wärme am Morgen spüren, die Hitze am Mittag und den warmen Wind am Abend. Ich muss das Meer sehen, den heißen Sand am Strand an meinen Füssen fühlen, das kühle salzige Meer, wie es sich um meine Knöchel schlängelt und an meinen Zehen leckt. Ich will mich im heißen Sand wälzen, im Meer mit den Fischen schwimmen und die Freiheit auf dem Meer fühlen, wenn der Wind an meinen Haaren zerrt und die Salzluft meine Haut küsst. Ich möchte davon laufen, einmal um die Welt. Die höchsten Berge erklimmen und in ihren Tälern ruhen. Ich will das Grün unserer Wälder in mich einatmen und in kalte Seen meine Freiheit hauchen. Ich will es alles erleben. laufen ohne nach hinten zu sehen, schwimmen, bis ich mit dem Horizont verschmelze, fliegen wohin es mich trägt. Ich spüre den Schmerz in mir. Ich bin wie gelähmt. Gefesselt an diesen Raum, an diese Zeit. Ich will die Fesseln sprengen, die Fäden durchtrennen, die ich um mich gewickelt habe. Ich suche nach Licht in diesem Kerker. Ich halte einen kleinen Kerzenstummel in der Hand und ein paar letzte Streichhölzer. Noch ist es nicht zu spät. Ich folge dem kalten Hauch, der mich nach Draußen führen soll. Die Kerze flackert, wirft bedrohliche Schatten an die Wand. Es ist Angst, die mich begleitet, sie hat sich mir schon lange an die Fersen geheftet. Langsam hüllt sie mich eisig ein, meine Beine werden schwer, und meine Zweifel wachsen zu Riesen, die sich mir in den Weg stellen. Sie sind alle wieder da, die Ängste, Vorwürfe und Verbote. Wie Bleigewichte lassen sie meine Schritte schwerfällig werden. Alles dreht sich, ich habe die Orientierung verloren. Was ist richtig? Wohin geht es? Ist das der Weg nach Draußen oder führt er nur noch tiefer in das eisige Labyrinth? Habe ich überhaupt ein Recht darauf glücklich zu sein? Ja, das ist es ich will einfach nur glücklich sein. Ich habe einen unstillbaren Hunger nach Glück, nach Liebe und nach Freiheit. Mir dürstet nach Leben, dem wahren Leben. Das Leben, das man nur hat, wenn man es zulässt, wenn man den Mut hat zu Leben. Wir haben alle nur dieses Leben jetzt. Jetzt! Das ist es. Es gibt nur „jetzt“. In diesem Augenblick will ich es alles haben, den Heißhunger nach Leben stillen, nach erleben, nach Freiheit. Ich rase die Gänge entlang, die feuchten Mauern sind mir Wegweiser, die Angst habe ich vergessen, sie muss wohl ein paar Abzweigungen vorher verloren gegangen sein. Ich renne die Treppen hinauf, die sich wie aus dem Nichts vor mir aufbaut, als würde sie geradewegs auf den höchsten Berg führen. Nichts kann mich mehr halten. Ich renne und vergesse zu denken. Am Ende der Treppe reiße ich mit aller Gewalt die große Holztüre auf – geblendet vom Licht der strahlenden Sonne laufe ich atemlos auf die unendlich scheinende grüne Wiese mit all den herrlichen Blumen, den Schmetterlingen und dem Duft des Sommers. Sprachlos lasse ich mich ins hohe Gras fallen. Müde und glücklich lasse ich den Abend kommen und zähle die Sterne der Nacht. Bis der neue Morgen mich weckt. Ich gehe mit ihm fort, wohin er mich führt. Immer der Seele nach. Bis sie zu sich gefunden hat und Hunger und Durst nur noch ein Traum aus längst vergangenen Nächten geworden ist.


Eingetragen am: 26.07.2009 von Manfred Pe.
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2495

„Sag ‚mal, kennst Du das, auf etwas total hungrig sein?“

Wieder so eine Frage aus dem Nichts, plötzlich auf mich niederprasselnd, während ich zum dritten Mal die gleiche Seite eines Buches über die Geschichte Münchens versuchte zu verstehen. Hans ist wirklich mein bester Freund, aber er neigt dazu, immer zu glauben, jetzt sofort müsste sich alles um ihn drehen, und er fragt so gerne zur falschen Zeit.

„Ja Hans, verstehe ich, mir geht es öfters so. Oft bekomme ich einen Heißhunger auf Schokolade oder eben irgendetwas Süßem. Jetzt im Moment, nachdem wir gerade unser Mittagessen hinter uns haben, muss ich gestehen, dass ich mich einfach nur satt und dick fühle.“

„Franz, so meine ich das nicht. Natürlich denken die meisten Menschen bei dem Wort Hunger zuerst an Essen, bei Durst an Trinken, ich meine aber etwas anderes. Und ist Dir schon einmal aufgefallen, dass das Wort Hunger oft unmittelbar damit zusammenhängt, etwas satt zu haben?“

Damit war klar, dass Franz auf eine längere Diskussion des Themas Hunger aus war. Also, immerhin habe ich ja die Stadtgründung hinter mich gebracht, deshalb schloss ich das Buch, legte es zur Seite und widmete mich voll und ganz Hans, in der Hoffnung, damit das Thema schneller beenden zu können.

„Wie soll ich das verstehen, man ist hungrig, weil man etwas satt hat?“

„Genau, und das findest Du im Großen wie im Kleinen. Z.B. viele schreiben Bekanntschaftsannoncen, weil sie die Einsamkeit satt haben und hungrig nach Zuneigung und Liebe sind. Oder im Großen, wie viele hatten vor 1945 den Krieg satt und waren hungrig nach Frieden, Ruhe. Siehst Du wie das zusammenhängt? Auch beim Essen. Viele haben die ewigen Pizzen satt und sind hungrig nach einem richtigen Drei-Gänge-Menue. Das lässt sich beliebig fortführen.“

„So gesehen kann ich Dir nicht wirklich widersprechen. Aber im Allgemeinen denkt man bei „ich habe Hunger“ doch eher an Schweinebraten mit Knödel, einen schönen Schokoladenpudding und weniger an Philosophie oder weltbewegende Gedanken.“

Ich hätte es wissen müssen, so schnell gibt sich Hans nicht geschlagen. Für ihn ist die Welt auf ewig zu erforschen, nie wird es ein Ende geben. Deswegen ist er ständig am nachdenken, überlegen, will diskutieren, ist hungrig nach neuen Erkenntnissen. Habe ich eben „hungrig“ gedacht, habe ich damit Hans recht gegeben. Aber wenn seine Ansicht stimmt, dann müsste er gleichzeitig gegenüber etwas „satt“ sein. Und ja, er ist sicherlich satt, nicht alles zu wissen, er hat es satt, wenn viele Menschen einfach so vor sich hinleben. Er ist es satt, jeden Tag den seelischen und moralischen Exhibitionismus im Fernsehen zu verfolgen, die massenweise verbreitete Dummheit. Ja, das kann ich nachempfinden. Und noch viel mehr.

„Franz, was heißt hier „im Allgemeinen“. Wollen wir uns immer im Allgemeinen aufhalten, wollen wir nicht endlich zu etwas Besonderem gelangen, wollen wir nicht gemeinsam erforschen, wonach wir hungrig sind, weil wir vieles satt haben, von vielem übersättigt sind?“

Je länger Hans darüber sprach, desto mehr reizte mich der Gedanke. Noch nie hatte ich darüber nachgedacht, dass der Hunger auf etwas tatsächlich oft daraus resultiert, dass ich etwas satt habe. Zwei Begriffe, die sich eigentlich entgegenstehen, ergeben zusammen einen Sinn.

„Dann lass uns einmal eine Liste der Dinge aufstellen, deren wir satt sind und deshalb wir auf etwas hungrig sind.“

Kaum ausgesprochen, hatte Hans schon ein leeres Blatt Papier vor sich und fing an.

„Zuerst die Dinge die wir satt haben. Ich fange an:
ich habe es satt,
jeden Tag aufstehen zu müssen und in meine öde Firma fahren zu müssen
jeden Tag in den Nachrichten die gleichen Forderungen wie seit mindestens dreißig Jahren zu hören wie „Bildung, Bildung, Bildung“ – und getan wird doch nichts
mit Menschen zusammen sein zu müssen, deren geistiger Horizont nur bis zur nächsten Talk-Show reicht, aber bitte keine Politik.“

„Moment“, schob ich ein, „meinst Du damit mich, schließlich wohnen wir schon einige Zeit zusammen. Also wirklich, wenn Du jetzt damit anfängst, dann habe ich es satt,
ständig von Dir kritisiert zu werden,
dass Du mich ständig verändern willst,
dass Du immer zum unpassenden Moment Diskussionen anfangen willst, so wie jetzt, als ich in meinem Buch weiterlesen wollte, Du aber wieder mit einer tief soziologischen, psychologischen Frage und wie immer Du es bezeichnen willst, beginnst,
ich habe es satt, dass…“

„Stopp, Stopp – Franz, Du warst damit nicht gemeint, ich dachte mehr an meine lieben Arbeitskollegen, aber wie auch immer, die wenigen Punkte reichen schon aus. Lass uns jetzt niederschreiben, ob daraus ein Hunger nach etwas entsteht, dann können wir mit der Liste weitermachen.“

Nicht so ganz davon überzeugt, nicht gemeint zu sein, begann ich mit den Antworten.

„Also, wenn Du es satt hast, jeden Tag aufstehen zu müssen und in Deine öde Firma fahren zu müssen, dann bist Du entweder hungrig nach Faulsein oder hungrig nach Sinn, Authenzität in Deinem Berufsleben.“

„Stimmt, jedenfalls der zweite Teil. Denn wenn ich eine richtige Arbeit hätte, ich meine, eine, die mich ausfüllt, dann fiele mir das Aufstehen auch nicht so schwer.“

Hans strahlte, da er zu sehen glaubte, dass ich auf das Thema aufgesprungen war.

„Lass uns noch kurz bei dem ersten Punkt bleiben. Wenn ich weiß, was ich satt habe, wenn ich weiß, nach was ich hungrig bin, was fehlt dann noch?“

„Der Weg dazwischen, das erste ist sozusagen die Analyse der Ist-Situation, dann definiere ich das Ziel, von dem ich vollkommen überzeugt bin. Habe ich das Ziel definiert finde ich einen Weg, um dieses Ziel zu erreichen.“

„Richtig, Franz, aber fehlt denn nicht noch etwas?“

„Hmm“ – ehrlich gesprochen, war ich jetzt überfordert, denn wenn ich analysiert habe, dass ein gegenwärtiger Zustand mir nicht behagt, ich vollkommen überzeugt bin, wohin ich will und wenn ich die Schritte, die mich dazu führen ebenfalls weiß, was könnte da noch fehlen?

Hans sah mein nachdenkliches Gesicht, sah auch, dass ich nicht so Recht wusste, auf was er hinauswollte.

„Sieh Franz, in unserem Beispiel. Ich habe eine Arbeit, die mir nicht gefällt, ich habe Kollegen, die ich nicht mag und die mich nicht mögen. Kurz gesagt, ich hasse die Firma. Und nun bekomme ich ein Angebot von einer Firma, die einfach traumhaft ist, lerne die Kollegen kennen und wir verstehen uns auf Anhieb. Das ganze hat nur einen kleinen Haken, die Firma ist tausend Kilometer entfernt, das heißt, ich muss umziehen, muss die vertraute Umgebung verlassen, meine Freunde verlieren. Also, um das Ziel zu erreichen, muss ich was zahlen, einen Preis. Also stellt sich mich welche Frage?“

„Bin ich bereit, den Preis zu zahlen.“

„Richtig Franz und dann kann es durchaus vorkommen, dass ich abwäge und feststelle, dass der Preis zu hoch ist. Vielleicht überdenke ich meine gegenwärtige Situation dann neu und stelle fest, dass ein Großteil der Probleme bei mir liegt. Vielleicht bin in der Vergangenheit zu wenig auf meine Kollegen zugegangen, habe mich zu wenig in der Firma engagiert, zu wenig auf notwendige Veränderungen gedrängt, habe mich einfach im meine Schmuddelecke verzogen, statt aktiv zu werden um die Situation zu verändern. Das ist auch ein Preis. Somit habe ich jetzt zwei Preise vorliegen und muss entscheiden, welchen Preis ich zahlen will. Will ich keinen zahlen, dann muss ich aber mit meinem hungrig sein nach Veränderung stillsein und mich mit dem gegenwärtigen Zustand begnügen.“

„Hans, so betrachtet hast Du recht. Wie oft sagen Menschen, sie sind es satt allein zu sein, sie sind hungrig nach Liebe. Wenn sie aber einen Menschen kennenlernen, dann sind sie nicht bereit, einen Preis dafür zu bezahlen. Entweder wollen sie ihre Freiheiten vollkommen behalten, keine Kompromisse eingehen, den anderen Menschen verändern, was auch immer.“

„Ja Franz, und was das schöne daran ist, auch beim sprichwörtlichen Hunger lässt sich dies abbilden. Wenn jemand Hunger hat, muss er etwas dafür tun, um diesen zu stillen. Also einen Preis zahlen. Will ich ein schönes Drei-Gänge-Menue, dann muss ich entweder Einkaufen, Kochen, Abspülen, der Preis ist also Arbeit und Geld. Will ich dies nicht, dann muss ich in ein Restaurant gehen, da muss ich auch Geld geben, sogar mehr, aber ich habe keine zusätzliche Arbeit. In beiden Fällen muss ich mich auch von meinem Sofa wegbewegen. Will ich das nicht, dann lasse ich mir eine Pizza kommen, also nur Geld, den Weg vom Sofa zur Tür ist allerdings noch vorhanden. Doch damit habe ich nicht mein Drei-Gänge-Menue. Will ich gar keinen dieser Preise zahlen, dann muss ich mich für das Verhungern entscheiden, und selbst das kostet etwas, das Leben.“

Abgesehen, dass mir dies nun doch etwas zu philosophisch wurde, fand ich die Schlussfolgerungen doch faszinierend. Wie oft hat man etwas satt, wie oft ist man hungrig nach etwas, wie oft erreicht man dies nicht, weil man nicht bereit ist, den Preis dafür zu bezahlen.

Und wie steht es bei Ihnen, nach was sind sie hungrig weil sie etwas satt haben? Welchen Preis sind sie bereit, dafür zu bezahlen?


Eingetragen am: 25.07.2009 von Max
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2474

Warum sollte ich den Fernseher ausschalten?
Ich suche nichts.
Vielleicht gefällt mir
Der unverständliche Lärm, warum nicht?


Es ist langweilig,
Tag für Tag
im gleichen Trott
auf der selben Schiene
weiter zu rollen.


Ich brauche die Stille nicht.
Woran sollte ich noch denken?
Alle weg.
Ich habe keinen Hunger mehr.


Kommentar von Iris H.

Hallo Max! Kann es sein, dass er VORSICHTSHALBER keinen Hunger mehr hat? Weil er, wenn er den Hunger zulassen würde, auch an etwas denken müsste, das seinen Hunger stillen könnte? Und dass dieses Etwas unerreichbar ist? --- Ich finde deinen Text sehr gut und traurig. LG Iris

Eingetragen am: 26.07.2009

Kommentar von Max

HALLO Putzi, hallo Leanda, es geht nicht um mich, sondern um eine fiktive Person, die hier vor dem TV hängenbleibt. Eure Reaktion zeigt mir aber, dass die Botschaft angekommen ist. Stellvertretend für den Prota bedanke ich mich für das Mitgefühl.

Eingetragen am: 26.07.2009

Kommentar von Angela Barotti

Viel Interpretationsspielraum. Das gefällt mir. Ich sehe einen Rentner vor mir, der bereits morgens vor dem Fernseher sitzt. Er wird von seiner Frau aufgefordert das Gerät auszuschalten. Das will er nicht, denn dann müsste er sich seiner trostlosen Realität stellen. Und noch schlimmer – Konversation mit seiner Frau führen. Mir ihr verbinden ihn jedoch nichts mehr. Er trauert denjenigen hinterher, die nicht mehr da sind (alle weg). Das können entweder die Kinder sein, die aus dem Haus sind, oder bereits verstorbene Freunde. Oder beides.

Eingetragen am: 26.07.2009

Kommentar von Leanda

Lieber Mäxe! O Schreck, Du hast keinen Hunger mehr. Aber gerade der HUNGER ist ja der KRAFTSTOFF unseres Lebens! Ohne Hunger gibt es auch keine Kreativität. Zuallererst: Schalte mal den Fernseher aus! Dann: Wechsle das Geleise und der Hunger stellt sich von selbst ein. Alles Gute wünscht Dir Leanda

Eingetragen am: 26.07.2009

Kommentar von putzi

Grüß Dich Max. Ich glaube kein Wort von dem, was Du geschrieben hast! Wenn Du wirklich keine Energie mehr hättest, Deinen Gedanken Flügel zu geben und dem Alltagstrott zu entfliehen, dann wärst Du nicht Mitglied unserer kleinen Schreibgruppe. Viele Grüße, putzi

Eingetragen am: 25.07.2009

Eingetragen am: 25.07.2009 von Angela Barotti
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2471

Schließt nahtlos an #2352 an.

Die Tränen liefen ungebremst an meinen Wangen herunter und tropften auf die Unterlagen, die auf meinem Schreibtisch lagen. Die Erwähnung meines Vaters war zuviel für mich. Mein Leben lang hatte ich mich danach gesehnt, seine Anerkennung zu erringen, ihm den Sohn zu ersetzen, ein anerkennendes Lächeln von ihm zu erhalten.
Ich hatte auf Vaters Wunsch hin Betriebswirtschaft studiert, um einmal die Firma zu übernehmen, obwohl ich viel lieber eine künstlerische Laufbahn eingeschlagen hätte. Doch Schauspielerei und Literatur erlaubte ich mir nur als Hobby, da dieses in den Augen meines Vaters keine ehrbaren Berufe waren. Trotz meines Entgegenkommens hatte er stets etwas an mir auszusetzen gehabt.
Auch an Thomas hatte er kein gutes Haar gelassen. Einen Lebemann, einen Schmarotzer hatte er ihn genannt. Und damit gedroht, mich zu enterben, wenn ich diesen Mann heiraten würde. Dann war Vater überraschend gestorben. Herzschlag.
Ein Vierteljahr später heiratete ich Thomas. In der Firma wurde viel getuschelt deswegen. Es sei pietätlos, so kurz nach diesem Trauerfall zu heiraten, wurde mir durch Vaters ehemaligen Sekretärin, die nun meine Sekretärin war, zugetragen. Überhaupt sorgte sie dafür, dass ich auch ein Jahr nach dem Tod meines Vaters immer noch das Gefühl hatte, die von ihm angesetzte Messlatte nicht erreichen zu können. „Wenn Ihr Vater Sie so sehen würde! Er wäre nicht zufrieden“, war eines ihrer Lieblingssprüche, um mich daran zu erinnern, dass ich vom vorgegebenen Weg abwich. Oder von dem, was sie für den vorgegebenen Weg hielt.
Ich hatte mich oft gefragt, ob mein Vater und sie …? Zumal meine Mutter bereits seit zehn Jahren tot war. Vater verband gerne das Nützliche mit dem Angenehmen. Was lag näher, als mit der eigenen Sekretärin anzubändeln?
Ärgerlich wischte ich mir die Tränen aus dem Gesicht, schniefte ein letztes Mal. Es wurde Zeit, dass ich mich nicht mehr von der Meinung anderer beeinflussen ließ. Und es wurde Zeit, unliebsame Personalentscheidungen zu treffen.


Kommentar von Iris H.

Liebe Angela, die Reaktion der Sekretärin in #2352 finde ich jetzt nicht mehr ganz so logisch. Wenn sie gegenüber dem Vater der Prota absolut loyal war, müsste sie gegenüber Thomas eher negativ eingestellt sein.(könnte ihn vielleicht sogar verdächtigen?) Ich plädiere dafür, sie in ihrer Position zu belassen. Sie könnte noch eine wertvolle Hilfe werden. Wobei um der Spannung willen natürlich alles erlaubt sein sollte. LG Iris

Eingetragen am: 26.07.2009

Kommentar von Hadassa

Hallo Angela, Du hast einen interessanten Erzählstil und es bleibt faszinierend, wie Du jede neue Aufgabe in Deine Geschichte einbindest. Bei diesem Text fällt es mir allerdings schwer die Protagonistin aus den vorherigen Texten wiederzufinden. Sie kam mir immer als eine energische Chefin vor, die wußte was sie wollte, die einen als Unfall getarntem Überfall entgegentritt und sich nicht aus der Bahn werfen läßt. In diesem Text erscheint sie mir als eine Frau, die im Grunde gar nicht so recht weiß, was sie will. Deine Protagonistin hat also BWL studiert, um in die Firma ihres Vaters einzusteigen. Sie scheint nicht sehr glücklich zu sein, trotzdem bleibt sie dabei, als ihr Vater stirbt, versucht nicht ihr Leben zu ändern - bleibt also die brave Tochter, die über den Tod hinaus den Willen des Vaters erfüllt. Im gleichen Schritt ist sie aber ihm nicht gehorsam, sondern heiratet Thomas und Du erklärst dem Leser, die Sicht des Vaters. Eigentlich hätte ich gerne gewußt, warum die Prota diesen Thomas dennoch geheiratet hat, wenn sie doch sonst immer genau die Wünsche ihres Vaters erfüllte. Die letzten Zeilen deines Textes deuten an, daß es in den nächsten Texten zu Personalentlassungen kommen wird. Reichen Entlassungen aus, daß sich deine Protagonistin ändert? Nochmals, ich finde Deine Texte sehr lesenswert und ich bin auf die Fortsetzungen gespannt. liebe Grüße Hadassa

Eingetragen am: 26.07.2009

Kommentar von Angela Barotti

@Ginko: Vielen Dank für deine umfangreichen Korrekturvorschläge. (Ich schäme mich) Würde nur zu gern behaupten, dass ich alle Fehler selbst gefunden hätte. Wäre aber eine Lüge. Meine Rechtschreibung ist alles andere als perfekt. Und auch die Betriebsblindheit hat wieder voll zugeschlagen. Besonders die „Unterlagen, die auf dem Schreibtisch lagen“ hätte ich ohne dich nie entdeckt. Das gleich gilt für „überhaupt“. Das Wort stand bisher nicht auf meinem No-Go-Index. Werde es jedoch dort aufnehmen. Nur die „ungebremsten Tränen“ werde ich nicht ändern, denn das Bremsen kann sowohl per Hand wie auch per Taschentuch erfolgen. Ungebremst bedeutet also „laufen lassen“. @Putzi: Psssssssst! Du kannst doch nicht einen Teil des Schlusses verraten. Das Ausscheiden aus der Firma und das Einschlagen einer künstlerischen Laufbahn sind Teile des Happyends. @Audrey81 und Maren: Danke fürs Lob. Ich bin jedoch alles andere als zufrieden mit diesem Text, denn ich finde Rückblenden doof. Aktive Handlungen und Dialoge liegen mir mehr. Doch mir ist nichts eingefallen, wie ich den überraschenden Herztod des Vaters hätte unterbringen können. Ich hoffe, der Leser ist misstrauisch genug und verdächtigt Thomas, etwas nachgeholfen zu haben.

Eingetragen am: 26.07.2009

Kommentar von Ginko

Liebe Angela, Du lässt die weinende Neuchefin alles denken, was die Leser wissen müssen, um anschließende Handlungen begründet zu finden. An einigen Stellen bin ich hängen geblieben: "ungebremste" Tränen: Was für Bremsen könnte ein Gesicht bieten? "Unterlagen, die lagen" : die Papiere auf meinem Schreibtisch! "auf Vaters Wunsch hin": ohne "hin"! "da dieses" = Einzahl, "keine ehrbaren Berufe" = Mehrzahl. "Trotz meines Entgegenkommens": war es nicht vielmehr Folgsamkeit? "durch Vaters ehemaligen Sekretärin" : ehemaligen ist überflüssig, zumindest das n! "Überhaupt" hat überhaupt keine Bedeutung! "eines ihrer Lieblingssprüche": einer! Auf all diese Häkchen wärst Du selbst noch gekommen, dann hätte ich nichts zu meckern gehabt. Tempotuch gefällig? Ginko.

Eingetragen am: 26.07.2009

Kommentar von Audrey81

Hallo Angela, super Fortsetzung! Deine Art zu schreiben, gefällt mir sehr gut. Bin jetzt schon gespannt auf mehr. Liebe Grüße, Audrey

Eingetragen am: 25.07.2009

Kommentar von Maren

Liebe Angela, Gratulation, wenn du diesen Schritt der "Personalentscheidung" schaffst, bin gespannt wie sich alles entwickelt.VG Maren

Eingetragen am: 25.07.2009

Kommentar von putzi

Bravo, genau die richtige Einsicht. Weg mit der Sekretärin! Wer ist der Boss im Haus? Sie, oder Deine Protagonistin? Jeder versuchte bisher, sich in das Leben Deiner Hauptfigur einzumischen. Dem ein Ende zu bereiten will gelernt sein, doch niemand brachte es ihr bei. Was hindert eigentlich die Firmenchefin daran, einen Prokuristen einzustellen und dann die ersehnte künstlerische Laufbahn einzuschlagen? Kaum ein Mann lässt sich vorschreiben, was er zu tun und zu lassen hat. Bei Frauen klappt das viel leichter. Deine Prota. leidet darunter. Lass das nicht zu, es liegt in Deiner Hand. Beste Wünsche, putzi

Eingetragen am: 25.07.2009

Eingetragen am: 25.07.2009 von Claudia Tyrchan
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2470

Mit den Bedürfnissen seiner Mitmenschen kannte er sich aus. Er sah es den Menschen an, wenn sie Rat und Unterstützung benötigten. Er hörte zu, nahm sie in den Arm, tröstete, und packte an, wenn Hilfe gefragt war. Er erwartete keinen Dank dafür. Er tat es aus dem aufrichtigen Bedürfnis heraus, Gutes zu tun. Für andere da zu sein, tat ihm gut und es bedeutete viel für ihn, wenn es ihm gelang, ein dankbares Lächeln auf ein Gesicht zu zaubern.
Dann fühlte er sich für einen Moment glücklich. Vergaß seine eigene Zerrissenheit und die Sehnsucht, die er in sich trug. Er spürte sie jeden Tag. Erst war es nur ein unbestimmtes Gefühl gewesen. Wie ein leichtes Kribbeln in der Nase, das eine Erkältung ankündigte. Dieses Gefühl hatte ihn verunsichert. Er haderte mit sich und ermahnte sich selbst, zufriedener zu sein mit sich und seinem Leben. Er hatte doch alles. Nach außen hin schien alles perfekt. Sein Leben lief in geordneten Bahnen, Frau und Kinder waren gesund, das Haus bald abbezahlt. Seit einiger Zeit kriselte es in seiner Ehe, aber es war doch normal, dass es nach so langer Zeit nicht immer harmonisch zu ging.
Trotzdem fehlte etwas. Das Gefühl in ihm wurde stärker. Er versuchte, es zu ergründen, dann zu verdrängen. Aber das Gefühl blieb und wurde mächtiger. Er flüchtete sich in Tagträume, die immer nach demselben Muster abliefen. In seiner Vorstellung war er nicht mehr der nette, einfache, unscheinbare Mann. In seiner Phantasie war er eine viel beachtete, wichtige Persönlichkeit! Gut aussehend – natürlich. Umjubelter Spitzensportler, Sprachtalent, Forscher, Lebensretter, Seelenretter. Und er wurde geliebt. Leidenschaftlich, bedingungslos. Um seiner selbst wegen. Entgegen aller Widerstände und Widrigkeiten, die sich ihm und seiner imaginären Partnerin in den Weg stellten.
Wie sehr sehnte er sich danach! Diese Sehnsucht nach Liebe, nach echten, tiefen Gefühlen tat ihm fast körperlich weh und raubte ihm den Schlaf. Er hungerte nach Leidenschaft und Verlangen, nach Bestätigung seiner Attraktivität, nach Mitgefühl und Trost und nach jemandem, der ihn in den Arm nahm und festhielt.
Und er war froh, wenn er wieder gebraucht wurde, wenn man ihn nach Rat fragte und die Bedürfnisse der anderen ihn von seinen eigenen ablenkten.


Kommentar von Hadassa

Hallo Claudia, ein nachdenklich machender und gut geschriebener Text. Die Banalitäten des Alltags können einen so fertig machen, daß man sich fragt, ob das wirklich alles ist, was das Leben für einen bereit hält. Danke für den Text. liebe Grüße Hadassa

Eingetragen am: 26.07.2009

Kommentar von Angela Barotti

Der Wunsch nach Beachtung und der Wunsch, sich von der Masse abzuheben, sind die Triebfedern, weshalb sich Menschen in Nachmittags-Talk-Shows zu Deppen machen. Davon ist dein Prota zum Glück weit entfernt. Er tagträumt vor sich hin. Ist der Held mit imaginärer Helden-Partnerin (Angelina Jolie?). Flüchtet so aus einer Ehe, in der Leidenschaft und Verlangen durch den Alltagstrott verdrängt wurden. Doch warum wartet er auf Impulse von außen? Was ist er selbst bereit, für die Verbesserung seiner Ehe und seiner Lebensqualität zu tun? So lange er passiv bleibt, was seine eigenen Wünsche angeht, so lange dürfen sich andere darüber freuen, dass er weiterhin als Ersatzhandlung deren Bedürfnisse befriedigt. Für Außenstehende besteht daher kein Grund ihm zu helfen. Sie würden sich ins eigene Fleisch schneiden./Deinem Text nehme ich die Sicht des männlichen Protas zu 100 Prozent ab. Er wirkt sehr authentisch.

Eingetragen am: 26.07.2009

Kommentar von Audrey81

Hallo Claudia, ein starker Text, wie ich finde. Ich glauber jeder von uns kennt diese Art von Sehnsucht. Die Sehnsucht nach etwas Außergewöhnlichem, etwas das nicht dem Standard entspricht. Zufrieden zu sein, ist doch schwieriger, als man glaubt. Liebe Grüße, Audrey

Eingetragen am: 25.07.2009

Eingetragen am: 25.07.2009 von Leanda
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2469

Kennt Ihr den Mick? Doch, doch, sicher. Mick! Ein bizarrer Typ mit dem unergründlichen Blick eines hungrigen Krokodils. Schaut euch in eurer Nachbarschaft um. Ihr werdet ihn leicht erkennen. Mick hat im Frühling meine Busenfreundin Albertine geheiratet. Eine kugelrunde, sehr appetitliche junge Frau.
Nachdem ich seit der Hochzeit (zu der ich nicht eingeladen war) nichts mehr von meiner lieben Albertine gehört hatte, versuchte ich mal anzurufen. Mick antwortete. Nein, Albertine sei nicht zu sprechen, sie sei verreist.
Ich liess zwei Wochen vergehen und tippte dann von neuem ihre Nummer. Wieder meldete sich Mick und erklärte kurz angebunden, Albertine sei ausgegangen.
Ich glaubte ihm nicht und polterte eine halbe Stunde später an seine Haustüre. Mick öffnete sie nur eine Handbreit: „Was willst du?“
„Eintreten! Ich will Albertine sehen.“ Schnell steckte ich einen Fuss in den Türspalt, damit er mich nicht aussperren konnte.
Mick schneuzte sich in einen fleckigen Fetzen. „Albertine wohnt nicht mehr hier“.
„Wenn du mich nicht reinlässt, schreie ich so laut, dass die ganze Nachbarschaft aufkreuzt!“, drohte ich.
Mick kapitulierte, ging voraus in die Diele. Nach drei Schritten drehte er sich jäh um und verstellte mir mit ausgebreiteten Armen und gespreizten Beinen den Weg.
Im Haus roch es penetrant nach gebratenem Fleisch. Die pikanten Gewürze konnte ich nicht ausmachen. Das Brutzeln zischte durch die Diele und ich fühlte mich plötzlich sehr unbehaglich. „Wann ist meine Freundin weggegangen? Wo hält sie sich auf? Wann kommt sie nach Hause?“
„Keine Ahnung“, beteuerte Mick gespielt weinerlich, „sie ist eines Tages einfach sang- und klanglos verschwunden, als hätte sie sich in Luft aufgelöst.“
„Hast du bei der Polizei eine Vermisstenanzeige aufgegeben?“
„Glaubst du denn ich sei meschugge?“
Das Gebratene stieg mir nun geradezu ekelerregend in die Nase.
„Schon die Polizei hat mich stundenlang verhört. Jetzt durchlöcherst du mich auch noch mit Fragen!“, jaulte Mick.
Ich insistierte: „Hat sich meine Freundin in letzter Zeit verändert? Zeigte sie Anzeichen einer Depression? Was war die Ursache ihres Verschwindens?“
Der Gestank wurde immer unerträglicher. Mein Magen begann zu kreisen.
Mick leckte sich die Lippen und strahlte, als sei ihm die Erklärung gerade erst eingefallen: „Albertine hat eine Nulldiät gemacht.“


Kommentar von Charis

Hallo Leanda, schließe mich Max an (Depression, etc.). Auch habe ich nicht verstanden, was in den drei Schritten passiert ist, dass Mick doch den Weg verstellt. Noch eine Kleinigkeit (Perspektivwechsel!) Mick beteuert gespielt weinerlich - woher kann das Deine Protagonistin wissen? Ansonsten: Klassetext. Gerade die Fiktion, dass wir Mick auch kennen, lässt die ganze Geschichte noch gruseliger werden. Gruß Charis

Eingetragen am: 27.07.2009

Kommentar von Max

Klasse-gruseliger Text. Super Idee: die Nulldiät. ______Nur ein paar Kleinigkeiten in den Formulierungen stören, z.B. "Das Gebratene [ich hoffe doch, der Geruch] stieg mir nun geradezu ekelerregend in die Nase." - Außerdem denke ich, die Prota würde ihre Fragen anders ausdrücken als "..Zeigte sie Anzeichen einer Depression? Was war die Ursache ihres Verschwindens?“. So würde vielleicht ein Arzt oder Kriminaler reden. Gruß Max

Eingetragen am: 27.07.2009

Kommentar von Iris H.

Er hatte sie wohl "zum Fressen" gern? Klasse Text, liebe Leanda! Das einzige, was ich nicht verstehe, ist, warum sie als angebliche Busenfreundin nicht zur Hochzeit eingeladen war.(Oder gab es gar keine Hochzeit? ...) LG Iris

Eingetragen am: 26.07.2009

Kommentar von Hadassa

Hallo Leander, vorab: Den letzten Satz finde ich große Klasse und auch deine Idee finde ich gut. die Botschaft ist klar, aber irgendwie komme ich mit dem Text nicht zurecht, habe zu viele Fragen. Die Anfangszeilen, in denen du dem Leser oder den Lesern erklärst, daß sie diesen Mick kennen, verwirrt. Warum kennt der Leser ihn, wieso wohnt er in der Nachbarschaft des Lesers? Ich denke, daß die meisten deiner Leser die Busenfreundin deiner Protagonistin nicht kennen, oder doch? Warum kennen sie dann Mick? Warum wurde deine Protagonistin nicht zur Hochzeit ihrer besten Freundin eingeladen? Und warum ist sie nicht sauer darüber, sondern sucht wiederholt den Kontakt zu ihr? Warum erzählt ihr dieser Mick, daß die Polizei ihn stundenlang verhört hat? Er sagt aber einen Satz vorher, daß er nicht zur Polzei gegangen ist.Und bei allem bleibt die Frage, warum hat Mick Albertine umgebracht? Und noch eine Frage: was meinst du damit, daß das Brutzeln durch die Diele zischte? liebe Grüße, Hadassa

Eingetragen am: 26.07.2009

Kommentar von Angela Barotti

Du könntest noch einen draufsetzen, indem er sie einlädt, das Essen mit ihm zu teilen. Sie könnte ihm als Antwort ihren Mageninhalt entgegen schleudern.

Eingetragen am: 26.07.2009

Kommentar von Audrey81

Hallo Leander, dein Beitrag hat eine eine absolut gruselige Vorstellung in mir ausgelöst. Ich denke das war auch das, was du erreichen wolltest. Es ist dir gelungen! Gut geschrieben! Liebe Grüße, Audrey

Eingetragen am: 25.07.2009

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